Sonntag, 10. August 2014

Hic Rhodos, hic salta oder was wir von unseren großen Sprüchen haben. Ein Rundumschlag

Es gibt da Meldungen und Bilder, auch  auf twitter, die sind nur noch schlimm,  Männer die Kinder kreuzigen, Kinder lebendig begraben, Babys entzweischneiden, Frauen verschleppen  auf dem Markt verkaufen, Blut und abgeschlagene Köpfe, man denkt, sowas gäbe es nur noch in der kranken Phantasie irgendwelcher Filmemacher, die das Böse möglichst drastisch darstellen wollen und hier geschieht es vor den Augen der Weltöffentlichkeit, geht herum, und ach, nee, ja keiner tut was, ich habe noch genug live und virtuelle Diskussionen im Hinterkopf, dass die ja alle so lieb und nett und friedlich sind die Moslems und doch nur alle in Frieden leben wollen.
Wobei ja genau das das Problem ist, diese wildgewordenen Dschihadisten wollen in der Tat schlussendlich in Frieden leben, so wie sie es verstehen, halt unter sich, und mit dem was wohl unter "Männerphantasien" firmiert und es scheint ja auch, als gehöre es zu ihrer Vorstellung von einem friedlichen Leben all den blutrünstigen Phantasien, einfach freien Lauf zu lassen.

So und jetzt, stellen wir diese Meldungen all den Plakaten und Aufrufen der letzten Jahrzehnte gegenüber, so kommen wir nicht umhin festzustellen, wir haben es mit  einem Ausbruch des Bösen zu tun, damit haben wir nicht gerechnet.
Und sagen wir mal so. Als Deutsche lernen wir, dass unsere Eltern bzw. Großeltern bzw. mittlerweile auch Urgroßeltern damals ganz schrecklich versagt haben, was schon richtig ist, nur was machen wir?
Wo sind sie denn alle unsere Dialogisierer, Friedensforscher, Psychologen., Ober Lehrer der Nation  und Sozialarbeiter, warum fahren sie nicht, wo sie eh normal am allerliebsten durch die Weltgeschichte gondeln, in den Irak und reden mal mit den IS Leuten?
Wo sind die gecharteten Hubschrauber, die die Christen, Yeziden aus der Gefahrenzone fliegen?
Wo ist jemand, der was tut?

Ich komme mir wieder vor wie als Kind, als mich die Bilder aus Biafra erschreckten, nicht schlafen liesen und es an Weihnachten eine Aktion gab  "Spielzeug sammeln für die Kinder in Biafra".
Man muss die Zeit brücksichtigen, das war in den 60ern, wo Kinder noch nicht so in Spielzeug ertranken wie heute. Ich habe meine beste und einzige Puppe gegeben, die richtig schön gemacht, zusammen mit meiner Mutter der Puppe ein neues Kleid geschneidert, und neue Zopfspangen gekauft, und brachte die stolz und schweren Herzens in die Kirche zu dieser Sammelbox, vor der Krippe.
Wie war ich enttäuscht von meinen "Kollegen" als ich sehen musste, dass die meisten nur ihren Schrott da entsorgten.
Nachfragen bei den Freundinnen, ergab "Ach Ester weißt du, die sind dort so arm, die freuen sich da bestimmt drüber, über das womit ich eh nix mehr anfangen kann. Und es ist doch ein gutes Werk!"

Ja und jetzt geht es mir wieder so, das Gefühl, dass  der Welt im Grunde  alles egal ist, und besonders das, was mit den Mitmenschen geschieht, das ist schön zum Gruseln, schlimm die Welt und dass es mittlerweile ganz nah ist, das vergessen wir gerne.
Soll es in Berlin doch teilweise rund gehen, kam es zur Prügelei  gegen Yeziden in Herford,, zu Übergriffen im Asyl Bewerberheim und  und und.

Ja und immer wieder die alte, bedrängende Frage, "Wo sind denn dann, wenn es mal wirklich ein ernsthaftes Problem gibt, all diejenigen die immer wissen was bei wirklich ernsthaften Problemen zu tun ist?"

Man könnte natürlich auch auf die Bibelstelle auf Exodus 34,7  verweisen wo steht : Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg, lässt aber (den Sünder) nicht ungestraft; er verfolgt die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, an der dritten und vierten Generation.

Ich habe auch irgendwo mal gelernt man könne das auch übersetzen mit .
"...er prüft die Schuld der Väter an den Söhnen....." so in dem Sinn er legt den Söhnen die gleiche Versuchung auf, für die sie die Väter verurteilt haben, nur in anderer Form.

Ja so ist es wohl!



Im Grunde stellen sich mir immer alle Nackenhaare auf, wenn ich große Sprüche höre, was Christen alles tun und machen sollen.
Sprich, schon seit  meiner Kindheit sind mir diese aufmunternden Spendenplakate suspekt, und je älter ich werde umso mehr schlage ich mich mit der Frage herum, ob das alles so richtig ist mit der organisierten Hilfe, die einem irgendwie vom Mitleid mit den Nächsten suspendiert, weil man ja "nach Afrika, Südamerika, oder sonstwohin" spendet.
Im Grunde ist das schon ein großes Fass, das wohl besser zubleiben würde, aber ich kenne halt Leute, die regelmäßig an irgendwelche Kinderdörfer und für arme Kinder möglichst weit weg spenden und die eigenen Enkelkinder kriegen noch nicht mal was zu Weihnachten.
Auch war es in meiner Kindheit ein gerne benutztes Erziehungsmittel, aufmüpfenden Kindern, die armen Kinder in der dritten Welt um die Ohren zu schlagen, mit dem Argument, dass diese Kinder bestimmt viiiiiiel dankbarer, netter und fleißiger in der Schule wären, wenn sie, wie das aufmüpfige Kind,   Erbsen essen, merkwürdige Hosen von Tante Erna geschenkt bekämen, bzw in eine Schule gehen würden, die Altgriechisch lehren würde.

