Sonntag, 10. November 2013

Romano Guardini über das Falten der Hände

Für die, die es nicht wissen, aber Romano Guardini ist gerade nicht das, was man einen für hardcore Tradis zitierfähigen Theologen, nennen könnte.
Er ist für mich einer der größten Theologen, die es gibt;  jedoch wenn man ihn in gewissen Kreisen anführt, so  heißt es "Ach der Guardini, der mit seiner liturgischen Bewegung ist doch mit Schuld, an dem ganzen Schlamassel und dem liturgischen Geschlamper, unter dem wir so leiden"

Sorum ist es doch interessant, was der so gescholtene (wobei ich vermute er lächelt drüber und denkt, "nun, zuviel Arkandisziplin ist besser als gar keine") über das Händefalten beim Beten so schreibt.

In dem Buch "Von Heiligen Zeichen" heißt es:

Steht aber jemand in verehrender Haltung des Herzens vor Gott, dann legt sich wohl die gestreckte Hand flach auf die andere. Ein wohlgeordnetes Sprechen des eigenen Wortes drückt sich so aus, und, wenn Er es schenkt, ein aufmerksam bereites Hören des göttlichen. Auch Ergebung tut sich so kund, Hingabe, wenn wir die Hände, mit denen wir uns wehren, gleichsam gebunden in Gottes Hände geben.



Romano Guardini war eigentlich sozusagen hauptberuflich Präses des Quickborn, das war eine der vielen katholischen Bewegungen, die die Heiligung  der Laien, in dem Fall speziell der Jugend, zum Ziel hatten, (wir sehen, das hat das Konzil keineswegs erfunden oder so). Der Quickborn wurde von den Nazis verboten.  Das Zentrum, die Burg Rothenfels am Main, von den  Nazis konfisziert und der Leiter, eben R. Guardini abgesetzt.
Der Quickborn selber hat sich von der gründlichen Zerschlagung durch die Nazis nie mehr erholt, jedoch, wie soll ich es denn sagen, die Schriften Guardinis bereichern immer noch und immer wieder Einzelne und Viele.
In dieser Eigenschaft schreib er die sogenannten Briefe über Selbstbildung, der Titel sagt eigentlich alles und da steht dann:
 Auch auf das Äußere achte. Wenn jemand vor dem beten rasch an sich hinuntersähe, ob er in Ordnung ist; würde sich, wenn nötig, die Hände waschen - wären das bloß Äußerlichkeiten? Es wäre ein Zeichen, daß er Respekt hat vor Gott! Und sage nicht: „Wir wollen im Geist und in der Wahrheit beten. Was liegt daran, ob man mit ungewaschenen Händen und unsauberen Stiefeln kommt?” Wir sind Menschen, Leib und Seele.
Dann weist er darauf hin, dass natürlich alle Betonung und alles Achten auf das Äußere total wertlos wird, wenn man nur auf das Äußere achtet und dabei das Innere darüber vernachlässigt,. Dann fährt er fort: beides hängt zusammen. Sind wir äußerlich unordentlich,dann färbt das auch auf die Seele ab. Nimmt einer sich aber äußerlich zusammen, dann ist es ein Zeichen innerer Ehrfurcht und wirkt nach innen. „Wir wollen so vor Gott stehen, daß unsere Haltung unseren Worten entspreche”, sagt ein Meister des Gebetes, der heilige Benedikt. Er hat den Menschen gekannt. Trittst Du vor Gott, so sieh zu, daß Du reinlich und ordentlich daherkommst. ..

in dem  Werk Liturgie und Liturgische Bildung (gibt es aktuell nur noch antiquarisch) sagt Guardini:

  "Wenn ein Mensch spricht, dann reden auch seine Hände mit. Gib einmal acht, ganz von selbst sprechen sie mit. Die Hände sagen so viel! Auch wenn du zum lieben Gott sprichst, müssen die Hände mitreden. So ..." und faltet sie. "Ganz fest und innig können sie sprechen - merkst Du es?" - man verschränkt die Finger. "Oder ganz streng" - man legt die Hände flach ineinander. "Ist das nicht schön?" Und nun zeigt man ihm lässig herabhängende oder flüchtig gefaltete Hände - "Merkst Du, wie ungezogen die Hände sind? Wie faul und böse?"
Es ist natürlich klar, das es manchmal nicht geht mit der korrekten Haltung, mag sein,dass man buchstäblich am Boden liegt, oder so nervös und aufgelöst  ist, dass schon allein das Falten der Hände zuviel Geduld erfordert.
Es gibt natürlich auch die diversen Typen von Menschen, den  einen fällt es leicht äußerliche Zeichen zu liefern, andere sind mehr chaotisch. Es gibt Leute, die sehen selbst nach einem Autounfall mit nachfolgender Übernachtung im Straßengraben bei Nieselregen immer noch halbwegs korrekt aus, andere verlassen gerade den Frisör und haben sich vorher neu eingekleidet und sehen schon in der Ladentür schon wieder leicht schlampig aus.
Es gilt bei aller Betonung der Notwendigkeit des Äußeren immer das Wort Jesu, Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Du blinder Pharisäer! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein.
Also meint Jesus doch, wenn innen bei mir alles in Ordnung ist, dann stellt sich das äußere dann sozusagen von selber ein. Nur weil der Mensch eben nicht in Ordnung ist, soll uns das Achten auf Äußerlichkeiten dazu mahnen das Innere gottfähig zu machen, so habe ich zumindest Guardini verstanden.
Wer das Interesse hat, sich ein bisschen einzulesen, die katholische Akademie Bayerns hat alle Recht an den Werke Guardinis und eine kleine Konkordanz erstellt, wo man die Stichworte im Zusammenhang lesen kann.
Hier



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