Donnerstag, 7. November 2013

Kritik, Papstkritik, Fragen und verweigerte Antworten

es gibt einen blöden Witz :
Papa, Papa wie funktioniert ein Ottomotor? Ich weiß es nicht mein Kind!
Papa, Papa wie zieht man Wurzeln, ohne Taschenrechner? Ich weiß es nicht mein Kind!
Papa, Papa wer war vor den Römern in Italien? Ich weiß es nicht mein Kind!
Papa, Papa stört es dich nicht, wenn ich so viel frage? Nein mein Kind, du sollst ja was lernen!

ist natürlich ein Witz, aber man kann zweierlei daraus lernen, erstens wer nicht fragt, der erfährt nichts und wer fragt, kriegt nicht unbedingt eine Antwort.
Das alles ist nichts Neues, jedoch viele alte Nichtmehrkatholiken erzählen immer von ihrer Kindheit, wie sie auf Fragen, bezüglich Gott und der Welt, eine Ohrfeige und den Satz erhalten haben "Frag nicht so dumm!" dazu  unter Umständen auch noch wüste Beschimpfungen, die ich aber nicht aufschreiben will.

Eine dieser typischen ohrfeigenträchtigen Fragen lautete "Warum beten wir bei Tisch und danken Gott für das Essen, wo der Papa doch jeden Tag arbeiten geht?"
Ich gestehe, dass diese Frage oft von bekennenden Atheisten gestellt wird, um den, in ihren Augen Irrsinn  des katholischen Glaubens, zu demonstrieren.
Nur, wenn dem Kind, das die Frage irgendwo aufgeschnappt hat, geantwortet wird "Frag nicht so dumm!" oder gar eine geknallt wird, so spricht das doch eher für den Atheismus, als für die gläubigen Eltern.

Es soll hier gar nicht in Abrede gestellt werden, dass  Fragen rund um den Glauben gestellt werden, die nur provozieren wollen, und wo der Fragesteller gar keine Antwort hören will, bzw. wenn man sie ihm dann liefert, sofort zum nächsten Vorurteil hüpft oder mit dem entlarvenden Satz antwortet: "Verschone mich doch mit den Fakten!"
Die Frage nach dem arbeitenden Papa und dem Gott, dem dennoch oder gerade deshalb zu danken ist, ist leicht zu beantworten, aber darum geht es nicht.
Ich kann nur sagen, ich konnte den Rosenkranz der dummen Fragen auch mal auswendig, und auch wenn ich auf Antworten so reagiert habe, wie der provokante Fragesteller, so hat mich doch fasziniert, dass es Antworten gibt, dass der Glaube sinnvoll ist. Viele Antworten habe ich, wie schon oft und oft gepostet,  bei R. Guardini und Kardinal Ratzinger gefunden.



Um den Schlenker ins Persönliche zu kriegen, die Frage, auf die mir als Kind geantwortet wurde: "Frag nicht so dumm!", war einfach die Frage warum Gott der eigenen Herkunftsfamilie im dritten Reich geholfen hat zu überstehen. (mein Großvater konnte sich vor der Einweisung ins KZ,  durch sein eisernes Kreuz aus dem WK1 und der freiwilligen Meldung an die Front retten z.B) und anderen eben nicht. Schlicht und ergreifend, die alte Theodizee!
Die Antwort oder eher die Spur einer Antwort habe ich von einem überzeugten, sehr klugen, sehr gebildeten Atheisten erhalten, der den Rosenkranz meiner üblichen dummen Fragen durch eine mir bislang unbekannte  ergänzte.
Der stellte die Frage im Gespräch auch nur, um zu zeigen wie abstrus so ein christlicher Glaube ist, für mich wurde sie aber wie ein Mantra.
Die Frage bzw. Aussage  lautete: "Wenn Gott doch allmächtig ist, dann kann er alles! Wenn er aber alles kann, dann kann er auch einen Stein schaffen, der so schwer ist, das er ihn nicht heben kann. Wenn er das tut, dann kann er nicht mehr alles?!" (hihi, lach, amüsier und sich gut fühl, weil man so cool ist)
Wie alle richtigen Antworten sind diese erstmal banal und erst beim drüber Nachdenken,  erschließt sich die Tiefe  und so lautet in dem konkreten Fall die Antwort:
"Der Stein, den Gott nicht hochheben kann, den hat er geschaffen und zwar dich. Deinen freien Willen!"
Ich will das hier nicht aufdröseln, darum geht der Post nicht.
Man muss natürlich auch sehen, dass man  dann in den Zeiten nach dem Konzil plötzlich meinte, auf alles und jedes eine entmystifizierende Antwort geben zu können und zu müssen, welche dann als Subtext hatte "so eine dumme Frage!"
Das Wesen wahrhaft katholische Antworten ist, dass sie offen sind. Also die Beantwortung der Fragen nach dem Leid, mit dem freien Willen ist zwar richtig,  aber wenn der antwortende Relilehrer meint damit alles erklärt zu haben und nun lehrplanmäßig zu Buddhismus und Islam übergehen zu können, so ist das verkehrt. Wahre Antworten sind eben nicht aus der Abteilung "Ich sag dir jetzt du Dummkopf wie es ist, friß das gefälligst und frag nicht weiter so dumm!"
Wahre katholische Antworten sind nicht wie Straßenverkehrsregeln, die man halt lernen muss und dann ist gut. Wahre katholische Antworten führen weiter. Ich glaube es ist in seinem ersten Buch "Einführung in das Christentum", wo Professor  Ratzinger über die Dreifaltigkeit und die diversen Irrtümer bezüglich dieser referiert, am Ende sagt er "Alles was wir wissen ist, was Dreifaltigkeit nicht ist, was sie jedoch ist, das wissen wir nicht. All die Kämpfe der Vergangenheit markieren sozusagen die Ränder des Wegs, der zu gehen ist"

Ich geh gerne in die tridentinische Messe, mein Mann eher nicht. Er sagt immer "Ich versteh da nix!" Ich sage immer "wenn der Priester sagt "Das ist mein Leib" " versteht man das ja auch nicht". Er sagt dann "es ist mir aber lieber wenn ich verstehe, was ich nicht verstehe!"
Ich denke das ist katholisch, zu verstehen, dass das was man versteht, eben nicht versteht.

Und das hat halt Papst Benedikt gut ausgedrückt, dass seine Antworten, die er hatte, in die Weite führen sollen.
Nebenbei sei nur bemerkt, dass manche unserer Kommentatoren zu der Abteilung "Fragen um zu provozieren" gehören und wir uns die Freiheit nehmen, die zu ignorieren.
Um was es mir geht, ist, und ich schreib es jetzt mal ganz dumm daher, dass sich zumindest mir, was das aktuelle Pontifikat angeht, Fragen aufdrängen.
Das sind zum Teil Fragen nach Äußerlichkeiten, zum Teil Fragen nach inhaltlichen Dingen.
Wenn ich mir anhören muss, weil ich die Fragen stelle, deswegen sei mein ewiges Seelenheil in Gefahr, so fühle ich mich einerseits an die ohrfeigenverteilenden Eltern aus den 50ern, andererseits an  die "quicken Bescheidwisser" der Zeiten nach dem Konzil, erinnert.
Will heißen, wenn Papst Franziskus nicht kniet, weil er es mit den Knien hat, dann kann man das ja sagen.
Aber die Frage "warum kniet er nicht" ist doch keine Blasphemie!
Im übrigen ist der sogenannte Quietismus, (von to be quiet) der sich in dem schönen Lied "wer nur den lieben Gott lässt walten.." ausdrückt, einfach eine Irrlehre.
Das nur zu denen, die Fragen damit beantworten, dass der heilige Geist im Konklave schon dafür gesorgt habe, dass alles in Ordnung wäre, und somit alles in Ordnung sei,  was mich immer an Christian Morgenstern's "...und daraus schloss er messerscharf, das nicht sein kann, was nicht sein darf..." erinnert.
(Für die, die nur den Aphorismus kennen, es geht bei dem Gedicht um einen Mann, der vom Auto angefahren wird und nun im Krankenhaus  das Gesetzbuch wälzt, entdeckt, dort durften keine Autos fahren und dann feststellt, dann kann er auch nicht überfahren worden sein.)
Um mal ganz konkret zu werden, ich verstehe nicht,  was der Papst damit meint, dass das Geheimnis  des Kreuzes wie ein Labyrinth sei, (nicht ganz wie ein Labyrinth, doch ähnlich), wo doch ein Labyrinth für Verwirrung, Richtungslosigkeit, in die Irre gehen und beständig in Sackgassen landen, steht.
 Warum springt mir nur so sprungbereite Feindseligkeit entgegen, wenn ich frage?





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