Freitag, 16. August 2013

Medien! oder wie man die Wahrheit so sagen kann, dass man das Gegenteil aussagt.

Wie bekannt, waren wir ja gestern in Freiburg und hörten dort der Predigt des Kurienerzbischofs Georg Gänswein zu.
Man kann durchaus Dinge unterschiedlich empfinden und die Diskussion unter diesem Beitrag zeugt davon.
Man kann sich über unterschiedliche Wahrnehmungen die Haare raufen, es bleibt aber dennoch einfach so, macht man dem einen eine Freude mit dem Besuch eines schönen Cafes am Strand, sieht ein anderer darin nur rausgeworfenes Geld oder ist genervt, ob des beständig wehenden leichten Windes, während einem dritten ein Eiscafe an einem belebten Innenstadplatz lieber wäre und der vierte eine dunkle Kellerbar präferieren würde.

Allerdings fand sich heute in der Zeitung ein Bericht über die Predigt des Erzbischof Gänwein, wo man nur kopfschüttelnd davor sitzt.
Der erstaunte Leser erfährt einen einzigen Satz aus der Predigt, nämlich dass Gänswein gesagt habe "heute stehe das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens eher im Weg herum" und wird dann weiter informiert, dass der Erzbischof für eine zeitgemäßere Sichtweise auf Maria Himmelfahrt geworben habe.
Die oben verlinkte Meldung findet sich mittlerweile auch noch in anderen süddeutschen Zeitungen, was den Verdacht bestätigt, den ich schon lange habe, dass Journalismus hauptsächlich im Abschreiben besteht.

Man sieht hier wunderschön, wie die Medien an der Volksverdummung arbeiten.
Fakt ist, dass EB Gänswein den Satz  "Heute steht das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel eher im Weg herum" wirklich gesagt hat.
Aber er hat damit eine Situationsbeschreibung geliefert, damals 1950 war das katholische Volk begeistert, die Kirche hat in einer Zeit der Betonung des Leibes, in einer Kühnheit den Leib gelobt, wie es kein Nichtgläubiger je wagen wird, hat er gesagt der Erzbischof Gänswein, um dann festzustellen, dass heute, gerade im Blick auf die Ökumene, das Dogma eher im Weg herumzustehen scheint.
Dann hat er erklärt, dass das Dogma aber gut, richtig, wichtig und wahr ist.

Hier noch mal das Video der Predigt:




es sei mir der Hinweis gestattet, dass offensichtlich das Jesuswort vom Knecht, dem es nicht besser geht, als dem Herrn, immer noch gilt, war es bei Benedikt doch auch nicht anders.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen klärenden Beitrag. Auch in unserem Lokalblättchen stand gerade nur dieser eine Satz über die Predigt des Erzbischofs drin. Ich stolperte zunächst gewaltig darüber, meine erste Reaktion war (ja, ich gestehe es): Ist Gänswein jetzt auch ein Opportunist geworden, der sein Fähnlein nach dem neuen Wind im Vatikan hängt?

    Dann fand ich die Predigt insgesamt im Netz und war erleichtert. Und bestätigt in meiner seit langem gefestigten Meinung über die Medien. Ausser Junge Freiheit und den vatikannahen Zeitungen wie Tagespost und Vatikan Magazin darf man als Katholik eigentlich nichts anderes mehr lesen.

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  2. Dieses Vorgehen ist ja mittlerweile durchgängig zu beobachten. Daß die Journalisten hauptsächlich voneinander abschreiben, hat Erzbischof Gänswein ja schon gestern in seiner Pressekonferenz gesagt.
    Und die Damen und Herren Meinungsmacher in den Redaktionen sind inzwischen religiöse Analphabeten,die eh nur "Bahnhof" verstehen und die den Unterschied zwischen Information und Desinformation , zwischen Berichterstattung und meinungsmachender Propaganda und Manipulation nicht kennen oder nicht kennen wollen.
    Und da sie sich an den superpopulären Papst, von dem sie immer noch die Erfüllung ihrer Sekundärproblembeseitigungswünsche erhoffen, nicht herantrauen, suchen sie sich eben andere Ziele für ihren Krieg gegen den Katholizismus. Besonders gern natürlich konservative und traditionsverbundene Geistliche, wie EB Gänswein. Nichts Neues also bei den sonst so nach Neuerungen Gierenden.

