Mittwoch, 12. März 2014

"Auch aus der schönsten Schüssel wird man nicht satt, wenn nichts drin ist."

Dieser Spruch kursierte immer in unserer Familie, wenn wir uns beim Abendessen über besonders schöne Männer unterhielten ...

Gestern abend ist mir das wieder eingefallen, als ich mal kurz über die Headlines und Themen bei katholisch.de klickte und dann an einem Beitrag hängenblieb, der uns zum einjährigen das "Phänomen Franziskus" erklären wollte. Natürlich ging es - wie immer bei katholisch.de wider besseres Wissen*) nicht ohne hämische Seitenhiebe gegen Benedikt XVI ab, z.B. hier:
"Seither gehört der Papst, der Kinder küsst und Hände schüttelt, fest zum Bildercode des Papsttums. Der kühlere, introvertiertere Benedikt XVI. trat dieses Erbe eher mit Zurückhaltung an."
oder hier: 
"Ob bei Hitze oder Regen: Ein Ende des Andrangs auf die Audienzen ist nicht abzusehen. An diesem Mittwoch waren die Stuhlreihen auf dem Petersplatz einmal mehr restlos gefüllt. Bei den 43 Katechesen von Benedikt XVI. im Jahr 2012 kamen fast 450.000 Besucher. Für die 30 Generalaudienzen mit Franziskus im vergangenen Jahr zählte der Vatikan dann mehr als 1,5 Millionen Menschen - durchschnittlich rund 50.000 pro Veranstaltung."

Das scheint der "moderne Anstrich" zu sein, den sich dieses offizielle Portal der katholischen Kirche seit seinem "Re-launch" geben möchte.

Im November 2012 ging der neue Internet-Auftritt katholisch.de. online Für die Neugestaltung und Modernisierung des Portals wurde mit Jung van Matt eine der renommiertesten deutschen Werbeagenturen eingeschaltet. Und das Resultat konnte sich sehen lassen. Dieser wirklich gelungene moderne Auftritt unserer Kirche war nach unserem Geschmack. Und mit dem Neustart gingen auch die Zugriffszahlen für das Portal in die Höhe. Schöne Videos, gute Informationen, Live-Schaltungen zu den Stundengebeten nach St. Ottilien: Der Spagat von "katholisch für Anfänger" zu "katholisch für gläubige Katholiken" schien gelungen.


Doch das änderte sich bald. Als Benedikt XVI im Februar 2013 seinen Rücktritt bekannt gab, übte man sich bei katholisch.de im Nachtreten. Wir "verdanken" diesem Portal eine ganze Menge hämischer Artikel, wovon der Beitrag über die Souvenirs den damaligen Tiefpunkt bildete.

Gleichzeitig wurde der "moderne Franziskus", der sich so leicht lenken lässt, allseits bejubelt.
katholisch.de schwenkte ein in den Papstjubel der säkularen Medien, ohne zu bemerken, dass Papst Franziskus gegen die Kirche instrumentalisiert wurde.
Doch - und das kann man ja beim Alexa-Ranking gut verfolgen, wollten das die Leser offensichtlich gar nicht mehr lesen.
Denn es geht bergab mit den Zugriffszahlen - seit Anfang 2013 (oder dem Rücktritt von Benedikt XVI) ist katholisch.de im Ranking weit unter die 100.000 zurückgefallen - und das, obwohl das Portal doch weiterhin mit großem Aufwand an Personal und Geld ausgebaut und gepflegt wird.
Also müssen es die Inhalte sein, und die haben neben der Häme gegen Benedikt XVI offensichtlich keinen Neuheitswert, um viele Leser zum Anklicken der Seite und zum "Draufbleiben" zu bewegen.
Screenshot 12.3.2014 (durch Draufklicken vergrößern)
Quelle:  Alexacom


Eigentlich sehr schade. Leute, die katholische Nachrichten lesen oder Informationen über die Kirche wollen, finden sie offensichtlich nicht bei katholisch.de.
Auch das lässt sich beim Alexa Ranking gut beobachten: Denn das letzte Jahr brachte einige Gewinner und Verlierer. Der Platzhirsch aus Österreich zum Beispiel. Nach der "feindlichen Übernahme" durch die Schwaben sackten die Zugriffszahlen nach der Papstwahl und in Q2/Q3 2013 ziemlich in den Keller. Man wird dort den Bischöfen Tebartz-van Elst und Ackermann noch auf Jahre dankbar sein müssen, sorgten sie doch für die Aufreger im zweiten Halbjahr und halfen die Klickzahlen durch rege Beteiligung an den Leserkommentaren wieder halbwegs nach oben zu katapultieren. Und aus dieser "Strategie" heraus hält sich das Portal weiter vor katholisch.de:

Screenshot 12.3.2014 (durch Draufklicken vergrößern)
Quelle: Alexacom

Die konservativen Katholiken sind aber wohl auch dort weg, denn andere katholische LowBudget-Portale konnten sich ein gewaltiges Stück vom Kuchen sichern - offensichtlich, weil es dort Informationen gibt, an die sich "die Wichtigen" nicht herantrauen.

Was heißt das jetzt aber für katholisch.de? Mit Häme gegen Benedikt XVI lockt man wohl offensichtlich keine Leser an. Die anderen Aufreger, die von den MSM bis zum Exzess ausgebreitet werden, sind anscheinend für katholisch.de Leser nicht so interessant. Draufdreschen auf die eigenen Bischofskollegen kommt wohl ebenfalls nicht so gut an.
Wie gibt man also der "schönen Schüssel" einen ebenso schönen Inhalt, von dem die Leser "satt" werden?

Im Sommer 2013 haben meine Mitbloggerin Ester und ich am Bloggertreffen teilgenommen. Dabei hatten wir Gelegenheit, das Team von katholisch.de kennenzulernen und das war eine sehr interessante Erfahrung. Das waren alles sehr nette intelligente Menschen, die ihr Geschäft beherrschen und wissen, wovon sie reden. Sie brachten uns die Intention des Portals nahe. Wir lernten viel über Marketing, Zielgruppen, interaktiven Seitenaufbau, Themenwahl von "katholisch light" bis "katholisch glauben" und wir sahen das große Spektrum der Seite.
Aber - es war eben Marketing und man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, der Glaube spiele eigentlich gar keine Rolle - oder "just another NGO".

Das ist wirklich schade. Und doch sollten wir dran bleiben. Denn ein so schönes Portal ist in unseren Zeiten eine gute Gelegenheit, Menschen für den Glauben zu begeistern. Das gelingt aber nur, wenn man selbst begeistert ist. Und genau hier fehlt es wohl.
Schon unser großer Kirchenlehrer Augustinus von Hippo wusste:
"Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen".

Hoffen und Beten wir also, dass das Team von katholisch.de zu diesem Feuer findet und es weitergeben kann.
Und weil der Ford als neues Papamobil ja gerade in der Kirche so viel an Bedeutung gewonnen hat, noch ein Motivationspaket des Ford-Gründers:

"Begeisterte sind Kämpfer 
Sie haben Seelenkräfte. 
Sie besitzen Standfestigkeit.
Begeisterung ist die Grundlage allen Fortschritts. 
Mit ihr gelingen Leistungen, ohne sie höchstens Ausreden."


Wir wünschen katholisch.de diese Begeisterung, damit aus der schönen Schüssel alle satt werden!

*)

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