Sonntag, 2. März 2014

Faschingspredigten ...

... nicht bei uns!


In München findet der Fasching ja überwiegend im Saale statt. Solche Veranstaltungen, wie man sie aus dem Rheinland kennt, gibt es bei uns nicht. Mit Ausnahme des "Tanzes der Marktfrauen", der am Faschingsdienstag Zehntausende auf den Viktualienmarkt lockt, ist der Fasching eher eine kunterbunte Tanzveranstaltung, für die es überall Lokalitäten gibt. Das, was sich ansonsten zwischen Faschingssonntag und -dienstag in der Fußgängerzone abspielt - darüber würde ein Kölner oder Düsseldorfer höchstens mal herzhaft lächeln ...

Dass Faschingszeit ist, merkt man an verkleideten Kindern, die ihre Feste in Kindergarten oder Schule haben und an den Auslagen in den Geschäften oder an den Faschingskrapfen und Auszogenen in den Bäckereien. Und wenn man Pech hat, an launigen humorvollen Predigten, so wie ich sie letztes Jahr noch erleben durfte. Aber das war ja auch einen Tag, bevor Papst Benedikt seinen Rücktritt bekannt gab ... In diesem Jahr ist's allerdings anders. Da kommen die launigen Predigten, Reden oder sonstige Ansagen aus Rom  und wir werden auch in der Faschingssonstagspredigt mit dem Ernst des Evangeliums konfrontiert. Gott sei Dank!

Wir durften also heute lernen, dass die Vögel zwar nicht säen und ernten, aber dass ihnen der Herr zwei Flügel gegeben hat, die sie gebrauchen müssen, wenn sie ihre Nahrung fangen wollen ... Wer faul im Nest liegen bleibt, dem fliegen die Mücken nämlich nicht so einfach zu ... Aber es kam noch besser. Denn wir bekamen auch eine Geschichte aus Südamerika zu hören. Sie handelte von zwei Bauern, die ihren Karren in den Morast gefahren hatten und die damit in einer hoffnungslosen Situation waren.  Da fiel der eine auf die Knie und betete zu Gott um einen Engel, der sie aus ihrer misslichen Situation befreien sollte. Der andere Bauer hatte derweil angefangen, Bretter unter seinen Wagen zu schieben, damit der Wagen freikommt. Er hatte es dann auch fast geschafft, dann kam der erbetene Engel tatsächlich. Und was tat der Engel? Er half zuerst dem, der dabei war, seinen Karren selbst aus dem Dreck zu befreien .... und dem anderen dann erst später ... 
Schön zu hören, dass wir uns einerseits immer auf Gottes Hilfe verlassen und ihm vertrauen können, dass er aber andererseits von uns erwartet, dass wir die von ihm verliehenen Gaben auch in seinem Sinne nutzen sollen.

Szenenwechsel: In München findet in zwei Wochen die Kommunalwahl statt, dort haben auch die kleinen Parteien eine Chance in den Stadtrat einzuziehen, weil es keine 5%-Hürde gibt. Und deshalb kämpfen diese um jede Stimme. So standen heute die Prospektverteiler der ÖdP vor der Kirche und warben für ihren Kandidaten. Sonntags machen die anderen Parteien nichts - aber wer die Christen fischen will, hat halt am Sonntag die besten Chancen. Interessant, dass uns dann erzählt wird, diese Partei vertrete "christliche Werte". Tun das (mit Ausnahme der Linken und Grünen) vor der Wahl nicht alle Parteien? Ich habe mich dann auf ein Gespräch eingelassen und der Dame gesagt, dass ich beim Reinfahren in die Stadt viele Plakate dieser Partei gesehen hätte, aber dass auf keinem Plakat irgendetwas von christlichen Werten gestanden hätte. Sondern die üblichen Forderungen "Klimaschutz" oder "Mehr tun für Radlfahrer und Fußgänger" usw. Was das jetzt mit christlichen Werten zu tun hat? Keine Ahnung. Christliche Werte sind für mich nun mal (politisch gesehen) Freiheit und Selbstverantwortung. Wie aber will eine Ökopartei, die sich ja aus Verboten nährt, das unter einen Hut bringen? Geht doch gar nicht. Den Glauben an Gott und Christus, das Leben nach dem Evangelium kann heute nicht mal mehr die christlichste Partei politisch durchsetzen. Das müssen wir selbst vorleben.
Den "Slogan" dafür hat gerade der Berliner Kardinal Wölki geliefert. In einem sehr lesenswerten Interview mit der FAZ hat er sehr gute Aussagen zu Glaube und Sexualität gemacht. Und dazu über die christliche Liebe gesprochen: "Es gehört zum christlichen Glauben dazu, dass wir nicht sagen: 
Wir auch, sondern: Wir anders!"

Und jetzt warten wir mal, ob nach der Wahl wirklich noch ein christlicher Politiker sich zu dem "Wir anders" bekennt. 




1 Kommentar:

  1. Eine "Öko-Partei" kann natürlich "christliche Werte" vertreten. Dazu ist nur eine Klitzekleinigkeit im Denken der Parteileute notwendig:
    Sie müssen anerkennen, daß die Natur nicht einfach da ist, sondern daß sie Gottes Schöpfung ist.

    Daß man nie den Gedanken vergessen darf, daß Gott der Schöpfer aller Dinge ist, der die Welt in seinen Händen hält und erhält, darauf wies heute in der Messe (in der außerordentlichen Form) der Priester mit Bezug auf die Lesung (Kor. 13, 1-13) und auch Evangelium (Lk 18,31-43) hin nochmals hin. — Gottes Liebe hält alles zusammen.

    Es ist allerdings eher fraglich, ob eine Öko-Partei sowas anerkennen würde…

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