Freitag, 16. August 2013

ich glaube an die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen

Zum Jahr des Glaubens, gibt es den Gemeinschaftsblog der katholischen Blogger, wo die Blogger, Monat für Monat, einen Satz des Credos betrachten. Im August  ist der Satz:
"ich glaube an die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen"  dran.
Hier nun meine Gedanken dazu:
Zunächst als allererste Einführung, ich halte den Satz, ich glaube an die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, einerseits für eine einfache Aufzählung, also versteh das zunächst mal nicht so, dass die Kirche die Gemeinschaft der Heiligen ist. Ich versteh es schon so, dass die Gemeinschaft der Heiligen durch das Sein und Wirken der Kirche entsteht, also alle, die die Heiligen sind, dies durch das Wirken des mystischen Leibes Christi (eben der Kirche) geworden sind, auch dann, wenn sie mit dieser Kirche zu Lebzeiten nix am Hut hatten.
Auf der Homepage der Diözese Erfurt habe ich folgende Erklärung gefunden, die so gut ist, dass ich es einfach hierher kopiere:
Das besagt nicht, dass einer, der ohne eigene Schuld
außerhalb der Kirche steht, von Gott verworfen wird. Es ist
Glaubenssatz der Kirche, dass kein Mensch ohne eigene
Schuld verloren geht. Die meisten Menschen außerhalb
der Kirche haben den verpflichtenden Anspruch an sie nie
erkannt, sie sind also schuldlos. Auch der gläubige Jude,
Mohammedaner, Hindu und Buddhist, der nach seinem
Glauben lebt, der Gott aus ehrlichem Herzen sucht,
erlangt das ewige Heil. Das sagt das II. Vatikanische
Konzil ausdrücklich in der Konstitution über die Kirche (Nr.
16). Das gilt selbst von Menschen, die nicht einmal
zur Anerkennung Gottes kommen, ja selbst für Atheisten, die
recht zu leben versuchen und das tun, was ihr Gewissen
ihnen vorschreibt. Wer den Willen Gottes – wenn auch
unbewusst – sucht, hat eine Ausrichtung auf Christus und
auf die Kirche. Er erfährt die Gnade der Erlösung durch sie.
Statt “außerhalb der Kirche kein Heil” würden wir besser
positiv sagen: Alle kommen “durch die Kirche zum Heil”


