Dienstag, 4. Februar 2014

Das grundlegende Problem der deutschen Katholiken oder M. Mosebach bringt es auf den Punkt

Matthias Matussek hat leider nicht auf unserem Beiboot (kleiner Scherz) angeheuert, aber dennoch beim Spiegel abgemustert und bei der Welt angeheuert.  Wer wissen will, wie und warum, klicke hier und lese das Interview das Matussek dem European zur causa gab.
Sozusagen als Erstlingsgabe finden wir in der "Welt" eine Reportage über den Besuch Matusseks bei Mosebach.
Seit dem er im Gespräch mit Martin Walser, den Hörsaal der Uni zu seinem ursprünglichen Zweck - nämlich Raum fürs geistliche Gespräch zu sein, dem Intellekt die Möglichkeit zu geben, Gott zu suchen und zu finden- benutzt hat, gefällt er mir gut der Martin Mosebach.

Ich zitiere mal ein bisschen daraus, natürlich geht es auch um die neueste Umfrage  und die Hoffnung "guter" Katholiken, sozusagen mit Erlaubnis des Papstes, auch ein bisschen durch fremde Betten hüpfen zu dürfen und dabei so zu hüpfen, dass etwaige quäksende Folgen,  von vorneweg ausgeschlossen sind, bzw mittels Gummiprodukten u.ä.  verhindert werden dürfen.
Mosebach stellt da witzigerweise fest, dass die Wahrnehmung der Katholiken sich  geändert hat, galten sie früher dem aufrechten Protestanten, als hoffnungslose Schluries, für die das 6te Gebot das 6te und nicht das erste war und die ansonsten wallfahrteten, weil es dort so gutes Bier gab, so gelten sie jetzt als streng.
Wörtlich sagt er
Im Übrigen sei es doch seltsam, dass die Frage der sogenannten "Sexualmoral" so zentral geworden sei. Wohl eine Sache des zwanzigsten Jahrhunderts. In früheren Zeiten hat man den lebenslustigen Katholiken moralische Verlotterung nachgesagt,..............
und kurz vorher stellt er warnend fest,
immer wenn die Kirche sich der Zeit angepasst hat, hat sich das im Nachhinein als schrecklicher Fehler herausgestellt. Denken Sie an die Hexenverfolgung – die entsprach damals dem Willen der Mehrheit; da glaubten die Theologen zunächst zurückweichen zu müssen ..."

Ein mutiger Mann der Mosebach und er hat recht, was man heutzutage der Kirche vorwirft, ist doch gerade, dass sie sich nicht klarer und direkter und eindeutiger dem jeweils herrschenden Zeitgeist entgegen gestellt hat und gleichzeitig behauptet man, dass der aktuelle Zeitgeist,  der einzig wahre sei, und das ohne Angabe von Gründen.



Es ist nun ein Unterschied ob jemand weiß, dass eine bestimmt Handlung verkehrt ist, oder ob es jemand nicht weiß. Jesus drückt das bei Lukas 12, 47ff so aus:

Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.
48Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen.

Also es ist ein Unterschied ob ein eine hergelaufene Politkerin Unfug fordert, oder ob ein zuständiger Bischof ihr Recht gibt.
Es ist  über dieses Problem schon viel und  ausführlich geschrieben worden, jedoch hat die Verwirrung meines  Erachtens immer die gleiche Ursache, der Mensch sieht sich selber als gut und hilfreich an, ist doch  aus dem Goetheschen Konjunktiv, der  in meiner Jugend die Poesiealben schmückte:  "Edel sei der Mensch..." ein kategorischer Imperativ geworden, der Mensch hat gut zu sein, er muss es sein  und wenn er es nicht ist, dann kann man ihn jagen, wie, ja den Bischof von Limburg, und sich toll fühlen!

Was der moderne Mensch nicht haben kann, ist sich schuldig zu fühlen, er fordert das Recht zu sündigen. Je nun, sündigen tun die Menschen schon immer und selbst unter den optimalen Bedingungen  des Paradieses haben sie das so schlimm veranstaltet, dass wir immer noch drunter leiden...
Das neue ist, der moderne Mensch will einerseits, dass die Kirche, also im letzten Gott, ihm erlaubt mit der Schlange zu parlieren, und will dafür auch noch gelobt werden.
Ich finde die wellenförmig auftretenden Hypes immer putzig, finde den ADAC Klasse, hat mir schon oft geholfen, schnell, gut und sofort, kapier die Aufregung nicht, mir doch egal was da gemauschelt wird.
Dass Alice Schwarzer vor lauter Geld riesige Sorgen hat, es könnte weniger werden, versteh ich, nur Leute mit Geld haben Angst davor es zu verlieren, würde mich eh wundern wenn irgendein Prominenter ehrlich ist, was sein Geld angeht.
Aber wie gesagt: es ist immer süß, dass man öffentlich wirksam ankreidet, was man selber tut, wieder Mosebach : Habgier ist heute geradezu staatstragend

Wir verstehen einerseits soll alle Sünde zur Tugend erklärt werden, aber die dann hemmungslos sich den neuen Tugenden Widmenden sollen den Tugendwächtern gegenüber integer sein, und je mehr sie sündigen desto bessere Menschen werden, oder so.

