Montag, 1. Juli 2013

Zurück in die Steinzeit, oder noch weiter zurück?

Angeblich und es spricht nichts dagegen, dass dem so ist, existiert in Holland bereits die Möglichkeit schwer behinderte Babies unmittelbar nach der Geburt zu töten.
Anima Mea hat wunderschöne Bilder ihres Kleinen mit Down Syndrom auf ihren Blog gestellt und dabei hält sie fest, dass ihr Kleiner zu den Fällen gehört, wo man in Holland schon... ich kann das nicht schreiben, es geht nicht!

Man verstehe mich jetzt nicht falsch, es gibt schaudererregende Schicksale, schlimme Krankheiten, wo sich die Dinge, medizinisch so unglücklich entwickeln, dass es den Eltern schier das Herz bricht, das Kind so leiden zu sehen.
Aber es kann doch wohl nicht sein, das einem in so einer technisch, medizinisch, psychologisch  udn überhaupt hochentwickelten Kultur im Angesichts des Leides, nichts anders einfällt, als den Leidenden aus der Welt zu schaffen und sich dabei noch gut vorkommt.
Ich kenne einen Fall, wo ein Mädchen sehr jung, im Kindergartenalter, an Leukämie erkrankte. Es hat nichts  geholfen, überhaupt nichts, alle Therapie hatte nur Schmerz gebracht, die Familie lebte fast nur noch im Krankenhaus  und die Großeltern waren nur am Weinen,  wie sehr das Kind zu leiden hatte unter all dem.
Ich kann es  bestätigen, dass es eine riesige Belastung ist, das Neugeborene an Tausend Schläuchen hängen zu sehen, und gerade mal eine halbe Stunde am Tag sehen zu dürfen,


 (dabei  waren meine Zwillinge nur "normale" Frühgeburten, Mutter Kaiserschnitt, der eine in der einen Klinik, der andere in einer anderen, ich selber in einer dritten) einer der Zwillinge hat das gut weggesteckt, der andere war schwächer und musste viel länger im Brutkasten liegen, litt auch offensichtlich mehr, jeder Besuch war mit einem riesigem organisatorischen Aufwand verbunden, Knuddeln konnte man die Kinder nicht, wegen der Schläuche, die Geschwister durften nicht mit, vernünftige Auskunft seitens des medizinischen Personals, erhielt man nicht, erst als wir drohten die Kinder mit nach Hause zu nehmen, liess sich die Koryphäe herab, mit uns dummen Eltern zu kommunizieren,  das "Familienbesuchszimmer" war die ehemalige Rumpelkammer und sah so aus, und so weiter. Wobei ich rückblickend sagen muss, was die Sache auch so schmerzhaft machte, war diese Krankenhausathmosphäre und das Gefühl als Angehörige nur zu stören und auch irgendwie "schuld" zu sein, dass man all das hochqualifizierte Personal mit den eigenen kranken Kindern belästigen muss.
Dazu kommen, natürlich lieb gemeinte, Kommentare unbeteiligter Leute, wie wichtig es wäre, wenn die Kleinen doch beständig Kontakt zur Mutter hätten, wie schlimm die Magensonde sei, was dem Säugling nun alles fehlen täte, z.B. die Erfahrung des Stillens............  und all das.
Wobei ich auch hier ehrlicherweise sagen muss, es hat sich viel geändert und vergleichen wir die Lage in den 60ern wo jedes in einer Klinik zur Welt gekommene Neugeborene, der Mutter nur zum Stillen (nach der Uhr!) gebracht wurde mit modernen Säuglingstationen, so hat sich viel geändert, auch auf den Säuglingsintensiv und -intensivst Stationen!
Warum ich das so ausführlich schreibe? Nun ich denke diese Horrorgeschichten bereiten den Boden für das Denken  "Bevor der Kleine dem medizinischen Betrieb ausgeliefert wird, ist es doch besser......................"
dabei ist, wie ich oben versuchte zu illustrieren,  der medizinische Betrieb umzugestalten, und nicht der Patient aus der Welt zu schaffen!
Und der Vollständigkeit  halber muss gesagt werden, es  gibt auch genug Geschichten, wo die böse, böse Medizin geholfen hat. Ich kenne ein türkisches Mädchen das kam im 5ten Schwangerschaftsmonat viel zu früh zur Welt, lag 9 Monate in Krankenhaus, hatte, als sie endlich entlassen wurde, total vernarbte Hände (von den Braunülen), hat aber die Schule besser gepackt als ihre "normalen " Brüder und hat als einzige in der ganzen Großfamilien einen Beruf gelernt, hübsch ist sie auch!