Es ist damit klar, dass es die Kirche geben muss und dass es besser ist, wenn man Kenntnis von ihr hat. Das ist ein bisschen so wie mit der Mathematik, prinzipiell braucht man für Mathe keinen Lehrer, sondern kann sich alles selber “im stillen  Kämmerlein” erschließen.
Davon abgesehen, dass Mathematik nicht jedermanns Sache ist, ist es jedoch einfach besser, man hat jemanden, der sagt “richtig” oder “falsch” oder einem sagt “so geht es eleganter” und selbst der junge Blaise Pascal kam schneller vorwärts, als sein Vater ihm dann doch Matheunterricht erteilt hat. (Blaise Pascal wurde von seinem Vater unterrichtet, und brachte sich mit 12 Jahren die euklidischen Lehrsätze selber bei, nur wählte er andere Bezeichnungen “Runden” für Kreis und “Stangen” für Geraden. Der Vater war selber begeisterter Mathematiker und fürchtete den Sohn einseitig zu bilden, und hat ihn deshalb zunächst  in allem anderen unterrichtet, nur nicht in Mathematik und sogar Bücher mit mathematischem Inhalt vor Blaise versteckt).
Wenn ich meinen Kindern diese Geschichte erzählen, sagen sie nur “Nee sowas blödes, ich wäre froh, ich hätte kein Mathe!” und auch ich, die ich immer gut in Mathe war, habe ziemliche Zweifel, ob ich selber versucht hätte, über die Grundrechenarten hinauszukommen.
So ähnlich denke ich ist es mit der Lehre des Weges in den Himmel, man kann den auch ohne Lehrer finden, jedoch wer lernt schon freiwillig?
Es ist jedoch nicht so, dass wir daran glauben, dass jeder der zur Kirche gehört, automatisch zur Gemeinschaft der Heiligen kommt.
Wobei ich davon überzeugt bin, die unbewusste und doch flächendeckende Gleichsetzung, dass  die Kirche die Gemeinschaft der Heiligen sei, zu einer Menge aktueller Missverständnisse beiträgt.
Auch ist es nicht so, wie in manchen seltsamen Diskussionen subtextmäßig durchschimmert, dass man nur getauft, gefirmt, abundan mal in ner Messe vorbeiguggen muss und ansonsten kann man die Sau rauslassen, wie es einem passt, und dann werden einem die katholischen Formalien sozusagen als dickes fettes Haben angerechnet, während dem “guten Menschen” der die Formalien nicht vorweisen kann, dieses als dickes, fettes Soll angerechnet wird.
Ich erinnere mich an ein Spielplatzgespräch (das ist schon lange her, damals in den Zeiten, als Mütter mit kleinen Kindern noch zu Hause bleiben und mit den lieben Kleinen zum Spielplatz gingen und so bildeten sich Gruppen von Frauen und Kindern, die sich eben immer wieder trafen) wo wir über Kinder und den Streß, wie das ist mit mehreren Kindern, den schlaflosen Nächten und  den beständigen Streit unter den Geschwistern ist,  sprachen.
Irgendwann sagte ich “Ach manchmal könnte man sie grad an die Wand klatschen” da guggt mich die eine Frau völlig konsterniert an und sagt “das darfst du nicht, du bist katholisch”
Wenn ich das so schreibe, kann man das Ganze schwer missverstehen, deshalb noch mal zur Erklärung,  es ist hoffentlich  klar,  das “an die Wand klatschen” als Metapher gemeint war und auch in der Gruppe so ankam, die Frau, hatte ja auch vorher über ihre Kinder ähnliches gesagt “Man könnte die manchmal grad im Kinderzimmer einsperren und warten wer überlebt” auch als Metapher gemeint.
Nur war sie der Ansicht, sie darf ausflippen, ihr darf alles zuviel werden, sie darf sich wünschen, dass alle sich in Luft auflösen und darf hysterisch werden, Ich, als Katholik muss das alles besser hinkriegen.
Ein anders Beispiel, eine sehr naive, einfache Frau aus meiner Verwandtschaft ist immer ganz von den Socken, wenn sie feststellt, dass andere Leute Evangelische, Moslems, Indianer,  Buddhisten oder sogar Atheisten nette Leute mit guten Umgangsformen sind,
Insbesondere ist sie ein sehr, sehr ordentlicher Mensch, so ordentlich, dass es bei ihr fast steril wirkt. Jedoch für sie selber ist das sehr wichtig. Leider gehört der Rest ihrer  katholischen Verwandtschaft zu den unordentlichen Exemplaren der Gattung Mensch.
Das ist für diese Frau ein richtiges Problem, sie ist immer ganz von den Socken, wenn sie mitkriegt, dass ihre moslemische Nachbarin dreimal die Woche Fenster putzt und die evangelische angeheiratete Schwägerin auch alles immer pikobello hat, während die familieneigene Religionslehrerin (Abteilung  konservativ und wirklich hochgebildet) eine Wohnung hat, die für das Titelbild eines Buches über Messies taugen würde.
Man könnte nun einwenden, dass Ordentlichsein, nicht zu den Kriterien fürs Heiligsein gehört und das stimmt,  aber,  wenn man aufmerksam Heiligenlegenden liest und sich mit den Leuten unterhält, dann kann man nicht umhin, festzustellen, dass als Heilige Leute gesehen werden, die so sind,  wie man sich eben einen guten Menschen vorstellt.
Auch hier reicht der Platz nicht, die Sache aufzudröseln und die Wahrheit liegt auch nicht in der Mitte, also die Heiligen sind weder die Outlaws und auch nicht die Superangepassten, sie sind weder die ordentlichen, noch die souverän schlampigen!
Heilige sind Leute, die erstens, unabdingbar gestorben sind (wobei man da bei der Muttergottes nicht unbedingt sicher ist, aber auch das sprengt den Rahmen) und zweitens entweder in diesem Leben, oder im Fegefeuer so rein wurden, dass sie von allem Bösen frei geworden und zur Anschauung Gottes gelangt sind.
Wobei und das ist wohl das Allerschwierigste am Heiligwerden, man akzeptieren, nein regelrecht annehmen, liebend annehmen muss., dass man selber, trotz allem Mühen, auf ewig verloren gewesen wäre, wenn nicht Christus  durch den Kreuzestod, mitsamt vorhergehender Passion einen erlöst hätte.
Es sind die, die die Vergebung ihrer Sünden angenommen haben, die, die eingesehen haben, dass sie unnütze Sklaven sind, eh nix Gescheites zustande gebracht haben, auch wenn sie gewaltige Dome gebaut und beeindruckende asketische,  politische oder künstlerische Meisterleistungen vollbracht  haben.
So wie Thomas von Aquin, der so schlaues, gutes, tiefes und katholisches  Zeug geschrieben hat, dass es einfach immer noch gilt,  der hat am Ende seines Lebens gesagt “Ich habe nur leeres Stroh gedroschen!” und dabei ist das leere Stroh des Thomas von Aquin ziemlich kompliziert,  hochgelehrt und es kann ihm wohl kaum einer das Wasser reichen.
Jedoch stimmt auch wieder nicht, dass die Gnade sowas wie ne Gießkanne ist und die, die es trifft, die trifft es halt und die, die es nicht trifft, die haben Pech gehabt.
Es ist auch nicht so, dass man im Vertrauen auf die Gnade Gottes, die in der Tat unendlich und unverdient groß ist, machen kann, was man will.
Ich denke,  was den Blick auf die Heiligen und die Kirche verstellt ist die Idee, dass die Kirche alles verbietet was Spaß macht, den Menschen klein und dumm halten will und all diese Vorschriften auf dem Mist von alten, verknöcherten, lustfreindlichen Männern gewachsen sind, deren einziges Vergnügen im Unterdrücken der Menschen besteht.
Nein, es ist so, die Vorschriften, die Moral und all das, das soll dem Menschen helfen zu sich selber zu finden.
Es ist nicht so, also da sind die Katholiken die müssen lauter komisches Zeug befolgen Freitags kein Fleisch und naja und all die Verbote rund ums 6te Gebot und dann noch jeden Sonntag in die Messe und dann sind se noch dazu so komisch drauf, während der Ungläubige jeden Freitag Schnitzel verspeisende, hinter allem her seiende, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, und noch nie ne Kirche von innen gesehen habende  XY, der ist Klasse drauf.
Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen. (Lk 12 47,48)
Auch das könnte man so interpretieren, dass es die, die eben nicht wissen, was man tun soll, es besser hätten. Die dürfen sündigen und kriegen dafür geringere Strafe.
Der dahinter steckende Gedanke, dass sündigen Vergnügen macht und somit was Gutes ist, so en vogue wie er aktuell ist,  doch so falsch

