Samstag, 5. April 2014

Heiliger Geist vs. Zeitgeist ....

"Oh, ein Münchner". Dieser Satz aus einer bekannten Geschichte von Ludwig Thoma fiel mir zuerst ein, als Bischof Voderholzer heute die heilige Messe zum Herz-Jesu-Freitag eröffnete. Vor dem Beginn der Feier sagte er, wie sehr er sich freue, jetzt als Bischof von Regensburg einmal eine Messe in St. Peter feiern zu können - einem Ort, den er als gebürtiger Münchner sehr oft besucht hatte. Es war schön, mit diesem Bischof, der uns ja in den letzten Wochen mehrfach gezeigt hatte, was er unter "Christ-sein" versteht, die Herz-Jesu-Messe zu feiern - mit einer Predigt, die uns einmal mehr die Liebe Gottes wirklich spüren lies. Aber deswegen waren die meisten Besucher der Herz-Jesu Messe gar nicht gekommen. Sie wollten hören, was der Bischof uns zur kirchlichen Sexualmoral, zum heiligen Sakrament der Ehe und zur Stellung der Familie in der Kirche lehren wollte.
Die verwirrenden Texte, die in den letzten Wochen aus Rom oder auch von vielen deutschen Bischöfen an die Gläubigen herangetragen wurden, bedurften einer Erklärung. Und dafür war Bischof Voderholzer nach St. Peter gekommen. "Sex sells" war es sicher nicht, was so viele Gläubige in die Kirche lockte.
Aber es war schön, einen Bischof zu hören, der mit seinen Ausführungen die Lehre der Kirche vertritt, ohne als "Moralapostel" daher zu kommen. Er vermittelte mit klaren Worten die Schönheit und Freiheit des Glaubens, und warum die Kirche von ihrer Sexualmoral nicht abrücken kann. Schön, dass das Bistum Regensburg den Text inzwischen Online (hier zum downloaden) gestellt hat und es lohnt sich wirklich, ihn zu lesen. Ich hätte wirklich alles gar nicht wiedergeben können, was uns Bischof Voderholzer in seinen Ausführungen klarmachte. Ich war fasziniert von seiner klaren und deutlichen Sprache und erfreut, dass er die Wahrheiten der Kirche nicht verdrehte und herumlavierte, sondern einmal Klartext sprach. Besonders beeindruckt hat mich der Satz, dass viele Gott vergessen haben und deshalb ihre Ehepartner oder Kinder "vergöttern". Und wenn sich derjenige dann als Mensch erweist, ist die Katastrophe da. Zum Schluss bat Bischof Voderholzer den seligen Johannes Paul II um seine Fürsprache für die Eheleute und für die, die sich dafür entscheiden, eine Ehe im Glauben zu führen. Wir beendeten die Katechese mit einem gemeinsamen "Ehre sei dem Vater ...." Viel Gutes also, das man an einem solchen Abend mit nach hause nehmen konnte - auch weil Bischof Voderholzer vieles wieder gerade gerückt hatte, von dem man schon glaubte, dass sich die Kirche jetzt komplett dem Zeitgeist unterwerfen würde.

