Samstag, 14. Juni 2014

Was will Papst Franziskus uns damit sagen? oder wie klein ist eine kleine Minderheit?

Ich muss es jetzt einfach mal so in den Raum stellen.
Ich habe mich treu und brav durch alle Enzykliken JPs II gequält und gerade bei seinen Statements zur Ökumene dann doch schwer schlucken müssen, so z.B in "Ut unum sint" wo er es immer und immer mit der Sehnsucht, die die getrennten Christen nach der Einheit mit uns hätten, hat, von der ich bislang noch nix mitgekriegt habe . Aber trotzdem wird JPII nicht unrealistisch, sondern erklärt dass a) sich jeder Dialog auf dem Gebet gründen müsse und man auch sehen müsse, dass der Weg schwierig bis unmöglich sei, und nur gegangen werden kann, weil der Heilige Geist das so will, man aber trotzdem immer aufpassen müsse (meine Worte) dass man den eigenen Vogel nicht für den Heiligen Geist hält.

Wie gesagt, ich bin es gewöhnt, mit päpstliche Aussagen so meine Schwierigkeiten zu haben und halte auch jedem Papst zugute, Mensch und Kind seiner Zeit zu sein,  und keineswegs ein alleswissender, immer Recht habenden spiritueller Überflieger, so ne Art guter Übermensch.
An was ich aber fest glaube und was man bei JPII gut hat sehen können, ist die Führung durch den Heiligen Geist, die zumindest bei JPII dazu geführt hat, dass er immer wieder die Kurve hin zum Katholischen gekriegt hat, bzw. klar hat gesagen können, dass er fest auf dem Boden der Kirche und des Glaubens steht, und worin dieser Boden besteht. Auch und gerade weil  man ihm angemerkt hat, dass er am allerliebsten die ganze Welt umarmt hätte, oder an die äußerste Grenze gegangen ist, so war dennoch  klar: katholisch ist gut und richtig und es ist Christus, der am Kreuz für die Sünden aller gelitten hat, auch wenn es nur viele sind, die das annehmen.

Warum die Vorrede? Nun es geistert durchs Netz eine Art Erklärung betreffs des Friedensgebets, die unser derzeitiger Papst in  Interviewform  gegeben hat, die doch Fragen aufwirft.
Also wie wir bereits gestern  Mittag  berichteten, erklärt unser Papst dort:
 „Die verfolgten Christen sind eine Sorge, die mir als Hirte sehr nahe geht. Ich weiß sehr viel über Verfolgungen, kann aber aus Vorsicht nicht darüber sprechen, um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Aber es gibt Orte, an denen es verboten ist, eine Bibel zu besitzen oder den Katechismus zu lehren oder ein Kreuz zu tragen.“

Okay jetzt zerpfücken wir das mal. Es geht zunächst um verfolgte Christen!
Unter verfolgten Christen stell ich mir zumindest vor: von allem ausgeschlossen, an Leib und Leben, Hab und Gut bedroht, von allen verachtet, an jedem Unglück schuld  und da auch schon genug Übergriffe erlebt. ALso das was unsere Brüder in Pakistan, Ägypten, Syrien, dem Sudan, in Nordkorea und anderswo erleiden müssen.
Man klicke sich mal durch die entsprechenden Meldungen auf Radio Vatican oder mache sich bei open doors schlau.
Dann sagt der Papst, er könne aus Vorsicht nicht drüber sprechen, was ja suggeriert, wenn er es anprangert, wird es noch schlimmer.
Um dann die Sache im nächsten Satz zu relativieren und lediglich festzustellen, dass es Orte (also nicht Länder sondern nur ein (paar) Dörfer, oder Gebäude) gäbe, wo es verboten sei, ein Kreuz zu tragen.
Je nun, nach diesem Kriterium kann ich auch die Türkei als Land definieren, wo Moslems verfolgt werden, ist es doch in der Türkei in öffentlichen Gebäuden den Frauen verboten, ein Kopftuch zu tragen, weswegen Erdogans Töchter in der USA studierten, weil sie dort nämlich mit einen Kopftuch in die Vorlesungen gehen konnten.
Was nun das Verbot einer Bibel angeht, auch das müsste man erklären, Abtreibung ist schließlich auch verboten in Deutschland und wenn man es trotzdem machen lässt geschieht von staatlicher Seite gar nichts!
Will heißen ich weiß schon, dass es Länder gibt z.B Nordkorea wo Leute für den Besitz einer Bibel umgebracht werde bzw im Lager landen, aber so wie es gesagt wird, ist das Verbot einer Bibel erstmal nichts Lebenbedrohendes, und erklärt auch nicht, warum man deshalb schweigen müsse, aus Vorsicht!