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  3. Ja anonym, in unserem Lokalblättchen stand das auch so.
    Mein Mann meinte nur "Also nee!" und hat mir zugestimmt das wenn man wo dabei war und dann darüber in der Zeitung liest es sich offensichtlich um 2 unterschiedliche Veranstaltungen handelt.

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  4. Ich lebe(wie offenbar die für diesen Blog mitverantwortliche Ester) in der ED Freiburg. Esters Bericht zufolge scheint der festgottesdienst zu M. Himmelfahrt ja alles in allem ganz passabel und ohne grössere liturgische Missbräuche vonstatten gegangen zu sein. Das überrascht mich, nach allem, was ich in dieser ED bis hin zu ihrem Ordinarius erlebe, der auch einen mehr als eigenwilligen Umgang mit den liturgischen Rubriken pflegt. Wahrscheinlich hat er sich bei EB Gänsweins Anwesenheit mal Zügel angelegt.

    Aber das wirklich quälende Problem bleibt: was tut man als treuer Katholik in so einer Diözese, wo der Bischof eher ein Mietling ist, der seine Herde den reissenden Wölfen überlasst, statt sie vor denen zu schützen? Die FSSPX ist für mich (noch) keine Alternative. Aber was dann? Wirklich katholische Priester gibt es bei uns so gut wie gar keine mehr, jedenfalls nicht in der Pastoral, denn dort werden sie früher oder später von den "Gremienkatholiken" weggemobbt - und zwar stets mit Unterstützung des zeitgeistseligen EB Zollitsch. Es ist zum Weinen. Maria hilf!

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  5. Ja, so ist es in Freiburg.
    Und es hat mich wirklich positiv erstaunt, wie gut und richtig die Messe zu Maria Himmelfahrt im Münster war.
    Ich habe hinterher gesagt "Ich wusste gar nicht, dass unser Bischof das überhaupt kann!"
    Jeder gute Priester wirft, egal von welcher Fraktion er ist, irgendwann das Handtuch und findet sich dann entweder strafversetzt hinter einem Schreibtisch im Ordinariat wieder, oder man hört plötzlich er sei in Indien oder in der Ukaraine, oder es wird so getan, als habe es ihn nie gegeben, wenn er nicht das Handtuch geworfen hat, sondern ausgeharrt und dann doch in Rente gehen musste, weil er 75 geworden ist.
    Es hilft wenig. Schreibt man ans Ordinariat wird das dort bewusst missverstanden, so dass am Ende der Gute Priester einen aufs Dach bekommt.
    Wir fahren über eine halbe Stunde, wenn wir zu einer sicher vernünftigen Messe wollen, ab und an ist tridentinische Messe, oder ich geh ins Altersheim, dort kniet zwar keiner, (weil die Leute es einfach nicht mehr können) aber der Priester hält sich ans Messbuch!
    Will heißen, man muss beten, ausharren und lernen nicht zuzuhören, besonders bei den Predigten.
    Ein Trauerspiel. Maria hilf!

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  6. Vieen Dank für Ihr "Zeugnis", das ich, auch wenn es natürlich deprimierend ist, als wohltuend empfinde, weil es im total liberalisierten (oder noch besser: bis zur Unkenntlichkeit bzw. Verwechselbarkeit durchprotestantisierten) Katholizismus "in diesem unserem Lande" so selten ist, mal jemand zu hören, dem es auch so ergeht.

    Nur: Beten, ausharren, weghören bei den Predigten - wenn ich ehrlich bin, tue ich das schon seit Jahrzehnten. Wenn es nicht leicht blasphemisch klingen würde, dann müsste ich sagen; die Gebete sind nie erhört worden, der Herrgott stellt sich offenbar taub.

