Montag, 8. April 2013

Der Papst und der Schneider

Nein, das wird jetzt kein Beitrag über des Papstes neue Kleider - sondern eine Betrachtung über einen Papstbesuch aus Deutschland.

Vor einiger Zeit nämlich hatte der Präses der EKD in Deutschland, Dr. Schneider, bei Papst Benedikt XVI um eine Audienz nachgesucht, die ihm auch gewährt wurde. Grund für diese Audienz war ein Geschenk der EKD: Ein Konzert in der deutschen Botschaft des Vatikan mit Liedern von Martin Luther und Paul Gerhardt. So zumindest berichtete es gestern RP Online.

Zwischenzeitlich erfolgte der Rücktritt von Papst Benedikt XVI und sein Nachfolger Papst Franziskus ist seit 19. März 2013 im Amt. Der Audienztermin wurde aber aufrecht erhalten, so dass Präses Dr. Schneider zum ersten deutschen Besucher bei Papst Franziskus wurde.

Wir warteten also gespannt auf dieses Treffen und vor allem auch darauf, ob Papst Franziskus auch die Einladung zum Konzert annehmen würde.



Heute nachmittag gab es die erste Meldung von Radio Vatikan, mit dem Hinweis, dass um 12:45 Uhr der Präses (President) der "German Evangelical Church" von Papst Franziskus empfangen wurde. Inzwischen auch hier nachzulesen. Allerdings hat man zwischenzeitlich hinter das Evangelical Church noch ein "Lutheran" placiert, wahrscheinlich um eine Unterscheidung zu den sog. "Evangelikalen" aufzuzeigen.
Dann wurden ein paar Höflichkeiten ausgetauscht und Präses Schneider wies danach den Papst auf das "große Jubiläum" hin, das die EKD in 2017 zu feiern gedenkt. Die Antwort des Papstes lassen wir jetzt mal im englischen Original "The Pope took the opportunity to remind the Präses of the words of Pope Benedict XVI in Erfurt, where Martin Luther lived and worked, which have a particular ecumenical significance in regards to the figure of Luther in particular, as well as for relations between the Catholic Church and those ecclesial communities emerging from the Reformation.

Es dauerte eine Weile, dann gab es eine deutsche Übersetzung. Hier liest sich die Passage folgendermaßen: "Der Papst habe seinerseits die Gelegenheit genutzt, an die Reden zu erinnern, die Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Erfurt gehalten hatte und die besonders bedeutsam für die Ökumene und die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den Protestanten in Deutschland seien. Der ökumenische Charakter des Treffens, so schloss Lombardi, sei von großer Bedeutung für die Ökumene gewesen, die auch der aktuelle Papst ohne Zögern voranbringen wolle."

Dann schauen wir doch mal, was inzwischen die deutschen Medien daraus gemacht haben:
Zunächst das Kölner Domradio.de:

Da liest man nix mehr von kirchlichen Gemeinschaften oder Protestanten, sondern nur noch
"Papst Franziskus hat das ökumenische Engagement der katholischen Kirche gegenüber Schneider bekräftigt, wie Vatikansprecher Federico Lombardi nach der Audienz in Rom mitteilte. "

Inzwischen steht auch was bei RP Online
"Franziskus hat deutlich unterstrichen, wie wichtig es ist, dass wir als Kirchen den Weg des Glaubenszeugnisses in dieser Welt gemeinsam gehen", sagte Schneider nach der etwa halbstündigen Privataudienz am Montag in Rom. Beide seien sich einig gewesen, dass für sie bei allen eigenen Identitäten Christus in der Mitte stehe. "Wir haben uns nicht nur intellektuell ausgetauscht, sondern es war wirklich ein Austausch von Herz zu Herz", sagte Schneider. 
Gleichzeitig lesen wir dort aber, dass noch keine konkreten Fragen besprochen wurden, vom Auftrag einmal die Reden Papst Benedikts in Erfurt zu lesen, finden wir hier nichts mehr ...