Die Verwirrung geht weiter:


Die Gewalt im Namen Gottes prägt den Nahen Osten... so lautet die Frage des Interviewers
Die Antwort lautet:

„Das ist ein Widerspruch. Gewalt im Namen Gottes passt nicht in unsere Zeit. Das ist etwas Altes. Aus historischer Perspektive muss man einräumen, dass wir Christen sie zeitweise praktiziert haben. Wenn ich an den Dreißigjährigen Krieg denke, dann war das Gewalt im Namen Gottes. Heute ist das kaum vorstellbar, nicht wahr? 

Ich versteh das ehrlich gesagt nicht, erstens war der dreißigjährige Krieg kein Krieg zwischen Katholiken und Protestanten,gab es doch aus durchaus Protestanten die auf Seiten des Kaisers kämpften  und z.B. bei der Schlacht bei Freiburg im Breisgau ging es Liga gegen Frankreich, das ja damals noch durchaus katholisch war. Es ist  hier nicht der Ort das aufzudröseln und man mag es einem Papst nachsehen, dass er da nicht wirklich durchblickt, weil wer tut das schon?
Richtig ist, man kann es nicht leugnen, dass auf beiden Seiten Christen gegeneinander gekämpft haben. Massiver Rückfall ins Heidentum, denj sich Getaufte da geleistet haben. 
Aber der Papst erklärt ja, sowas gibt es nicht mehr. Wirklich direkt wie Palmström in dem berühmten Gedicht von Christian Morgenstern. "Es kann nicht sein, was nicht sein darf" Dann erklärt er weiter gleich.

Wir drei Religionen haben jeweils unsere fundamentalistischen Gruppen, klein im Verhältnis zum ganzen Rest.

Klar haben wir merkwürdige Exemplare im Sortiment, das wissen wir auch. Aber  nach dem was bisher aus päpstlichem Munde verlautete, handelt es sich bei uns um rosenkranzählende, von der Abtreibungsfrage besessene Pelagianer, Dogmen, rubrikenfixierte und geistig lepröse Leute.
Es wird manchen überraschen, aber ich kenn auch so Leute (nenn die nur anders, Gnadensammler aus der do-ut-des Fraktion) und manchmal versteh ich den Papst sogar, auch wenn ich es nicht richtig finde, die eigenen Leute so öffentlich fertig zu machen, wenn er dagegen vom Leder zieht. Nur, so nervig diese Leute auch sind, so sind sie harmlos und drängen zwar jedem ihre Spezialgebete und Devotionalien auf  und nerven damit, dass sie ihre Handelsbeziehung mit dem Lieben Gott für das nonplusultra katholischer Existenz halten, aber diese Leute dulden und ertragen schlussendlich alles und würden keinem auch nur ein Haar krümmen.
Bei den Juden (ich denke hier ist eine gute Zusammenfassung der ganzen komplexen Geschichte) kenn ich mich nicht so aus, aber ich weiß, dass es da auch die superkoscher Abteilung gibt, die nie und nimmer von dir einen Keks nehmen würden, weil in deinem Backofen bestimmt schon mal ne Pizza mit Schinken und Käse verfertigt wurde. Halt  Leute, die  superstreng sind von wegen der Beachtung der rituellen Vorschriften aber soweit ich hier Wiki glauben kann , sind die irgendwie, so wie unsere Superstrengen s.o. harmlos. 
Ich will jetzt auch nicht auf die Siedlungspolitik eingehen, aber es ist mir nicht bekannt, dass irgendwelche Siedlungpolitikbefürworter, von denen es schon ganz Radikale gibt (von wegen unser Land vom Nil bis zu Eufrat) sich einfach mit einem Sprengstoffgürtel um den Bauch  an eine Bushaltstelle stellen.