    Aber wenn ich die unbotmässigen Spekulationen über die Meinung des Himmels zu all dem weglasse, bleibt die deprimierende Erkenntnis: beten, ausharren etc. nützt rein gar nichts. Es wird schlimmer und schlimmer. Und seit dem 13. März 2013 hat auch das Wort "Romtreue" plötzlich einen bitteren Beigeschmack bekommen. Da könnte man fast irre werden. Aber muss es doch eine Alternative geben, und zwar jenseits der "ungehorsamen" Piusleute, oder?!

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  7. Es ist Kreuzwegszeit der Kirche und wie damals in Jerusalem, gehen die Frommen diesen Kreuzweg inmitten anderer, die ganz begeistert sind über anderes, den Fortschritt, die Zivilisation und so.
    Seelig sind die, die nichts sehen und doch glauben.
    Und ich tröste mich immer mit folgendem Wort von Guardini:
    Die Liebe wird aus der allgemeinen Welthaltung verschwinden (Mt 24,12). Sie wird nicht mehr verstanden noch gekonnt sein. Um so kostbarer wird sie werden, wenn sie vom Einsamen zum Einsamen geht; Tapferkeit des Herzens aus der Unmittelbarkeit zur Liebe Gottes, wie sie in Christus kund geworden ist. Vielleicht wird man diese Liebe ganz neu erfahren: die Souveränität ihrer Ursprünglichkeit, ihre Unabhängigkeit von der Welt, das Geheimnis ihres letzten Warum. Vielleicht wird die Liebe eine Innigkeit des Einvernehmens gewinnen, die noch nicht war. Etwas von dem, was in den Schlüsselworten für das Verständnis der Vorsehungsbotschaft Jesu liegt: daß um den Menschen, der Gottes Willen über Sein Reich zu seiner ersten Sorge macht, die Dinge sich wandeln (Mt 6,33).
    Dieser eschatologische Charakter wird sich, scheint mir, in der kommenden religiösen Haltung anzeigen. Damit soll keine wohlfeile Apokalyptik verkündet werden.
    Niemand hat das Recht zu sagen, das Ende komme, wenn Christus selbst erklärt hat, die Dinge des Endes wisse der Vater allein (Mt 24,36). Wird also hier von einer Nähe des Endes gesprochen, dann ist das nicht zeithaft, sondern wesensmäßig gemeint - daß unsere Existenz in die Nähe der absoluten Entscheidung und ihrer Konsequenzen gelangt; der höchsten Möglichkeiten wie der äußersten Gefahren.

    Mehr hier http://beiboot-petri.blogspot.de/2013/08/guardini-das-ende-der-neuzeit-die-liebe.html

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  8. Irgendwie passen da auch die Berichte dazu, die darüber spekulieren, ob diese Predigt eine "Bewerbungsrede" für den Bischofssitz in Freiburg sein soll. Tatsächlich merkt man jedoch genau an solchen Meldungen, dass die Journalisten keine Ahnung davon haben, wie man Diözesanbischof wird. Nur haben halt viele Leser auch keine Ahnung, und die glauben dann diesen Schwachsinn tatsächlich, und das sogar "reinen Herzens".

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  9. Das mit der "Bewerbungsrede" glaube ich auch nicht, denn EB Gänswein wäre sozusagen verrückt, würde er von sich aus sein "Arkadien" an der Seite "seines" Benedikt mit der Kathedra in Freiburg tauschen wollen, wo er vom ersten Tag an von einer unüberschaubaren Kamarilla (im Klartext: das gesamte Ordinariat) umgeben wäre, die ihn solange mobben würden, bis er abachussreif gemacht ist wie die Bischöfe Haas und Mixa.

    Allerdings wissen nicht nur die Journalisten, sondern auch die meisten Katholiken nicht, wie man in Freiburg Erzbischof wird. Nämlich nicht durch Entscheidung und Ernennung des Papstes oder sonst aus Rom, sondern durch Wahl(!!) des Domkapitels vor Ort. Die einzige Einflussmöglichkeit Roms ist die Dreierliste, die es dem Domkapitel vorlegen "darf" - die eigentliche Wahl haben dann die komplett protestantisierten Räte im Domkapitel. So kommen solche "Bischöfe" zustande wie Zollitsch und dessen Vorgänger Oskar Saier, der kein Deut katholischer war.

