Samstag, 21. Juni 2014

Difficile est satiram non scribere! Über das sleep-in in Santa Maria Maggiore und das Schweigen des Ideengebers

Jedesmal wenn ich das Wort Bauernkriege höre, rutscht mein Hirn in den Satz "Wider das sanftlebende Fleisch zu Wittenberg...."
Was war geschehen?
Nun in aller Kürze: Es trat ein Mann in Deutschland auf, mit dem Namen Martin Luther und die Bauern verstanden ihn so, wie sie ihn verstanden und probten im Vertrauen auf den von Luther, dem der die Bibel sich selber auslegt, verheißenen Beistand, den Aufstand.
Es waren wirre Zeiten und, man muss es dem Luther wirklich zugute halten, dass er sich um Schadensbegrenzung mühte, auch wenn es nichts nutzte, versuchte er den Bauern doch zu erklären, dass evangelisch sein, keineswegs bedeutet, den weltlichen Fürsten nicht zu gehorchen, im Gegenteil!
Aber das jetzt aufzudröseln führt zu weit.
Jedoch, und eigentlich wollte ich nie mehr was zum Thema schreiben, aber wie das halt so ist mit den Vorsätzen, spielt sich aktuell in Rom etwas ähnliches ab.
Wir haben einen Papst, der es liebt zu den Rändern zu gehen und je fertiger der an den Rändern ist, um so lieber ist er dem Papst, wenn ich das richtig verstanden habe, - wobei ich ja immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben habe, es sind nur die Medien, die das verdrehte Bild in den Köpfen zementiert haben.-
Er erklärt ja bekanntlich ständig, dass wir, sprich die Kirche, sprich Europa, jeden aufzunehmen hätten, der an unserer Tür klopft und auch dafür zuständig wären, dass es den Leuten dann auch gut geht, und wird es nicht müde, denen an der Peripherie die Botschaft zuzurufen "Ihr seid okay, wir sind es nicht, und wir müssen euch Gutes tun, damit wir auch okay werden. Und ihr, ihr dürft so bleiben wie ihr seid!" das Ganze dargeboten als sei der Hauptzweck der Kirche, die Sozialarbeit, und in die Welt und unter dem griffigen Bild eines  Feldlazarettes (wohl so wie hier ) gesetzt.

Nun, irgendwie ist das Folgende ja  fast komisch, wenn auch tragisch, weil es nicht um fiktive Leute,  sondern um ganz konkrete Menschen geht,  und erinnert doch an den Zauberlehrling (nur hat selbiger ja auch versucht, die Folgen seines dummen Gebabbels (sprich des Zauberspruchs) wieder, wenn auch vergeblich,  gut zu machen, während, und ich merke, es sträubt sich mir immer noch die Tastatur, aus dem Vatikan nur Schweigen zu hören ist.



Also um was geht es?
Es gibt in Italien schon immer und ewig  Hausbesetzer, Mietspekulanten und den Kampf dagegen. Im ganz konkreten Fall weiß ich nicht, was dahinter steckt, aber die Stadt Rom hat allem Anschein nach, ein besetztes Gebäude geräumt und die Geräumten hatten wohl keinen Bock auf irgendwelche Notunterkünfte, oder eventuell ein Quartier irgendwo janz weid draussen, sondern beschlossen sich mitten in Rom, in der Nähe des Bahnhofs Termini also sozusagen in bester Wohnlage einzuquartieren.
Laut Daily Mail haben die Zwangsgeräumten Zuflucht in der Basilika Santa Maria Maggiore gesucht, was immer das heißen mag, ich interpretiere es, als da auch genächtigt, laut La Republicca (aber mein Italienisch hat schwere Lücken)  haben sie auf einem naheliegenden Parkplatz campiert und sich lediglich tagsüber in der Basilika aufgehalten.
Hier in The Guardian steht es allerdings so, als würden die Leute sich lediglich tagsüber etwas verdünnisieren und nachts in der Basilika schlafen. Und auch in The Independent liest es sich so.
Hier hätten wir noch eine nette Bilderstrecke zum Thema.

Fakt ist auf jeden Fall, die Gruppe, die ja zu den oben erwähnten Lieblingen Papst Franziskus' gehört, laut Daily mail Flüchtlinge hauptsächlich aus Nordafrika (Lampedusa, sagt mir doch irgendwas!) und aus dem Nahen Osten (war da nicht neulich auch was?) hat  dem Papst einen Brief geschrieben und um Hilfe gebeten, Sie haben darauf spekuliert, dass sie während der Fronleichnamsmesse, mitsamt Prozession mit dem Papst sprechen können, alleine, sie wurden aus der Basilika expediert, es wurde dafür gesorgt, dass sie auf ihrem Parkplatz blieben und ach ja, auch ansonsten gab es  keine Möglichkeit, everybodys volksnahen Darling anzusprechen.

Ich kann mir einfach nicht helfen, ich finde es fast  lustig, und dabei doch tragisch und im Grunde peinlich. Der Vorgang  erinnert mich an all die vielen Lehrer, die ich schon selber gehabt und auch bei meinen Kindern erlebt und erlitten habe, die auch total cool und gleich mit dem du auf den Lippen, in die Klasse kommen, behaupten, sie hätten für alles und jedes Verständnis, einen auffordern, doch bitte, bitte zu sagen, was man denke und wenn man das dann tut,  plötzlich ihre Zuflucht zu Paragrafen aus dem Schulgesetz nehmen, von denen der strenge Lateinkollege (auch ein Klischee, ich weiß) noch nie was gehört hat.

Ich weiß, es fehlt ein Schlusssatz, aber alles was mir einfällt, ist zynisch, daher machen wir es wie in moderner Literatur üblich, wir verzichten auf den Schluss!



2 Kommentare:

  1. Während der papstlosen Fronleichnamsprozession von San Giovanni in Laterano zu Santa Maria Maggiore fiel einem italienischen Fernsehsender ein weinende Frau am Straßenrand auf. nach dem Grund ihrer Tränen befragt, sagte sie: es sei das erste mal seit Menschengedenken, daß ein Papst der Prozession fernbliebe...Jesus im Hl. Sakrament und die Gläubigen allein ließe....manche der so revolutionären Gesten des Pontifex sind doch recht schwer zu verstehen und wohl auch nicht zielführend.

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  2. "... der strenge Lateinkollege ..." *grins*

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