Freitag, 31. Januar 2014

Das Kapital

Es war einmal ... 

aber die "gute alte Zeit" ist noch gar nicht so lange her. Es scheint, in dieser Zeit war die Welt noch in Ordnung. Jeder tat das, was er konnte und jeder füllte den Platz aus, an den Gott ihn gestellt hatte: Unternehmer waren Unternehmer. Mitarbeiter waren Mitarbeiter und diese hatten ihre Gewerkschaften. Oben drüber regierte die gewählte Regierung und die Kirchen kümmerten sich um das Seelenheil der ihnen anvertrauten Menschen.
Heile Welt also? Nicht ganz, denn schon bald kam einiges in Bewegung. Irgendwann genügte vielen nicht mehr, den Platz gut auszufüllen, wo Gott sie hingestellt hatte. Sie wollten sich auch anderweitig profilieren. Los ging's mit den Gewerkschaften, die plötzlich Unternehmer wurden und damit kläglich scheiterten. Die bekanntesten kennt jeder, aber zur Erinnerung seien hier noch mal drei Namen genannt: Neue Heimat, Coop und BfG. Gut, die Gewerkschaften haben was draus gelernt und bedienen inzwischen nur noch ihr Kerngeschäft.
Dennoch hat sich dieses Prinzip, überall mitmischen zu wollen, immer weiter verbreitet, denken wir nur mal an die Politiker, die sogar Gott sagen wollen, wie er seine Gebote gestalten soll.

Szenenwechsel. 

Die Kirche war in ihren Anfängen für die Seelen der Menschen da. Doch in Verbindung mit der Aufforderung Christi "Gehet hin und lehret alle Menschen..." wuchs sie immer weiter. Bald schon gingen Bildung, Forschung und Wissenschaft von ihr aus, und auftragsgemäß die Kranken- und Altenpflege und die Sorge um die Armen. Mönche und Priester lehrten das Evangelium, aber auch Lesen, Schreiben und Denken. Selbstredend lag die Herstellung der hierfür benötigten Bücher auch in der Hand der Kirche. Und daraus entwickelten sich einige Verlage, die bis in unsere Zeit erhalten blieben. Einer davon ist der Weltbild-Verlag. Ende der 70er war das noch ein kleiner Verlag, der ausschließlich katholische Literatur und Zeitschriften im Programm hatte. Die Zeitschrift "Weltbild" interessierte sogar uns Nichtkatholiken, weil die (konservativen) Heiratsanzeigen für uns in diesen "modernen Zeiten" immer sehr lustig klangen.... Doch doch dann geriet auch dieser Verlag in die Versuchung alles können zu müssen - unter dem Beifall der Kirchenführung.

Zu dieser Zeit stand ich der Kirche fern und wurde mit Weltbild erst wieder in den späten 90ern konfrontiert, als ich auf der Suche nach einem Video des "Amadeus"-Films war, den es nur noch dort zu kaufen gab. Und ich war erstaunt darüber, dass aus dem katholischen Blatt ein Versandhaus geworden war, in dem ich allerlei interessante Wellness- und Esoterikliteratur fand.... irgendwann habe ich mich mal über die geärgert und dann auch nix mehr bestellt. Ich hatte auch, bei den Inhalten gar nicht gedacht, dass dieser Gemischtwarenladen immer noch der Kirche gehört.

Der Kluge .... 

Hätten sie mal bloß auf Papst Benedikt gehört:
Der forderte nicht nur während seines Deutschlandbesuches eine "Entweltlichung" der Kirche. Sondern, als er kurze Zeit später über das Verlagsprogramm von Weltbild informiert wurde, auch einen schnellstmöglichen Ausstieg aus diesem zwar sehr gewinnträchtigen aber doch eher unkirchlichen Geschäft. Und wie das halt in dieser Zeit so war, der Papst in Rom war weit und die Bischöfe machten, was sie für richtig hielten und betrieben das Geschäft weiter... und das lief ja auch damals ganz gut.

... und der Arme. 

In Rom sitzt jetzt ein neuer Papst und der verlangt von seinen Hirten, dass sie sich seinen Vorgaben in Sachen Armut, Wirtschaft etc. angleichen. Im Papier Evangelii Gaudium greift der Papst den Kapitalismus mit Aussagen wie "Diese Wirtschaft tötet" derart stark an, dass er von Wirtschaftsführern, Staatenlenkern und vielen Medien sogar als "Sozialist" beschimpft wurde. Da wundert es uns nicht, dass besonders der Münchner Erzbischof "seinem Papst" zur Seite stehen wollte. In einem Artikel im "Osservatore Romano" hat er versucht, die Sichtweise des Papstes zu verteidigen. Und in einigen Punkten die "böse Wirtschaft" und die gierigen Unternehmer ebenfalls angegriffen. Der Beifall der deutschen Links-Schickeria war ihm damit sicher.

In der Falle.

Es dauerte nicht lange, da sickerten die ersten Gerüchte durch, dass der kircheneigene Weltbildverlag kurz vor der Pleite steht und schon bald musste Insolvenz angemeldet werden. Das ganze ist inzwischen ziemlich aussichtslos und könnte für die Kirche richtig teuer werden. Und wir fragen uns, ist in diesem Fall die "böse Wirtschaft" oder die "böse Kirche" des tötens schuldig?
Das Konzept des "Dieners zweier Herren" ist also auf jeden Fall wieder einmal schief gegangen.
Gottes Kirche ist nunmal kein Unternehmen und seine geweihten Vertreter haben ihre Aufgabe und können deshalb nicht gleichzeitig gute Unternehmer sein. Auch wenn es Geschäftsführer gab, die das Unternehmen führten, die Aufsicht lag in den Händen der Kirche. Und nun haben sich die Bischöfe in die Falle manövriert.
Der Münchner Erzbischof, der ja bis vor kurzem noch an der Seite aller sog. rechtlosen Arbeitnehmer stand, findet sich plötzlich auf der anderen Seite wieder. Er muss feststellen, dass es doch nicht ganz so leicht ist, Unternehmer zu sein - vor allem ein nachhaltig erfolgreicher. Plötzlich wird er von denen hart angegangen und mit Trillerpfeifenkonzerten bedacht, auf deren Seite er doch die ganze Zeit stand. Und - die Gewerkschaften kennen kein Pardon, wenn es um ihre Interessen geht. In deren Augen ist die Kirche der "Buhmann". Wie unwohl sich Kardinal Marx in dieser Rolle fühlt, sieht man sehr gut in diesem kurzen Interview, das der BR vor einigen Tagen in Würzburg mit ihm geführt hat.
Und auch hier zeigt sich, dass es wohl auch besser sein wird, sich auf das "Kerngeschäft" zu konzentrieren. Umkehr! lautet die neue Marschrichtung. Das Evangelium verkünden und sich um die Seelen der Menschen kümmern.

Politik und Wirtschaft können die besser, die Gott für diese Plätze vorgesehen hat.

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