Samstag, 16. November 2013

Konzerte, Überlegungen einer zutiefst Unmusikalischen

Also es geistert ja durchs Netz, das geplante Konzert am Ende des Jahr des Glaubens wurde abgesagt, weil, um es mal salopp zu sagen, der Papst keinen Bock gehabt hat.
Und im Gegensatz zu vielen Leuten kann ich das sogar verstehen, gehöre ich ja selber zu den seltenen Exemplaren der Gattung Mensch, die zutiefst unmusikalisch sind.
Gerade weil ich aus einer Künstlerfamilie stamme, empfinde ich das als echten Mangel,  es ist ein bisschen wie bei Kreislers Musikkritker.
Ich habe mir oft und oft gedacht "Ein Glück, dass aus dir nichts wirklich Wichtiges geworden ist, sonst müsstest du ja auch in Konzerte gehen, weil man das halt so macht"
Und da wären wir bei dem Drama. Schon  der keinerlei  katholischer Sympathien verdächtige Michael Ende, lässt in dem Buch Jim Knopf, den Bonzen Ping Pong feststellen "Würden bringen eben Bürden!"
Nur, widmen wir uns der päpstlichen Begründung, da heißt es "er wolle da nicht als Souverän gefeiert werden" sprich der ominöse Renaissanceprinz.
Ich habe irgendwann einmal gelernt, dass ein Johann Sebastian Bach an den Anfang jedes seiner Werke ein  "Ad majorem Gloria Dei" (zur höheren Ehre Gottes) gesetzt habe und das auch für andere, christliche Musiker gegolten habe, deshalb ist Klassik ja nicht nur  Vergnügen oder Zerstreuung, wie z.B Tango oder Popmusik, sondern, genauso wie gregorianische Gesänge und volkstümliche Weihnachtslieder, die ja alle zur größeren Ehre Gottes gemacht wurden.
Musik, wenn sie gut ist, erhebt die Seele zu Gott und ist, wenn sie gut ist, zwar im Auftrag eines schon längst verstorbenen Fürsten oder so komponiert worden, aber sie dient, wie Johann Sebastian Bach feststellte, der höheren Ehre Gottes.


Jedoch müsste es sich zusätzlich auch bis zu ihm herumgesprochen haben, dass Musikmachen, richtig gute Musik machen, Arbeit ist, harte Arbeit.
Ein Rubinstein hat angeblich mal gesagt: Er müsse nicht jeden Tag üben, aber wer ist schon so gut wie Rubinstein?
Es gibt ein Buch das heißt "Der Klang - Vom unerhörten Sinn des Lebens", da geht es um den Werdegang einer Geige und das wird verglichen mit der Arbeit Gottes an einem Menschen, davon versteh ich was!
Es ist auch noch was, auch wenn ich Mozart und Buxtehude, nicht auseinanderhalten kann, eines weiß ich doch "Music soothes the beast".
Will heißen, auch wenn ich bei den gelehrten Gesprächen gebildeter Mitteleuropäer über  Musik: "Mozart  hat und Beethoven nicht...... und der Kontrapunkt .....und die Fuge...... und im Urmanuskript wird der Ton aber von oben angesungen und.... und Karajan dirigiert....... und Bernstein aber anders .......und der Chor und jener... "passen muss, so höre selbst ich, dass es schöne Musik gibt und welche zum Davonlaufen.
Das meiste was man so im Radio hört, zählt übrigens unter die Kategorie: "zum davon laufen".
Irgendwo im Urlaub sind wir mal, echt aus Versehen, an einer Kapelle vorbeigelaufen, wo anlässlich einer  Hochzeit, der Tölzer Knabenchor gesungen hat, dass das schön ist, wunderschön, zum Heulen schön, das hör sogar ich.
Genau aus diesem Grund kapiere ich nicht, was daran demütig sein soll, sich ein Konzert nicht anzuhören, auch wenn es mir nicht soviel sagt wie anderen, so gehört Musik doch zu dem, was die Erde mit dem Himmel verbindet.
Will heißen ich begreife einfach nicht, was das soll.

Kommentare:

  1. Warum soll eigentlich nur Klassikg und Gregorianik, aber nicht Tango und Pop, ja sogar Hardrock Musik zur höheren Ehre Gottes sein? Es kommt nicht auf die Stilrichtung, sondern auf den Geist an, in dem Töne entstehen.

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  2. Eben anonym, eben!
    Nur bestimmt Stilrichtungen stimulieren bestimmte Regionen im Hirn und Körper des Menschen und damit ist ja wohl klar, was zur höheren Ehre Gottes gemacht wird, und was zur Vergöttlichung des Menschen und seiner Gefühle oder auch Triebe gemacht wird.

