Freitag, 15. März 2013

Das Papstmotto oder "schlafen im Lateinunterricht rächt sich irgendwann"

Nun, gestern dachte ich schon, ich hätte es erspäht das neue Papstwappen.
Dann stellte sich aber heraus, es war "nur" das Wappen des Vatikanstaates, und sein (Franziskus) Wappen, darauf müssen wir noch warten.
Worauf wir nicht mehr warten müssen ist das Motto. Per Twitter informiert uns der Herr Ring-Eifel, immerhin der Chefredakteur der KNA, es laute, Miserando atque eligendo. und liefert seine Übersetzung gleich  mit, die da lautet "Durch Erbarmen und Entscheidung".
Das Miserando atque eligendo ist ja das Motto des Kardinals  Bergoglio.
Naja, als ich gestern festestellen musste, dass meine eignen Lateinkenntnisse nicht nur verstaubt, sondern korrodiert sind, habe ich google gefragt und das führte mich auf diverse Seiten amerikanischer Jesuiten (von denen man ja annehmen sollte, dass die es besser wissen, die Schlauen Jungs (SJ)) und anderer  und die meinten es hieße "lowly but yet chosen" also auf Deutsch etwa "gering aber trotzdem erwählt"
Eine Freundin mit frischen Lateinkenntnissen, wies darauf hin das könne nicht sein, miserando sie ein Gerundium , bedeute "sich erbarmend", eben eine Verbform und kein Adverb und somit laute das Motto: sich erbarmend (er)wählte er ihn


Mir fielen dann noch Bruchstücke aus dem Lateinunterricht des Inhalts "Quintus, der getadelt werden muss" und dass, das ein Gerundium sei, ein.
Also kann man somit das "lowly" noch durchgehen lassen, weil ja einer dem sich erbarmt werden muss, einer ist, der eben gering (lowly) ist.
Nun atque heißt "und" daran besteht kein Zweifel, eigentlich heißt es "und sogar"
Nun das letzte Wort des Mottos kommt von eligere und das bedeutet "auwählen" auch "ausjäten". Nun treff ich beim Ausjäten zwar eine Entscheidung, (Veilchen oder Meirisch), aber irgendwie passt die Übersetzung Entscheidung nicht richtig, insbesondere weil es ja ein Verb ist.
Wie google sagt,  bezieht sich das Motto auf die Erwählung des Apostels und (Ex) Zöllners Matthäus und weil die Stelle gar so schön ist, hier nochmal im Wortlaut:
(Matth 9, 10-13)  
Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

Ich hätte nie, nie gedacht, dass  ich mich über meine Faulheit im Lateinunterricht mal echt ärgern würden würde, aber es rächt sich doch alles im Leben. Und es ist ein geringer Trost, dass es auch anderen so geht. 
Vielleicht liege ich ja verkehrt und seh das alles zu rosig, aber mir scheint eine der größten Schwierigkeiten des modernen Menschen zu sein, anzunehmen, dass er erlöst werden muss und zwar ganz brutal am Kreuz.
Dem lieben Gott helfen bei der Rettung der Welt, das tun die Konservativen und Modernisten doch gerne, frei nach dem Motto "Wir sind ja soooo toll und gut, und deshalb helfen wir dem lieben Gott dabei, denen zu helfen, die halt nicht so toll und gut sind, dadurch werden wir ja nur noch besser" Was die logische Folge hat, dass der Abstand zwischen den Guten und den Nichtsoguten erhalten bleibt.
Genau darum geht es aber bei Christus nicht, im Gegenteil.

So hab ich nun das getan, was man nicht tun soll, jemandem (auch wenn es der Papst ist) Gedanken unterstellt, die er vielleicht gar nicht gehabt hat.
Jedoch, wenn es nur etwas in die angedeutete Richtung geht, dann haben wir einen guten, einen sehr guten Paspt.
Wobei für Letzteres ja schon, das langsam einsetzende Geheul und Dreckgewerfe der Medien spricht.

P:S Falls die Info nicht stimmt, und das Motto des Papstes  Franziskus, dann schlussendlich doch anders lautet, ich hab die Twitterinfo des Herrn Ring-Eifel verarbeitet, hier

Tweets

Papstmotto steht fest: Miserando atque eligendo. (Durch Erbarmen und Entscheidung).

Kommentare:

  1. Der Satz stammt aus einer Predigt des Beda Venerabilis.

    Guckstu: http://books.google.de/books?id=cxUOAQAAIAAJ&pg=PA221&dq=Vidit+ergo+Jesus+publicanum,+et+quia+Miserando+atque+eligendo&hl=de&sa=X&ei=5U9DUcHwFYaVswaMw4DoBA&ved=0CC8Q6AEwAA#v=onepage&q=Vidit%20ergo%20Jesus%20publicanum%2C%20et%20quia%20Miserando%20atque%20eligendo&f=false

    AntwortenLöschen
  2. ja, ich hatte gerade eine längeres Gespräch mit einem furchtbar frommen und gebildeten Lateinlehrer und der meinte, die sei echt nicht so einfach zu übersetzten, die Stelle des Beda des Ehrwürdige. Es geht darum das Jesus, "sich ihm erbarmend und sogar ihn erwählend" ihn [Matthäus] sieht.
    Daher sei die Übersetzung "Durch Erbarmen und Erwählung" nicht super verkehrt, aber dadurch geht halt die Tiefe des Lateins verloren

    AntwortenLöschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.