Samstag, 15. Februar 2014

Laienstatement zur neuesten Stufe auf der Leiter nach unten

Ja sie haben es getan, die Belgier haben den nächsten Schritt auf dem Weg in die Kultur des Todes gesetzlich abgesegnet!
Vorhin hatte ich einen aufgeregten mailkontakt und davor diverse Telefonate, weil in der Schule im Rahmen einer Schulhofprügelei, eine Schürfwunde entstand.
Ja, davor müssen wir unsere Kinder schützen! und mein Satz "Kindheit ohne Schrammen ist keine" stößt immer mehr auf Widerspruch, genauso wie der von Chesterton, der Jungen beschreibt:  And I have found that by some primordial law they all tend to three things; to going about in threes; to having no apparent object in going about at all; and, almost invariably speaking, to suddenly attacking each other and equally suddenly desisting from the attack.(Chesterton Autobiografie 1. Kapitel)
Neulich hatte ich ein Gespräch mit einer jungen Dame aus der Verwandschaft über ihre berufliche Zukunft. Ich meinte, lern doch was vernünftiges, Krankenschwester, oder studier Medizin, krank werden die Leute immer, oder lern was Praktisches!
Naja sie träumte aber von einem Job wo sie als Frau Wichtig in der Weltgeschichte herumjetten könne, wobei ich mir nicht sicher bin, wie lange das alles noch gut geht, auf jeden Fall meinte sie dann total obercool, dass die Renten meiner Generation den Staat zu massiver Verschuldung bringen würde.
Ich meinte dann genauso obercool, dass der Staat ja schon längst verschuldet wäre und ich eh die ganze Diskussion um die Euthanasie und die Hospize als Theaterdonner empfände, weil ich denke, es läuft eh drauf raus, dass man in einigen Jahren ab, sagen wir mal 75, sowieso  keine Medikamente und Therapien mehr von der Kasse bezahlt kriegt, und statt dessen  ein paar Zyankalikapseln überreicht bekommt.
Wobei  ich allerdings  fürchte, es wird auf den Zwang hinauslaufen die Dinger auch zu schlucken!



So sehr man sich über Sinn und Unsinn dieser oder jener aufwändigen Therapie im Einzelfall streiten kann, so sehr man sich oft fragt "Muss das nun sein, oder nicht!", so sehr man diese oder jene Geschichte kennt, wo der oder die eine anstrengende Krebstherapie hinter sich gebracht hat, und dann anstatt den prognostizierten 6 Monate ("solange haben Sie noch zu leben,. wenn Sie nichts machen") eben 6 Monate und 3 Tage gelebt hat, so sehr gibt es auch Leute,  die eben geheilt wurden und dann noch 95 geworden sind, statt mit 65 zu sterben. So sehr man sich, gerade als Eltern krebskranker Kinder fragt "Muss das sein?" "Ist das eigentlich richtig das Kind so zu quälen?", so sehr all diese Fragen einfach kommen, so verkehrt ist es zu sagen "bringen wirs halt um!"
Das Leben ist ein Geheimnis, das Leid auch und es ist schwer dämlich diesen doch existenziellen Fragen auszuweichen,  indem man den Träger der Frage umbringt!
Das vielgeschmähte Mittelalter hat auf die Frage des Leidens eine, wie ich finde, wundervolle Antwort gefunden, es hat  im Leidenden Christus, dem man dienen darf gesehen. Im Leidenden Christus zu sehen ist was anderes als heutige Sozialarbeit, wo man es oft so sieht, dass man helfen muss, weil man sonst ein böser Mensch ist, und dann wegen der Überforderung, die das notwendig mit sich bringt, weil es gaaar nicht so einfach ist, wie es bei "Hanni und Nanni" rüberkommt, zu helfen, zum Zyniker wird.
Was nun das Sterben angeht, so hoffe ich persönlich, dass es nicht, wenn ich mal im sterbepflichtigen Alter  ("des Menschen Zeit ist 70 Jahre, wenn es hoch kommt 80 Jahre... "Psalm 90) angekommen bin, auf die "Zyankalikapsel" hinausläuft, sondern es so sein wird, wie  mit den Geburten, dass man dann einfach wieder ganz normal sterben kann, so wie es die Menschen schon immer gemacht haben, was ja, so ich das begriffen habe, Anliegen der Hospizbewegung ist.

