Freitag, 29. November 2013

Ding-A-Dong

Neulich klingelte es an meiner Haustür - und der kurze Blick nach draußen vermittelte mir zwei dunkelbehoste Beine. So war es gut, über die Gegensprechanlage zu fragen, wer denn da sei.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten "Wir haben eine wichtige Nachricht für die ganze Welt".... Oha, dachte ich derweil: Mormonen oder Zeugen Jehovas? ..."dürfen wir reinkommen oder sollen wir es in den Briefkasten werfen?" Ich entschied mich für die Variante Briefkasten, denn ich hatte ziemlich viel zu tun und bin ehrlich gesagt davon ausgegangen, dass ich die wirklich wichtigen Nachrichten für die Welt in der Kirche zu hören bekomme.
Neugierig war ich dann aber doch, wer da so zur Mittagsstunde durch unsere Straßen zieht, um uns die wichtigen Nachrichten persönlich vorbeizubringen. Und so fand ich in meinem Briefkasten einen Flyer, der als Absender eine Gesellschaft WJ hatte. Die Inhalte und besonders das Design kamen mir aber bekannt vor, da die Gesellschaft WJ vor ein paar Jahren noch als Zeugen Jehovas firmierte. Offensichtlich haben die jetzt Angst gekriegt, dass sie die Leute mit dieser Aussage erschrecken könnten, und deshalb den "Firmenauftritt" modernisiert und anglisiert. WJ klingt ja auch irgendwie hipper .....

Naja und jetzt habe ich doch ein schlechtes Gewissen. wie gesagt, ich hatte viel zu tun und war ordentlich im Stress - aber hätte ich mich nicht auf einen Dialog einlassen müssen? Immer fröhlich lächelnd zuhören und ihnen damit klarmachen, wie schön es ist, katholisch zu sein? Ein tief ausgeschnittenes T-Shirt anziehen, damit sie das Goldene Kreuz um meinen Hals auch ordentlich wahrnehmen? Hätte ich sie damit überzeugen können, katholisch zu werden? Mmmmmh.....


... da fällt mit doch eine Episode aus meiner Kindheit ein: Mein Opa, der mit zunehmendem Alter immer schwerhöriger wurde, hatte von meiner Mutter den Auftrag bekommen, auf uns Kinder aufzupassen, weil sie "ins Dorf" wollte. Das tat der Opa auch gerne, weil wir Kleinen doch einen gewissen Unterhaltungswert für ihn hatten. Dann klingelte es an der Haustür. Meine kleine Schwester öffnete. Zwei aggressive junge Männer fragten: "Ist eure Mutti zuhause?". Wir verneinten, das glaubten sie uns aber nicht, schubsten uns zur Seite und haben unser "nur der Opa" wohl nicht mehr gehört.
So kam es, dass unser schwerhöriger Opa 2 Stunden lang von den "WJ" (formerly known as Zeugen Jehovas) "missioniert" wurde und immer nur hin und wieder mal ein "ja ja" ausstieß, was die beiden Männer befeuerte, immer weiter auf ihn einzureden. Als meine Mutter zurückkam, ging's dann auch sofort zur Sache: "Was ist den hier los?" rief sie, packte die beiden und zeigte ihnen den Weg zum Ausgang. Tja, und mein Opa ist als Christ gestorben, der weiterhin jeden Sonntag zur Kirche ging.
Die beiden WJ-Männer suchten schnell das Weite. Ich gehe mal davon aus, dass sie trotz der Dialogbereitschaft und der Freundlichkeit meines Opas weiterhin bei ihrem Glauben geblieben sind....

... und ich denke, so wäre es auch gekommen, wenn ich anstatt der Variante Briefkasten die Variante Gespräch vorgezogen hätte. Ich hätte die beiden Herren nicht durch den Dialog überzeugen können und sie mit meinem Kreuz um den Hals wohl eher erschrocken (die WJ lehnen das Kreuz ab), und das wär dann auch wieder nicht recht gewesen.



Kommentare:

  1. Lieber nicht mit Zeugen Jehovas diskutieren. Abgesehen davon, dass diese Leute ziemlich gehirngewaschen sind und sich schon deshalb nicht überzeugen lassen, sind sie auch dazu angehalten, bei "Misserfolgen" zu melden, welche Argumente der Diskussionspartner vorgebracht hat. Und dann werden Strategien entwickelt, was man diesen Argumenten beim nächsten Mal, wenn wieder so eine Situation da ist, entgegenhalten könnte.
    Fazit: Je mehr man mit den Zeugen diskutiert, umso mehr Mittel und Möglichkeiten gibt man ihnen die die Hände, Leute, die sich ihres Glaubens unsicher sind, einzufangen.

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  2. Kürzlich war EINER vor meiner Tür gestanden. Er hat mir nach einleitenden Worten über Weltprobleme oder was die Zukunft bringt oder so einen Prospekt in die Hand gedrückt und dann gesagt: "In der Bibel steht ..." Da habe ich ihm den Prospekt zurückgegeben und gesagt: "Was in der Bibel steht, kann ich selbst nachlesen. Danke!" Tür zu. DER war verdattert!

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  3. Ich bekenne, ich habe die (egal, wie sich jetzt nennen) einmal an, entweder war's Palmsonntag, oder am Anfang der Karwoche mit puren schlechten Manieren behandelt. Da gingen die also zu zweit herum wie üblich und verteilten Einladungen für eine Feier, die am Gründonnerstag stattfinden sollte (nur, daß diese Bezeichnung natürlich nicht am Flyer draufstand). Was ich zunächst einmal lautstark bemängelt habe. Dann hab ich das Zetterl übernommen und noch vor deren Augen in die Altpapiertonne versenkt (die bei uns daheim bei den einzelnen Häusern steht). Wenig nächstenliebend, leider, aber effizient.

    Zwetschgenkrampus

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  4. Gut, dann muss ich ja kein schlechtes Gewissen haben, dass ich es auch nicht versucht habe, die beiden Herren mal zu missionieren ... ;-)

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  5. Es stimmt was Dorothea sagt, die kennen unsere Argumente sehr gut.
    Bei anderen (Neuapostolen, diverse Freikirchen) kann man mit profunder Bibelkenntnis schon noch was erreichen, wobei, wenn der Gesprächspartner nicht mehr weiter weiß, es 2 Varianten gibt die ein "Wir sind doch keine Zeugen Jehovas und kennen uns nicht so gut in der Schrift aus" oder schlimmer "Aus dir spricht Satan!".
    Zum ganzen Komplex hat Scott Hahn in "Rome sweet Rome" erhellendes geschrieben (leider) auch Leute die aus einer "sola scriptura" Tradition kommen und das aggressiv vertreten kennen meist genau eins nicht nämlich die Schrift.

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  6. Missionieren mit tief ausgeschnittenem Leibchen und Kreuz klappt bei denen ohnehin nicht. Denn erstens haben die eine bemerkenswerte Allergie gegen die gängigen Kreuzesdarstellungen und zweitens würden die sich mit jedem Zentimeter mehr im Ausschnitt darin bestätigt sehen, daß die Kirche Roms eben doch die Hure Babylon sei ... ;-)

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