Sonntag, 14. April 2013

Das Kreuz, der interreligiöse Dialog und der interne, katholische Säkularismus

Im Konradsblatt von dieser Woche fand sich ein total genialer  Leserbrief, den ich mit Erlaubnis des Autors (Herrn Bernhard Frey)  hier abtippe.
Äußerer Anlass war die Vorstellung von 2 Büchern in einem älteren Konradsblatt, die weder der Leserbriefschreiber noch ich, jemals lesen werden,  Der Titel des einen lautet "Abschied vom Opfertod" Autor ist Meinrad Limbeck das andere Buch heißt "Ist Gott käuflich, die Rede vom Opfertod Jesu auf dem Prüfstand"
Der Leserbrief dazu lautet:

...[ich] merke in theologischen Überlegungen vergangener Jahre  - auch in evangelischen Kirchengemeinschaften -, das man irgendwie damit liebäugelt, den Kreuzestod Jesu als Erlösungstod für uns weich zu spülen, damit er für die Zukunft besser passt.
Wenn man mancherseits den Glauben, in Ökumene mit Weltreligionen und der Esoterik, weiter entwickeln und für die Zukunft neu denken will, kommt der Erlösungstod Jesu äußerst ungelegen, Wenn Meinrad Limbeck sagt "eines 'Opfertods' Jesu bedarf es .... nicht, weil nach Jesu Botschaft das Reich Gottes schon da ist - und damit von Gottes Seite, alles was der Mensch für ein erfülltes Leben braucht. Wort und Beispiel Jesu führen zur Versöhnung mit Gott und mit sich selbst", dann ist das meiner Meinung nach zu dürftig für eine wirkliche Erlösung. Das Beispiel alleine erlöst nicht.
Die durchgehaltene Liebe Jesu am Kreuz bewirkt die Erlösung und dazu ist er ja auch gekommen, um am Kreuz für unsere Sünde und Not zu sterben. Jesus ist von seinem Vater nicht gesandt worden, um die Welt noch ein bisschen besser zu machen. Das jüdische Gesetz würde genügen, um die Welt moralisch im Lot zu halten.
Erlösung ist viel mehr.
Andere Weltreligionen und die Esoterik können den Kreuzweg nicht verstehen, weil es dort um Selbsterlösung geht. Nur im Christentum geht es um die Erlösung in der Hingabe 
von jemand anderem dessen Liebe ich vertraue.
Wenn das Christentum das erlösende Sterben Jesu am Kreuz nicht mehr als zentrale Mitte des Glaubens  sehen, würde,  würden wir tatsächlich - was viele offenbar wollen - zum Wohltätigkeits- und Gesellschaftsverein  verkommen.
Ich sehe in solchen Publikationen eine Gefahr., dass es mit der Kirche dahin gehen soll, um in der Ökumene der Religionen bald mit vielen anderen kooperieren zu können.



Im Prinzip ist damit alles, aber auch alles gesagt.
Religion hat zwar immer auch eine horizontale Komponente, schafft immer auch Kultur und Kultur ist das prägende Element jeder Zivilisation. Wobei aber,  auch das nur am Rande, das Christentum zwar immer Kultur schafft, aber es keine genuin christliche Kultur gibt. Letzteres hört sich dumm an, weil wir in den Auseinandersetzungen der letzten Jahre, immer die christlich abendländische Kultur im Mund führen, die es zu bewahren gäbe und auch päpstliche  Statements in diese Richtung gehen.
Jedoch ist das, was wir christlich abendländische Kultur nennen, gewachsen auf den Resten der westlichen Variante des römischen Weltreiches, der christlichen Inkulturation germanischer Stämmen und den klimatischen Bedingungen, eben Europas. Hierzu führt Kardinal Ratzinger in "Der Geist der Liturgie" und Romano Guardini in "Das Ende der Neuzeit" Erhellendes aus.
Es soll nun,  all das, was da geleistet wurde und in der Tat gerade, fatalerweise, fröhlich  ruiniert wird, keineswegs gering geredet werden, aber das Christentum ist nicht an Europa und die konkreten geschichtlichen Wurzeln gebunden, es ist für alle Völker, Schichten und Zeiten konzipiert.
Religion ist immer auch ein Instrument, das  das Zusammenleben der Menschen regelt "das tut man nicht" und "das ist gutes und richtige Verhalten".
Es gibt sowas wie Naturrecht, auch wenn davon aktuell die wenigsten was wissen wollen, und das drückt sich halt auch in allen Religionen durch, so dass in allen Religionen die wichtigsten Ereignisse im Leben eines Menschen (Geburt, Erwachsenwerden, Sterben, Heiraten) eine kultische Überhöhung erfahren.
Kardinal Ratzinger hat  in "Glaube, Wahrheit, Toleranz"  über  religionssoziologische und religionsgeschichtliche Gemeinsamkeiten aller Religionen  geschrieben.
Nur geht es bei Christus um mehr, um viel mehr und komplett Anderes.
Alle Religionen künden zwar, dass der, der innerweltlich gut ist dafür auch belohnt wird und der, der innerweltlich böse ist, dafür bestraft wird, auch das Katholische  leugnet das nicht, aber es hat andere Kategorien dafür.
Es gibt 'in sich böse Taten' sagt JPII in "Veritas Splendor" dazu gehört u.a. Abtreibung, was innerweltlich ja komplett anders gesehen wird. Wie sagte ein befreundeter Arzt mal "Es gibt Fälle da ist Abtreibung eine  gute Tat".
Auch ist es für den Katholiken nicht möglich die Gottwohlgefälligkeit eines Menschen an seiner Inneneinrichtung abzulesen (Und es sei, dem aktuellen Armutshype zu Trotz, gesagt, das gilt in beide Richtungen, auch Macht und Geld kann ein Auftrag Gottes sein. Nicht umsonst ist in der deutschen Kaiserkrone eine Dorn der Dornenkrone Christi gewesen, genauso gut kann aber beständiges Scheitern Auftrag Gottes sein.)
Hier findet sich eine interessante  Diskussion um das Thema statt, wo einer der Diskutanten meint
Der liebste, netteste und hilfsbereiteste Mensch würde verdammt, wenn Christus ihn nicht erlöst hätte – und er wird wirklich verdammt, wenn er sich dieser Erlösung verschließt.
.... Als religiöse Rhetorik ist so ein Satz ja ganz nett, aber......
Ja und da sind wir wieder am Punkt, dem Kreuzpunkt.
Wenn Gott die Welt durch den Kreuzestod seines Sohnes erlöst hat und wir so in den Himmel kommen, dann ist das doch ein ganz schön  pingeliger Gott, der die lieben, netten, gutmeinenden, wohlerzogenenen, sich im Griff habenden, sozial engagierten nur um so einen Preis in den Himmel lässt.
Fakt ist einfach, all diese menschlichen Tugenden gehören der Horizontale, dem Weltlichen an und solche Dinge wie Ehrlichkeit, Fleiß, Ordnung, Freundlichkeit, Hilfsbreitschaft, sind gut und wichtig für einem selber und eben das Zusammenleben, sie stellen aber nicht den  Gipfel christlicher Existenz dar.
Der Gipfel christlicher Existenz ist das Leben aus der Gnade Gottes, das unfassbare Geschenk der Erlösung., dass allen Menschen angeboten wird, im vergossenen Blut Christi am Kreuz.
Der erste der die Frucht der Erlösung genossen hat, ist  der Räuber und Mörder am Kreuz.
Und das ist keine fromme Rhetorik, genausowenig wie der Satz:
 Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. (Matt 21;31,32)



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