Auch bei Kindern ist das so, ja es gibt da Kleine, da könnte man nur noch heulen, wenn man die auf der Intensivstation sieht. Ich habe mal was gelesen von einer Mutter, wo das Kind immer wieder schmerzhafte Therapien über sich ergehen lassen musste und die Mutterdas einfach nicht mehr ertragen konnte, das Kind auch nicht, und dann hat die das Kind einfach nicht mehr zum Arzt gebracht, das Kind ist im Arm der Mutter, ganz normal, ohne Gift, gestorben und die Mutter in den Knast gewandert (hab aber vergessen was es war, habe aber genug Erfahrung mit Kindern in Krankenhäusern, dass ich das verstehen kann).
Ich habe mal zaghaft zu meinem Frauenarzt gesagt "Ich hab so Angst vor einer Frühgeburt, weil das dann in die Kinderklinik muss und das ist so schrecklich dort!" Sagt er "das war schon vor 40 Jahren so, als mein Sohn dort im Brutkasten lag und ist nicht besser geworden!"
Damit man mich nicht verkehrt versteht, die sind dort  medizinisch absolut  topp, aber es ist so unmenschlich so scheußlich, dass man sich oft und oft fragt "muss das sein, das bisschen  Leben auch noch so quälen?".....

Mir scheint es immer so, als gehe man bei der Diskussion von total verkehrten Alternativen aus, weil, anstatt davon zu fabulieren, dass es doch besser wäre, die Kranken nicht so leiden zu lassen und daher als Alternative das ultimative Gift zu geben, sollten man in der Tat die Kranken nicht so leiden lassen und zusehen, dass die Therapien besser werden, dem Personal ein mehr Zeit für Menschlichkeit lassen, es ermöglichen, dass Angehörige sich kümmern können, (mal wieder mein " Mütter nach Hause" Thema), ambulante Möglichkeiten ausbauen, und und und.
Ja die Situation ist teilweise grausam, ich kannte mal eine gelernte Intensivstationsschwester, die das mit Leib und Seele war, die heulte immer nur, wenn sie von den Krankenhausaufenthalten der leukämiekranken Enkeltochter erzählte. Aber wie gesagt, meines Erachtens kommt auch viel Leid von der Unfähigkeit zu unterscheiden, hilft es oder quält es nur?
Und manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass man nur deshalb nicht  mehr, -wie ich es zumindest in der Familie  oft und oft erlebt habe- gesagt bekommt "Es geht zu Ende, nehmen Sie den Vater (die Mutter, den Onkel) mit nach Hause", weil der Mensch es nicht ertragen kann, dass es etwas gibt, dass ihm nicht zugänglich ist, und wenn er schon die Welt nach dem Tod nicht kontrollieren kann, so will er wenigstens das Tor zu dieser Welt "im Griff haben".
Es ist aber keineswegs so, dass die Ärzte die Bösen sind (ich habe da schon recht nette getroffen und auch viele, die sehr gut in der Lage waren zu unterscheiden, "geht es zu Ende? oder geht es nicht zu Ende?"). Sondern es sind oft auch die Angehörigen die nicht akzeptieren könne, es geht zu Ende.
Ich habe schon original den Satz gehört "Also letzte Woche ist meine Oma gestorben (mit 96!) und jetzt kann ich nicht mehr an Gott glauben!"
Sagen wir so: Gott der Herr hat dem Menschen erlaubt große Erkenntnisse über seine Natur und die Wirkmechanismen zu erhalten. Er hat ihm erlaubt und es dem Menschen ermöglicht, einzugreifen, so dass wir vor so Sachen wie Lungenentzündung  und einem rostigen Nagel im Fuß,  nicht mehr zittern müssen, auch viele Altersbeschwerden sind besser zu handeln, so ne Lesebrille ist was Feines. Auch so ein Rollator, ist viiiiiel besser, als ein Stock und erlaubt Mobilität wo man früher grad nur noch im Sessel sitzen konnte.
