Mittwoch, 16. Oktober 2013

Barocke Pracht - ist das wirklich Luxus?

Also inzwischen ist es ja bekannt, dass ich ein großer Fan von barocker Pracht bin. Es gibt nichts schöneres als barocke Kirchen, barocke Schlösser und ich kann mich an dieser vollkommenen Schönheit einfach nicht sattsehen. Wir Europäer können froh und glücklich sein, eine solche Kultur zu haben und dass wir es geschafft haben, uns diese Kultur- und Baudenkmäler weitgehend unbeschadet in die Gegenwart zu retten.
Gegenwart - das ist das Stichwort.  Heute prescht WeltOnline mit einem neuerlichen Neidartikel vor Natürlich ausgerechnet die SpringerPresse, deren Chefin mehrere Villen, incl. eines Hauses auf Sylt und einen großen Fuhrpark ihr eigen nennt und die eine Stiftung gegründet hat, um Steuern zu sparen. Hinzu kommt, dass sie auch noch auf aus katholischer Sicht unlauterem Weg an dieses Vermögen gekommen ist.  Aber das ist nur eine Randnotiz. Denn Neidschüren als Stilmittel der Politik ist ja nun seit Jahren nichts neues. Und diesmal sind halt die Kirchen dran.
Letztens hatte ja der Spiegel schon versucht, den deutschen Bischöfen ihre "Geheimnisse" in Sachen Auto zu entlocken, ist aber damit zumindest in Bayern gescheitert. "Mia sogn nix" und gut ist ...
Nix destro trotz gibt es bei WOn eine Bildergalerie, in der mehr schlecht als recht dargestellt wird, wie die Deutschen Bischöfe so residieren und fahren .... Da sieht man Außenaufnahmen der "hochfürstlichen Residenzen" (Tja, wenn die bei WOn wüssten, dass wir sogar ein Video des Holnsteinpalais von innen haben....). Auch die SZ hat inzwischen einen Artikel, wo sich die Bischöfe ob (ihres Daseins und) ihrer Nutzung einer Wohnung und eines Autos permanent entschuldigen. Der eine oder andere Bischof hat sich sogar dazu geäußert. Z.B. der hier:

"Der Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen lebt nach eigenen Angaben wider Willen in barockem Luxus. Auf 174 Quadratmeter Wohnfläche zu residieren, sei "natürlich nicht zeitgemäß". "Für mich ist es eine Zumutung, darin zu wohnen", sagt er. "Der ganze Komplex ist ziemlich groß." Algermissen hätte lieber eine kleinere Dienstwohnung."

Natürlich ist das jetzt dem "Armutstrend" geschuldet, aber ich muss sagen, andererseits kann ich das verstehen.

Ich bin ja hin und wieder mal im Kloster und das sind ja auch alles Barockbauten. Augenpulver, wo man geht und steht und einfach nur eine Freude.
Andererseits - trotz Dauer-Renovierung knirscht und zieht es in diesen alten Gemäuern an allen Ecken und Enden. Man kriegt diese Gebäude gar nicht so gut saniert, dass immer alles ok ist. Die wunderschönen hohen Räume, die herrlich weiten Säle - also ich möchte da auf Dauer nicht drin wohnen. Luxus und Komfort, das ist doch was anderes. Ich denke nicht, dass z.B. der Münchner Kardinal in seiner barocken 3-Zmmer Wohnung eine Fußbodenheizung hat. Da wäre ihm der Denkmalschutz aber schnell auf's Dach gestiegen. Gut, Männer frieren nicht so leicht. Aber ich müsste in so einer tollen Luxus-Barockwohnung den ganzen Tag in dicken Strümpfen, Hosen, doppelter Unterwäsche und Wollpullis rumlaufen. Also Luxus ist was anderes.... Der Traum, in einem Schloss zu wohnen, platzt schnell, wenn man merkt, dass man das im Winter nicht geheizt kriegt. Wie haben die das früher nur ausgehalten?
Ein weiterer Punkt ist, dass so eine barocke Luxuswohnung auch nicht allein zu "unterhalten" ist. Sicher hat ein Bischof Personal, das ihm so eine Wohnung putzt, aufräumt und für ihn kocht. Aber wie kriegt man als Normalo, der ja niemanden anderen "mit niederen Arbeiten ausbeuten will" - und für den Putzen auch Teil des persönlichen Fitnessprogramms ist, geputzt? Also, ich fang jetzt mal beim Marmor an. Mit herkömmlichen Putzmitteln (die alle Kalklöser enthalten), darf man da gar nicht dran. Sonst geht der Stein kaputt und der schöne Glanz ist weg. Also braucht man entweder Spezialreiniger (mit dem man aber trotzdem ordentlich rubbeln muss) oder muss sich einen Dampfreiniger leisten....
Die barocken Sprossenfenster sind ein weiteres Problem. Sieht natürlich alles sehr schick aus, aber man kriegt die feinen kleinen Ritzen nur mit der Zahnbürste sauber .. (oder mit dem Dampfreiniger) .... 

