Donnerstag, 5. September 2013

Broder bringt es auf den Punkt

Also ich weiß schon, es ist katholisch ganz inkorrekt, aber mich irritiert das mit dem Fasten für den Frieden, und dazu ausgerechnet am kirchentechnischen Sonntag (kirchlich gesehen fängt der Sonntag nämlich am Samstagabend um 18 Uhr an) schon ziemlich.
Bloggerkollege Geistbraus hat sich ebenfalls Gedanken dazu gemacht, hier kann man sich das zu Gemüte führen.
Jedoch so richtig auf den Punkt gebracht hat es Broder in der Welt  Geben wir Gott halt noch einmal eine Chance      


Ich kann mir einfach nicht helfen ich begreife das Ganze nicht, sind wir denn Kinder, die Gott erpressen können von wegen "Ich ess jetzt nichts, solange bis du dem und dem beibringst, das und das zu tun?"
Broder formuliert, was die öffentliche Wahrnehmung von Kirche angeht:
Dabei wird niemand gezwungen, nach den Regeln der katholischen Kirche zu leben. Aber beinah alle möchten, dass der Pontifex ihre Lebensart anerkennt, besser noch: ihr seinen Segen gibt. Wie rebellische Kinder, die von zu Hause ausgezogen sind und alles ablehnen, wofür die Eltern stehen – sich aber regelmäßig einen Scheck abholen.

Auch das ist eine der Grundhaltungen aus denen politische Hungerstreiks resultieren.
Jedoch wenn man sich uns, der Kirche gegenüber so aufführt, müssen wir uns doch nicht Gott gegenüber genauso aufführen?

Die andere Sache die mir total Bauchweh macht, ist die: fromme Seelen argumentieren ja oft damit, dass man mit Fasten dem Gebet Nachdruck verleihe, und es sicher was wird mit der Gebetserhörung, wenn man dazu fastet.
Je nun, ich komme mir dann ja immer wie der letzte Ketzer vor, wenn ich auf die all nicht eingetroffenen inständigen Gebete verweise. Mein Vater erzählte immer von einem schwereren Unfall eines frisch verheirateten jungen Mannes, dessen junge Frau schwanger war, das ganze Dorf "lag auf den Knien vorm Herrgott und betete". Der Mann ist gestorben, das Kind geboren und war keineswegs die Freude seiner Mutter.
Sind wir ehrlich, kennt jeder solchen Geschichten und dem muss auch so sein, ist der liebe Gott doch kein himmlischer Kaugummiautomat, wo ich oben sounssoviel Gebet reintue und unten dann das Gewünschte herauskommt.
Auch das weiß und sagt Broder (wofür ich ihn knuddeln könnte)
Über die Frage "Wo war Gott in Auschwitz" sind etwa so viele Aufsätze geschrieben worden, wie in dem Lager Menschen umgekommen sind. Und hätten die Alliierten auf ein Zeichen vom Himmel gewartet, würden in Berlin noch immer die Nazis regieren.

Ich meine man kann die Frage der Theodizee (das ist der vornehme Ausdruck für die alte Frage "Wenn Gott doch gut ist, warum nimmt er mir, oder dem, oder denen, nicht dieses schwere Kreuz" oder kürzer formuliert "Warum guggt Gott scheinbar ungerührt zu?") doch nicht wegfasten?!

5 Kommentare:

  1. Das mit dem Fasten kommt mir vor wie "Do ut des." Also fast unmoralisch.
    Noch eine Bemerkung zum Sonntagsbeginn: Im Kodex des kanonischen Rechtes ist der Beginn des Sonntags nicht definiert. Es gibt ein apostolisches Schreiben von JPII ("Dies Domini"), in dem der Beginn des Sonntags mit der ersten Vesper des Sonntag (also Samstag Abend) festgelegt wird. eine konkrete Uhrzeit wird nicht genannt. Dazu ein Beispiel: In der Peterskirche in Wien ist die Vorabendmesse am Samstag bereits um 17 Uhr. Die Peterskirche ist eine Opus Dei-Kirche. Ich kann mir definitiv nicht vorstellen, dass sich ausgerechnet Opus Dei-Priester über eine "18 Uhr-Regel", falls es eine gäbe, hinwegsetzen würden. Der Sonntag beginnt also u.U. schon früher.
    Abgesehen davon, wenn wirklich noch Samstag wäre: Es hat in der frühen Kirche sogar eine wilde Diskussion darüber gegeben, ob man am Samstag überhaupt fasten DARF!

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    1. und wenn es kein do ut des ist- sondern eine Art Bußangebot an Gottmit der flehentlichen Bitte um Frieden- bleibt immer noch das "seht her ich fast und bete", das der Anweisung Chrsiti widerspricht, Fasten und Beten nicht zur Schau zu stellen. genau das aber wird auf dem Petersplatz geschehen. Ob sich die AlQaeda-Kämpfer und Gotteskrieger und der verblendete Diktator Assad davon beeinducken lassen, ist eher unwahrscheinlich.
      Übrigens beteiligen sich nach jetzigem Stand der Dinge 7 von 10 US-Diözesen nicht an der Aktion (Washington, New York, Philadelphia, Los Angeles, Houston, Boston,Detroit) oder anders gesagt verweigern 7 von 10 seiner Wähler dem Papst die Gefolgschaft.(www.chiesa S.Magister)

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    2. Manche, die sich nach Heiligen nennen, können auch nicht richtig lesen. Sie sehen nicht daß ich 7 von 10 Diözesen geschrieben habe, was keineswegs bedeutet, daß es nur 10 gibt- sondern daß 10 sich dahin geäußert hatten, 3 pro und 7 kontra. Hätte ich ausdrücken wollen, daß es nur 10 insgesaqmt sind, liebe selbsternannte Heilige, hätte ich 7 der 10 geschrieben. Noch Fragen? Altes Sprichwort, das auch für Amateurheilige gilt: "falsche Eifer schadet nur"!

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  2. Orlando f.06.09.13, 00:20

    Was mich besonders erstaunt ist, daß die gesamte katholische Welt für den Frieden in Syrien beten und fasten soll, während als die Kirchen und Klöster in Ägypten brannten, Christen nilauf nilab gejagt und ermordet wurden, nichts geschah. Über mögliche Gründe darüber will ich lieber gar nicht erst spekulieren, sie sind alle nicht gut.

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  3. Der Ratzingerianer eigener Art Broder trifft den Nagel einmal mehr auf den Kopf. Super!

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