    Allerdings: Rom ist da auch ein bisschen mit dran schuld, wenn es aus solchen Verträgen mit dem Staat, die dieser unkatholischen Bestellung des Bischofs zugrunde liegen, nicht aussteigt.

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    1. Eben, aus diesem Grunde ist das Gerede von einer Bewerbungsliste Unsinn.
      Nur ist es meines Wissens umgedreht. Das Domkapitel schickt eine Liste mit drei Namen nach Rom und Rom wählt dann einen der drei aus.
      Ich bin übrigens des Ansicht, dass man, wenn man das Kriterium "gut katholisch" für Kirchenmitarbeiter, egal ob hauptamtliche oder Laien, Kindergartenerzieherinnen, Pastoralassistenten, Amtsleiter oder Schreiber für Kirchenzeitungen, anwenden würde, so müsste man ca 75% der Leute entlassen.
      Irgendwo habe ich gelesen dass die Kirche genausoviel Leute beschäftige wir sie Gläubige habe, das zeigt schon, das da was schief läuft.
      Das Beratungsteam der örtlichen Caritas besteht fast aus dem kompletten Führungsteam der örtlichen Grünen, z.B..
      Lösungen habe ich keine, aber ich denke mal, wenn der antikirchliche Wind so weiter weht, dann werden all die, die zwar mit der Kirche nix am Hut haben, aber ein warmes Büroplätzchen gerne haben, doch hoffentlich die Konsequenzen ziehen.

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    2. Ich darf Sie etwas korrigieren. Es ist so: der Erzbischof ist verpflichtet, jedes Jahr über die Nuntiatur eine aktuelle Dreierliste nach Rom zu schicken. Rom hat grundsätzlich die Möglichkeit, über diese Liste zu entscheiden und sie dann - wenn ein neuer Erzbischof zu bestellen ist - an das Domkapitel zurückzuschicken. Aber eben immer als Dreierliste, aus der das Domkapitel dann den EB wählen kann. Diese Wahl muss der Papst akzeptieren, so regelt es das unsägliche Konkordat.

      Die einzige Möglichkeit, die Rom hat, die Wahl des Domkapitels zu beeinflussen: wenn es will, dass ein bestimmter Kandidat vom Domkapitel gewählt wird, setzt es neben diesem zwei "No go's" auf die Liste, von denen es annehmen kann, dass das Domkapitel die einfach nicht wählen kann. Also, ich phantasiere mal: wenn Rom EB Gänswein als Freiburger EB wollte, dann würde es neben diesem den nigerianischen Erzbischof von Rejkjavik sowie einen als notorischen Alkoholiker bekannten Prälaten draufsetzen. :-)

      So etwa ist es vor zehn Jahren bei der Wahl von EB Zollitzsch gelaufen. Die ganze Diözese rechnete mit dem Diözesanadministrator WB Wehrle - den wollte Rom nicht, nahm ihn also von der Dreierliste. Rom wollte - man höre und zwicke sich in den Arm! - den Domkapitular Zollitsch, und setzte neben diesem zwei unmögliche Kandidaten auf die Liste, so dass man von der Wahl Zollitschs ausgehen konnte. Eines von vielen Beispielen für mangelnde Kenntnis und schludrige Arbeit in der Bischofskonkregation.

      Aber dazu wird es m.E. leider nicht kommen.

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  10. Ah okay danke für die Information!
    Damals rechnete jeder mit Weihbischof Wehrle, das stimmt. Und ich erinnere mich noch daran wie dieser, vor 11 Jahren, meine Tochter firmte.
    Wehrle gilt als Modernist, aber eines ist er, ein Realist.
    Er sagte damals in der Predigt relativ unverblümt, also so wie ich es noch selten gehört habe, dass er wisse, dass die absolute Mehrheit derer die vor ihm stünden am nächsten Sonntag nicht mehr wisse wo die Kirche ist, und dass auch die Angehörigen kaum mehr was mit dem Sakrament der Firmung anzufangen wisse, man mache es halt...............

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  11. Der Text der Predigt von Erzbischof Gänswein, can you write it??? thanks!

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