Montag, 22. April 2013

Kinder im Gottesdienst

Der Kreuzknappe hat es aufgebracht, und ich hab mich neulich auch dabei ertappt, da war so ein quengelndes, nerviges, lautes, herumlaufendes Kleinkind im Gottesdienst und die Mutter machte keinerlei Anstalten, es zur Räson zu bringen, aber als ich gerade innerlich zu einem "Ts, ts warum macht die da nix, das nervt ja" ansetzten konnte, fiel mein Blick auf das ehemalige katholische Schlachtschiff unserer Gemeinde  (ehemalige Vorsitzende von allem und jedem) das damals, als meine Kinder klein waren, immer über mich hergefallen ist.
Ich sag es jetzt mal ganz schlappsig, ich habe lange in einer Welt gelebt, die schwer für die Abschaffung des §218 war, ich wusste, dass die Kirche da dagegen ist, die war ja unser aller Feindbild! Als ich dann katholisch wurde wunderte ich mich, wie wenig  die Frommen doch für Kinder übrig haben.
Klar machen die lieben Kleinen, Dreck, Radau und Unordnung, deshalb sind sie ja nicht sooo beliebt, außer auf Postkarten,
Ich bin mit meinen Kindern durch alle Tiefen katholisches "Wir brauchen ja Kinder, aber nicht bei uns im Labor" (da hat mein Chef zu mir gesagt, als ich schwanger wurde) gegangen (bis dahin dass die Gemeinde eine Versammlung einberief, weil man dem Bischof schreiben wollte,  mir doch bitte den Gottesdienstbesuch zu verbieten).
Ich versteh das schon, diese Grundhaltung, die den Streit in der Frage "Empfängnisverhütung" zwischen Kirche und Welt an der Linie "künstlich" oder "natürlich" zieht und nicht wie in Humanae Vita gefordert, an der Linie: Welt "Wenn du Kinder willst musst du das begründen" Kirche: "Wenn du verheiratet bist, und keine Kinder willst, dann machst du was verkehrt".


