Dienstag, 8. Oktober 2013

Freiburg und Rom, geht es ums prinzipielle 'non possumus' oder war der Zeitpunkt nur verkehrt gewählt?

Ich gestehe jetzt einfach mal, es fehlt mir die Zeit mich durch alle Meldungen zu wühlen.
Interessant war, heute  las ich in der ortsüblichen Tageszeitung, die im Wartezimmer  herumlag, die Kirche würde endlich vor ihrem unzeitgemäßen Kurs abgehen und eine erneute Wiederverheiratung nicht länger als Sünde  sehen.
Über den Gag, dass neuerdings die wiederverheiraten geschiedenen  Katholiken!  zum Sakrament der Taufe zugelassen werden können sollen, haben unsere Leser  hier im Kommentarbereich bereits geschrieben.
Interessant ist allenfalls, dass (bislang noch) keiner auf die (doch naheliegende) Idee kommt, die wiederverheirateten Geschiedenen zum Sakrament der Ehe zuzulassen, aber das würde den katholischen Ehebegriff, von wegen "bis das der Tod euch scheide" doch endgültig auszuhebeln, auch wenn es ja oft  schon so ähnlich praktiziert wird, wie man hier nachlesen kann.
Gut, könnte man sagen, was versteht so ein Feld, Wald und Wiesen Journalist schon von der Kirche?
Heute morgen las ich auf kath.net die beruhigende Nachricht: La Repubblica: Vatikan irritiert über Freiburger Initiative und im Artikel wird  zunächst Lombardi zitiert mit "Es ändert sich nichts». Es gebe keine Neuigkeiten in Sachen wiederverheiratete Geschiedene. " Das ebenfalls veröffentliche Statement von Kardinal de Paolis sagt dann nochmal klar Zitat: Wiederverheiratete Geschiedene seien in einer Situation, die dem göttlichen Gesetz über die Ehe widersprächen, so De Paolis. Daher sei es «evident», dass ein Priester ihnen die Kommunion verweigern müsse, so der Kirchenrechtler.
Ich war beruhigt und dachte "Naja es hat sich doch seit 1993, damals als das Hirtesnchreiben der Bischöfe Lehmann, Saier und Kaspar herauskam,  nichts geändert, warum die Aufregung?"
Später präzisierte kath.net was Lombardi wirklich gesagt hat und das hört sich für mich schon dramatischer an.
Die Überschrift  lautet jetzt nämlich  Vatikan gegen deutsche Sonderwege für wiederverheiratete Geschiedene
Mir wäre lieber und wohler, die Überschrift wäre: Vatikan stellt fest:
Lehre der Kirche kann nicht geändert werden.


Unterüberschrift:
 Die Kritik des Vatikans an dem Papier von 1993 (Hirtenschreiben der Bischöfe Kaspar, Saier, Lehmann) gilt immer noch.
Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion ist nur dann möglich, wenn die beiden wir Bruder und Schwester zusammenleben, oder im Angesicht des Todes.

So wie sich das aktuell anhört kritisiert Lombardi nicht den Inhalt der Freiburger Handreichung, sondern den Zeitpunkt der Veröffentlichung und er macht Hoffnung, dass auf der Synode genau das beschlossen wird, was in der Handreichung drin steht. Auf gut deutsch "Man muss halt mit dem Pfarrer reden, der von den Bischöfen aufgefordert wird  ja nicht zu urteilen, weil wer ist er schon, dass er urteilen könne?"