Die FAZ hat sich auch des Themas angenommen und titelt: "Papst will Fenster und Türen öffnen"
Wenigstens ist in diesem Artikel wieder die Erfurter Rede von Benedikt erwähnt, die FAZ hat es geschafft von "Augenhöhe" zu reden und von zwei Konfessionen (wir erinnern uns an die "kirchliche Gemeinschaft" im englischen Text.).
Ein schönes Beispiel, welche Steigerungen bisher möglich waren. Womit werden uns wohl SZ oder SPON überraschen: wir tippen mal auf "Papst denkt darüber nach, die katholische in die evangelische Kirche einzugliedern?" 

Herr, erbarme Dich! Wär ja schlimm, wenn ich dann ein zweites Mal aus der evangelischen Kirche austreten müsste.

Und noch ein Nachschlag: Vor dem Treffen gab Präses Schneider dem ARD-Studio Rom noch ein Interview: Tagesschau de schrieb dazu:
"Es  lässt sich gar nicht vermeiden: Jedes Lob für den neuen Papst klingt wie eine Kritik am alten Papst. In der Ökumene dürfte der Unterschied zwischen Franziskus und Benedikt besonders auffallen. Denn im achtjährigen Pontifikat Benedikts XVI. gab es zumindest im evangelisch-katholischen Dialog keine nennenswerten Fortschritte. Im Gegenteil: Das Wort von der ökumenischen Eiszeit macht die Runde."

Wir finden, prima, dass Papst Franziskus Präses Schneider auftrug, die Reden von Papst Benedikt XVI zu lesen. Vielleicht bringt die Lektüre dieser beeindruckenden Reden ja das Eis zum Schmelzen?

Nicht mehr zu toppen, ist allerdings, was katholisch.de inzwischen für eine Story gestrickt hat: Hier gilt es schon fast als von Papst Franziskus fest zugesagt, dass demnächst gemischt-konfessionelle Ehepaare gemeinsam zum "Abendmahl" gehen können. Weiterer Kommentar überflüssig.


Kommentare:

  1. Zu dieser Berichterstattung kann man nur eines sagen: quod erat demonstrandum.
    Wir hatten ihnen ja schon ihre Unfähigkeit zu lesen, zu hören, zu verstehen, hinzuschauen nachgewiesen. Sie können gar nicht anders- sie gehen ihrer Lügerei, Fälscherei, Manipuliererei und Desinformiererei nach, wie eh un je, nur daß sie es jetzt unter umgekehrten Vorzeichen tun.
    Einmal Propagandist-immer Propagandist. Ob nun negativ oder vermeintlich positiv - das ist sekundär.
    Nicht daß uns jetzt, wo die konfessionellen Gletscher im Rekordtempo abschmelzen, bald das Wasser bis zum Halse steht. Da hilft dann auch keine CO2 Sparerei.
    Aber das tapfere Herr Schneiderlein wird wohl noch trockenen Fußes nach Hause kommen- und muß auf dem Weg über die Alpen noch nicht die Schwimmweste anlegen.

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  2. ElizaBerlin08.04.13, 20:25

    "....war ein Geschenk der EKD: Ein Konzert in der deutschen Botschaft des Vatikan mit Liedern von Martin Luther und Paul Gerhardt..."
    Ob das wohl der wahre Grund für den Rücktritt von Papst Benedikt war? Texte von Martin Luther wollte er sich wohl sicher nicht mehr antun und zum Neinsagen ist er dann doch zu höflich gewesen.

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  3. Romeo und Julia08.04.13, 20:33

    Austausch der Herzen: wie süüüüß !

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  4. Wär ja gut, wenn die EKD wenigstens evangelikal wäre, dann könnte man beim ökumenischen Dialog wenigstens davon ausgehen, dass der Partner die Schrift mitsamt den Apokryphen (katholisch deuterokanonische Schriften) kennt und ernst nimmt.

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