Dienstag, 28. Januar 2014

Was bedeutet es eigentlich, wenn jegliche Distanz abgebaut ist?

Es wird ja immer als die Supermeldung verkauft, der Soundso, Herr Wichtig, würde jegliche Distanz abbauen und überwinden und das sei toll.
Naja, als ich ein kleiner dummer Schüler war, habe ich irgendwann mal im Physikunterricht gelernt, dass thermodynamische Systeme dazu tendieren würden, einen Zustand möglichst hoher  Entropie einzunehmen, und dieses Streben sozusagen ein Grundprinzip der Natur sei.
Entropie bedeutet nun einfach, dass alle Teilchen in einem System möglichst gleichmäßig verteilt sind, also ein Zustand möglichst großer "Unordnung".
Das war nun der Zustand in dem sich damals mein Zimmer, zum Leidwesen meiner Mutter, oft befand.
Sprich, die Klamotten stapelten sich nicht an einer Stelle, sondern verteilten sich realtiv gleichmäßig auf der Fläche des Zimmers, das gleiche mit den Büchern und den Schuhen!
Meine Mutter wollte nun wenig davon wissen, dass ich doch nur bestrebt sei, der Physik zu ihrem Recht zu verhelfen und auch nix davon, dass ich die Unterschiede, die sich aus der Distanz des Schreibtisches zum Kleiderschrank ergeben täten, abbauen wollte, weil das haben wir auch in der Schule gelernt, dass Autorität eben Distanz und damit bäh sei.
Sie bestand darauf, dass ein Zustand größtmöglicher Ordnung hergestellt würde.
Sie bezeichnete den Zustand größtmöglicher Entropie als Chaos und verwies darauf, dass Gott der Herr, Ordnung aus dem Chaos geschaffen habe und ich gefälligst das auch tun solle, weil die Ordnung Christenpflicht sei!



Auf jeden Fall fällt mir das immer ein, wenn ich was von der Einebnung aller Widersprüche höre und wenn es jemand als gesellschaftliche Utopie formuliert, dann muss ich immer und immer an den "Wärmetod des Weltalls" denken. Wenn in einem geschlossenen, thermodynamischen  System die Entropie maximal geworden ist, dann hören alle makroskopischen Prozesse auf, es passiert genau nix mehr.
Das Ganze hat philosophische Konsequenzen, die hier zu weit führen, aber es ist wirklich so, dass bei Gott alle Menschen gleich sind, aber nicht alle gleichförmig, sondern bei ihm jeder Mensch zu seiner individuellen Fülle gelangt ist, und so (um ein Bild zu gebrauchen) alle Instrumente perfekt sind, aber es nicht nur lauter Geigen gibt, sondern alle Instrumente, die es gibt, in Perfektion da sind und alle eine perfekte Melodie spielen die sich aus allen guten und wahren Melodien, die doch Ahnung der einen,wahren himmlischen Melodie ist, zusammensetzt!
Gott hat in Christus die Distanz zu den Menschen überwunden, aber er ist Gott! Der Herr der Milchstraßen, er hat den letzten Platz eingenommen, damit alle gerettet werden (können), aber wir sind doch keine Buddhisten, die vom Aufgehen aller, in einem gestalt- und formlosen Etwas träumen!
Genau um diese Spannung auszudrücken gibt es die Ämter der Kirche, die liturgischen Gewänder und das Protokoll.
Wir lesen, es sei gut, dass man als Vorsitzender einer der größten NGO's die es so gibt, versuchen würde durch "Distanzreduktion" mit den Mitgliedern selbiger NGO und allen anderen zu kommunizieren. Das geht nicht! rein technisch nicht!, und weil besagte NGO das schon immer und ewig weiß, deshalb hat sie Ämter, Symbole und eine Hierarchie geschaffen!
Im übrigen hatte schon eine der sogenannten Vorausbilder, ein gewisser Moses, das Problem, dass er sich um alles und jedes persönlich kümmern wollte. 
Sein Schwiegervater, ein heidnischer Priester gab ihm dann den Rat, die Sache zu dezentralisieren und damit zu hierarchisieren (Exd. 18,13ff9
Naja könnte man spöttich sagen, vielleicht übernehmen die (im modernen Sinn) heidnischen Beraterfirmen den Job des Jitro.
Jedoch glaube ich nicht, dass die empfehlen, was man schon immer und ewig so gemacht, hat, weil dafür sind die ja nicht eingestellt.
Mein Problem ist einfach, wenn einer sich in die kirchliche Hierarchie stellen lässt, das Joch des Amtes auf sich nimmt und tut was er tun soll, dann kann Gott dadurch zu den Menschen gelangen. (ich denke mir zwar auch oft: " naja das könnte ja auch einfacher gehen. Man kann ja auch so zu Gott kommen", aber damit tu ich so, als sei Christi Kreuzopfer unnötig, weil nämlich die Kirche aus der Seitenwunde Christi hevorgegangen ist)   So haben es alle guten Päpste und Bischöfe und Priester bislang gehalten. Paulus drückt das so aus "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!" im Wissen es geht nicht um ihre, persönliche, Zuneigung zum dem XY, der grad vor ihnen steht, geht, sondern darum zu zeigen, es ist Gott der liebt und deshalb lass ich mich zu seinem Kanal machen, indem ich auf Ehe und Familie verzichtet und mich auch optisch zurücknehme, dafür ganz nah bei Gott sein darf,  indem ich den Kram anzieh der meinem Amt gemäß ist.  Kardinal Volk (der ja wahrhaftig kein Tradi war) sagte mal zu einem aufmüpfigen Priesteramtskandidaten, der wissen wollte, für was das Messgewand gut sei "Damit Sie zugedeckt werden".
Die Erfahrung hat gelehrt, dass viele der modernistischen Priester er echt gut meinen, aber sie überschätzen sich, im Grunde kann man nämlich dem anderen nur schwer helfen.
Jeder, der das mal ernsthaft versucht hat, weiß das. Wie viele echt engagierte Pfarrer haben sich einen Frust geholt, weil es ihnen so ging, wie mal einer sagte "Wir sind doch die Mülltonne, man macht unseren Deckel auf, kotzt sich aus und dann dappt man davon und macht grad so weiter wie zuvor!"
Wieviele Lehrer sind Zyniker geworden, oder wenn sie es nicht geworden sind, hoffnungslos überfordert?
Man rede mal mit denen, die vom Jugendamt betreut werden!
Aber weil der Stifter der Kirche weiß, was im Menschen ist, deshalb hat er sie (die Kirche) geschaffen, weil ER nämlich  uns Ruhe verschaffen wird für unsere Seelen.
ER ist der Arzt, die Kleriker sind die Sprechstundenhilfen, und was würden wir von einer Arztpraxis halten wo die Sprechstundenhilfe mit im Wartezimmer sitzt und die Laborantin sich in die Schlange vor den unbesetzten Tresen stellt und selbst wenn wir es dann geschafft haben, ein Rezept zu erhalten, uns der Apotheker erklärt, dass auch er nur Patient unter Patienten sein will und deshalb seine  Apotheke zu einem Begegnungscafe umgestaltet hat?
Damit man mich nicht verkehrt versteht, ich denke schon, dass es Papst Franziskus absolut gut meint, aber, um einen anderen süddeutschen Konzilsbischof (Hermann Schäufele) zu zitieren, "das wäre ja noch schöner, wenn er es nicht gut meinen würde"


1 Kommentar:

  1. Es bedeutet nicht mehr und nicht weniger als Distanzlosigkeit, und die ist trotz aller Schminkversuche nicht positiv besetzt.

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