Ich hoffe sehr ich irre mich, ich hoffe es wirklich.
Und es sei mir folgender Hinweis erlaubt, der mittlerweile heiliggesprochene Padre Pio sagte mal zu einer Frau, die sich bei ihm über ihre Ehe ausheulte "Wusstest du nicht, dass die Ehe ein lebenslanges Martyrium ist"
Und jeder weiß es, es ist nicht einfach,  neulich bin ich mit einem alten, frommen und irgendwie genialen  Mann, den ich schon lange kenne und immer dachte, "bei denen ist alles ja ganz vorbildlich und gut",  ins Gespräch gekommen der hat gesagt "Meine Frau und ich, wir hatten auch Jahre, die waren schwer, man stand sich nur im Weg herum und explodierte ständig, wir haben das durchgehalten und jetzt sagen wir uns fast jeden Tag, wie gut es ist, dass wir uns haben "
Ehe ist nicht leicht und in dem immer wieder aufs Tapet gebrachte Hirtenbrief von 1993, lautet der erste Satz "Die Christliche Ehe ist viel Kreuz und Leid, aber immer wieder Neuanfang und Versöhnung..."
Ist mir damals, als es uns auch nicht gut ging miteinander, durch und durch und die Idee "Die Kirche weiß, dass du mit Eheschwierigkeiten zu kämpfen hast und es geht allen so" hat mir schwer geholfen.
So wie es sich aktuell anhört resigniert die Kirche selber vor den Kreuz und will die Verweigerung des Kreuzes segnen, dabei sollten doch mehr die bestehenden Ehen gesegnet werden, so wie MItbloggerin Cinderella hier berichtet.
Wir gesagt ich hoffe schwer, das ich mich irre.

Kommentare:

  1. Liebe Ester, was Sie erfahren haben oder der "geniale" fromme alte Mann, ist bewegend und eine Gnade für den, der es so erfährt. Aber es wird dann im Wortsinn un-menschlich, wenn daraus ein abstraktes Prinzip gemacht wird, eine "unveränderliche Lehre". Es gibt Ehen, da kann man mit gesundem geistlichem und psychologischem Menschenverstand eben nicht mehr raten, "durchzuhalten" und beieinanderzubleiben. Das werden Sie genauso gut wissen wie ich. Es gibt Ehen, die sind die Hölle, und sie wären besser nie geschlossen worden. Auch hier liegt ein Versagen der Kirche - wessen Traubegehren wird heute noch durch einen Priester mutig abgewiesen?? Und wenn Sie nun entgegnen, okay, in so einem Fall kann man sich ja trennen, aber dann muss man eben keusch durch den Rest des Lebens gehen, dann mag das zwar die "reine Lehre" sein - aber es ist zugleich zutiefst zynisch.
    Das spüren die Menschen, und auch deshalb steht die Kirche so da wie sie dasteht. Und weil das auch der Papst spürt, ist es so, dass Sie sich nicht irren - die "reine Lehre" wird in absehbarer Zeit verändert werden. Zum Segen der Menschen und zur Glaubwürdigkeit der Kirche. (Nur in Klammern: die Lehre der Kirche hat sich in 2.0000 Jahren schon vielfach verändert. Oder meinen Sie, die Eucharistie sei von Anfang an im Sinn der thomanischen Transubstantiationslehre verstandem worden? Oder die Todesstrafe: Bis vor gut 100 Jahren hat die Lehre der Kirche sie für rechtmäßig gehalten. U.v.a.m.)

    Mir ist schon klar, dass dieses Posting nicht freigeschaltet wird. Ich wollte es Ihnen dennoch geschrieben haben.

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  2. Leber Georg was Sie als zynisch beschreiben ist genau so.
    Das Leben ist halt nun mal hart bis schwer hart und Christus hat uns genau das vorhergesagt, dass sein Weg, zwar der einzig wahre, jedoch hart bis superhart ist.
    Um es einfacher auszudrücken: das Leben ist kein Ponyhof und die Kirche nicht der Verein, der den Leuten erlaubt weiter zu sündigen.
    Lesen Sie halt mal bei der unlängst zur Kirchlehrerin erhobenen, Hildegard von Bingen was die über die Leiden der Seelen schreibt, die versuchen sich aus der Umklammerung der Dämonen zu lösen.
    Im übrigen wüsste ich wirklich nicht was an der Forderung eines keuschen Lebens zynisch sein soll, ist es doch die Lebensweise der Engel und das was uns im Himmel erwartet.
    Ihre Haltung finde ich zynisch, weil Sie den Menschen betrachten wie einen Dackel der halt "muss", wenn eine läufige Hündin vorbei kommt.
    Der Mensch ist aber kein Vieh, keine läufige Hündin und kein rolliger Kater!

