Freitag, 5. September 2014

Warum trägst du noch ein Kopftuch? Es gibt keinen Gott! Ein Gespräch

Ich bin ja wirklich not grad besonders amused über all dieses interreligiöse Getue, weil ich es für unecht halte und/ oder finde, es braucht nicht der großen Worte, sondern der kleinen Taten. Weil ich finde, man jagt die braven kleinen heute nach links und morgen nach rechts, fordert sie übermorgen zum Dauerlauf auf und überübermorgen zum chillen, und hinterlässt dabei das Gefühl "Nichts Genaues weiß man nicht", sprich der von Papst Benedikt oft und oft gegeisselte Relativismus.
Trotzdem finde ich, es ist nix nötiger wie Dialog und Gespräch, aber  halte echter Dialog und echtes Gespräch für eine schwierige Übung.

Wir haben ja viel geschrieben und versucht, das kollektive drei Affen Verhalten unserer MSM und Politiker zu kritisieren, und wenigstens das unsere zu tun, damit unserer Brüder und Schwestern, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden, wie das wohl selbst die Römer in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht fertiggebracht haben, nicht vergessen werden.
Ich bin mir dabei nicht sicher, ob das nun der Islam anundfürsich ist, also  ob der Islam einfach eine  Religion ist, die notwendig diese Entartungen produziert, oder ob der Islam sich einfach noch in der Zeit nach dem  Untergang des römischen Reiches befindet, weil Entartung des Menschlichen ist es sicherlich.
Im Grunde tun Menschen anderen Menschen schon furchtbare Dinge an, aber das, was da aktuell geschieht, hat irgendwie keinen Grund, das ist nicht Aufstand der Sklaven, das ist nicht Rache, das ist nicht Kampf um die letzten Ressourcen, das ist einfach inhuman.
Nun  hatte ich heute ein langes Gespräch über genau dieses Thema mit einer Fachfrau, genauer einer Frau wo ich mich nie getraut hätte, das Thema anzusprechen. Ich kenne sie zwar als sehr nett, aber als dezidiert stolz und mit Überzeugung Muslimin, die auch als solche deutlich erkennbar ist und wie gesagt stolz drauf.

Wir hatten es über Gott und Interpretation und ich brachte mein Argument vor, dass nämlich jede Sure ende mit "Gott ist allbarmherzig und stets bereit zu verzeihen" und dass ich fände, dass Leute die behaupten, für einen so definierten Gott zu kämpfen, dann ja wohl nicht so unbarmherzig und herzlos, lieblos, tierisch sein dürften.
Dann hat sie ein für mich ungewohntes aber sehr klares Argument vorgebracht, (sie ist eine gebildete Frau und kennt sich mit Geschichte aus)
Sie sagt Krieg hätte es schon immer gegeben, auch Aggression und sich wehren, auch Blutrausch und der eine Krieg, der den andern nach sich zieht, (für jemand der sozialisiert ist nach 68) völliges nogo so zu denken, aber wohl korrekt
Aber sagte sie, was da im Nahen Osten laufe mit der IS das sei jenseits all dessen was Menschen normalerweise Menschen antäten.
Ja es ist ungewohnt für uns so zu denken, weil wir eben als Kinder des Westens gewohnt sind, in Kategorien zu denken, wo jeder Schubser mit nachfolgendem blauen Fleck, Thema endloser Gespräche, per Telefon, live, per mail und  am Elternabend sind und der Schubser angesehen wird, wie ein ganz übler und roher Geselle, auch und gerade dann, wenn es ein Versehen war, und der nur über seine Schuhbändel gestolpert war und deshalb die Mitschülerin umgerissen hatte.
Es ist unverständlich für Kinder einer Zeit, die in ganz normalen Verhaltensweise schlimme und super schwere Sünden sieht, wie in der  Causa Limburg ja erschreckendst vorexerziert.

Aber was sie sagte,  hat bei mir was zum Klingen gebracht, nämlich ein besorgtes Wort Romano Guardinis, das aus dem Büchlein "Ende der Neuzeit" stammt und welches lautet:


(er macht sich Gedanken über das Ende des humanistischen Zeitalters, und  reflektiert über die Zerstörungen die die Nazizeit  im Denken vollendet hat)
Eine der furchtbarsten Lehren für jene, deren Bildungswurzeln noch vor dem ersten Krieg lagen, war, daß der Geist im konkreten Dasein viel schwächer ist, als sie gedacht hatten. Sie waren der Meinung gewesen, er sei, unmittelbar und als solcher, stärker als Gewalt und List. Das hatte sich in Sätzen ausgedrückt, wie: »man kann den Geist nicht unterdrücken« ... »die Wahrheit setzt sich durch« ... »am Ende siegt doch das Echte« ... und so fort. An diesen Sätzen waren zum mindesten die idealistische Unmittelbarkeit und Sicherheit falsch. Die sie vertreten hatten, haben lernen müssen, wie weit die Macht des Staates und der öffentlichen Lebensorganisation reicht, und bis zu welch erschreckendem Maße es möglich ist, den Geist zu lähmen, die Person zu entmutigen, die Maßstäbe des Gültigen und Richtigen zu verwirren.
Wie ist es denn gewesen? Welcher Wert, den die Neuzeit gegenüber einem angeblich so dunklen Mittelalter glaubte gesichert zu haben, ist nicht verneint worden? Was von all den Errungenschaften der Kultur ist heil geblieben? Würde der Wahrheit und Hoheit des Rechts; Ehre des Menschen; Unantastbarkeit seines körperlichen und geistigen Seins; Freiheit der Person und des Werkes; Recht der Überzeugung und der Meinungsäußerung; Zuverlässigkeit des Beamten, nicht nur in der Ausführung des Auftrags, sondern auch in der Erfüllung der sachlichen Aufgaben; Unabhängigkeit der ihrem Sinn verantwortlichen Wissenschaft, Kunst, Erziehung, ärztlichen Tätigkeit - was von alledem hat man nicht zerstört? Sind Gewalt und Lüge nicht zur festen Haltung geworden? Und machen wir uns keine Illusionen: es ist nicht nur in der Form einer vorübergehenden Verwirrung geschehen, sondern in der eines nach allen Seiten hin durchgearbeiteten theoretischen und praktischen Systems *20.


Erschreckend klar auch die Fußnote:

Ein Gesichtspunkt zur Erwägung: Kann der Geist erkranken? Nicht nur seine physiologischen Organe, Gehirn und Nervensystem; auch nicht nur die psychologische Ordnung, Triebauswirkung und Vorstellungsablauf, sondern der Geist selbst und als solcher? