Mittwoch, 8. Januar 2014

Ein satirisches Fundstück zur Lage der Kirche und eine Reflexion über ein altes Lied von F. Spee zu Dreikönig

Clamormeus hat es gedichtet und gepostet unter dem Titel "Dreikönigslied fürs übernächste Gotteslob!"
(auf die Melodie “Es waren zwei Königskinder” zu singen)

Im Stall lag das Königskindlein
das hatten drei Magoi so lieb
zur Krippe hieß sie der Herr kommen
wo’s Kindlein grad friedlich schlief.

Er rief: “Ihr müßt nicht mal schwimmen,
seht nur herauf gleich hier!
Ein Sternlein will ich euch entzünden,
sein Licht wird euch führen zu mir!”

Das hörte ein falsches Pfäfflein
und kreuzte der Magoi Bahn.
Mit saurem Blick und voll Eifer
ging es die drei Könige an:

“Ihr Prasser, das Gold geht ja gar nicht!”
so sprach es zum Melchior hin
“Der Protz wird das Kindlein erzürnen,
nur Bettlersein hat es im Sinn!”

“Um Himmelswillen, was Weihrauch?”
so schalt es den Balthasar
“Klerikalismus und Meßprunk
will’s Kindlein nimmer gar!”

“Und auch noch die bittere Myrrhe!”
schimpft es nun noch den Caspar
“Des Kindleins Botschaft ist Freude,
Du restaurativer Barbar!”

Dann packte er Rauchwerk und Kräuter,
und warf barsch sie ins kühle Naß.
“Das Gold verteilt nun an die Armen,
Genosse Judas verwaltet die Kass’”

Da standen die Magoi bedröppelt,
der Stern seufzte auf und versank,
voll Kummer schlichen sie heimwärts,
mit Herzen ganz wund und ganz krank.

Das Knäblein lag wach in der Krippe,
horchte vorfreudig in den Wind,
doch keinerlei Schritte der Magoi
und so fragte das himmlische Kind:

“Wo bleiben denn nur die Drei König’?
Ihr Engel, was ist nur passiert?”
“Sie gerieten an’s falsche Pfäfflein.
das Dein Wort hat interpretiert”

Ja so ist es wohl und leider und es bleibt einem wohl nur noch sich in die Satire zu flüchten.

Mein Lieblingsdreikönigslied stammt von Friedrich Spee und wurde in meiner Kindheit gerne und begeistert gesungen, was wohl Grund genug war, dass es es nicht in das neue Gottelob geschafft hat und in das allerneueste wohl auch nicht.



es fängt, in der Version meiner Kindheit, an mit:

Drei Könige führt Gottes Hand
 durch einen Stern aus Morgenland,
 zum Christkind durch Jerusalem
 in einen Stall nach Bethlehem,
 Gott führ auch uns zu diesem Kind,
 mach, dass wir seine Diener sind.
....
dann wird erklärt was die Gaben sind, nämlich:

Durch Weihrauch stellten fromm sie dar,
daß dieses Kind Gott selber war;
die Myrrh´auf seine Menschheit wies,
das Gold die Königswürde pries.
O Gott, halt uns bei dieser Lehr;
dem Irrtum und dem Abfall wehr!

wobei im alten Mainzer Gesangbuch der letzte Abschnitt lautet.
....
das Gold die Königwürde pries
O Gott halt uns bei dieser Lehr'
vom Irrtum alle Welt bekehr.

egal wie man es dreht: schon klar, dass heutzutage in Zeiten des Pluralismus und wo im interreligiösen und interkonfessionellen Dialog der Ansatz scheinbar lautet: "du bist okay, wir waren nicht immer okay, aber wollen von dir lernen"..... für Bitten, dass der Herr bei uns dem Irrtum und dem Abfall wehren möge kein Platz ist  und schon dreimal nicht für die Bitte alle Welt zu bekehren.
Nichtsdesdotrotz sollte man das Lied wieder öfter singen (hab  leider nix bei youtube gefunden ) , besonders den letzten Satz, egal in welcher Version!

Hier übrigens noch  mal, der wohl außer halb des Bistums Mainz,  bekanntere Text. Danke Frischer  Wind

 Es führt drei König Gottes Hand
mit einem Stern aus Morgenland
zum Christkind durch Jerusalem
zur Davids Stadt nach Bethlehem.
Gott, führ auch uns zu diesem Kind
und mach aus uns sein Hofgesind!

Aus Morgenland in aller Eil
sie reisten weit, viel hundert Meil.
Sie zogen hin zu Land und See,
berauf, bergab, druch Reif und Schnee.
Zu dir, o Gott, die Pilgerfahrt
uns dünke nie zu schwer und hart.

Sie kehrten bei Herodes ein,
am Himmel schwand des Sternes Schein;
doch wie zum Kind sie eilig gehen,
den Stern sie auch von neuem sehn.
Gott, laß das Licht der Gnad uns schaun,
auf deine Führung fest vertraun!

Und überm Haus wo´s Kindlein war
stand still der Stern, so wunderbar,
da knien sie und weih´n dem Kind
Gold, Weihrauch, Myrrh´zum Angebind.
Gott, nimm von uns als Opfergut
Herz, Leib und Seele, Ehr und Blut!

Durch Weihrauch stellten fromm sie dar,
daß dieses Kind Gott selber war;
die Myrrh´auf seine Menschheit wies,
das Gold die Königswürde pries.
O Gott, halt uns bei dieser Lehr,
dem Irrtum und dem Abfall wehr!


wobei in meinem alten Meenzer Gotteslob, es noch  eine zusätzliche Strophe gibt, die da lautet

Maria sie willkommen hieß.
legt an ihr Herz das Kindlein süß;
das war die Zehrung auf den Weg,
ihr frei Geleit durch Weg und Steg.
Gott gib auch uns die Himmelsspeis'
und dies Geleit zur letzten Reis'

In dieser Strophe werden drei Dinge verknüpft, Maria, die Eucharistie und das Sterben als  Reise hin zum Gericht Gottes (weswegen man ja dafür einer besonderen Speise bedarf, vorgebildet in der Geschichte wo Elia zum Gottesberg geht (1 Kön 19, 4ff)),  alles Dinge, von denen man heute katholischerseits nix mehr wissen will und schon gar nichts davon, dass diese Dinge zusammenhängen.
Womit sich jetzt der Kreis schließt und wir wieder bei dem  Gedicht wären, das der Anlass für diesen Artikel war.


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