Montag, 1. September 2014

Schafe, Hierarchie, Parfüm oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Also im Grunde finde ich das biblische Schaf Hirten Muster relativ gut, und jeder weiß, wie es gemeint ist. Dachte ich bislang immer.
Jedoch, wenn ich so zurückdenke, als unser alter Pfarrer R.i.P. in Pension gegangen wurde, da kam dann einer der  Obergurus des Modernistenverbandes,  Initiator des  Memorandums zu uns in die Pfarrei. Wohl um uns "in die katholische Mitte zu führen" oder wie das so schön heißt.
Damals habe ich das zuerst gehört mit den hirtenlosen Schafen, die doch selber am besten wissen, was gut für sie ist und von denen die Hirten noch was lernen können, wenn sie nur wollten.
Ein wirklich wundervolles Bild, wahrhaft paradiesisch  schön, so ganz ohne Dornen und Hunde und Wölfe, überall Weiden und Wiesen und Bächlein.
Weckte sofort Assoziationen an die französischen Adeligen in den Schlossparks von Versailles und Fontainebleau, die dort behütet, versorgt, reich und jeglicher Realität entrückt, einen auf Schäfer und Schäferin machen und sich gaaaaaaaanz gaaaaaaaanz arg ländlich vorkamen und wohl in ihrem Wahn dachten, dass die wirklichen Schäfer es auch so gut hätten.
Natürlich steckt  in den  Bildern, die man  unter ländlicher  Idylle subsumieren kann, viel Faszinierendes.
Aber es ist zu fragen, ob das nicht die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies ist, die da durchscheint und nicht die Feststellung irgendwelcher Realitäten.


Weil faktisch sieht es seit der Mitte des vorletzten Jahrhunderts doch so aus, dass die Leute in Massen in die Städte ziehen und man sich auch mal klar machen muss, dass es im vierten Hinterhof in Berlin immer noch besser war, als auf dem Land und es auch heutzutage keinen in die Slums ziehen würde, wenn es auf dem Land sooooo schön wäre, frei nach dem Motto arm aber schön und gut, und so befriedigend, wie die Romantiker (nicht die richtigen, die theologischen Landlebenromantiker meine ich) es gerne hätten.
(Das soll nicht, man muss sowas heutzutage ja leider extra hinschreiben, irgendwelche 4tenHinterhofkellerwohnungen  und  Slums schön reden, aber es soll einfach die Kategorien klären).
Wobei der Effekt durchaus schon älter sein dürfte, von wegen "Stadtluft macht frei" und dergleichen mehr.
Auch ist es ein Unterschied ob man mal auf Urlaub irgendwo in der Pampa ist, oder das ganze Jahr in der Pampa wohnt........................
Aber es hat was, die Landlebenromantik, keine Frage, obwohl praktisch es einer der Träume ist, die man als traumatisch empfindet, wenn man sie leben soll, von wegen nix los und shoppen gehen kann man auch nicht, und der nächste Orthopäde ist 30 km weit weg, vom Freibad ganz zu schweigen.