So und jetzt wären wir bei der problematischen Aussage, auch beim Islam gibt es selbstverständlich solche und solche.
Aber wenn wir mal annehmen, das der Iman, da im Vatikan mit seiner Koranrezitation, die nach Auffassung mancher,  nun die vatikanischen Gärten zum Gebiet Allahs macht (das ist im Islam nicht so einfach, weil es durchaus verschiedene Lehrschulen gibt) wo er bei einem Friedensgebet seien Gott ganz direkt bat ihm doch den Sieg über die Angehörigen der anderen, anwesenden Religionen zu geben, gehört zu den fundamentalistischen Minderheiten, die der Papst meint, dann wäre das so einer aus der Abteilung nervig aber im Grunde harmlos.
Nur erhebt sich dann die Frage was ist mit den Muslimbrüdern, den Boko Haram den ISIS, der Al-Quaida den syrischen Rebellen  ? 
Ganz zu schweigen von anderen islamischen Terrororganisationen, deren Opfer Christen, sind?

Man könnte nun die Aussage des Papstes (die ja nicht zum Lehramt zählt, Gottseidank, aber trotzdem ist er Papst, heute in einer Zeit wo jedes Wort von ihm durch die Welt eilt,  und nicht in einer Zeit, wo man eh erst von seiner Existenz beim Tod des Nachfolgers erführ), dahingehend retten, dass man sagt "Leute die superböses tun, die gehören nicht zu uns!".
Das ist zwar verlockend, aber leider, leider donatistischer Unfug.
Es ist nicht christlich die Leute weiter das Böse tun zu lassen,  man soll alles, was man tun kann tun, um denjenigen der Böses tut daran zu hindern, weil, Böses tun in allererster und allerletzter Konsequenz demjenigen, der es tut, schadet, und ihn der ewigen Verdammnis anheimfallen lässt und er ist doch, wie die Päpste nicht müde werden zu betonen, unser Bruder.
So tue ich in der Abwehr des Bösen den Unschuldigen, mir und dem Täter einen Gefallen. Und um das Böse abzuwehren muss ich es erst mal erkennen und nicht blinde Kuh spielen!

Eine andere Erklärung gibt es noch: 

Betrachtet der Papst die Lage als so schlimm, wie im dritten Reich, dass er  sich gezwungen sieht, wie Pius XII zu schweigen und heimlich zu retten?

Wäre ja schön, aber ich glaube das nicht, und warum sagt man uns dann seit Jahrzehnten, dass alles in Ordnung sei und nur eine kleine Minderheit schwarz sieht?

 

2 Kommentare:

  1. Es ist wohl aussichtslos, sich den Aussagen dieses Papstes auf dem Weg der Logik nähern zu wollen - um von seinem Wissenshorizont ganz zu schweigen (siehe Dreißigjähriger Krieg u.ä.). Welche Diskrepanz zu Benedikt !!

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    1. Kirchenfreund14.06.14, 18:31

      Er dokumentiert zumindest mit all diesem Aussagen, dass er von der europäischen Geschichte, die ja auch die Kirchengeschichte ist, keine Ahnung hat. Und dass es ihn auch nicht interessiert.

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