Montag, 18. November 2013

Ich glaube….an das ewige Leben

Zum demnächst zu Ende gehenden Jahr des Glaubens, haben die Blogger jeden Monat, einen anderen Satz des Glaubensbekenntnisses betrachtet.
Nun sind wir am Ende, beim ewigen Leben, angelangt.
Einführend sei auf die Enzyklika Spe salvi von Benedikt XVI hingewiesen, die sich genau mit dem Thema befasst und wo das alles total gut drin steht.

Hier das, was ich mir so zum Thema gedacht habe:

Nun als ich das hier gelesen habe, dachte ich “Whow” und “das wird Klasse” und  “wirklich alle deine ´Träume werden wahr werden”.
Irgendwie schleppe ich seit Jahrzehnten ein Gedichtfragement mit mir rum,  das geht so
wir sind Gedanken, hast du gedacht uns? tanzen auf schlanken Füßen gemacht uns? Wir hätten sein sollen wie Vögel ins Blaue, anstatt hier zu rollen als Garnknäuel graue”
Es geht um die ungenutzten Möglichkeiten, die in dem Gedichtfragement irgendwie dem Menschen angelastet werden. Das Ganze stammt aus “Peer Gynt” von Ibsen und geht grad so weiter, all die nicht realisierten Dinge erschienenen als schlecht gewordene, weil nicht  realisierte,  Möglichkeiten, und entsprechen somit der klassischen, katholischen Definition des Bösen, als dem schlechtgewordenen Guten.
Jedoch aber Hand auf’s Herz soooo einfach ist die Sache nicht
Wenn ich mich für eine Möglichkeit entscheide, gehen alle anderen Türen erst mal zu. Und wenn man vorher wüsste, was hinterher dabei rum kommt, täte man fast alles anders machen. Und man weiß ja nicht, ob die ungenutzten Möglichkeiten nicht noch zu graueren und verknoddelteren Knäueln geführt hätten.
Es ist sicher verkehrt, sich das ewige Leben, als die Realisierung der ungenutzten Möglichkeiten, vorzustellen,  wie es auch  verkehrt ist,  sich das ewige Leben einfach positiv und gut vorzustellen, wie es ja in Diskussionen um Abtreibung und Euthanasie subtextmäßig  immer wieder anklingt.
Man kriegt zwar, wenn man auf den salbungsvollen Satz “naja dem XY geht es jetzt besser!” einfach fragt “Warum?”,  von allen Seiten den Vorwurf der Unbarmherzigkeit und so, jedoch schauen wir mal auf die Lehre der Kirche.


Also oft wird ja ewiges Leben, synonym für ewige Seligkeit oder auch himmlische Heimat verwendet, so auch im bekannten Gebet “Der Herr schenke ihm/ihr  das ewige Leben” was dann eigentlich nur in der Fortsetzung präzisiert wird “das ewige Licht (das ja Gott, genauer Christus ist)  leuchte ihm/ihr”
Ich finde das verkehrt, weil die Sache ja die ist, wir alle, egal wo wir landen, werden da wo wir landen, halt ewig sein.
Es mag sich jetzt anhören wie  Haarspalterei, richtig ist,  dass das wahre Leben, das Leben, das überhaupt Leben ist, nur das Leben bei Gott ist, und alles andere, halt nicht wirkliches Leben ist, weswegen man natürlich das Gebet um das ewige Leben nicht ändern muss. Jedoch ist es so, dass die Seelen die nicht bei Gott ankommen, nicht  aufhören zu existieren, sondern auch ewig sind.
Manchmal trifft man nämlich die Vorstellung, dass mit dem Tod alles aus sei und auch, wenn die Tünche christlicher Gewohnheit einem sagt, “es geht nicht, die Sau beständig rauszulasssen, es gehört sich nicht, dem Egoismus hemmungslos zu fröhnen,…” so werden diese unausgesprochenen christlichen  Grundaxiome unserer Gesellschaft  immer unverständlicher.
Hatte man früher noch die Idee, dass jeder Mensch irgendwie und irgendwann bezahlen müsse für den Unfug, den er angestellt hat, wundervoll beschrieben in “das Bildnis des Dorian Grey”, so setzt sich immer mehr die Idee durch
“wenn es dir zu heavy wird, dann mach halt Schluß”
Dazu gibt es 2 Variante die eine die sagt, “Naja wenn man endlich mal tot ist, wird alles besser” die andere die sagt “Naja danach kommt nix mehr”