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  3. Ich denke, bei einer Art von Situation könnte schon etwas geändert werden. Ich denke da an etwas, was recht oft passiert, z.B. auch in meiner Verwandtschaft: Eine Cousine von mir hat einen verheirateten Mann verführt und ihn dazu gebracht, sich scheiden zu lassen und sie zu heiraten.
    Das Problem ist jetzt folgendes: Das Sakrament der Ehe spenden sich die Eheleute gegenseitig. Sie versprechen sich gegenseitig, bis zum Tod eines der Ehepartner zusammenzubleiben. Wenn jetzt ein Ehepartner diesen "Vertrag" bricht, muss dann der zweite wirklich unbedingt an dieses gebrochene Versprechen gebunden bleiben? Wie kommt eine Frau, die von ihrem Mann wegen einer Anderen böswillig verlassen worden ist, dazu, jetzt womöglich ihr ganzes restliches Leben alleine bleiben zu müssen? Die verlassene Ehefrau hätte ja die Absicht gehabt, ihr Eheversprechen zu halten, ihr Mann hat es gebrochen. Ich denke, für solche Leute, die völlig unschuldig geschieden sind, sollte man sich etwas ausdenken. Die Schwierigkeit ist halt: Wie geht man mit solchen (nochmals: NUR mit solchen, die keine Schuld an dem Ganzen haben) barmherzig um, ohne damit die Unauflösbarkeit der Ehe in Frage zu stellen?

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  4. Liebe Dorothea
    Die heiligmäßigste Frau die mir live jemals untergekommen ist, ist meine Großmutter, die nämlich von ihrem Mann verlassen wurde und mit 2 kleinen Kindern das eine davon schwer krank, plötzlich alleine stand; weil ihm ihre Nase plötzlich nicht mehr passte.
    Es wäre ihr nie eingefallen nochmals zu heiraten, obwohl sie sehr hübsch und nett und lieb war!
    Sie hat das getragen wie ein Mann, und ist dadurch gereift bis dahin, das sie eben eine sehr weise und heilige Frau (trotz vielem Ärger, der ihr nicht erspart bleib, aber das führt hier zu weit) wurde.
    Angefangen hatte sie auch erst ganz "normal".
    Es gilt doch im obigen Fall, die Cousine und der Mann sind schuld, warum ist denen geholfen (die sich einfach scheiden lassen müssten) wenn die rechtmäßige Ehefrau sich nun auch anderweitig amüsiert?

    Die Erfahrung zeigt doch, man heiratet im zweiten Fall immer den gleichen Typ, an dem man schon mal gescheitert ist, für mich fast ein Zwang, doch die gottgegebenen Aufgabe mit genau dem Idioten, den man grad vor die Tür gesetzt hat, zu erfüllen.
    Wenn ich mir all die Wiederverheirateten angugge, dann hätten die gleich bei dem ersten bleiben können, ziehen die doch immer das gleich Kaliber an Land.
    Die Ausnahme besteht darin, das sich 2 finden, die alle beide gescheitert sind und nun eine reine Vernunftbeziehung in dem Stil besserer Wohngemeinschaften führen.
    Man muss doch mal die Augen aufmachen!
    Verzeihen sie den schroffen Ton, aber ich habe lange Jahre mit den Leuten geredet und immer fand ich die selbe Geschichte (jn Variationen), aber die Grundaussage ist doch:
    "Der (oder die) hat mich betrogen und jetzt betrüg ich ihn (oder sie) , damit der sieht wie das ist!"
    Betrachtet man diese Argumentation recht; stellt man fest, man betrügt drei Personen: den rechtmäßigen Partner, den neuen Partner und sich selbst und verbaut jede Möglichkeit, dass die Sache in Ordnung kommen kann.
    Und diese sich-selber-was-vormachen-und-in-die-tasche-Lügerei soll die Kirche absegnen?