Die Kirche kippt dann immer gleich auch mit aus den Latschen, wenn das angeprangerte Fehlverhalten auch die eigenen Leute betrifft.
Ja wenn die Kirche der Beichtstühle nicht mehr weiß, was man mit Sündern machen soll, dann ist wirklich fast alles verloren,
Weil es aber die Kirche wohl flächendeckend, vor lauter Anpassung an den Zeitgeist,  echt nicht mehr weiß, was mit Sündern zu tun ist, außer mit den Wölfen zu heulen, so hat sie auch keine rechte Verwendung mehr für das Urbild und die Königin aller Frauen, die Zuflucht der Sünder, die stete Jungfrau und Gottesgebärerin Maria!

Ja und was da nun so alles angerissen ist, holzschnittartig und karikierend, ich weiß!
hat eine tiefe Ursache, der Mensch will nicht erlöst erden, weil er sich nicht eingestehen will, erlöst werden zu müssen.
Mosebach sagt es ganz lapidar
Wer sich nicht als Sünder begreift, braucht auch keine Erlösung, so einfach ist das

um dann  das katholischste Wort überhaupt, auszuziehen das berühmte et...et. Gerade die Schriften Kardinal Ratzingers sind voll davon,  von dem Zusammenfallen aller Widersprüche in Gott, sofern die Widersprüche in sich selber gut sind.
Glaube ist im Grunde absurd, ein Mann, dem ein anderer die Hände aufgelegt hat, spricht Worte und keiner sieht was, aber Gott, der Herr der Herren, der Schöpfer der Milchstraße, kommt in dieses unscheinbare Brot und dennoch ist das das Logischste was es gibt.
Aber nicht alles, was absurd ist, ist auch göttlich, nur das göttliche Absurde ist gut. Auch darüber unterhalten sich die Herren, als sie sich über Literatur unterhalten.
Zitat: die Komödie, das Satyrspiel, die Fratzenhaftigkeit der Wasserspeier, das Groteske und das Absurde, von Rabelais und Cervantes bis hin zu Joyce, ja, der Ulysses in seinen komischen Blasphemien ist dem katholischen Glaubens-Skandal näher als Gertrud von le Fort.
Ich mag Gertrud von leFort sehr, und ihrer Hymnen an die Kirche sind genial, aber es geht um das Absurde des Glaubens, das drückt sie nicht aus, aber auch das gehört zum et...et, Prunk und Protz und  Wasser und Brot auf einer Säule.

Und dazu der Satz noch,
Wenn Armut zum Stil wird, ist sie wertlos", sagt Mosebach. "Askese im Fünf-Sterne-Hotel. Abwerfen von Traditionen und Ornaten kommt ja vor allem dem Bequemlichkeitsbedürfnis der Zeit entgegen. Milliardäre tragen heute T-Shirts."
Das  heißt nicht,  dass Armut per se wertlos ist, aber schon Simone de Beauvoir lästert über die Zeitgenossen die sich zu irgendwelchen Spendengalas treffen und dort mal das Essen der armen Kinder essen, sich für teures Geld so einkleiden, als stammten die Klamotten aus  der Mülltonne.
Echt muss die Armut sein, wenn sie Wert haben will auch so ein katholisches Paradoxon. 

Kommentare:

  1. Romanissimus05.02.14, 18:12

    Ein sehr schöner Blog! An zwei Stellen aber darf widersprochen werden:
    1. Mit dem Beispel der "Hexenverfolgung" als Apassung an den herrschenden Zeirgeist ist der geschätzte Mosebach leider der Daueragitprop der Linken erlegen. Erstens gab es die "Hexenverfolgung" so gar nicht, und zweitens war das, wo es in Ansätzen so etwas gab, v.a. ein Phänomen im neu entstandenen Protestantismus!!

    2. Befremdlich ist die Ausrufung von Madame S. de B. als Kronzeugin gegen den grassierenden Pauperismus. Das sollte in einem katholischen Blog nicht zu lesen sein. Es sei daran erinnert, dass Madame als Ur-Mutter des Genderismus eine der schlimmsten und zerstörerischsten Gestalten des unseligen 20. Jahrhunderts war. (O-Ton: "Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man gemacht.")

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  2. Werter Romanissimus ich danke.
    Frage mich jedoch schon immer, warum man katholischerseits so auf Simone de Beauvoir losgeht, zeigt sie doch gerade in ihren autobiografischen Romanen "Mandarins von Paris", "Die Welt der schönen Bilder" u.a. die ganze Hohlheit der linken Schickeria sehr schön.
    Simone de Beuavoir hat zwar die verkehrten Schlüsse gezogen, aber sehr gut beobachtet.
    Auch kenn ich keinen besseren Roman als "Alle Menschen sind sterblich" um zu erklären warum es eine Strafe und kein bisschen erstrebenswert ist, ewig auf dieser Welt herumlaufen zu müssen.
    Gerade an der persönlichen Biografie Símone de Beauvoirs erkennt man wundervoll, dass der ganze Feminismus eine Idee von Männern gewesen ist, auf den die Frauen, gerade dann,m wenn sie klug sind, gerne reinfallen.
    Wenn man diese berühmten Bilder, Sartre, de Beauvoir und Geliebte Sartres sieht, versteht man warum das eine Sackgasse ist und der ganze Feminismuskram auf Kosten der Frauen geht.
    Und ich kenne keine, die das so wundervoll und klar beschreibt!
    Madame ist m.E Opfer und gerade sie war abhängig von Sartre bis zum geht nicht mehr und ist regelrecht aufgeblüht, als er "in der Resistance Krieg gespielt hat".
    Ihre Thesen sind halt bescheuert, aber ihre Beobachtungen Klasse und sie widerlegt in ihren Beobachtungen ihre Thesen auf vollendete Weise.


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