Freitag, 4. Juli 2014

Merkwürdige Sache, oder Gedanken über das Freitagsgebot

Frage. "Woran erkennt man, dass man in einem Krankenhaus mit evangelischem Träger gelandet ist?"
Antwort "An dem Fisch, den es Freitags gibt!"
Ergänzungsfrage: "Und woran erkennt man, dass man in einer Einrichtung mit katholischem Träger gelandet ist?"
Antwort "Daran dass es den Fisch entweder Dienstag oder Donnerstag gibt und auf gar keinen Fall Freitags oder Mittwochs!"

Das obige ist nicht so super ernst gemeint, aber es fällt mir immer und immer wieder auf.
Und das  besonders deshalb, weil die diversen freikirchlichen Pastoren, die mich schon von meinem Katholischsein haben retten wollen, immer und immer darauf herumreiten, dass das Freitagsgebot nichts, aber auch gar nichts mit dem Gedenken des Kreuzestod Jesu zu tun habe, sondern eine Erfindung des Vatikan sei, der im 6. Jahrhundert wollte, dass die vatikanische Fischfangflotte was zu verdienen habe.
Lassen wir nun beiseite dass das 6. Jahrhundert zu den  Zeiten zwischen Antike und  Mittelalter zählt, wo man in den Wirren des endgültigen Untergang des römischen Weltreichs  und den damit verbundenen Wirren in Küstennähe einfach Fisch aß, wie man das in Küstennähe halt in den Zeiten vor Erfindung des Kühlschranks halt so tat,  und auf dem Land froh war, wenn einem plündernde Langobarden oder Vandalen  nicht das Getreide zertrampelten.
Auf jeden Fall bin ich irgendwie drauf gepolt "Evangelen haben kein Freitagsgebot und halten da auch nix davon!"
So stolpere ich immer wieder drüber, dass dennoch in evangelischen Einrichtungen und auch noch vor Jahrzehnten, in den diversen Unimensen, oder Kantinen,  in denen ich zu Gast war, es selbstverständlich Freitags Fisch gab, während man sich das katholischerseits irgendwie schwer tat.
So waren wie mal vor einigen Jahren im Sommer in einer katholischen Ferienstätte in Urlaub und da gab es den Fisch Dienstag und Freitags Schnitzel.
Mein Mann hat dann den Leiter gefragt und der hat sich auf den Koch herausgeredet, darauf hat mein Mann gemeint, dass man durchaus einem Koch entsprechende Vorgaben machen könne.......
Es mag natürlich sein, auch wenn ich es für unwahrscheinlich halte, dass man in  katholischen Einrichtungen davon ausgeht, dass die Gäste am fremden Tisch sind, wo das Freitagsgebot eh nicht gilt.

P.S. Google hat mir gesagt, das es teilweise in den Kreisen um Zwingli und Calvin als Akt der Reformation galt, öffentlich an öffentlichen Fasttagen, öffentlich Wurst zu essen. Das ganze firmiert unter Zürcher Wurstessen.

2 Kommentare:

  1. Ich hatte mal ein paar Jahre Gelegenheit, in einem Münchner Großunternehmen mittags die Kantine mitzunutzen. Da gab es jeden Freitag und jeden Mittwoch Fisch (oder irgendwas mit Fisch), aber auch Fleisch für die, die es wollten. Der Fisch (oder z.B. Tagliatelle mit Lachs oder Scampi-Spieße) waren sehr beliebt und wurden mit Sicherheit nicht nur von den Katholiken gegessen. Das ist dort sicher heute noch genauso.

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  2. Ich weiß nicht, wie das bei euch in Deutschland ist, aber in Österreich heißt, es, dass man am Freitag irgend ein Opfer bringen soll, es muss nicht unbedingt der Verzicht auf Fleisch sein (ganz in Übereinstimmung mit CIC Can. 1253, der den Bischofskonferenzen erlaubt, die Fasten- und Abstinenzregeln an örtliche Begebenheiten anzupassen).
    Das ist auch durchaus sinnvoll. Viele Leute mögen Fisch sehr gerne, und Fischessen am Freitag ist dann eher das Gegenteil eines Opfers.
    Und noch eine kleine Geschichte über meine überaus - mitunter übertrieben - fromme Großmutter: Die hielt auch nach der Anpassung des Freitagsgebots eisern an der alten Regelung - also am Freitag kein Fleisch - fest. Freitag gab es bei ihr zu Mittag meist Marillenknödel (ins deutsche Deutsch übersetzt: Aprikosenklöße) oder eine ähnliche Süßspeise. Einmal meinte ich zu ihr, sie könnte ja zur Abwechslung einmal auf etwas anderes verzichten als auf Fleisch. Ihre Antwort: "Nein, nein, ich bleib schon dabei, dass war früher auch immer so." Und dann, nach einer kleinen Pause: "Und außerdem mag ich Marillenknödel sowieso lieber als Fleisch."
    Vielleicht gibt es in Deutschland auch so eine ähnliche Regelung wie bei uns? Sinnvoll wäre es.

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