Jetzt will ich das Thema aber von einer anderen Seite aufrollen.
Als ich jung war, da wurde das Thema Abtreibung wild diskutiert, und es war klar, war man links, dann war man da dafür. Natürlich mit dem Argument, dass so ein behindertes Kind ja eine riesige Belastung für es selber und auch die Eltern wäre.........das man doch nicht in unsicheren wirtschaftlichen Lagen, wo es man sich ausrechnen könne, das das Kind langfristig second hand Klamotten tragen müsse und die Eltern eine  eventuell notwendige Nachhilfe nie  bezahlen können würden und so, also ein solches Leben sei doch eine Zumutung, und deshalb müsse man doch einsehen, dass ..........und lauter so konstruierte, oder auch wahre Geschichten............man kam sich ungeheuer sozial und barmherzig und nett vor, wenn man im Gegensatz zur bösen, hartherzigen Kirche, für Abtreibung in Fällen war,  wo das Kind nicht absolut  sicher auf der Sonnenseite des Lebens würde allezeit wandeln können.
In dieser Denke fest gegründet las ich irgendwo dann einen Artikel in einer renommierten naturwissenschaftlichen Zeitung, nämlich Scientific America.
Es ging um irgendwelche Steinzeitjäger Skelette, die man irgendwo ausgebuddelt hatte. Man dachte zunächst es handele sich um eine Mutter mitsamt Kind, war das große,  normale Skelett das einer erwachsenen Frau, und das nebendran ein männliches, viel kleineres. Irgendwann einmal untersuchte man die Skelette genauer und stellte fest das "Kinderskelett" war das eines im Alter von 37 Jahren gestorbenen zwergenwüchsigen Mannes. Die Untersuchungen ergaben auch, das die Verwachsungen dergestalt waren, dass der Mann kaum selber gehen konnte, und sich auch noch nicht mal selber füttern konnte. Es war ein Mensch den man immer versorgen musste. Der ganze Artikel erging sich nun in Lobeshymnen, wie toll und sozial und human dieser Steinzeitstamm doch gewesen sein muss, dass der Stamm diesen Mann solange (und 37 ist für einen Steinzeitmenschen schon ein stolzes Alter) mitgeschleppt, versorgt und getüttelt habe.
Mir hat sich das so eingeprägt dass ich seitdem immer dann wenn es um Behinderungen und Abtreibung geht denke "Was sind wir denn dann???"
Ergänzend möchte ich noch darauf hinweisen, es gibt immer wieder Leute, die behaupten, das Stonehenge so ne Art Hospiz  gewesen sei, weil in den Gräbern rund um diese Stelle ziemlich viele Leute liegen, wo die Knochen von  Behinderungen sprechen.
Wie man an den Links sieht wird da wild rumspekuliert, jedoch behauptet der Esoteriker Hans-Peter Dürr, dass die Schamanen und Medizinmänner, die Druiden und all diese Leute meist welche waren, die einfach behindert waren, die dadurch, dass sie nicht so am Alltagsgeschäft und den Alltagsbeschäftigungen, kurz dem Leben mit allen Höhen und Tiefen teilnehmen konnten, weil sie also "ausgesondert" waren von den normalen Leuten, deshalb im Denken ihrer jagenden, sammelnden, einfachst ackerbauenden und mühselig  Stein-, Eisen-, Bronzewerkzeuge herstellenden Zeitgenossen was besonderes waren.
Ich halte diese Dinge für solche von denen Gertud von Le Fort in "Hymnen an die Kirche" singt, wenn sie die Kirche sagen lässt "...ich habe noch Tau in meinen Haaren aus Tälern der Menschenfrühe......." und "du bist die verborgenen Schrift unter all ihren Zeichen. Alle Weisheit der Menschen hat von dir gelernt......"
Ich halte nun wenig von Esoterik und so, das sollte schon klar sein, aber immer wieder, kommt mir die Idee, dass wir einfach Barbaren geworden sind, für die Leben nur nach Nutzen zählt.
Wenn wir so anfangen, wo werden wir dann enden?
In dem Gedicht heißt es aber weiter "..hört ihr Lauen und Vermessenen.... wir sind verdurstet bei euren Quellen........"  ja so ist es wohl. Aber: "....die Irrenden gehen nicht unter, weil du noch den Weg weißt........" und Gertrud lässt die Kirche zu uns sagen "....Ich will euer Herz zur Freiheit aufrichten, wider alle Sklaven der Vernunft!"
Ich würde gerne die ganzen Hymnen an die Kirche abtippen (trau nicht aber nicht wegen dem Copyright), aber sie singt von Leid und Schmerz und Liebe, die doch das Leid trägt und es schlussendlich verklärt.
Nur so denke ich, können wir diese schlimme Zeit, die doch so prächtig ist und Möglichkeiten kennt, wo die Leute früher noch nicht mal von geträumt haben, und dennoch ärmer ist, als all die armen Zeiten vorher, überstehen.


Kommentare:

  1. filia ecclesiae01.07.13, 12:47

    Sehr gut, danke! Habe das mal auf FB verlinkt, viele sollten das lesen!

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  2. Ja, da danke ich auch dafür. Ich habe es ebenfalls verlinkt. Es ist wichtig darüber zu sprechen und, wie Du, es von allen Seiten zu beleuchten.

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