Freitag, 21. Februar 2014

Wie leere ich eine Kirche?

Neulich  waren wir mal wieder "vor Ort" in der Messe.
Das wir das selten tun, hat eine Reihe von Gründen, zu denen auch eine gewisse Bequemlichkeit gehört.
So hat  man superintelligent und immer bestreben die Menschen dort abzuholen wo sie nun mal sind, und ihnen ständig entgegen zukommen, die Gottesdienstzeit auf 9 Uhr verlegt um das auch für die Jugend, die ja niiiiiie Samstag abends weggeht, attraktiv zu machen. (ist ironisch gemeint)
Das ist zwar nicht der alleinige Grund, würde ich durchaus Samstag halt etwas früher ins Bett gehen, wenn, ja wenn ich mich nicht immer so furchtbar ärgern müsste.
Auf jeden Fall, als ich vor 25 Jahren wieder anfing, an Gott zu denken und mich auf den Weg zur örtlichen Kirche machte, da gab es eine Vorabendmesse und 2 Sonntagsmessen und wenn auch die erste
Sonntagsmesse  um 8:30 Uhr  reichlich  schwach besucht war, so war sie doch so gut besucht, wie heutzutage die einzige Sonntagsmesse, die es noch gibt.
Gut, der Niedergang hat diverse Gründe, die ich gar nicht aufdröseln will, aber auffällig ist, mit dem  Priestermangel hat es wohl nix zu tun, eher mit dem Nichtwahrhabenwollen der Abstimmung mit den Füßen, sprich einem Gläubigenmangel.
Der alter Pfarrer war als stockkonservativ verschrien, das war er auch in der Tat und es lässt sich nicht leugnen, einigen war das überhaupt nicht recht, die sind dann woanders hingegangen.
Jedoch sind diese Leute damals ebenfalls jeden Sonntag zur Kirche gegangen. 
Diese Leute wurden immer ins Feld geführt, wenn all die stockkonservativen Errungenschaften (wobei das ja eigentlich das falsche Wort ist, richtiger wäre wohl Beibehaltenschaften oder sowas) Stück für Stück "rückgebaut " wurden.
Zunächst kamen auch all die "woandershingehenden" Pfarreiangehörigen wieder, jedoch, als sich dann herausstellte bei uns ist es jetzt so wie überall, sind diese Leute einfach Sonntags zuhause geblieben, weil es ja nun nichts mehr gab wogegen man protestieren konnte, oder so.



Ich habe das damals oft und oft mit diversen Leuten diskutiert, warum, ob das Absicht ist oder nicht, Dummheit oder Bösartigkeit und bin zu keinem Ergebnis gekommen, 
Fakt ist jedoch, die die vorher "woanders" hingingen, die gehen nirgendwo mehr hin.
Die, die aus Gewohnheit gingen, denen hat man so oft gesagt, dass man ja auch ohne Kirche ein guter Mensch sein kann, dass sie beschlossen haben, das einfach mal auszuprobieren.
Den Gutwilligen, hat man beigebracht, dass es woanders viiiiiiiel besser sei, weil die woanders das gaaaaaaanz anders machen und es bei uns nur nicht funktioniert, wegen der bösen Konservativen!. (Wobei zu denen, die das immer gesagt haben, unsere Pastoreuse zählte, die hatte es immer mit einer Gruppe in  ganz weit weg, wo das mit den Kindergottesdiensten ganz toll klappen täte. Sie war so davon überzeugt, dass dem echt so wäre, dass sie dahin (nach ganz weit weg) gefahren ist. Der Frust darüber, dass in Ganz weit weg auch nur mit Wasser gekocht wird und das genau das gleiche Drama wie vor Ort ist und das ganze tolle nur auf dem geduldigen Papier der Diözesanzeitung existiert, war ihr deutlich anzumerken)
Die Konservativen die beharren entweder stur auf dem, was sie gewohnt sind, "die würden ihren angestammten Kirchenbankplatz auch dann verteidigen, wenn in der nächsten Liturgiereform Boxkämpfe statt der Zwischengesänge einführt werden", stellt der Benediktinerpater Adalbert Seipolt irgendwo fest.
Und andere gehen halt woanders hin, dahin wo man, wie das seit ca 50 Jahren heißt: "noch hingehen kann" und es ist der Gnade Gottes zuzuschreiben, dass sich solche Ort dann doch immer wieder finden.