Dem ist überhaupt nicht so, ich erinnere einfach an die Höllenvison von Fatima und naja es ist ja uncool und politisch und ecclesia uncorrekt, sich die Hölle, frei nach Dante, vorzustellen.
Wobei all diese Empörung über Leute, die sich doch die Hölle frei nach Dante vorstellen, meines Erachtens auch daher, kommt, dass man das Ganze so sieht:
Also da ist der Mensch, klar hat er die Frau verlassen, drauf bestanden, dass das Kind abgetrieben wird und den behinderten Bruder ins Heim gestopft, damit er auf dem Grundstück der Eltern bauen kann, aber er war so ein geselliger Typ und immer zu seinen Freunde großzügig und überhaupt……., und dieser anundfürsich gute und (das ist jetzt der Punkt) mit sich selber im Reinen seiende Mensch, kommt da jetzt am Himmelstor an und wird völlig ungerecht zu ewigen Peinen verdonnert.
Ich denke es ist anders, der Mensch der am Himmelstor ankommt, hat die Wahl Gott oder nicht? Wohlgemerkt nicht Vergnügen, Krabbencoktail und Krimsekt oder Wasser und Brot? sondern einfach die Entscheidung “Was sind meine Prioritäten?”
Selbst wenn wir davon ausgehen, dass man nach dem Tod einfach das erhält was man will, so ist das, recht betrachtet, doch eigentlich die Hölle.
Es ist nunmal so, dass man, wenn man das kriegt was man will, meist schwer unglücklich wird.
Man muss ja nur mal zu all den Hollywood und Musiker Stars guggen, die ja wirklich, wirklich alles haben, was man so haben kann und die einfach unglücklich sind und Käs machen, ob sie nun Amy Withouse, Liz Taylor, Michael Jackson  oder John  Lennon heißen. (ich kapiere das zwar nicht, aber es ist ja wohl so)
In Rumänien gibt es angeblich ein Sprichwort das sagt “Wünsch deinem Feind Geld, dann wünschst du ihm alles Schlechte”
So kommt der Reiche nicht deshalb schwer durch das Nadelöhr ins Himmelreich, weil er böser ist als der Arme, sondern weil er halt mehr an den Dingen, die man mit Geld kaufen kann, hängt als der Arme.
Und er hängt mehr dran, weil er die Annehmlichkeiten und Qualitäten dieser Dinge einfach kennt und deshalb auch dran hängt, darum  ist, bei Licht betrachtet,  der Reiche der eigentlich Arme.
Und man kann es drehen und wenden wie man will all die Dinge, die man für Geld kaufen kann, inklusive wundervolle Villa, da wo’s echt, echt  schön ist, gehören zu der Abteilung “Die Gestalt dieser Welt vergeht” .
Jedoch sind all diese schönen Dinge nicht einfach Dreck, sondern können , recht benutzt , “besitzen als besäße man nicht” empfiehlt Paulus, schon Hinweis auf die Schönheit des Himmels sein, weil ja in dem Wort “Chares” (=Gnade) auch das Wort Schönheit drinsteckt und es im Himmel einfach schön sein wird. Schönheit muss man aber, so wie eben die Gnade annehmen und somit sind wir beim Schlüssel zu Himmel, dass man den sich schenken lassen muss, und zwar ein Geschenk erworben durch die Passion Christi, und das ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört.