Nichtsdestotrotz trotz ist es wohl nicht verkehrt, all diese Hilfswerke, egal ob das nun die Sternsinger, Adveniat oder das internationale Rote Kreuz ist
Aber irgendwie hat man, wenn man sich mal durch einschlägige Seiten geklickt hat, oder auch mal sich die Mühe gemacht hat, das was einem so tagein tagaus an Bettelbriefen ins Haus flattert, auch zu lesen, den Eindruck, dass die Lösung aller möglichen Probleme von Aidswaisen  in Afrika über Straßenkinder in Indien bis hin zu fairem Handel für Zuckerrohrbauern ganz einfach ist, und nur am Geld, das man bitte spenden soll, hängt.

Ich muss sagen, das ist der Punkt, der mir immer sauer aufstößt.
Nicht, um es mal klar zu sagen, weil man, damit die Leute spenden schon ein bisschen schön schreiben muss und Dinge versprechen muss, die man eh nicht halten kann, sondern diese Arroganz, die einfach davon ausgeht, dass "die woanders einfach zu blöd sind um mit ihren Problemen fertig zu werden und wenn sie nur so wären wie wir, und so tickten wie wir, dann würden die schon so klasse wie wir selber sind"

Der grundlegende Irrtum besteht im letzten Satzteil, weil wir nämlich, genauso wie das Straßenkind und die Leprakranke, erlösungsbedürftige Geschöpfe Gottes sind. Und ansonsten das Mittelalter, was den Dienst an den Armen und Leidenden angeht, eine spirituelle Idee hatte, die den Helfenden vor der oben beschriebenen  Arroganz bewahrte, dem zu Helfenden seine Würde zu nehmen, indem es im Armen und Leidenden Christus gesehen hat, dem man dienen durfte (dass das, auch wegen der damaligen Umstände, z.B.  Hygiene, und der Abhängigkeit vom Wetter, was besonders die Versorgung mit Lebensmitteln betraf, und eben der gefallenen Natur des Menschen  nicht immer durchgehalten werden konnte, ist schon klar)

Wenn es um Spenden und Hilfe für Leute, möglichst weit weg geht, dann finden auch eingefleischte Kirchenfeinde, die Kirche wieder ganz toll und kreiden ihr höchstens an, dass die Hilfe nach dem Motto "Brot für die Welt. aber die Wurscht bleibt hier" erfolgt.


Von einer anderen Warte aus wird die zugrunde liegende Haltung am Beispiel Obama hier, bei Achse des Guten,  beschrieben.
Es ist eine Art zudenken, die den anderen im Grunde nicht ernst nimmt, weil sie meint mit ein bisschen Heitatei und netten Reden, dem berühmten Dialog, den anderen zu überzeugen.
Also als würde der andere nur deshalb so aggressiv sein, weil ihm noch niemand gesagt hat, dass man seine Konflikte auch verbal lösen kann.

So, um aber wieder auf den Punkt zu kommen, mir ist in letzter Zeit immer mal wieder so ein Plakat untergekommen, wo es heißt "die größte Katastrophe ist das Vergessen", eine Aktion der Diakonie, wo auf, von dem Vergessen bedrohte Konflikte. aufmerksam gemacht werden soll.
Ja es ist schon recht, und gut, solches zu tun, auch unter den aktuellen Bedingungen, wo die Welt zwar etwas widerwillig, aber dennoch endlich, endlich zur Kenntnis nimmt, was im Irak abgeht, aber fast vergisst, dass diese IS Barbaren vorher durch Syrien gewahnsinnt sind und dort die Christen zur Flucht gezwungen haben und die das Problem haben, dass sie nicht in die Lager können, weil sie dort weiter verfolgt werden.....

So wollen wir, auch wenn wir uns ohnmächtig fühlen, vielleicht mal einfach eingestehen, dass Christen nicht diejenigen sind, die immer alles besser wissen und können und nicht wie die Truppe  von "Startreck" sind, die überall wo sie hinkommen, alle Probleme lösen können, sondern vor lauter Hochmut ne Menge Probleme überhaupt erst evoziert haben, aber trotzdem (und ich geh mal davon aus, unsere Leser sitzen nicht an den Schalthebeln der Macht) das tun können und sollen was hilft, nämlich beten.

Meine Großmutter, die ein schweres Leben hinter sich gebracht hatte, pflegt immer auf die Frage ihrer Mitmenschen "warum hat Gott das zugelassen, dass das und das persönliche Leid, mich getroffen hat?" zu antworten "Wenn Gott das nicht zugelassen hätte, dann hättest du nicht mehr an ihn gedacht!"

Ja. er ist der HERR und wir haben aus ihm zu lange einen netten, alles verstehenden Großvater, dessen Worte man nicht mehr richtig ernst nehmen muss, gemacht, so dass es uns wohl nun einfach schwer fällt IHN anzurufen, zu bedrängen im Gebet,   und das ernst zu nehmen, was früher die Eingangsformel für den Segen war:
Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN.

Wir wollen beten!

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