Es ist also so wie's ist, wir sind nun auch so ein St. Kamillentee geworden.
Nur berichtet uns das neueste Kirchenblättel, dass man beschlossen habe, die Laien noch mehr einzubinden und deshalb beschlossen habe, noch mehr Kommunionhelfer und Lektoren zu suchen.
Herr im Himmel! das nervt ja nur noch, vielleicht kommt doch mal jemand auf die Idee, dass der normale Laie genug zu tun hat und das Konzil keineswegs gewollt hat, dass die Laien den Job vom Pfarrer, sondern ihren Job als Christen machen sollen!
Davon mal ganz abgesehen, für die paar Hanseln kann der Pfarrer doch wohl noch die Kommunion austeilen, insbesondere, da ja noch Redemptionis Sacramentum Kommunionhelfer  eh die absolute Ausnahme sein sollen, wie man unter Nummer 156 lesen kann, wo betont wird, Laien sind immer außerordentliche Spender, im Wortsinn des Wortes außerordentlich,
Zitat: 156  Diese Aufgabe ist streng im Sinn ihrer Bezeichnung zu verstehen, es geht also um außerordentliche Spender der heiligen Kommunion, nicht aber um «besondere Spender der heiligen Kommunion» oder um «außerordentliche Diener der Eucharistie» oder um «besondere Diener der Eucharistie»; durch solche Bezeichnungen wird ihre Bedeutung in ungebührlicher und falscher Weise ausgeweitet.
In Nummer 157 wird konkretisiert, dass es nicht geht, dass die Laien halt Kommunion austeilen, weil sie halt "eingeteilt" sind, obwohl, warum auch immer, genug Priester oder Diakone da sind:
Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtsträger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt
worden sind, ihn nicht ausüben.....
In Nummer 158 wird noch mal erklärt, dass Laien nur in besonderen Fällen die Kommunion austeilen dürfen
 158. Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion darf die Kommunion nur dann austeilen, wenn Priester oder Diakon fehlen, wenn der Priester durch Krankheit, wegen fortgeschrittenen Alters oder aus einem anderen ernsten Grund verhindert ist, oder wenn die Gläubigen, die zur Kommunion hinzutreten, so zahlreich sind, daß sich die Meßfeier allzusehr in die Länge ziehen würde.[259] Dies muß aber so verstanden werden, daß eine gemäß den örtlichen Gewohnheiten und Bräuchen kurze Verlängerung ein völlig unzureichender Grund ist.
Und am Ende die Diözesanbischöfe aufgefordert für Ordnung zu sorgen, 
160. Der Diözesanbischof soll die Praxis der letzten Jahre in dieser Sache von neuem überdenken und gegebenenfalls korrigieren oder genauer festlegen.

Aber wie gesagt, das interessiert doch keinen! Und wenn dann echt keiner mehr kommt und man die Kirche zusperren muss, dann ist auch das, wie uns das neueste Konradsblatt auf mehreren Seiten erklärt, auch nicht schlimm, weil, gähn, langeweil, ja der Umbruch, die Chance, die Krise...

Wie schön, dass man dann in gleichen Konradsblatt lesen kann, dass der Mithrasaltar im badischen Landesmuseum fertig restauriert ist, und in Mynamar ein Haar Buddhas aufbewahrt wird.
Während uns dann auch noch über eine gelungene Kirchenrenovation in St Johannes irgendwo in Badisch Sibirien berichtet wird, wo man die schönen alten Altäre zwar nicht nauschmeisen konnte, den Kirchenraum aber so gestaltet hat, dass er eines nicht mehr tut, zum Beten einladen.
Lag wahrscheinlich daran, das man dort in Badisch Sibirien oder dem Madonnenländle (wie es heißt) immer noch weiter zahlreich zum Gottesdienst geht, und man deshalb nachhelfen wollte.

Ja da fällt mir doch nur ein aus dem Prolog zur Trilogie von Manes Sperber (ja ich weiß, der ist und war Kommunist) "Wie eine Träne im Ozean" zu zitieren, wo es heißt "Wir sind so müde des ewigen Neuaufbruchs".

Wenn aber schon ein Kommunist, der ja von Amts wegen sozusagen immer bereit sein muss. neue Wege zu gehen, hin zu ziehen zum Letzten Gefecht, in die neue Zeit und wie all die Phrasen heißen, die Nase voll hat vom beständigen Aufbruch, wie sollen es dann nicht die Katholiken haben, denen doch der Herr immer und immer gebietet, zu bleiben, zu beharren und wo es bei Jesaja heißt,  der Glauben hätte das Ergebnis, dass man bleibt, "Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht" (Jes, 7,9) und in den Apostelbriefen werden wir eigentlich beständig aufgefordert, zu warten auf die Wiederkunft des Herrn!

Das wollen wir tun!

2 Kommentare:

  1. Zum Thema Kommunionausteilen:
    Mein seinerzeitiger Kirchenrechtsprof hat zu den oben genannten Artikeln von Redemptionis Sacramentum zwecks Erklärung mit einem praktischen Beispiel ungefähr folgendes gesagt:
    "Damit ist gemeint, dass es nicht so sein soll wie bei den deutschen Katholikentagen. Da schwärmen die Laien zur Kommunionausteilung aus, und rund 50 Bischöfe sind offenbar mit ihren Hintern auf den Sesseln angeklebt."

    AntwortenLöschen
  2. Der Tag ist nicht mehr weit, wo mehr Kommunionausteiler als Kommunionempfänger in der Kirche Platz nehmen. Das Positive an dieser Situation ist: Es gibt genügend Sitzplätze wo der Pfarrer von der anstrengenden Messe ein wenig ausruhen kann. Allerdings dürfte die Pause relativ kurz ausfallen.

    AntwortenLöschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.