Montag, 7. Juli 2014

Kindergottesdienste, Pange Lingua und liturgische Sprache

Die Ankerperlenfrau hat es aufgebracht, die Sache mit den Kindergottesdiensten, wo die lieben Kleinen bespaßt werden, um die Erwachsenen nicht zu stören und Felizitas Küble hat es aufgegriffen.
Es ist im Grunde mein Thema, weil ich das mit den meinen, naja in Wirklichkeit oft nicht lieben Kleinen alles erlebt und erlitten habe.

Kinder machen Dreck, Unordnung, Durcheinander, Radau,  binden  und rauben einem den letzten Nerv und bringen einem mühelos an seine Grenzen, sind heutzutage,  wenn man sich die Abtreibungszahlen anguckt, schwer unbeliebt und man betrachtet ihre pränatale Beseitigung als Menschenrecht.
Ich habe jahrelang in einer Welt gelebt, wo man der Ansicht war, dass Abtreibung was Gutes sein, weil in der Welt ja kein Platz für Kinder ist, und wusste von daher, dass die katholische Kirche das anders sieht.
Auf diversen Irrwegen bin ich dann a) zu Kindern und b) zur Kirche gekommen, es schockiert mich immer noch, wie sehr die Offenheit für Kinder, die jedes katholische Ehepaar bei der Trauung Gott gegenüber zusagt, reine Theorie ist.
Trotzdem ist auch das andere wahr, dass Kinder die Zukunft sind und ihnen die Zukunft gehört und es ist manchmal absolut erstaunlich, wie oberflächliche Discomäuse  und zugehörige Partner sich verändern, wenn sie Kinder haben. Und ja, es spricht allen Abtreibungszahlen zum Trotz, immer noch an, man beachte die Spendenwerbung, wenn es irgendwo mal wieder gerumst hat.

Ja, aber und jetzt kommt mein Punkt, ich zumindest bin nie wegen der Gemeinde oder dem Pfarrer zur Messe gegangen, sondern wegen dem lieben Gott.
Ich habe wohlmeinenden Erwachsenen die kamen mit "da haben Sie doch  nix davon, wenn Sie in der Messe damit beschäftigt sind, die Kinder ruhig zu halten" immer gesagt, "es geht in der Messe nicht darum, dass ich da was davon habe, es ist eine Pflicht die Gott durch die Kirche gesetzt hat, und ich lese in der ganzen Schrift nix davon, dass  Kinder (im Katechismus ist nur die Rede von Säuglingen, die von der Sonntagspflicht dispensieren) da nicht hin dürfen"


"ja aber die Andacht" hieß es dann.
Ich habe dann immer (etwas höflicher und ausführlicher gesagt):
"Wir wurden als Kinder geschickt, von klein auf. Brav waren wir nicht, aber es legte eine Gewohnheit und als ich dann nach Jahren der Abstinenz wieder in einen Gottesdienst kam, war das für mich ein Heimkommen, wie ein Drehen eines Schlüssels in einem Schloss, das die Tür öffnete, wie etwas finden, das man solange gesucht hat, das man schon vergessen hatte, wie das Gesuchte eigentlich aussah.  Ich glaube das liegt auch an der Gewohnheit aus Kindheit und Jugend, und das will ich meinen Kindern auch mitgeben, auch weil ich in der Taufe versprochen habe.
Wenn ich nun warte, bis das erste Kind, nach eurer Meinung, groß genug ist, so mit 9. Was mach ich dann mit den anderen, den kleineren? Und seid ihr nicht die, die immer wortreich beklagen, dass die Kommunionkinder sich als Fledermäuse entpuppen?"

Ja ich versteh das schon, es ist lästig und nervig, wenn Kinder schreien, herumrennen, nerven und das im Gottesdienst, ja es ist nervig, wenn man in einem besonders feierlichen Gottesdienst gerade dabei ist in Anbetung zu versinken und dann tönt es von der Bank vor einem "Mama der Jens hat mich geschubst"
Aber auch hier passt  die geniale Antwort die Pater Richard mal der älteren, wütenden Dame, die auf ihn zusegelte, anklagend auf mich zeigte und sagte "Herr Pater, können Sie dieser Frau nicht sagen, dass sie dafür sorgen soll, dass ihre Kinder still sitzen und leise sind im Gottesdienst, ich habe mich so aufgeregt, dass ich ihnen gar nicht zuhören konnte!" gab.
Die lautete nämlich "Wissen Sie, wenn die Mutter wüsste, wie sie die Kinder ruhig halten könnte, würde sie es tun! Daher wäre es besser für die Familie zu beten, anstatt böse zu gucken, das macht nämlich die Nervosität der Mutter nur größer und das Kind nur noch unruhiger!"