(wobei die Betonung aus Wollen liegt nicht auf können, das nur zur Klarstellung in dem seit Humanae vitae ständig wucherndem Minenfeld)
Diese Grundhaltung ist halt mittlerweile auch  in der Kirche verwurzelt  und es ist ja so, es werden pro Jahr ca 130.000 Kinder abgetrieben und unzählige weitere  verhütet und alle finden das gaaaanz gaaaanz in Ordnung.
Zitat " Naja das musst du verstehen "Die XY (junges Paar) können sich ja ihr Leben nicht versauen dadurch dass sie sooo früh (mit 25, das ist gynäkologisch gesehen die Obergrenze für die beste Zeit der Frau)...
Das sind damals bei mir übrigens die gleichen Leute gewesen, die fast mit Tränen in den Augen das Unrecht der Abtreibung als furchtbare, gotteslästerliche Sünde brandmarkten, und dann mit Tränen in den Augen heulten, warum die Erstkommunionkinder sich nicht zu benehmen wissen.
Nein, entweder oder!
Fakt ist doch einfach, dass heutzutage Familie schrecklich schwer geworden ist und irgendwie kaum stattfindet, jeder isst irgendwo, schon die ganz Kleinen sind nur noch zum Schlafen zu Hause, weil sie den ganzen Tag im Hort oder der Krippe sind. Und selbst im Urlaub erholt sich jeder für sich, Ich dachte ja immer das Familienhotels so Dinger wären, wo man nicht schräg von der Seite angemacht wird, wenn das Kind laut qäcksend nach Ketchup verlangt. Aber weit gefehlt, Familienhotels sind solche Einrichtungen, wo ein Kinderprogramm geboten wird, damit die Eltern  sich im Urlaub nicht mit ihrem Nachwuchs abgeben müssen. Es gibt dann auch noch richtig edle Familienhotels, da essen die Kinder auch ohne die Eltern und schlafen auch woanders.
Klar dass die Kirche da mitmacht, könnte man fast zynisch sagen.
Aber, und damit man mich nicht verkehrt versteht,  ich liebe eine feierliche Messe sehr, wirklich sehr und bin gar ned amused, wenn da irgendwelche Kommunionkinder,auf Aufforderung des Pfarrers im Chorraum herumhampeln, auch manche Lieder, die musikmäßig an Schunkeln und Tanzveranstaltung erinnern, die finde ich auch nervig, ich bin also ein gestandener Fan feierlicher, andächtiger Liturgie, wo man sich einfach versenken kann in den Herrn,
Jedoch an Kindern freu ich mich und und auch  dann, wenn sie laut sind und rumkaspern, steht doch in der Schrift "Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Ruhm o Herr".
Es ist mir auch fern, irgendwelche Erziehungstipps zu geben und mit stolzgeschwellter Brust von meinen Tricks zu berichten, weil ich festgestellt haben was bei dem einen klasse funktioniert, führt bei dem anderen zu lautstarkem Protest.
Ich möchte lediglich  feststellen, kein Elternteil geht mit seinem Kindern in die Messe und stachelt die Kinder auf zu nerven.
Wüssten die Eltern wie sie das Kind ruhig bekämen würden sie es ja tun.
Oft sind es ja auch häusliche Schwierigkeiten, die sich auf das Kind übertragen.
Da kommt man nun in die Messe mit seinem ganzen Wust von Problemen  und muss erfahren, da ist man auch nicht erwünscht.
Im übrigen findet sich das Problem schon bei Lukas 18,16 "lasst die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht"
Kinder steht da, nicht brave und ruhige.
Was ich aber doch  berichten kann, ist, ich habe es mit den meinigen meist geschafft, dass die die Kirche nicht zerlegen, und ihre Streitereien im Gottesdienst (muss immer noch grinsen, wenn der neue Pfarrer immer verklärt guggt, wenn er "geschwisterlich" sagt) nicht lautstark, sondern nonverbal ausgetragen, bzw ausgesetzt haben. Jedoch wurde mir dann von aufmerksameren Personen dann gesagt "Ja warum kommen Sie denn überhaupt???? Sie haben so doch gar nix vom Gottesdienst???"
Ich hab dann auf die Sonntagspflicht verwiesen und darauf, dass das Haben von Kindern ja nicht als schwere Krankheit, wofür man vom Gottesdienstbesuch dispensiert ist, zu werten ist.
Dann habe ich immer gesagt "Ich selber bin ja jahrelang nicht zur Kirche gegangen. Als ich dann wieder mal in einen Gottesdienst ging, hab ich das starke, gute Gefühl gehabt, nach Hause gekommen zu sein. Für mich war das so, das findet ein Schlüssel in ein Schloss. Ich betrete ein Zimmer das ich nur vergessen hatte. Ich denke mal, dass die psychologische Grundlage dafür darin lag, das ich von klein auf , von meiner Großmutter mit in den Gottesdienst genommen wurde. Wobei ich auch nicht brav gewesen sein soll. Und das, diese feste Grundlage, muss ich meinen Kindern doch auch geben, dazu habe ich mich bei ihrer Taufe verpflichtet!"

Ach und nochwas, einer meiner Söhne war als Kleinkind extrem anstrengend, hyperaktiv bis zum abwinken,  in meiner Erinnerung hat er gar nicht geschlafen, höchstes von Mitternacht bis um 4 Uhr morgens, dazu immer aktiv und tagsüber schlief er kaum, höchstens mal 5 Minuten, es kann sich jeder vorstellen, was das mit ihm im Gottesdienst war, insbesondere, da er ja nicht mein einziges  Kind war.
Auf jeden Fall kam da mal ein berühmter Pater und naja es war mühsam. Als der Pater am Ende der Messe aus der Sakristei kam, segelte die oben erwähnte Dame auf ihn zu und sagte anklagend "Herr Pater, Herr Pater, sagen sie doch dieser Frau da, sie soll ihre Kinder besser erziehen! Ich hab gar nix von der schönen Messe mitgekreigt!" darauf sagte er zu ihr "Nun wenn die Frau wüsste, wie sie das Kind dazu bringen könne ruhig zu sein, würde sie es ja tun! Anstatt sich aufzuregen, sollten sie lieber für die Familie beten!" die Frau war zunächst beleidigt. Am nächsten Sonntag war der Pater wieder da, zog aus der Sakristei aus und mein Sohn  schloß die Augen, ruhte in meinem Arm und schlief bis zum Schlußsegen, den Auszug allerdings begleitete er mit lautem Geqüakse, was jedoch von der Orgel übertönt wurde.
Gebet wirkt, in der Tat!
Ein afrikanischer Bischof, der mal mit dem Problem konfrontiert wurde,  meinte nur "Im Senegal hat jede Frau im Durchschnitt 7 Kinder, wir haben damit keine Probleme"