Nun hat das Schaf Hirten Thema und Schafe sind eh die besseren Hirten und die Hirten die besseren Hirten wenn sie Schafe sind, durch eine (hoffentlich) unachtsame Bemerkung, die ich zumindest immer noch, frei nach "Asterix und die Belgier", als Spasseken abzutun wünschte, unseres derzeitigen Papstes eine neue Dimension bekommen.
Sollen doch die Hirten riechen wie die Schafe, hat er gesagt,
Nun, lassen wir die Assoziationen von wegen Parfüm und Duftwässerchen beiseite und widmen uns dem, was man so denkt, wenn man sowas hört.
Da gibt es zunächst die Erinnerung an irgendwelche Beamte, die die arme Wurscht, die bittstellend vor ihnen steht und der zu helfen, sie von Amts wegen da sind, so richtig spüren lassen, wie arm die Wurscht ist und wie toll man selber.
Jeder Stammtisch kann sich stundenlang damit unterhalten, wie dämlich der Typ vom Finanzamt, die Tusse vom Bürgeramt, und die Lehrerin sich aufgeführt haben.
Ja sorum gesehen ist die Forderung Papst Franziskus, schon zu verstehen, dass der Priester eben nicht den Obercoolen raushängen lassen sollen, aber die Aufforderung nicht "Herren des Glaubens, sondern Diener der Freude" zu sein, ist nur auch schon recht alt. Stammt sie doch aus dem 2. Korintherbrief, und ist somit fast 2000 Jahre Allgemeingut der Kirche.
Mich stört und ich muss mir das mal von der Seele schreiben, einfach diese Bedienung von Klischees, die in diversen päpstlichen Äußerungen mitschwingt.
Ich muss ehrlich sagen, ganz ehrlich, dass ich, wenn ich das Schaf Hirte Ding richtig durchdenke, dann denke ich “Was soll denn das?”
Oder noch ernster “Wo lebt denn der?”
In der Familie meiner Mutter, haben Generationen für die Kirche gearbeitet und man hat Unmengen von geistlichen Personen hervorgebracht. Für mich ist daher ein Priester, wenn er nicht grad im Dienst ist, sprich Sakramente spendet, schon ein Mitschaf und ich kapiere echt nicht was die Unterscheidung soll.
Wobei ich das “Mitschaf sein” eben in dem geflügelten Wort meines Onkels ausgedrückt sehe, der immer wenn man auf die und die Mucke, Macke oder nicht zu übersehenden Fehler, irgendwelcher aktueller oder historischer geistlicher Personen, zu sprechen kam, sagte. “weißt du, wer mit dem Pfarrhaus verwandt ist, der braucht einen tiiiiiiiiiiiefen Glauben!”
Wobei, in der zweiten Klasse, hatte mich der Kaplan mal im Reliunterricht zu seiner Wohnung geschickt, um den dort vergessenen Schlüssel zum Glockenturm, den er uns nach der Schule vorführen wollte, zu holen.
Ich erinnere mich immer noch, (ist über 40 Jahre her), wie erstaunt ich war, in einer ganz normalen Wohnung mit Sofa, Sesseln, Schrank und Zeitungen auf dem Tisch, gelandet zu sein.
War ich doch bis dato der uneingestandenen Überzeugung, dass die Wohnung eines Priesters, wie eine Kirche sein müsse.
Das kam jedoch daher, dass ich da nie drüber nachgedacht habe, hätte ich drüber nachgedacht, so wäre mir das schon aufgefallen, s.o..
Nur scheint mir der Papst davon auszugehen, als seien alle seine Schäfelein, mitsamt den Unterhirten in ähnlichen Gedanken verfangen sind, wie das kleine, fromme Mädchen, das ich mal war.
Sorry, aber wir leben doch nicht im erbaulichen Kitschroman für Kindergartenkinder aus dem 19. Jahrhundert!
Weil es aber so, ist, dass wir alle Menschen sind und jedes Glück hier auf dieser Welt Ewigkeit will und nicht kriegt, und diese Welt früher oder später zum Jammertal wird, egal wie reich, intelligent, erfolgreich, mächtig und protegiert einer ist, deswegen bedarf es prinzipiell der Erfahrung derer, die herausgehoben sind, die eben nicht wirklich dazu gehören, sprich der Priester und Ordensleute. (wobei jeder, aber auch jeder Kult sowas ähnliches kennt).
Vorbild im AT, der Stamm Levi, der eben genau keinen Erbbesitz hat, was in einem Bauernvolk absolut nogo ist.
Warum?
Nun damit man irgendwo sehen, kann, dass man nicht für immer auf dieser buckligen Erde rumrennen muss, sondern es ein taliter, aliter, oder ein Magis (Ignatius von Loyola) gibt.
Und genau das irritiert mich an  Papst Franziskus, dass er nur in Kategorien dieser verzweifelten Innerweltlichkeit, an der wir doch alle leiden, zu denken scheint.



Kommentare:

  1. >>Und genau das irritiert mich an Papst Franziskus,<<

    Mich irritierte am Papst Petrus, dass er wie der Satan gesprochen hat und Jesus verleugnete. Trotzdem hat der Herr ihn in seinem Amt bestätigt. Sollten wir die Sorgen um Aussagen des jetzigen Papstes nicht etwas gelassener betrachten?

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  2. Ich zweifle doch nicht am Amt!
    Und sagen wir mal so, Petrus hat wie Satan gesprochen, bevor er Papst wurde, aber egal.
    Ich habe mal gelernt, das Vernunft und Glaube kein Widerspruch sei, dass die Kirche kein Haufen von obskuren, dummen, alle schluckenden, kadavergehorsamen Leuten, die heute hüh und morgen hott und jedern, noch so blödsinnigen Blödsinn glaubenden Leuten sei, sondern eine Ansammlung mündiger Leute, die dazu verpflichtet seien sich selber zu bilden, betreffs der Lehre der Kirche und selbst oberhirtliche Äußerungen kritisch zu hinterfragen, weswegen man u.a. den Index abgeschafft hat.
    Naja sagen wir mal so, das tu ich. Unkritisches Bejubeln ist nicht katholisch und Quietismus (von to be quit, wie in dem Lied, "wer nur den lieben Gott lässt handeln...) ist auch nicht wirklich katholisch, solange nicht, wie man noch selber denken, und tun kann.

