Samstag, 9. März 2013

Warten auf den „Neuen“


Geduld ist eine Tugend, die in diesen Turbo-Zeiten nicht mehr sonderlich hoch im Kurs steht. Die Medien bestimmen den Takt – und das heißt, es müssen News her und wenn es keine gibt, produziert man eben selbst welche.
Die Jagd auf die Kardinäle, die wir hier auf unserem Blog schon in einigen eingebetteten Videos gezeigt haben, ist die eine Seite. Doch die Kardinäle haben einen Eid zur Vertraulichkeit geschworen, also gibt es auch keine Infos, die man dem staunenden Zuschauer/Leser weltexklusiv servieren kann.
5000 gelangweilte Journalisten in Rom, TV-Moderatoren, Nachrichtenredakteure von großen und kleinen Blättchen – sie alle sind dazu angehalten, genau wie wir auf den Schornstein der Sixtinischen Kapelle zu schauen und zu warten, bis der weiße Rauch aufsteigt.
Aber wer will schon warten? Und deshalb treibt dieses Warten die seltsamsten Blüten und wir wundern uns, dass lediglich die aus Presse, Funk und Fernsehen bekannten "echten Wahrsager" noch nicht befragt wurden, wer denn der nächste Papst sein könnte. Das kommt wohl noch, wenn das Konklave länger dauern sollte als gedacht und die Verzweiflung der „Nachrichten-Meute“ immer größer wird.
Derzeit befinden wir uns noch auf der Vorstufe der Wahrsager. In Deutschland orakelte gestern die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer. Mit der Frage an die Deutschen*, wie denn der neue Papst sein sollte, meinten 74% er solle ein „Modernisierer“ sein, 7% wünschten sich einen „Traditionalisten“ und 19% „war es egal“. Da können wir ja von Glück sagen, dass der heilige Geist sich von Deutschland schon lange verabschiedet hat, derzeit ohnehin in Rom weilt und zu seiner Entspannung mit Sicherheit nicht das ZDF einschaltet.

Ein bisschen orakeln oder fast schon „fordern“ möchte auch der allseits bekannte Herr Nuzzi. Er hat es mit seinen Wünschen gerade noch in die taz (wir erinnern uns: verkaufte Auflage lt. ivw IV/2012: 56.575 Expl) geschafft und will „auf keinen Fall einen Italiener“. Wir dürfen davon ausgehen, dass der Heilige Geist auch die taz nicht liest. Umso erstaunlicher ist allerdings, dass das Nuzzi-Interview ausgerechnet bei katholisch.de ein Echo fand. Aber auch dort hat sich der heilige Geist in den letzten Wochen ja eher selten blicken lassen.
Die anderen Journalisten vertreiben sich die Zeit in Rom (zu allem Unglück ist auch noch das Wetter schlecht) mit Interviews von mehr oder weniger bekannten Senf-Produzenten, wobei das Interview mit dem Deutschen Botschafter im Vatikan (Focus) das einzig herausragende ist, und er den Papst mit demAusspruch würdigt: "Benedikt XVI. gehört zu den großen Deutschen der letzten 100 Jahre..."

News.va veröffentlicht einen Artikel über die Konklaven der Neuzeit, wo es schon mal vorkam, dass ein Konklave sich über mehrere Monate hinziehen konnte und sogar der eine oder andere Kardinal während des Konklave verstarb.
Ich möchte mir nicht ausmalen, was in unseren Medien los wäre, wenn dieses Konklave einen ähnlichen Verlauf hätte. Die armen Sensationsjäger würden am langen Arm verhungern und die Stadtverwaltung Roms müsste sich überlegen, den Cirucs Maximus wieder zu eröffnen und die bekannten Protagonisten dazu einzuladen, nicht nur ihre allseits bekannten Albernheiten vor-, sondern auch andere lustige Wettkämpfe auszutragen .... damit die tägliche Sensation aus Rom in die Heimat gemeldet werden könnte. 

*Innerhalb dieser Umfrage waren auch die Modernität der CDU sowie die Wichtigkeit der Homo-Ehe befragt - und aus den Ergebnissen lässt sich erkennen in welchem Umfeld hier "repräsentativ" gefragt wurde.

2 Kommentare:

  1. Zu den seltsamen medialen Wünschen und "Erkenntnissen" diverser Druck- und online Publikationen schreibt der Kreuzknappe http://kreuzknappe.blogspot.de/2013/03/von-papstmachern-intrigen.html
    richtig :.............
    Wie man an solchen Beispielen sieht, kann jeder nur froh sein, wenn das Konklave zu einem baldigen Ergebnis kommt und einem Derartiges als Fortsetzung erspart.

    Ja, dem ist so!

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  2. Pauline aus dem Schlauchboot09.03.13, 22:30

    Was wirklich bemerkenswert ist, ist das Totalversagen unserer Medien jeder Art. Sie schwätzen ahnungslos vor sich hin, je nach Couleur geben sie ihr Letztes um Dan Brown Konkurrenz zu machen, sie erfinden frei und von jeder Sachkenntnis unbeleckt innervatikanische Szenarien, kennen aber nicht einmal den Rechtsstatus des Kirchenstaates. Eine ihrer Hauptbeschäftigungen aber ist es, ihre Vorurteile und ihren Hass auf die Kirche mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Dabei ist es unseren Meinungsmachern nicht aufgefallen, daß heute in der Zeit des Vorkonklaves außer ihnen in der Kirche niemand- keiner mehr von "progressiv" oder "konservativ" spricht. Jetzt, auch bei der Papstwahl, geht es um theologische Linien, aber das entzieht sich dem Verständnis unserer Journaille, einschließlich der theologisch Vorgebildeten wie D.D. von der FAZ, der nun, wo sein Lieblingskardinal K.L endgültig nicht Papst wird, wütend und phantasievoll vom Leder zieht.
    Nur unsere wackeren Tastatur-& Mikrophonakrobaten verharren eisern und mit festgezurrten Scheuklappen bei ihrer 80-er-Jahre-Frontstellung. Nennt man sowas nicht konservativ?
    Nicht ohne Widerwillen kann man sich jetzt schon die "Echs-perten"runden vorstellen, die nach der Wahl von den Redaktionen einberufen werden, damit sie den "Neuen" beurteilen ...

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