Wir wissen es alle, aber wir können nicht einerseits die Segnungen der Medizin in Anspruch nehmen, (und selbst absolute Impfgegner und Heilpratikerfans tun das im Grunde auch) und dann andererseits so tun,  als wären wir auf den Schlachtfeldern der Kriege Philipps von Mazedonien, (des Vaters Alexanders), der als absolute Neuerung eingeführt hat, das man nach der Schlacht übers Schlachtfeld ging und die erstach, die schwer verwundet dalagen, um denen zu ersparen da noch tagelang zu liegen und zu leiden.
Um mein Geschwalle abzukürzen, ja durch all die Segnungen der Moderne ist das Leid nicht aus der Welt geschafft worden, es ist auch in der ersten Welt immer noch da.
Ja, vieles woran unsere Vorfahren verzweifelt sind, das stellt für uns keine größere Katastrophe mehr dar. Aber das Leid ist geblieben und damit man  mich nicht verkehrt versteht, es liegt im Menschen, zu versuchen es zu lindern und zu vertreiben. Ich denke mal, das ist auch eine der Treibfedern der Geschichte und das was den Menschen von den Höhlen (ja ich weiß, die haben das wohl nicht drin gewohnt, das waren mehr Kultstätten) zu den Wolkenkratzern gebracht hat.
Aber das Leid bleibt, weil Christus bleibt und darin liegt der große, große Trost, und weil wir Christus nicht mehr wollen, deshalb fehlt uns auch der Trost der im Kreuz liegt und die Kirche ist teilweise Teil einer gesellschaftlichen Hybris geworden, die immer und ewig einen Schuldigen sucht und braucht und trotz der Tatsache, dass wir von warmen Sessel aus über alle und jeden aus der Vergangenheit richten, also über all die, die im 3ten Reich  eben "mitgemacht" haben, über das böse Mittelalter, über die Kreuzfahrer und die dreißigjährigen Krieger, naja über alle und jeden, sagte ich bereits, fällt uns selber angesichts des Leidens nichts Besseres ein, als "bringen wir's halt um, ist doch besser so".
Ich habe mal vor langer Zeit, als ich noch "Scientific America" las, dort einen Bericht gelesen über ein steinzeitliches Skelett, das man ausgebuddelt hatte und lange dachte, es handle sich um eine Mutter mitsamt Kind. Irgendwann einmal hat man die Skelette noch mal untersucht und es war eine erwachsene Frau, aber das Kinderskelett, war das eines verwachsenen Menschen, der so behindert war, dass er sich kaum bewegen konnte und somit höchst wahrscheinlich ein ganzes Leben lang gefüttert und getragen werden musste.
Der Mann hat ein Alter von (soweit ich das im Kopf habe) 37 erreicht, was für einen Steinzeitmenschen schon schwer alt ist. Der ganze Artikel erging sich über die hohe soziale Kompetenz und soziale Leistung, die man einem solchen primitiven Stamm gar nicht zugetraut habe, die dieser Stamm  gehabt haben müssen, wie toll die gewesen seien, wie hochstehend, wie sozial, und gut.
Ja und was sind wir?
Trotz Computer, Internet, Radioteleskopen, Flugzeugen, Antibiotika und Tiefkühltruhen sind wir, was den Umgang mit Leid angeht, wohl hinter diese Steinzeitmenschen zurückgefallen.