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  3. Hm, aber Petrus war auch "satanisch", NACHDEM er Papst geworden war. Schliesslich wollte er als solcher aus Rom und vor dem ihm ja durch seinen Herrn bekannten Weg des Martyriums fliehen, so wie er seinerzeit als "Satan" diesen Weg sich bei seinem Herrn nicht vorstellen konnte. Also da hat Leser Franken schon Recht finde ich.
    Das Lied "Wer nur den lieben Gott lässt walten" steht aber auch im Gotteslob, auch wenn es wohl protestantischen Ursprungs ist. Dass seine Ausagen unkatholisch seien, habe ich bisher noch nie gehört.

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    1. Warum als Gegenpol zum Papst, der Schaf unter Schafen sein will, nun ein polemisch verzerrtes und extrem verkürztes Petrusbild herhalten soll, erschließt sich nicht. Dass es"satanisch" sei, Angst vor dem Martyrium zu haben, ist wohl nur Ihrem eigenen Lehramt im Kopf entsprungen. Lehre der Kirche ist das jedenfalls nicht.

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  4. Es ist aber unkatholisch, weil es dem Quietismus huldigt, und die Idee, dass der Mensch ausschließlich (geht um das ausschließlich) ruhig zu sein habe ist eben genau nicht katholisch, auch wenn man die Sache mit dem aktiv sein, m.E nach den 2. Vatikanum schwer übertrieben hat.
    Katholisch ist bekanntlich das sowohl als auch.
    Persönlich bin ich schon der Ansciht, dass die Päpast und somnstige Hirten seit den tagen der Apostel ne mittlere Katastrophe waren, bzw nur halb so gut, wie sie hätten sein sollen. Und dass man genau daran sehen kann, dass die Kirche von Gott ist, weil bei dem katastrophalen Bodenpersonal, wäre sei anderenfalls schon gar nicht mehr da!
    Es geht mir aber darum, dass ich schwer verwundert bin, warum man das nicht mehr sagen darf, in Bezug auf Papst Franziskus.
    Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen unter dem Pontifikat JPII's der ja immerhin neulich heilig gesprochen wurde.
    Das ist es ja was mich irritiert, bei JPII wurde jeder Geste episch durchgehechelt, jedes Wort auf die GOldwaage gelegt und er selber hart, aber sachlich kritisiert.
    Und bei Papst Franziskus, dessen Wort auf jeden Fall, sagen wir es vornehm unklar sind, und nicht in sich selber konsistent, da ist auf einmal blinder Jubel angesagt.
    Warum?

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  5. Ich für mein Teil juble nicht blind und verbiete auch niemandem den Mund in Bezug auf Papst Franziskus. Fakt ist, dass Jesus, immerhin Gottes Sohn, dem Petrus (und seinen Nachfolgern), trotz seiner (ihrer) Schwächen und Fehler die Schlüssel des Himmels (!!) gegeben hat, mit dem Verweis, dass die Pforten der Unterwelt seine Kirche nicht überwältigen werden. (Da kann ein Papst sagen was er will!!) Vielleicht ist mein Kommentar besser zu verstehen, wenn ich schreibe, dass die Äußerungen des Papstes in Bezug auf Schafe und ihre Gerüche mir ziemlich am Allerwertesten vorbei gehen, genauso wenig wie es mich interessiert in welcher Bettwäsche er die Nacht verbringt. Solange er nicht unser Credo in Frage stellt. Und das wird kein Papst nie und nimmer tun.

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    1. Ja gut, das ist im Grunde auch die Position auf die ich mich seit dem 13.3.2013 zurückgezogen habe, solange er nichts lehramtliches sagt, ist alles halb so wild.
      Will heißen, vergleichen wir die Kirche mit einem Bau, so sind lehramtliche Aussagen schon Baumaßnahmen und alles andere Farbe.

      Aber es hat so jeder seine anderen empfindlichen Stellen, und das mit dem Geruch der Schafe ist mir halt aufgestoßen.
      Mir gefällt. um im Bild zu bleiben die aktuelle Farbe an der Kirchenfassade gar nicht, ich finde sie passt nicht zum Bau!
      Aber kritisch wird es erst dann, wenn der Papst den Pinsel mit dem Vorschlaghammer vertauscht.
      Ich hoffe auch, dass er das nicht tut! und weiß natürlich auch, dass in dem Moment wo es das tut, er eben nicht mehr Papst ist, auch wenn Gott sich von keinem noch so dramatischen Schaden abbringen lässt von seiner Liebe zu seiner Kirche.

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