Mittwoch, 10. April 2013

Kurzgefasste Verteidigung der Rubrikenreiterei

Als Mensch, der gesteigerten Wert auf korrekte Liturgien legt,  höre ich seit Jahren die immer gleichen Gegenargumente.
Die üblichen Entgegnungen lassen sich in folgende Kategorien einordnen:

Erstens "Glauben sie wirklich, dass Gott eine korrekte Liturgie braucht?"
oder  "Nur unsichere,  ängstliche, verklemmte Leute sind nicht in der Lage zu verstehen, was die Freiheit, die Christus uns brachte, bedeutet"
oder "Das ist alles vom Kirchenrecht abgedeckt, die pastoralen Gründe...."


Also was das erste angeht, so braucht der Liebe Gott überhaupt nix, schon gar nicht uns Menschen, er ist vollkommen glücklich und so wie die Menschen mit seinem Sohn umgesprungen sind, könnte man verstehen, wenn er mit denen gar nichts, aber wirklich gar nichts  mehr zu tun haben wollte.
Aber nein, er hat uns in der Eucharistie die Möglichkeit gegeben, mit ihm, dem Göttlichsten überhaupt  in Kontakt zu kommen und das ist doch so unglaublich, dass man ungeheuer vorsichtig damit umgehen sollte.
Gott braucht somit natürlich die Liturgie nicht, aber der Mensch.

Zweitens der erlöste, heilige, sich der Anschauung Gottes erfreuende Mensch braucht sie auch nicht, weil so ein Mensch ja automatisch in der Verehrung und Anbetung Gottes im heiligen Schweigen vor dem Herrn  sein würde. Aber soweit sind wir noch nicht.
Wobei ja all die Verfechter der spontanen Einfälle, die den erlösten, sich, dessen bewusst seienden, Menschen kennzeichnen sollen, es ja nicht mit heiligem Schweigen haben, sondern mit ausufernder, flacher Rederitis.
Man sehnt sich manchmal, wenn einem zuerst erklärt wird, was für ein Sonntag ist, was nachher in der Lesung kommt, das alle sich freuen, dass ich da bin u.s.w, dann vor der Lesung erklärt wird, was gelesen wird, in der Predigt erzählt wird, was man so zu meinen hat, in der Fürbitten endlos geschwallt wird und zum Schluß noch erklärt wird, dass der PGR Geld und Leute zum Kaffeekochen braucht, nach den Zeiten, als es noch keine Mikrophone gab.
 In Anbetracht der Tatsache, dass wir hier in dieser Welt nur schauen wie in einem Spiegel und nur mit Mühe erkennen, was doch auf der Hand liegt und der alte Mensch aus allen Knopflöchern schaut, halte ich es für einen als Demut getarnten Hochmut, wenn man meint, all diese Formalismen nicht nötig zu haben.
Ich denke einfach, wenn man mal vom Glauben ins Schauen übergegangen ist, dann braucht man das alles nicht mehr, aber aktuell verwechseln die meisten die Wiese vor dem Aufstieg – auf den Berg mit den 7 Stufen (T. Merton) – mit der Nacht des Glaubens, einfach, weil kurz vorm Gipfel es genauso, wie auf der Wiese im Tal, keine Bäume gibt.
Um das Bild besser zu beschreiben, die Mystiker vergleichen den Weg zu Gott oft mit einem Aufstieg zu einem Berggipfel. Da muss man nun durch den Wald hindurch und kommt dann irgendwann mal in die Region der Felsen, da wo eben kein Weg mehr ist. Das ist  dann die Nacht des Glaubens, wo die Begriffe (im Bild der Weg und die Bäume) überstiegen werden müssen. Nur um dahin zu kommen, muss man halt durch den Wald der Begriffe und Formalien hindurch.
Man tut nun so als wären fast alle schon am Gipfel angelangt, dort wo eben keine Bäume mehr sind, aber dabei hocken die meisten noch im Tal und denken, wegen der Abwesenheit von Bäumen, seien sie schon oben.
Ich glaube einfach, dass Christus gekommen ist, um normalen Menschen, den Weg zum Himmel zu öffnen, und religiöse Genies, tief empfindende Seelen, Leute, die schon "weit" sind, die eben keine Formalien, Rubriken, Beichtspiegel, vorformulierte Gebete und Stütze im Glauben brauchen, sehr selten sind.


Mit dem Kirchenrecht ist das auch so eine Sache, ich meine klar, wenn da lauter lernbehinderte Kinder, die noch nie in einer Schule waren, die so hyperaktiv sind, dass die echt nicht 5 Minuten still sitzen können, die dazu noch mit Coca Cola und Schokolade abgefüllt sind; Wenn also nur solche Kinder da sind, schon klar, dass man da abkürzt. Fakt ist aber, all das was abgekürzt wird, wird woanders draufgeschlagen. Die Lesung wird gekürzt, dafür wird endlos gepredigt (wenn es harmlos zugeht).


Und davon ganz abgesehen,  behaupten kluge Leute immer wieder, die Offenbarung des Johannes mit ihren Ordnungen, diesen ganzen Schalen und Gesängen und soweiter, spiegele die Liturgie des Himmels wieder.
Rubriken bedeuteten Ordnung, gerade in dem englischen Wort für Priesterweihe Ordination, kommt das durch. Und das was Gott geschaffen hat, auch die neue Welt, ist eine geordnete Welt, kein Chaos, geordnet in der Liebe und der Gnade, aber auch gerecht (im Sinne von richtig).
Gerade deshalb frage ich mich, woher die Abneigung gegen Rubriken kommt.
Was der Mensch braucht in der Liturgie ist die Erfahrung Gottes, der durch Christus eben dafür Regeln gesetzt hat, eben die Liturgie, und nicht die Kreativität noch so gut meinender Priester.

Das allerletzte Buch, das Kardinal Ratzinger geschreiben hat, lautet  Glaube Wahrheit Toleranz
es geht darin um die allbekannten Tatsachen der Religionsgeschichte, darum dass der Mensch halt versucht, die Natur zu verstehen und in den Griff zu kriegen. Sich mit den guten Kräften zu verbünden und die schlechten abzuwehren. Das da einfach Entwicklungen, die auch im AT nachvollziehbar sind, von einfacheren Kulten, hin zu komplizierteren Ideen, bei allen Völkern nachweisbar sind und lauter so ein Kram.
Die Sache ist nur die, die Völker versuchen schon immer und ewig mittels Kult, hin zu Gott zu kommen, das ist ein Tun der Menschen.
Bei uns ist es anders, Gott ist zu uns gekommen, und das feiern wir in der Liturgie, somit ist Liturgie ein Tun Gottes und deshalb hat in der Liturgie Kreativität nichts zu suchen.
Das finden wir schon im AT. z.B. da als die Söhne Aarons im Überschwang der Einweihung des Zeltheiligtums (man muss das mal lesen in Exodus und Levitikus, wie da immer zuerst steht: Gott ordnete das so und so an und dann Die Israeliten machten es so und so)

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