Kommentare:

  1. Da auch Ärzte weder allwissend sind, noch bisher über das zweite Gesicht verfügen, ist es vielleicht ein bißchen viel verlangt, sie sollten z.B. vor Beginn einer Chemotherapie, die vielleicht Heilungschancen von 60% mit sich bringt,schon genau wissen, ob sie erfolgreich sein wird oder nicht und wenn ja wie lange. Und die Idee Ärzte seien mehrheitlich dazu da, Menschen zu quälen, sie am "schönen" natürlichen Sterben in der häuslichen Höhle zu hindern, um sie danach besser umbringen zu können, ist dann doch schon sehr speziell.

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    1. Sag ich doch!
      Die Sache ist nur die, wenn du mit Leuten redest, wird genau das nicht richtig kommuniziert, das es eben nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit gibt, teilweise auf Komplikationen (z.B. Allergien, kann da ein Lied von singen) nicht eingegangen oder auch einfach nicht richtig zugehört (von beiden Seiten).
      Und genau daher entsteht dann genau die Akzeptanz für die Euthanasie, egal ob es sich um den alten Onkel, oder das schwerstkranke Kind handelt!

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  2. Allergien gegen die Todesspritze? Fällt wohl nicht mehr ins Gewicht. Auf die Nebenwirkungen der Chemotherapie wird minutiösest eingegangen, weil man sonst ein Strafverfahren am Hals hätte- mit Beweislastumkehr. Eine mangelhafte Aufklärung wird immer als Kunstfehler geahndet. Allerdings sind Patienten, die mit der niederschmetternden Diagnose Krebs konfrontiert sind, wie blockiert und können die infos gar nicht richtig aufnehmen, das ist ja schon bei harmlosen OPs so.
    Da es aber mittlerweile für die Nebenwirkungen gute Mittel gibt, sollten auch die nicht betroffenen Laien aufhören, beim Wort Chemotherapie das Horrorwörterbuch vorzulesen. Und was auch viele nicht wissen, Chemotherapie ist nicht gleich Chemotherapie. Bei der diskutierten Sterbehilfe handelt es sich (bisher) um seltene und aussichtslose Fälle, wo auch keine Symptomlinderung möglich ist. Das aber hat bei Kindern alles noch einen ganz anderen Stellenwert, weil da - zumindest bei den Kleineren und Kleinen immer die anderen entscheiden, ob das jetzt noch zumutbar ist oder nicht.Das bisher weicht sich aber mit zunehmender Routine auf- das zeigen sowohl die NL als auch Belgien und die ständig steigenden Zahlen eines Euthanasietodes.

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    1. Naja, es gibt auch noch ne Krankenkasse, die das bei den Leuten auch bezahlen soll und meist nicht tut.
      Es ist doch ganz einfach, dass ein Krankenhausaufenthalt schrecklich ist, auch dann wenn sich gaaaaaanz arg gemüht wird.

      Richtig ist und das habe ich selber erlebt, dass Angehörige auf dem Flur herumtobten und brüllten "keinen Hund lässt man so leiden! warum kann man da nicht auch einschläfern"
      Und das war ein Fall, wo eine sehr gute Palliativ Therapie gemacht wurde, im Krankenhaus ein eigenes Zimmer für Patient und Angehörige reserviert wurde und alles wirklich vorbildlich war.
      Ich denke einfach man kann es drehen wie man will, der Tod ist das Dunkle Tor ins Unbekannte und davor gibt es die Angst.
      Und wegen dieser Angst gibt es die Akzeptanz für die Euthanasie, weit und breit und in einer Weise wie sie im 3. Reich nicht gegeben war.
      Die entsprechenden Programme wurden ja schwer zurückgefahren, als Graf von Galen sie angeprangert hat und überhaupt wurde das alles damals doch sehr verdeckt gemacht, im Gegensatz zu heute.
      Und es sind ja immer Ärzte die das dann machen, auch hier muss man sich fragen was da los ist.
      Dazu kommt noch und das wissen wir von der ja mittlerweile als Menschenrecht propagierten Abtreibung, dass das auch genauso angefangen hat, spezial gelagerte Sonderfälle, wo jedem die Tränen in die Augen kamen, wenn er davon hörte.
      Und das hat sich dann schnell aufgeweicht bis hin, dass man heutzutage erklären muss, warum man seine Kinder überhaupt gekriegt, hat wo der Mann doch kein Professorengehalt bezieht und man auch keine Villa im Grünen besitzt und es auf mindesten 6 Riskionummern im Mutterpass gebracht hat.
      Es nutzt aber meines Erachtens nichts zu sagen "ist Böse" man muss sehen woher das Feuer Nahrung kriegt und eine der Quellen ist das absolut hilflose Gefühl des Patienten, wenn er denn im Krankenhaus liegt und speziell das Gefühl als Mutter nur zu stören, wenn das Kind im Krankenhaus liegt und man nicht mit dem Etikett "bin vom Fach" dort auftreten kann.
      All das hat natürlich seinen Grund in einer Gesellschaft in der nur die Fitten, Schönen, Erfolgreichen zählen und trotz gegenteiliger Beteuerungen aller die im sozialen Sektor tätig sind, kein Platz für Versager ist.
      Dazu kommt noch ein kirchliches Spezialproblem, weil alle Lebensrechtsgruppen immer damit argumentiert haben, dass das nicht abgetriebene Kind doch Quelle des Glücks sein müsse und man genau nicht überfordert sein darf.
      Das natürlich in bester Absicht, nämlcih Mut zu machen, aber im Grunde leben wir in einer Welt wo man nicht mehr in den Zustand geraten darf, dass man am Ende ist.
      Und genau dann kommen die Überlegungen zur Euthanasie.
      Aus dem Gefühl doch nicht zu den Schnelleren zu gehören die die Schnellen überholen (wie Max Thürkauf unsere Zeit mal bezeichnet hat)
      Jedoch ist da eine Grenze die nicht überschritten werden darf, und im Fall der Abtreibung bereits überschritten wurde, weil es sich im Fall der Abtreibung um die absolut unschuldigsten und wehrlosesten Menschen handelt, und wie wir in Belgien sehen es sich jetzt ausgeweitet hat um die nächste Stufe.

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