Hier erklärt eine Pfarrei das um was es geht m.E. sehr gut klicken

Fassen wir also zusammen, wenn Kinder zu schlimm sind im Gottesdienst, hat man nix vom Gottesdienst, man versteht nichts.  Müssen sich die Eltern zu sehr kümmern, verstehen sie auch nix vom Gottesdienst und alles nickt dazu und dann machen wir Bespaßung und die, die das machen, die haben gar nix vom Gottesdienst weil sie nämlich gar nicht da sind, aber das ist ja egal, weil es ja  gaaaaaanz viel Spaß macht und alles gaaaaanz kindgerecht aufgearbeitet wird, damit die Kinder das verstehen, herangeführt werden, bla blubber........ so geht doch die Argumentation.

Nun wollen wir uns mal dem Hauptargument zuwenden, dem Verständnis!
Mal Hand aufs Herz- kann mir mal wer erklären,ob er das wirklich versteht, was in der Messe geschieht?
Es ist meines Erachtens völlig unerheblich, in welcher Sprache die Messe ist, es ist absolut nicht zu verstehen, dass auf Grund der Worte, die der Priester spricht,  sich eine Backoblate und ein bisschen Wein mit Wasser  in den Leib und das Blut Christi verwandeln und damit der Schleier von Raum und Zeit beiseite gezogen wird, und wir alle nicht mehr in der Kirche sind, in der wir sind, sondern hinzutreten zum Berg Golgotha, wo Jesus der Christus am Kreuz hängt und stirbt und das geschieht, weil wir so erlöst werden, wenn wir das annehmen und die Kirche tut das, weil Jesus Christus es am Tag des letzten Abendmahles, so angeordnet hat.
Wir sind das gewöhnt, es sind ganze Bibliotheken darüber voll geschrieben worden, wie es ist  und der Streit darüber ist älter als die Kirche, und das steht im 6ten Kapitel des Johannesevangeliums und seitdem sind  darüber, dass es so nicht sein kann, ebenfalls ganze Bibliotheken voll geschrieben worden.
Aber verstehen, richtig verstehen kann es nur das Herz, wie es in dem berühmten Hymnus des Thomas von Aquin heißt:
der Verstand verstummt beklommen, nur das Herz begreifts allein und in der nächsten Strophe wird dann festgestellt, dass der Glaube ergänzen, erklären, lehren muss, für was die Sinne eben zu schwach und ungeeignet, sind.
Will heißen, Verstand und Sinne können es nicht erfassen, weil es sich um Dinge handelt, die eben nicht irdisch, sondern göttlich sind und genau deshalb ist all das Heranführen, Erklären, in symbolischen spielerischen Handlungen nahebringen, per se, solange es sich um die Messe handelt, aus der Abteilung knapp vorbei, egal ob es sich um Kinder oder eine Versammlung von Universitätsprofessoren handelt.
Denken, Nachdenken, Musik, Architektur, Kunst, und  Gewänder all das bildet ja, ein Gesamtkunstwerk, das auf den Herrn in der Eucharistie hinweist und wer jemals in einer schönen Messe gewesen ist, und irgendwie eine Ader dafür hat, der weiß das.
Er weiß aber auch, dass all das nur, um mit M. Mosebach zu sprechen bis "zur Wand führt" und so eine altmodische feierliche Messe, die leugnet das auch gar nicht, sondern betont das.
Nur die in den letzten Jahrzehnten ausgebrochene Rederitis die tut so, als ob sie irgendwas erklären könnte, von dem was prinzipiell unerklärbar ist.
Um jetzt wieder die Kurve zu den Kindern und den begleitenden Erwachsenen zu kriegen, ein Messe die nix, aber auch gar nix von dem faszinierenden, erschreckenden Mysterium Christ weiß, die nutzt  nicht, die hilft schon gar nicht in all den Situationen, wo das Kreuz nicht zu umgehen ist.
Und in solche Situationen kommt der Mensch halt immer und immer wieder.
Im AT steht: die Furcht Gottes ist der Anbeginn der Weisheit und über die Weisheit stehen lauter tolle Sachen im AT, aber mir scheint, weil die Furcht Gottes, das Wissen um die Majestät Gottes systematisch ausgetrieben wurde, deshalb ist vieles was in der Kirche geschieht eben einfach dummes Zeug.

Windlicht hat sich auch mit dem Thema, nur anders,  befasst, hier  hier
Hier aber zum Trost den Hymnus des Thomas von Aquin



P.S ich weiß natürlich, dass es Leute gibt, die von Skrupeln geplagt werden, und diese armen Leute werden immer ins Feld geführt, wenn es um die Kunde vom Spaß, den der Glaube machen soll, geht. Davon mal abgesehen, dass religiös skrupulöse Leute selten sind, meiner Erfahrung nach, nehmen solchen Leuten, diese spaßigen Eventgottesdienste und die entsprechende Pastoral einfach den Halt, den ihnen der Glaube gegeben hat.


1 Kommentar:

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.