Samstag, 14. September 2013

"Es ist ein Wunder, dass es bei uns überhaupt noch Christen gibt!"

Nachtrag zu Maria Namen


Am Donnerstag, dem 12. September feierten wir das Fest Maria Namen. Maria Namen erinnert an die Schlacht am Kahlenberg, die vor 330 Jahren durch die Verbündeten Europäer siegreich beendet wurde und die übermächtige Armee des türkischen Sultans für lange Zeit zurück in die Heimat schickte.


Da war es gut, dass wir gerade an diesem Festtag einen ganz besonderen Zelebranten begrüßen durften, der uns aus seiner aktuellen Lebensumfeld berichtete, was sich wohl vor 330 Jahren in ähnlicher Weise vor Wien" abgespielt" hat. 


Der emeriterte Erzbischof von Antiochien, Syrien und dem Libanon Flavien Joseph Melki ist derzeit auf Pastoralreise durch Europa. Er gab uns die Ehre und machte uns die Freude, an diesem Festtag die heilige Messe zu zelebrieren. Anstatt einer Predigt gab er einen Situationsbericht über die Lage im Nahen Osten. - und was besonders die Christen dort alltäglich erleiden müssen. 

Zunächst ging er aber auf die Situation in Europa ein: Denn auch hier sieht er das Christentum bedroht. Nicht, weil von seiten der Politik etwas gemacht wird, um das Christentum zu verdrängen. Nein Bischof Melki stellte fest, dass in Europa der Glaube nicht mehr weitergegeben wird - weil es keinen festen Zusammenhalt in den Familien mehr gibt. Das sei im Nahen Osten ganz anders: Hier wird die Familie hochgeschätzt und die Familien haben einen großen Zusammenhalt. Das hat im Nahen Osten dazu geführt, dass das Christentum von Generation zu Generation weitergetragen wurde - auch in bedrängten Zeiten. 

Dann ging er auf die Historie ein, dass eben der ganze Nahe Osten einmal christlich war, und wie im Lauf der Jahrhunderte die Christen durch die Muslime immer mehr gewaltsam zurückgedrängt wurden. Dass dann viele aus Angst vor Repressionen und Diskriminierung zum Islam konvertierten.
Er sagte "Es ist ein Wunder, dass es bei uns überhaupt noch Christen gibt"

Die, die noch da sind leben fest im Glauben und haben ein großes Vertrauen in Gott und besonders in Maria, dass sie für die noch verbliebenen Christen dort bei ihrem Sohn bittet. 
Er sagte, dass es für die Christen im Nahen Osten sehr bestärkend ist, dass Papst Franziskus die Gebetsvigil für die Menschen initiiert hat.
Dann gab es eine Situationsbeschreibung vor Ort in Syrien und im Libanon und es ist einfach nur grauenvoll. Gerade wie viele Christen auf der Flucht sind, die alles zurücklassen mussten, oder denen die Häuser angezündet und geplündert wurden.

Er sagte auch, dass eben viele das Land verlassen, aber die Bischöfe und Priester das nicht tun können, weil sie ja die Hirten sind, die von Gott dorthin geschickt wurden. Ich habe lange nicht mehr so ein intensives Glaubensbekenntnis gehört - schon gar nicht von einem Erz-Bischof. Die holen da unten echt die Kohlen für den Glauben aus dem Feuer, während unsere Hirten sich hier vor Herrn Prantl und Herrn Wensierski fürchten. Das muss man sich mal vorstellen.

In den Fürbitten ging es dann auch darum, dass wir den Herrn baten, dass die Kräfte, die hier bei uns die Familien und den Glauben zerstören wollen, zurückgedrängt werden.
Erzbischof Melki sang dann dass Vater Unser auf Aramäisch so wie es in den christlichen Gemeinden im Nahen Osten praktiziert wird. Das war ein wunderschöner emotionaler Moment der Messe, das Vater unser einmal so zu hören, wie es Jesus an die Welt weitergegeben hat. Danach beteten wir das Vater unser auf Deutsch. 

Erzbischof Melki hat dann auch die Kommunion ausgeteilt und es war erstaunlich, wie viele sich vor ihm hingekniet haben und die Mundkommunion empfangen haben.

Auf jeden Fall war das mal wieder ein ganz großer Moment in meinem Glaubensleben und es ist wirklich eine große Freude, Menschen und Hirten mit einer solchen Glaubenstiefe zu erleben. 


2 Kommentare:

  1. Kirchenfreund14.09.13, 23:30

    Interessant ist, das Erzbischof Melki bereits im letzten Jahr in Deutschland gepredigt hat - im Westen in Mülheim.
    Da war man offensichtlich aber gar nicht so glücklich mit den Aussagen des Erzbischofs. Besonders die katholischen Kirchenleute dort, die doch einen so schönen interreligiösen Dialog aufgebaut haben.
    http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/erzbischof-aus-beirut-warnte-in-muelheim-vor-der-islamisierung-europas-id7000341.html

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  2. Ja! es erinnert mich an den Besuch sudanesischer, katholischer Bischöfe in Deutschland.
    Ein katholisches Hilfswerk hatte denen, löblicherweise, einen Urlaub mitsamt ein bisschen Kur am Bodensee (oder so) spendiert.
    Ein sehr sprachbegabtes Mitglied unserer Pfarrei trag diese Bischöfe zufällig im Zug, und unterhielt sich mit denen.
    Er berichtete dann von dem Gespräch und die Bischöfe hätten vor dem Islam gewarnt, der sei brandgefährlich und man solle da nur nicht naiv sein...............
    Zufällig gab mir dann jemand das Mitteilungsblättchen selbigen Hilfswerken und da stand dann auch drin, das man die sudanesischen Bischöfe, wegen extremen Stress , extremer Belastung und so zu einer Kur eingeladen habe, was die auch angenommen hätten und dann kam dann der übliche mulitreligiös interreligiös, wir verstehen uns ja alle so gut und mögen uns alles so Neusprechsermon.
    So dass man sich fragte, woher denn der Sudan Konflikt, in dessen Folge die Bischöfe ja eine Kur gebraucht haben, denn käme.

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