Manchmal frage ich mich ob es uns nicht deshalb materiell so gut geht, weil wir das wahre, eigentliche Gut gar nicht mehr erkennen und Gott in seiner Güte uns wenigstens auf dieser Welt was Gutes gönnen will, so wie ja der reiche Prasser nicht deshalb in der Hölle gelandet ist, weil er reich war, sondern weil er seinen Nächsten nicht wahrgenommen hat. Wenn wir dann noch festhalten, dass man den Menschen nur dann erkennt, wenn man Gott kennt, so hat sich der Prasser halt auch nicht um Gott gekümmert, das war nicht seine Priorität. Und Abraham muss ihm sagen “Du hast im Leben es gut gehabt” man kann das durchaus so interpretieren, dass er für kein anderes Gut offen gewesen ist.
Was ich lang und bildreich erklären will ist: Man kommt nicht in die Hölle, wenn man nicht hineinwill,. wenn man aber nicht hineinwill, so muss man akzeptieren, dass es Gott gibt, der so ist, wie er nun mal ist, weil man auch nicht in den Himmel kommt, wenn man nicht hineinwill. Man wählt es selber, man hat beide  Möglichkeiten!

So und das Fegefeuer? sagt jetzt ein schlaues Kerlchen! Ist das nicht eine dritte Möglichkeit?
Nein, ist es nicht, das Fegefeuer kommt aus der Wahl der Option “Himmel” und auch hier ist es nicht so, dass der oben erfundene XY völlig zu seiner eigenen Irritation da landet, Nein, die Seele erkennt sich im Licht Gottes, so wie sie ist und stürzt sich selber in dieses reinigende Feuer.
So ähnlich wie wenn ich in ein Unwetter geraten bin und total durchweicht und verdreckt zuHause ankomme, das allererste was ich tue, die nassen Klamotten ausziehen, und ab in die Badewanne………………..
Will hießen die Seele erkennt sich in ihrer Bedürftigkeit und Dreckigkeit und das macht ihr Schmerz, sowie ich ja erst im Warmen merke, wie durchfroren ich bin. Nur drängt Gott das Badezimmer und  die frischen Klamotten niemandem auf, wer nicht will, der kann ja weiter im Unwetter herumlaufen.

Um es noch klarer zu sagen wer in den Himmel kommt der muss hineinwollen und zwar in den Himmel so wie er ist und nicht in den Himmel, wie man ihn gerne hätte.
Wenn man das dann einmal begriffen hat, so dürfte klar sein, dass die Seele dann vorm Himmelstor steht und begreift, dass sie sich den Himmel selber verschlossen hat, sich selber vom Weg  íhrer wahren Sehnsüchte, zugunsten vordergründiger, zweitrangiger Wünsche,  und auch verkehrtem Strebens abgewandt hat.
Das nennt man üblicherweise Demut und wer die im Angesicht Gottes aufbringt (was wohl in Anbetracht der Majestät Gottes nicht so schwer ist) der gelangt ins Himmelreich.
Stolz nennt man es, wenn einer kommt und sagt “Hey hier bin ich, ich habe das Recht auf das und das und das und du Gott musst es mir gewähren”
Wie gesagt der kriegt wohl schon was er will. aber das ist ja gar nicht das, was er will. Chesterton lässt Father Brown in “The Vampire  of the village ” (das auch aus anderen Gründen eine der lesenswertesten Father Brown Geschichte  ist) auf die Vorstellung, seines Freudes, dass sie hier in dem Dorf eben nicht so wären wie die jungen Leute mit dem Jazz und dem Rennen nach Vergnügen,  sagen “Die Jungen Leute mögen das im Grunde auch nicht, das ist die wahre Tragödie”

