Dienstag, 7. Mai 2013

Eine Familien Anekdote zu Johannes XXIII und warum er das Konzil wollte.

Immer wenn ich Konzil höre denke ich das, was jeder fromme Katholik so denkt.
"Seit dem Konzil geht es mit der Kirche in D bergab"
Weil, ich gesteh das hier mal, es mir zu mühselig ist, mich durch die Konzilstexte zu quälen, halte ich mich aus den Diskussionen darüber gerne raus.
Ich bin nur mit Papst Benedikt der Ansicht, dass man das Konzil im Lichte der Hemeneutik der Kontinuität interpretieren müsste, es aber nicht tut.
Ich behaupte ja immer, wenn Leute zu massiv, damit kommen "Vor dem Konzil waren alle fromm und seit dem Konzil sind sie es nicht mehr. Ergo ist das Konzil schuld"  das "wenn die vor dem Konzil das gewesen wären, was sie hätten sein sollen, dann hätte das Konzil nicht so verheerende Folgen gehabt."
Im Gegensatz zu meinen Alltergenossen wusste ich schon früh, dass es ein Konzil gab, weil  bei jeder Familienfeier wurde drüber gestritten und "disbudierd"
Daran war der familieneigene Pfarrersonkel schuld, der nämlich begeistert vom Konzil war.
Wobei der eigentliche Grund seiner Begeisterung  Johannes der XXIII war.
Mein Onkel war  als junger Mann in französische  Kriegsgefangenschaft geraten.
Die Franzosen hatten alle, die Priester werden wollten, Novizen im Orden waren, schon in ein Seminar eingetreten waren oder aus einem kleinen Seminar kamen, alle zusammen in einer Baracke untergebracht.
Da hieß es "der Nuntius kommt!". Nuntius in Frankreich war damals ein gewisser  Angelo Roncalli.
Man bastelte an den einzigen wackeligen Stuhl der in der ganzen Baracke zu finden, war und leider nur 3 Beine hatte, mithilfe einer von einem Bett genommenen Leiste, eine Sitzgelegenheit.


Der Nuntiius kam und einer der schon in Rom studiert hatte, also ohne Krieg schon längst zum Priester geweiht worden wäre,  hielt eine Rede auf Latein, damit die Wachmanschaften das nicht so genau mitbekäme, wie es ihnen halt so ginge.
Dem Nuntius traten immer wieder Tränen in die Augen, ob der ausgemergelten und auch sonst schwer mitgenommenen Gestalten.
Dann fragte er "Ihr wollt doch alle Priester werden?" Antwort "Ja". Darauf sagte der Nuntius "Nun als Priester wollt ihr Christus in besonderer Weise nachfolgen. Hier habt ihr die Gelegenheit dazu"
Sie waren zuerst sauer und enttäuscht und dachten, dass ist halt auch so einer, der nur fromm daher redet!
(Das ist übrigens der Punkt der mich von der Authentizität der Geschichte immer überzeugt hat, hat man meine aufmüpfigen nach 68er Generation ja familienmäßig immer dadurch bekehren wollen, dass man uns völlig unwahrscheinliche Geschichten darüber, wie fromm und gut und fröhlich und ergeben im Kreuztragen,  man früher gewesen sei,  erzählt hat)
Dann sprach es sich herum, dass der Nuntius auch dahin gegangen war, wo die Franzosen ihn nicht hinlassen wollten, (er musste sich vorher erkundigt haben) dorthin wo die Sterbenden und Schwerverletzten auf irgendwelchen Strohhaufen, ohne besondere Fürsorge, lagen.
Und er ging dann stante pede zu DeGaulle und erreichte, dass alle Väter, die zu Hause 4 und mehr Kinder hatten, sofort frei kamen.
Und De Gaulle liess sich darauf ein!

Die Priesteranwärter besuchte der Nuntius dann auch öfter und sorgte dafür, dass sie Bücher u.s.w. bekamen.
Aus Dank fuhren sie dann nach Rom, als er Papst geworden war.
Dort empfing er sie in Privataudienz und erzählte, wie er auf die Idee mit dem Konzil gekommen war.
Er war bei seinem Antrittsbesuch in St Paul vor den Mauern und der dortige Abt redete eine Rede und redete und redete und redete. Und Johannes versuchte zuzuhören und schweifte ab und riss sich zusammen und der Abt redete immer noch und immer noch.
Da schoß ihm die Idee durch den Kopf "Du musst ein Konzil einberufen!" und er sagte sich "Das muss der Heilige Geist gewesen sein, weil ich selber nie auf so eine Idee gekommen wäre!"

Was ist daraus nun zu lernen?
Zum einen gilt immer, wenn es schwer wird, das Wort der Christusnachfolge und offensichtlich war schon in den Zeiten vor dem Konzil die Rederitis schwer  gravierend.
Leider hat der Organismus katholische Kirche auf die verordnete Therapie noch nicht angesprochen, im Gegenteil, die Rederitis ist schlimmer geworden.
Aber ich denke Johannes XXIII hat das Grundproblem erkannt.

Kommentare:

  1. Vielen herzlichen Dank für diese Geschichte! Ich kenne ähnliche vom Priesterseminar im Kriegsgefangenenlager in Chartres und habe mehrere Priester aus dieser Zeit erzählen hören. Daher zucke ich immer zusammen, wenn verächtlich von "Konzilspriester" oder Johannes XXIII. gesprochen wird. Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen diesen Männern und den in den 70er Jahren Geweihten!

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  2. Ja mein Pfarrersonkel war auch in Chartres.
    und das ist wirklich eine andere Generation Priester gewesen.
    Es gehört auch zu den für mich unbegreiflichen Dingen, warum all dieser katholische Aufbruch (Dom zu Altenberg z.B) eucharistischer Kongress München und all das in so einem Desaster endete.
    ZU dem Aufbruch trugen bestimmt auch die Opfer, die die Orden und Bewegungen im dritten Reich gebracht haben (die haben ja faktisch unter dem Damoklesschwert "KZ" (das ja auch genug getroffen hat, von P. Kentenich bis Karl Leisner) und auch an der Front versucht zu tun, was richtig war, man denke nur an die ergreifenden Texte die Rheinhold Schneider geschrieben hat..........)
    Wie gesagt ein Jammer!
    Unser alter Pfarrer gehört im dritten Reich einer geheimen, verbotenen, katholischen Pfadfinderorganisation, an, (manche der Ältern wurden erwischt und dann an Frontabschnitte gestellt, wo sie bestimmt nicht wieder lebend raus kamen und lauter so Sachen) er besuchte mal eine moderne Ausstellung darüber, er kam tief erschüttert wieder, zum einen darüber , dass die Macher der Ausstellung keinen Sinn fürs katholische hatten und auch darüber das die Besucher auch keinen Sinn dafür hatten.

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