4 Kommentare:

  1. Gestern durfte ich ein sehr schönes Hochamt mitfeiern. Vor mir saß eine Frau mit zwei, neben ihr eine Frau mit einem Kind. Das Kleinere von den Geschwistern, etwa vier- oder fünfjährig, war unruhig, bedeutete seiner Mutter zunächst leise, dann heulend, daß es spielen wollte, oder einfach raus, oder was weiß ich.
    Ja, die kleine Maus nervte. Und sie nervte ganz besonders an den feierlichsten, stillsten Stellen der Liturgie.
    Na und?
    Zunächst mal bewunderte ich die Mutter, die so gut und ruhig mit ihrem Quengeltöchterchen umging, und freute mich, daß die anderen beiden Kinder überhaupt nicht einstimmten, sondern sehr lieb und friedlich waren. Dann dachte ich: Naja, die Lütte möchte irgendwas, keiner versteht sie richtig, und sie kann noch nicht verstehen, daß jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist.
    Beim Friedensgruß wurde der Mutter von mehreren Leuten freundlich bedeutet, daß niemand böse auf das Kind war (ein Lächeln, ein verständnisinniges Zunicken ist ja ausreichend).

    Das nervende Kind von der Messe ausnehmen hätte zugleich bedeutet, seine brave große Schwester auch auszunehmen und die Mutter auch. Schon deshalb wäre das m.E. ungerecht.

    Kinder nerven halt mal - wenn es irgend geht, kann und soll die Gemeinde damit leben und nicht vergessen: Meistens nerven die Kinder nicht, sondern sind ergreifend wundervoll, süß, knuffig, komisch, übrigens auch sehr oft freundlich und hilfsbereit.
    Ich bin froh, wenn Kinder im Gottesdienst sind.

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  2. Wie sollen Kinder lernen, sich im Gottesdienst richtig zu verhalten, wenn sie nicht von klein auf dabei sind? (Learning by doing)
    Ich besuche jeden Sonntag die alte Messe, Dort gibt es immer mehrere Familien mit kleineren und größeren Kindern. Eine Familie hat 8 Kinder. Es ist für mich immer eine Freude, diese Kinder und die Eltern zu sehen. Zu sehen, wie die Eltern den Kindern ein liebevolles Beispiel geben, auch wenn die ganz kleinen manchmal herumnörgeln und wie diese Kinder von Monat zu Monat dazulernen und sich anpassen. Auch bei der Kommunion gehen alle Kinder mit an die Kommunionbank und bekommen vom Pfarrer ein Kreuz auf die Stirn.

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  3. Meistens leiden die Eltern am meisten darunter, wenn die Kinder sich unangemessen verhalten. Wie der Pater oben richtig bemerkte: Wenn sie wüssten, was das Kind dazu bringen könnte ruhig zu sein, würden sie es ja tun. (Wenn es allzuschlimm wird sollte ein Elternteil wenigstens für kurze Zeit die Kirche verlassen, aber erst dann, wenn es allzuschlimm wird!) Es ist schön und richtig, dass Eltern ihre Kinder mitnehmen zur heiligen Messe.
    Kinder sind ein Segen. Jedes einzelne ist ein kostbares Geschenk Gottes.

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