Solche Überlegungen führen in die Irre, ist nämlich sympathisch oder unsympathisch sein, nett oder eher miesmuffelig, gut aussehend oder eben nicht, erfolgreich oder ein ewiger Verlierer sein, das sind äußere Sachen, das ist Gabe oder Aufgabe, je nachdem.
Es gibt von Guardini einen kleinen Essay, dessen Titel sagt alles, der lautet “Die Annahme seiner Selbst, den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß”
Und ohne Kirche würden wir ja nix von Gott, wie er sich offenbart hat, wissen.
Es gibt Leute, die sind auf der Sonnenseite des Lebens geboren, und wenn die in Schwierigkeiten stecken, dann kommt sofort von irgendwoher Hilfe her und anderen geht alles schief.
Schlussendlich werde ich, egal was mit mir ist,  nur dann frei, wenn ich mich annehme so und wo und wie ich bin, das Schwere begreife nicht als Zumutung Gottes “warum ich?” sondern als Zutrauen Gottes “Du kannst damit umgehen”.
Anna Katharina Emmerich sagt “man muss aus den Steinen im Weg Treppen bauen!”
Also, um die Sache zusammenzufassen, die Kirche ist nicht die Gemeinschaft der Heiligen aber sie bewacht, zeigt und führt auf dem Weg zur Heiligkeit, Sie, die Kirche bringt indem sie die Sakramente spendet, den Weg der Christus ist, in die Welt.
Tut die Kirche das nicht, so ist der Weg nicht in der Welt und keiner kann ihn gehen.
Das Gottes Möglichkeiten auch dann noch da sind, das ist klar, aber wir müssen uns immer vergegenwärtigen, dass die Kirche aus der Seitenwunde des gekreuzigten Christus hervorging, ihn die Geburt der Kirche alles gekostet hat und man daher nicht auf den Weg außerhalb der Kirche spekulieren soll. Insbesondere weil die Apologeten der “Möglichkeiten den Gott außerhalb der Kirche” irgendwie subtext mäßig so tun, als sei das der einfachere, bessere, menschlichere Weg.
Dabei glauben wir, dass die Kirche heilig ist und zwar weil Christus der Heilige ist, nicht weil die Katholiken so heilig wären, dazu glauben wir, wenn wir an die Gemeinschaft der Heiligen glauben, dass der Weg hin zur Heiligkeit zu Ende gegangen werden kann und auch zu Ende gegangen wurde, und von jedem gegangen werden kann.

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.