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  3. Na ja, ich vermute mal, daß es wieder so ähnlich sein wird:

    - kath.net und ähnliche werden betonen, wie sekundär doch solche Dinge sind.
    - Im Kommentarbereich wird Leuten auf einmal auffallen, wie prunkvoll doch angeblich solche Konzerte alle sind.
    - "Nein, wie demütig und schlicht ist der Papst!"
    - Das alles ist natürlich in Kontinuität mit Papst Benedikt zu sehen, der eine arme Kirche wollte. Wer Benedikt auch nur ein bißchen verstanden hat, wird von nun an in keine Oper mehr gehen!
    - Irgendwann, nach zwei, drei Monaten, kommt dann der wirkliche Grund heraus. Vielleicht, weil Papst Franziskus einfach mit klassischer Musik wenig anzufangen weiß. Vielleicht, weil für ihn das stundenlange Sitzen anstrengend ist - wir wissen ja, daß er mit dem Knien bei der Wandlung schwierigkeiten hat -, was auch immer. Dann werden die ganzen Medien, die obiges schrieben, so tun, als wäre das von Anfang an klar gewesen.
    - So oder so ist klar, wer der Böse ist: Der, den das Ausfallen eines Konzertes ärgert.

    Ok, das war arg polemisch, ich hoffe, es kam heraus, daß es mir hier nicht um den Heiligen Vater geht. Ich meine es ernst, wenn ich sage, daß wir seinen genauen Grund nicht kennen. Auch wenn jetzt Leute ihm in den Mund legen wollen, er habe gesagt, er sei ja kein Renaissanceprinz, würde mich interessieren, ob er das wirklich so gesagt hat, oder nur mal wieder irgendein selbsternannter Papstkenner meint, er habe das gesagt. Und selbsternannte Papstkenner gibt es inzwischen Legion.
    Vielleicht hat der Heilige Vater wirklich hier eine Schwäche und es fällt ihm wirklich schwer, bei solchen Konzerten zu weilen, ich weiß es nicht. Ich will auch nicht über den Papst urteilen. Ich bin im Augenblick nur auf Kriegsfuß mit den angeblich papsttreuen Medien.

    @Anonym: (ignorieren wir mal, daß Tango ein schöner, erotisch aufgeladener Tanz ist) natürlich können auch andere Musikrichtungen zur Ehre Gottes gespielt werden (ich habe hier zuhause christlichen Power Electronics, was ich für Laien als eine besonders derbe Version des Noise beschreiben läßt), aber diese Gleichstellung von Pop und Chorälen ist mir dann doch etwas zu banal. Es gibt eben in der klassichen Musik und gerade in der Gregoranik doch etwas, wo wirklich Schönheit durchscheint. Ich bin selber keiner, der ständig gerne Klassik hört,ich mag das derbere lieber, aber während Dubstep mir gefällt (eben WEIL es so derb ist), merke ich bei klassischer Musik und eben gerade bei Chorälen, daß diese, unabhängig von meinem Geschmack, schön sind. Solche Musik ist ein Zeichen dafür, daß Schönheit etwas absolutes ist. Schönheit ist nicht nur persönlicher Geschmack, Schönheit ist wahr, und Wahrheit ist schön.

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  4. ja irgendwie stecken wir wirklich in einem Dilema.
    Man weiß nciht mehr was wahr ist und was nicht.
    Wie gesagt, ich kann den Papst ja verstehen, das es ihm kein vergnügen macht auf ein klassisches Konzert zu gehen, wo es mir da so ähnlich geht, wie Phil, nur mit dem Unterschied, das mir Musik gar nichts sagt und mich prinzipiell nervt, jedoch liegt gerade in klassischer sakraler Musik Wahrheit, weil sie schön ist, und das, obwohl wenn ich mir das nie z.B beim Autofahren oder Bügeln "nebenher" anhören würde.
    man hat, was Papst, Medien kirchentreue und kirchenfeindliche, Lehre und Liturgie, Kirche vor Ort und Kirche anundfür sich, unter Berücksichtigung der eigenen beschränkten Sichtweise und der Extrapolation des eigenen begrenzten, sündhaften, Seins, einfach im Laufe eines Lebens diverse Bewertungsmechanismen entwickelt.
    Aktuell stimmt das alles irgendwie nicht mehr, ich komme mir vor, wie ein Schüler, der was rechnen soll und dem versichert wird, "das geht schon gut auf" und der immer superkrumme Zahlen herausbekommt, die aber falsch sind.
    Irgendwann stellt sich dann heraus, im Mathebuch war ein Druckfehler, die eine Konstante war verkehrt angegeben.

    Wir sind es einfach gewöhnt den Papst (JPII und Benedikt) gegen böswillige Unterstellungen verteidigen zu müssen und dabei gleichzeitig jedes seiner Wort mit dem Nimbus der Unfehlbarkeit zu umgeben, vielleicht liegt da der Fehler drin.

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  5. Papst Franziskus hat in seinem Interview mit den Jesuitenzeitschriften u.a. seine Lieblingsaufnahme des PARSIFAL von Richard Wagner erwähnt; er hat erzählt, wie wichtig ihm Musik ist, und zwar in schönen und berührenden Worten...

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