Weil sich das nun alles einfach anhört, aber gar nicht einfach ist, weil eben schon Paulus seufzt “Ich finde ein fremdes Gesetzt in meinem Fleisch, was dem Wollen meines Geistes widerspricht” und auch die ollen Römer schon wussten “Ich sehe das Gute und heiße es gut, dem Schlechten aber folge ich” und wir, ja auch, oft und oft beklagt in Zeiten leben, wo Gutes böse und  Böses gut geheißen wird, und das auch früher zwar anders aber nicht prinzipiell anders war, so ist es einfach sträflich  den Leuten zu sagen
“Wir kommen, alle, alle in den Himmel….”insbesondere da ein Himmel,  der als Verlängerung des besten irdischen Lebens gedacht wird, ja nicht das ist, was wir eigentlich wollen.
Interessanterweise hat Papst Benedikt sich in seiner Enzyklika Spe salvi, gerade mit den von mir aufs Tapet gebrachten Fragen auseinandergesetzt, und  weil er das viel, viel besser erkennt und formuliert als ich, sei er hier zitiert:
……..Vielleicht wollen viele Menschen den Glauben heute einfach deshalb nicht, weil ihnen das ewige Leben nichts Erstrebenswertes zu sein scheint. Sie wollen gar nicht das ewige Leben, sondern dieses jetzige Leben, und der Glaube an das ewige Leben scheint dafür eher hinderlich zu sein. Ewig – endlos – weiterzuleben scheint eher Verdammnis als ein Geschenk zu sein. Gewiß, den Tod möchte man so weit hinausschieben wie nur irgend möglich. Aber immerfort und ohne Ende zu leben – das kann doch zuletzt nur langweilig und schließlich unerträglich sein. Genau das sagt zum Beispiel der Kirchenvater Ambrosius bei der Grabrede für seinen heimgegangenen Bruder Satyrus: “Der Tod gehörte zwar nicht zur Natur, aber er ist zu Natur geworden. Gott hat ihn nicht von Anfang an vorgesehen, sondern hat ihn als Heilmittel geschenkt [...] Der Übertretung wegen ist das Leben des Menschen von der täglichen Mühsal und von unerträglichem Jammer gezeichnet und so erbärmlich geworden. Ein Ende der Übel mußte gesetzt werden, damit der Tod wiederherstelle, was das Leben verloren hat. Unsterblichkeit wäre mehr Last als Gabe, wenn nicht die Gnade hineinleuchten würde”.[6] Vorher schon hatte Ambrosius gesagt: “Der Tod ist nicht zu beklagen, er ist Ursache für das Heil…”.[7]
11. Was immer der heilige Ambrosius mit diesen Worten genau sagen wollte – wahr ist, daß die Abschaffung des Todes oder auch sein praktisch unbegrenztes Hinausschieben die Erde und die Menschheit in einen unmöglichen Zustand versetzen und auch dem einzelnen selber keine Wohltat erweisen würde. Offenbar gibt es da einen Widerspruch in unserer Haltung, der auf eine innere Widersprüchlichkeit unserer Existenz selbst verweist. Einerseits wollen wir nicht sterben, will vor allem auch der andere, der uns gut ist, nicht, daß wir sterben. Aber andererseits möchten wir doch auch nicht endlos so weiterexistieren, und auch die Erde ist dafür nicht geschaffen. Was wollen wir also eigentlich? Diese Paradoxie unserer eigenen Haltung löst eine tiefere Frage aus: Was ist das eigentlich “Leben”? Und was bedeutet das eigentlich “Ewigkeit”? Es gibt Augenblicke, in denen wir plötzlich spüren: Ja, das wäre es eigentlich – das wahre “Leben” – so müßte es sein. Daneben ist das, was wir alltäglich “Leben” nennen, gar nicht wirklich Leben. Augustinus hat in seinem an Proba, eine reiche römische Witwe und Mutter dreier Konsuln, gerichteten großen Brief über das Gebet einmal gesagt: Eigentlich wollen wir doch nur eines – “das glückliche Leben”, das Leben, das einfach