Montag, 9. September 2013

Päpste und Frieden

Aktuell wird ja so getan, als sei Papst Franziskus der allererste Papst,  der für den Frieden eintreten täte und alle seine Vorgänger seien wilde Kriegstreiber, in der Nachfolge des Lamech aus dem alten Testament, der von sich sagt "Einen Mann erschlug ich für eine Wunde und einen Knaben  wegen einer Strieme und wird Kain 7fach gerächt, so Lamech 77fach" (1 Mose 4,24).
Befassen wir uns aber mal ein wenig mit den Fakten, so ergibt sich, dass auch  Johannes XXIII (dessen Biografie den Titel "Ein Leben für den Frieden" trägt), keineswegs der erste Papst war, der sich um so Dinge wie den Frieden gekümmert hat, auch Benedikt XV hat im ersten Weltkrieg versucht, den Frieden zu erhalten. Gibt man bei Google Benedikt XV ein, so steht da rechts
Benedikt XV war Papst von 1914 bis 1922. Auf Grund seines engagierten Auftretens gegen den Ersten Weltkrieg wurde er als Friedenspapst bekannt. (Wikipedia). Ej so ebbes,
Dann, wir erinnern uns an alte Heiligen Geschichten, wo uns berichtet wird, dass schon Papst Leo den Hunnenkönig Attila davon abgebracht hat, auf Rom zu ziehen und den Vandalen König Geiserich immerhin zur Rücksicht bei der Plünderung Roms überreden konnte.
Papst Benedikt und Frieden ergibt übrigens 306000 Treffer, bei google. Papst Johannes Paul und Frieden 206000 Treffer.
Papst Gregor der Große hat übrigens den Beinamen "der Friedenstifter".
Ich meine ja nur!


Und man muss es auch mal sagen, die berühmten Kreuzzüge waren im Grunde  Verteidigungskriege, man bedenke was Jerusalem damals für die Christen bedeutete und wie wichtig die Wallfahrt (Zu Fuß, oder Schiff, nicht mal eben hinfliegen) nach Jerusalem war. Zu einem Bußkrieg rief Papst Urban auf, aus dem Kreuzzügen wurden oft  Kreuzwege, ein nicht sooo einfach in Gute und Böse einzuteilendes Geschehen, wie Mattussek hier in einer Buchrezension versucht aufzudröseln.  Und der berühmte Franz von Assisi, zog sogar mit einem Kreuzzug,  um den Sultan  (nicht die Kreuzfahrer)  zum Frieden zu bewegen.
Es ist übrigens so, dass man manchen Krieg nicht einfach durch Nichtstun beenden kann, weil  schon Berthold Brecht feststellt, dass kämpft für die "Sache des Feindes, der für die eigene Sache nicht gekämpft hat". Das steht in dem berühmten Gedicht "Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin"
Und man glaubt es ja kaum, aber Mediator beim "Westfälischen Frieden" war auch ein späterer Papst, nämlich der damalige Kölner Nuntius  Fabio Chigi der spätere Papst Alexander VII.
Im Katechismus der katholischen Kirche steht übrigens zum Thema Krieg folgendes:

Insofern die Menschen Sünder sind, droht ihnen die Gefahr des Krieges, und sie wird ihnen drohen bis zur Ankunft Christi. Soweit aber die Menschen sich in Liebe vereinen und so die Sünde überwinden, überwinden sie auch die Gewaltsamkeit, bis sich einmal die Worte erfüllen: ‚Zu Pflügen schmieden sie ihre Schwerter um, zu Winzermessern ihre Lanzen. Kein Volk zückt mehr gegen das andere das Schwert. Das Kriegshandwerk gibt es nicht mehr‘ (Jes 2,4)" (GS 78,6).

und somit wären wir wieder bei Papst Benedikt, der übrigens bei seiner Predigt zur Amtseinführung sagte:
 Es gibt die Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen. Die äußeren Wüsten wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind. Deshalb dienen die Schätze der Erde nicht mehr dem Aufbau von Gottes Garten, in dem alle leben können, sondern dem Ausbau von Mächten der Zerstörung."
 Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe. Sie ist das Zeichen Gottes, der selbst die Liebe ist. Wie oft wünschten wir, dass Gott sich stärker zeigen würde. Dass er dreinschlagen würde, das Böse ausrotten und die bessere Welt schaffen. Alle Ideologien der Gewalt rechtfertigen sich mit diesen Motiven: Es müsse auf solche Weise zerstört werden, was dem Fortschritt und der Befreiung der Menschheit entgegenstehe. Wir leiden unter der Geduld Gottes. Und doch brauchen wir sie alle. Der Gott, der Lamm wurde, sagt es uns: Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst. Die Welt wird durch die Geduld Gottes erlöst und durch die Ungeduld der Menschen verwüstet.

Es ist meines Erachtens leicht für Frieden zu sein, wenn es einen selber nichts kostet. Christus hat seine Erlösungstat alles gekostet, das darf man nicht vergessen.
Und wir können uns nicht selber erlösen, also die Predigt Benedikts so verstehen, dass wir nur alle einen Kurs in Geduld machen und einen geistlichen Übungsweg gegen innere Wüsten und dann wird das schon was, mit dem Weltfrieden, nein so nicht!
Sich lieben zu lassen, sich erlösen zu lassen, darum geht es und das ist genauso schwer, bis rein menschlich  unmöglich, wie es sich leicht und easy anhört.




1 Kommentar:

  1. Tja, alles schön und richtig - nur die, die es angeht, hören es ist. Wir werden uns wohl damit abfindne müssen: mit Franz ist die völlig neue Epoche der "Friedenspäpste" angebrochen. Ach was, die ganze Kirchengeschichte wird ab Franz neu geschrieben werden müssen... :-)

    Roma, Roma, convertere ad Deum tuum!

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