Samstag, 27. September 2014

Fromme Worthülsen auseinander genommen: Heute "bei den Menschen sein"

Angeregt durch das Gespräch hier bei Geistbraus, ist mir das alte Pastoralbingo mal wieder in den Sinn gekommen.
Ich wäre dafür, das Bingoblatt um noch eine Spalte und eine Zeile zu erweitern und biete als ersten Begriff das berühmte "Nah bei den Menschen sein"
Im Grunde ein Schwachsinn, weil:
Also wir stellen uns eine x-beliebige arme Wurscht vor, nennen wir sie Chantal.
(man stelle sich hier jetzt mal irgendeinen  jungen Menschen vor, der einfach nix gebacken kriegt) 

Okay nun kommt so ein netter, bei den Menschen seiend wollender Bischof mit Chantal  in Kontakt.
Was geschieht nun?
Nehmen wir an, dem Bischof ist es ernst und er will da wirklich helfen.
Was tut er ? Er erwähnt die Caritas, den SKF und das Sozialamt.
Was tun Chantal und ihr Freund Roger?
In der Vorstellung des Bischofs sind sie voller Erstaunen darüber, dass es solche Anlaufstellen gibt, gehen da hin und eh voilá es wird ihnen gesagt, was sie noch nie gehört haben, dass sie sich halt mal zusammenreißen müssen, es im Moment  schwierig sei mit einer eigenen Wohnung, weil, ohne schwerwiegenden Grund bis zu einem Alter von 25 die Eltern zuständig seien, die Eltern zwar blöd seien, aber man sich halt arrangieren müsse. Familientherapie könnte die Beratungsstelle allerdings anbieten, Selbsthilfegruppe hätten sie auch...und für Jobs sei das Arbeitsamt und Schulbildung das wüssten die auch, was da noch geht oder nicht zuständig.
Chantal  hat, das alles noch nie gehört und erkennt, dass sie halt mal Gas geben müsse.  Alles wird gut und der Bischof darf sie dann mitsamt ihrem Freund trauen ... soweit seine Träume.
In Wirklichkeit weiß  Chantal das alles, kennt die Stellen alle und besser als er und ihr Problem ist eben, das sie, sagen wir es vornehm, einfach nicht zurecht kommt.
 Ihr zugrundeliegendes Problem ist ein inneres, das sich in Äußerem ausdrückt.

Im Grunde ist hier genau die Domäne des Bischofs, nämlich im Hinweis auf Gott und seine Gnade, das was die verachteten, weil die frommen und konservativen alten, echt geistigen Herren  noch wussten, dass Gottes Gnade in der Welt wirkt und zwar durch die Sakramente, die Messe und das Gebet und wenn es einem um das Reich Gottes geht, einem dann alles übrige dazu gegeben wird.


Sie wussten auch, dass man, steht schon bei Paulus, so man kann, helfen muss und kann.
Also nicht, wenn der Bruder Hunger hat und man selber im Überfluss zu dem Bruder sagen soll "Bet halt" sondern helfen soll, aber genau das Problem taucht bei uns eher weniger auf.

Im Grunde sind, glaube ich, heutzutage bei uns zu viele Menschen "bei den Menschen", aber alle diejenigen, die von Berufswegen bei den Menschen sein wollen, für die ist das in allererster Linie ein Job mit Vorschriften und definierter Reichweite und Aufgabe, was, bei Licht betrachtet auch schon seine Berechtigung hat.

Aber was fehlt, ist derjenige, der für den anderen einsteht, also das was Eltern schon immer und ewig für ihre Kinder gemacht haben, aber was man heutzutage gar nicht will, weil man die Kinder möglichst viel und umfassend zu denen gibt, die das beruflich machen, damit (könnte man zynisch sagen) dann im Alter die Kinder auch nicht für die Eltern einstehen, sondern die auch wieder zu denen kommen, die das beruflich machen.
Das geht definitiv nicht gegen die, die sich beruflich um Kinder oder Alte kümmern, sondern gegen das System, weil der Mensch in seiner Schwäche braucht einen, der für ihn die Verantwortung übernimmt und das hat was mit Liebe zu tun, und Liebe kann man nicht auf Knopfdruck haben.

Wer nun den Menschen in seiner Schwäche wirklich liebt, ist Gott der Herr, der, wie es in einem neuen geistlichen Lied heißt "er uns kennt und trotzdem liebt"

Sorum müsste der bei den Menschen seien wollende Bischof entweder für Chantal die Verantwortung übernehmen, also regelmäßig kommen und eine Freundschaft aufbauen, was  dann, ich meine so ein Bischof hat ja auch was zu tun, dachte ich immer, seine Zeit braucht.
Und dann wäre er aber nicht mehr bei abstrakten Menschen, sondern bei ganz konkreten...............

Ich hoffe man sieht die Linien, um die es mir geht.
Es gibt soviel Elend in dieser Welt, auch in unserem Teil der Welt, auch wenn es bei uns anders aussieht als in den Slums von Kalkutta, und ja, manch einer ist in seinem sozialen  Beruf zum Zyniker geworden, erschlagen von den Idioten, mit denen er tagtäglich zu tun hat, aber so ein netter bei den Menschen seien wollender Bischof sollte sich mal überlegen, wo das Elend denn herkommt!

Genau: es kommt aus der Schuld der Menschen und ja die Schuld gibt es immer wieder, obwohl man seit über 200 Jahren hofft,  mittels der Vernunft, die Schuld aus der Welt zu schaffen und dieser Versuch immer wieder scheitert, und man dann auf die Idee verfällt, da man das Leid nicht aus der Welt schaffen kann, eben den Leidenden aus der Welt zu schaffen.

Nun Gott weiß und weil Gott weiß, deshalb hat er seinen Sohn geschickt und die Kirche aus der Seitenwunde des gekreuzigten Christus hervorgehen lassen, mitsamt den Sakramenten zu dem auch das Sakrament der Vergebung, die Beichte gehört.

Und im Beichtstuhl kann und soll unser Bischof ja sein, da kann und darf er bei den Menschen sein, und wenn er sie dann entlassen hat, in ihre Umstände, in ihr Leben, mitsamt seinen Gefährdungen, von denen, er der Bischof, hoffentlich verschont geblieben ist, dann soll er das tun, was man als armer geplagter Laie nicht so gut kann, nämlich vor Gott für die Menschen im Gebet eintreten.
Genau dafür hat ihn Gott der Herr doch aus den Menschen herausgerufen!

Genau das fehlt doch flächendeckend, einer der für die armen, geplagten, sich in lauter mainstream verlaufen habenden Menschen eintritt, vor Gott, der uns doch zeigen kann, was wir schon gar nicht mehr sehen, den Weg hin in eine gute Welt (so gut sie halt sein kann, auf dieser buckeligen Erde)
Gott den wir schon gar nicht mehr hören vor lauter Lärm der Welt!



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