Mittwoch, 24. September 2014

Verwüstete Kirche in Berlin und Schweigen im Walde, über den Marsch für das Leben

Manchmal fass ich es nicht, da gibt es Leute, die sind der Ansicht, dass man nicht abtreiben solle, weil das ein Mensch ist und dazu einer, der noch gar nicht die Möglichkeit gehabt, hat irgendwem irgendwas zu tun.
Dann gibt es andere, die finden,  dass der noch niemandem was getan habende kleine Mensch, das Leben seiner Eltern so grundlegend verändern wird, dass man den Eltern die Möglichkeit geben sollte, wieder auf den Stand vor der Zeugung zurückzugehen.

In der ganzen Debatte sind die Argumente ausgetauscht, die Fronten im Prinzip eindeutig, nur betrachtet man die Debatte mal sozusagen im Zeitraffer ist es schon erschreckend, was geschehen ist.

Ende der 60er Anfang der 70 kam die Pille auf, im Grunde ist es völlig folgerichtig, dass die Abtreibung die logische Folge der Verhütung ist, aber das aufzudröseln , fehlt hier der Platz.
Auf jeden Fall stellte sich, in einem früher unbekannte Maße, plötzlich die Frage nach der Abtreibung und der Aufweichung bzw, Abschaffung des §218. (Gestellt wurde die Frage schon früher und zwar in den kommunistischen Kreisen, in der Weimarer Republik, aber auch das führt zu weit).

In meiner Jugend diskutierten wir das Thema §218 in jedem Schulfach, dass dafür taugte, und es waren absolut spezialgelagerte Sonderfälle, um die es ging.
Später wurde dann die Indikation, sprich dass man einen ernsthaften Grund haben müsse, abgeschafft, weil man ja einsehen muss, dass so ein Kind einfach nicht jedermanns Sache ist, was zwar stimmt, aber man muss sich das halt vorher überlegen und wenn man den Verstand in Urlaub geschickt hat, und dann die Natur zuschlägt, muss man halt die Suppe auslöffeln (meine Meinung)
Man ging also von den spezialgelagerten Sonderfällen hin zu normalen Sonderfällen und landete dann, bei den besonderen Normalfällen.
Mittlerweile sind wir soweit, dass Abtreibung sozusagen als Menschenrecht etabliert werden soll, aber den absoluten Knüller finde ich das Verhalten der selbsternannten Lebensschutzbekämpfer beim Marsch für das Leben.
Man lese hier 
Es wurde eine Kirche verwüstet, weil diese Kirche den Teilnehmern am Marsch für das Leben Raum geboten habe, heißt es.

Selbstredend hält sich die Empörung im Rahmen, handelte es sich um  eine Moschee, sähe die Sache anders aus, schon klar. Wäre in eine örtliche Parteizentrale  der Grünen ein Lackfarbbeutel geflogen, würden überall die Empörungswellen hochschlagen, aber so "ne Kirche halt, Lebensschützer halt, who cares, ?"

Es soll auch Politiker gegeben haben, die erklärten, dass die Lebensschützer die Bösen wären, die eben nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stünden.
Eine meiner frommen Freundinnen war auch in Berlin und erzählte mir hinterher, dass die Organisatoren alle möglichen Parteien angeschrieben hätten mit der Bitte um Unterstützung, von einer Partei die den Ruf hat, sich um jegliche Kreatur zu kümmern, kam ein unhöflicher Brief, mit dem Tenor "lassen Sie mich mit dem Mist in Ruhe!".
Um es mal auf den Punkt zu bringen die Gesetzeslage ist immer noch so, dass Abtreibung als Straftat  und zwar als strafrechtlich relevante Straftat gilt, jedoch von einer Strafverfolgung abgesehen wird, wenn vorher ein Beratungsgespräch stattgefunden hat.

Mir sei ganz am Schluss eine ganz persönliche Feststellung mitsamt einer verwunderten Frage erlaubt.
Ich gehöre zu der Generation, die sich teilweise mit dem Problem sehr dogmatischer, formaler Eltern herumgeschlagen hat und die sich oft und oft die Frage gestellt hat "Lieben die mich eigentlich ?"
Das war in den 70ern Thema diverser Lieder, Gedichte und so weiter. Hier ein Beispiel.

Irgendwann einmal hielt ich vieles von dem, was man so als Teenager verbraten hat, für das Resultat einfach gestörter pubertärer Wahrnehmung und bin ja mittlerweile mit dem umgedrehten Problem konfrontiert, das das lautet "Wie umarme ich einen umarmungsbedürftigen, aggressiven, stacheligen Kaktus".
Nur irgendwie scheint beim schwarzen Block dieses 70er Feeling immer noch virulent zu sein und  das Gefühl der fehlenden Liebe (auch das würde mehrere Bücher füllen)  scheint so stark zu sein, dass sie ihr eigenes Leben abgrundtief hassen und aus dem Hass heraus, es für besser halten, nie geboren worden zu sein und in absoluter Selbstüberschätzung sind sie dann der Ansicht gekommen, dass keiner leben können solle.

Eine schwer küchenpsychologische Interpretation, aber es bleibt, dass zum Erwachsenwerden auch die "Annahme seiner selbst" gehört, und das Darüberhinauswachsen aus pubertären Irrungen, und das scheint bei vielen einfach zu fehlen. Und so bleibt doch, trotz aller Erklärungsversuche und allem Verständnis die Frage: woher dieser Hass? Woher dieser Hass auf Leute, die darauf hinweisen, dass Kinder die Zukunft sind, dass die Arterhaltung eines der Grundparamter der Natur ist und dass auch der Mensch Natur ist?

Ich bin davon überzeugt, irgendwann hört der aktuelle Wahn auf, und dann werden unsere Kinder und Enkelkinder (so wir welchen haben) uns fragen "Wie konnte es dazu kommen?"






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.