Der Zeitgeist geht nämlich derzeit in München um. Da denkt man, man könnte die Gläubigen damit einfangen, dass man ihnen erzählt, das doch irgendwie "Anything Goes" ... Wir kennen es ja aus diversen Interviews, die dann von den Medien auch noch kräftig aufgeblasen werden. Ja, und man kann fast zu dem Schluss kommen, dass die Menschen das inzwischen verinnerlicht haben.
Den Beweis dafür konnte ich dann am letzten Donnerstag erleben. Da fand nämlich in München, wie jedes Jahr in der St. Michaelskirche der Diözesane Bußgottesdienst statt. Und seitdem ich in der Kirche bin, gehe ich dort jedes Jahr hin, weil es sehr schön bewegend und sehr meditativ ist.... mit viel Weihrauch oder Weihwasserausteilung. Und dieser Bußgottesdienst wurde von den Münchnern auch immer sehr stark angenommen. Kein Wunder, sitzen doch nicht nur die "normalen Priester" in den Beichtstühlen. Es besteht auch die Möglichkeit, seine Sünden beim Erzbischof oder einem Weihbischof zu bekennen. Was natürlich gerne angenommen wurde. Ich erinnere mich dabei immer an die letzten Jahre, wo es schon eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes fast keine Plätze mehr gab und wo vor allen Beichstühlen  (Menschen)schlangen standen. Die, die während des Gottesdienstes beim Erzbischof beichten wollten, mussten viel Stehvermögen mitbringen, denn die Schlange war so lange, dass doch nicht alle drankamen und viele dann doch mit den Weihbischöfen "vorlieb" nehmen mussten.

Doch dieses Jahr hat der Zeitgeist zugeschlagen - oder nennen wir es den Franziskus-Effekt?
Als ich eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes in die Kirche kam, waren vielleicht 20 Leute dort. In den ersten Reihen saß jeweils eine Person, weiter hinten niemand mehr. An einem Beichstuhl standen 2 Menschen an, die anderen zeigten grünes Licht. Es füllte sich dann allmählich, aber ich würde mal sagen, die Kirche war nicht viel voller wie zu normalen werktäglichen Abendmessen. Schade, denn die, die nicht dort waren, haben echt was verpasst. Denn es war wie immer sehr schön, mit Tauferneuerung und einer schönen Predigt von Kardinal Marx, die man hier beim Erzbistum München nachlesen kann. Allerdings - beichten, wollten diesmal nur ganz wenige, so dass die 15 Minuten "Beichtpause" innerhalb des Gottesdienstes gut ausgereicht haben.
Und ich frage mich jetzt aber wirklich, was dieser Rückzug der Münchner von den Beichtstühlen (zumindest an diesem Tag) und dem Bußgottesdienst bewogen haben könnte.
Haben die Medien mit ihrem "... wir kommen alle alle in den Himmel - weil es der Papst (angeblich) gesagt hat", diese Irritationen bei den Gläubigen ausgelöst? Kann es wirklich sein, dass sie den Medien mehr glauben, und sie deshalb Beichte und Buße als überflüssig erachten? Oder fahren die jetzt alle nach Italien zum Beichten, denn dort soll es ja jetzt "lange Schlangen vor den Beichtstühlen" geben. Ich möchte das mal lieber nicht überprüfen.

Der Zeitgeist hat also offensichtlich unsere Diözese fest im Griff. Hoffen und beten wir, dass sich bis nächstes Jahr vieles geklärt hat und die Lehre der Kirche wieder in die Herzen der Gläubigen zurückgekehrt ist. Nutzen wir die verbleibende Bußzeit und bleiben wir dafür fest im Gebet.

4 Kommentare:

  1. Taras Sirko05.04.14, 18:41

    Tja, Deutschland ist halt nicht der Nabel der Welt.
    In fast allen anderen Ländern nämlich hat seit dem neuen Papst ein wahrer Run auf die Beichtstühle eingesetzt.

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    1. In welchen Ländern denn? Ist ja gut möglich, dass die Münchner alle dorthin gereist sind, um dort zu beichten, aber kann man sich das vorstellen? Eher nicht.

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    2. Kirchenfreund05.04.14, 20:20

      Oh, das ist bestimmt das Land hinter den sieben Bergen? Wo von uns keiner hinkommt und das wir nicht sehen können, sondern nur die Intelligenten und ganz Klugen. So wird es wohl sein.

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  2. Über die Schlangen vor den Beichtstühlen haben wir schon berichtet, das kann man hier auch noch mal nachlesen:
    http://beiboot-petri.blogspot.de/2014/03/was-wollen-die-schlangen-vor-den.html

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