Leben, einfach “Glück” ist. Um gar nichts anderes beten wir im letzten. Zu nichts anderem sind wir unterwegs – nur um das eine geht es. Aber Augustin sagt dann auch: Genau besehen wissen wir gar nicht, wonach wir uns eigentlich sehnen, was wir eigentlich möchten. Wir kennen es gar nicht; selbst solche Augenblicke, in denen wir es zu berühren meinen, erreichen es nicht wirklich. “Wir wissen nicht, was wir bitten sollen”, wiederholt er ein Wort des heiligen Paulus (Röm 8, 26). Wir wissen nur: Das ist es nicht. Im Nichtwissen wissen wir doch, daß es sein muß. “Es gibt da, um es so auszudrücken, eine gewisse wissende Unwissenheit” (docta ignorantia), schreibt er. Wir wissen nicht, was wir wirklich möchten; wir kennen dieses “eigentliche Leben” nicht; und dennoch wissen wir, daß es etwas geben muß, das wir nicht kennen und auf das hin es uns drängt.[8]
12. Ich denke, daß Augustinus da sehr genau und immer noch gültig die wesentliche Situation des Menschen beschreibt, von der her all seine Widersprüche und seine Hoffnungen kommen. Wir möchten irgendwie das Leben selbst, das eigentliche, das dann auch nicht vom Tod berührt wird; aber zugleich kennen wir das nicht, wonach es uns drängt. Wir können nicht aufhören, uns danach auszustrecken, und wissen doch, daß alles das, was wir erfahren oder realisieren können, dies nicht ist, wonach wir verlangen. Dies Unbekannte ist die eigentliche “Hoffnung”, die uns treibt, und ihr Unbekanntsein ist zugleich der Grund aller Verzweiflungen wie aller positiven und aller zerstörerischen Anläufe auf die richtige Welt, den richtigen Menschen zu. Das Wort “ewiges Leben” versucht, diesem unbekannt Bekannten einen Namen zu geben. Es ist notwendigerweise ein irritierendes, ein ungenügendes Wort. Denn bei “ewig” denken wir an Endlosigkeit, und die schreckt uns; bei Leben denken wir an das von uns erfahrene Leben, das wir lieben und nicht verlieren möchten, und das uns doch zugleich immer wieder mehr Mühsal als Erfüllung ist, so daß wir es einerseits wünschen und zugleich doch es nicht wollen. Wir können nur versuchen, aus der Zeitlichkeit, in der wir gefangen sind, herauszudenken und zu ahnen, daß Ewigkeit nicht eine immer weitergehende Abfolge von Kalendertagen ist, sondern etwas wie der erfüllte Augenblick, in dem uns das Ganze umfängt und wir das Ganze umfangen. Es wäre der Augenblick des Eintauchens in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vor- und Nachher mehr gibt. Wir können nur versuchen zu denken, daß dieser Augenblick das Leben im vollen Sinn ist, immer neues Eintauchen in die Weite des Seins, indem wir einfach von der Freude überwältigt werden. So drückt es Jesus bei Johannes aus: “Ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen” (Joh 16, 22). In dieser Richtung müssen wir denken, wenn wir verstehen wollen, worauf die christliche Hoffnung zielt; was wir vom Glauben erwarten, von unserem Mitsein mit Christus.[9]
und über Himmel, Hölle und Fegefeuer sagt Benedikt:
. Die Lebensentscheidung des Menschen wird mit dem Tod endgültig – dieses sein Leben steht vor dem Richter. Sein Entscheid, der im Lauf des ganzen Lebens Gestalt gefunden hat, kann verschiedene Formen haben. Es kann Menschen geben, die in sich den Willen zur Wahrheit und die Bereitschaft zur Liebe völlig zerstört haben. Menschen, in denen alles Lüge geworden ist; Menschen, die dem Haß gelebt und die Liebe in sich zertreten haben. Dies ist ein furchtbarer Gedanke, aber manche Gestalten gerade unserer Geschichte lassen in erschreckender Weise solche Profile erkennen. Nichts mehr wäre zu heilen an solchen Menschen, die Zerstörung des Guten unwiderruflich: Das ist es, was mit dem Wort Hölle [37] bezeichnet wird. Auf der anderen Seite kann es ganz reine Menschen geben, die sich ganz von Gott haben durchdringen lassen und daher ganz für den Nächsten offen sind – Menschen, in denen die Gottesgemeinschaft jetzt schon all ihr Sein bestimmt und das Gehen zu Gott nur vollendet, was sie schon sind.[38]
46. Aber weder das eine noch das andere ist nach unseren Erfahrungen der Normalfall menschlicher Existenz. Bei den allermeisten – so dürfen wir annehmen – bleibt ein letztes und innerstes Offenstehen für die Wahrheit, für die Liebe, für Gott im tiefsten ihres Wesens gegenwärtig. Aber es ist in den konkreten Lebensentscheidungen überdeckt von immer neuen Kompromissen mit dem Bösen – viel Schmutz verdeckt das Reine, nach dem doch der Durst geblieben ist und das doch auch immer wieder über allem Niedrigen hervortritt und in der Seele gegenwärtig bleibt. Was geschieht mit solchen Menschen, wenn sie vor den Richter hintreten? Ist all das Unsaubere, das sie in ihrem Leben angehäuft haben, plötzlich gleichgültig? Oder was sonst? Der heilige Paulus gibt uns im Ersten Korinther-Brief eine Vorstellung von der unterschiedlichen Weise, wie Gottes Gericht auf den Menschen je nach seiner Verfassung trifft. Er tut es in Bildern, die das Unanschaubare irgendwie ausdrücken wollen, ohne daß wir diese Bilder auf den Begriff bringen könnten – einfach weil wir in die Welt jenseits des Todes nicht hineinschauen können und von ihr keine Erfahrung haben. Zunächst sagt Paulus über die christliche Existenz, daß sie auf einen gemeinsamen Grund gebaut ist: Jesus Christus. Dieser Grund hält stand. Wenn wir auf diesem Grund stehengeblieben sind, auf ihm unser Leben gebaut haben, wissen wir, daß uns auch im Tod dieser Grund nicht mehr weggezogen werden kann. Dann fährt Paulus weiter: “Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muß er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch” (3, 12-15). In diesem Text zeigt sich auf jeden Fall, daß die Rettung der Menschen verschiedene Formen haben kann; daß manches Aufgebaute niederbrennen kann; daß der zu Rettende selbst durch “Feuer” hindurchgehen muß, um endgültig gottfähig zu werden, Platz nehmen zu können am Tisch des ewigen Hochzeitsmahls.
47. Einige neuere Theologen sind der Meinung, daß das verbrennende und zugleich rettende Feuer Christus ist, der Richter und Retter. Das Begegnen mit ihm ist der entscheidende Akt des Gerichts. Vor seinem Anblick schmilzt alle Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als bloße Großtuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung “wie durch Feuer hindurch”. Aber es ist ein seliger Schmerz, in dem die heilige Macht seiner Liebe uns brennend durchdringt, so daß wir endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden. So wird auch das Ineinander von Gerechtigkeit und Gnade sichtbar: Unser Leben ist nicht gleichgültig, aber unser Schmutz befleckt uns nicht auf ewig, wenn wir wenigstens auf Christus, auf die Wahrheit und auf die Liebe hin ausgestreckt geblieben sind. Er ist im Leiden Christi letztlich schon verbrannt.

Und ich sage, was schwall ich eigentlich rum , wenn man nur lesen muss und zwar in der Enzyklika Spe salvi von Benedikt XVI

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