Also ich denke, so hin und wieder ist das wirklich schön, im barocken Ambiente zu leben, aber im Alltag? Luxus ist was anderes ... 




Kommentare:

  1. Die 110m² die Bischof Algermissen statt der jetzigen 174m² (nein, es sind keine 175, das wurde genaustens ausgemessen) gerne hätte braucht er natürlich nicht nur für seine vielen Bücher, sondern auch für sein Solarium — Oder ist er aus Bescheidenheit nun auf einen Gesichtsbräuner im Handtaschenformat umgestiegen?
    *SCNR*

    Solche Aussagen sind doch wohl lächerlich!
    Bei 10 m x 11 m wohnt ein Bischof zeitgemäß
    bei 12 m x 14,5 m wohnt er unzeitgemäß und es ist eine Zumutung.

    Bei Wohnungen kommt es natürlich auf die Aufteilung an…
    „Nein, die Wohnung ist nicht groß/klein, sie wirkt nur so…“

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    1. Ich denke mal, der Papst in Rom lacht sich kaputt ob des vorauseilenden Gehorsams und des Opportunismus der deutschen Kirchenführer. Meine Güte, warum kann man nicht einfach dazu stehen. Schließlich leistet die Kirche ja auch einiges für unser Land und ich meine da jetzt nicht die Kindergärten und das übliche "Sozialvereins-Gedöns", sondern das spirituelle. Wie es ohne Kirche in Deutschland aussehen würde, sieht man an Berlin, das inzwischen ja wohl wirklich auf dem Niveau eines Drittweltlandes angekommen ist.

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  2. Unsere Wohnung hat 134 qm und ich freu mich schon drauf wenn ich die für mich alleine (mit meinem Mann habe.
    Ich erinnere an den Witz:
    "...das Leben fängt dann an, wenn die Kinder aus dem Haus und der Hund tot ist"
    Viele alte Leute, bewohnen alleine über 100 qm, einfach weil sie im Haus (oder Wohnung) wohnen geblieben sind, und die Kinder eben ausgezogen sind.

    Wie kann man nur so wenig Ahnung von der Realität haben und so schlecht kontern wie unsere Bischöfe????

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  3. Mit der Bitte um Nachsicht (Vergebung) bekenne ich: Mit meiner Frau lebe ich ohne Kinder in einem Haus von 155 qm (!!) Wfl. Allerdings mit eingeschlossenem Büro. Dennoch vermisse ich schmerzlich ein Zimmer von ca. 20 qm für meine Bibliothek. So muß ich überall mit von Büchern tapezierten/verzierten/verunstalteten Wänden leben. Ist das eigentlich zumutbar? Möglicherweise hat der Verwaltungsrat des Bistums Limburg dazu eine Antwort.

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