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    1. Lesen Sie bitte nochmals mein Posting. Dann werden Sie merken, dass da kein Wort davon steht, dass "die rechtmäßige Ehefrau sich nun auch anderweitig amüsiert". Zur Klarstellung: Sie amüsiert sich gar nicht. Sie hält sich an die Regeln der Kirche und leidet unter der Situation. Und sie tut mir Leid. Es ist eben nicht jedermanns Sache, alleine leben zu müssen.

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  5. Liebe Dorothea das mit dem amüsieren war meiner Schlapsigkeit geschuldet.
    Es ging mir darum, dass dadurch, dass die "unschuldig geschiedene" das Recht hat nochmal zu heiraten das dem Recht gleich kommt sich anderweitig zu amüsieren, ich meine man heiratet ja nicht um es schlecht zu haben, oder?
    Weiter, bin ich wie ich oben schrieb, da etwas sensibilisiert und die Sache mit Schuld und Unschuld ist gaaaar nicht so einfach, wie es sich anhört.
    Faktisch ist es immer so, dass es ganz darauf ankommt, mit welchem Teil der Verwandtschaft und Bekanntschaft des Paares ich mich unterhalte.

    Nur kapiere ich überhaupt nicht was am keinen Sex haben, weil darum geht es ja, so schlimm sein soll.

    Ich meine alles andere kann man auch ohne verheiratet zu sein haben, Freunde, Gespräche, Vertrautheit, Zuspruch, gegenseitige Verantwortung und all das udn wie gesagt das Leben hat um Erich Kästner zu zitieren, bisweilen eine verteufelt große Handschuhnummer (Vorrede des fliegenden Klassenzimmers).
    Wenn die rechtmäßige Ehefrau sich an die Lehre der Kirche hält, hat sie die Chance heilig zu werden, und das ist besser, als auf dieser Welt es gut zu haben (Evangelium von neulich).
    Weiter wenn man so die Ehen anguggt wo sie oder er, ihn oder sie seiner rechtmäßigen Frau oder Mann ausgespannt hat, das ist ja fast schon Strafe die Klammerei und das ewige sich nicht sicher sein, ob sich nicht jemand findet der ihn oder sie erneut ausspannt, hat er oder sie sich ja da schwer anfällig erwiesen.

    Es ist im letzten dieser Unrealismus seitens derer die unbedingt die Ehe abschaffen wollen die mich auf die Palme bringt.
    Der holländische Katechismus wurde von Rom kassiert (und wir wissen das Rom seit dem Konzil kaum einschreitet), weil da drin stand, dass es Aufgabe der Eheleute sei die Ehe unauflöslich zu machen und wenn die Eheleute das nicht hinkriegen, dann ist die Ehe eben nicht unauflöslich.
    Leute die es, wie ihre Bekannte aushalten sind Kandidaten für Heilige und sowas brauchen wir doch, oder?
    Ich fidne immer die Kirche mit ihrer alles und jedes Dispenziererei verhindert das was sie braucht, nämlich Heilige und gleichzeitig sagt sie den Leuten, die es ausgehalten haben, wie ihre Bekannte oder meine Großmutter "Schön blöd gewesen"
    Und das finde ich gemein und zynisch.
    Bergsteigen kann schwer sein, jedoch das Abhängen der Kletterseile macht das Bergsteigen komplett unmöglich.
    Und selbst wenn wir in den Alpen nciht klettern, sondern "nur" bergwandern macht das Entfernen der Schilder die anstrengenden Wege auch nicht besser.
    Und nciht umsonst haben die Mystiker den Weg zu Gott schon immer und ewig mit dem erklettern eines Berges verglichen.

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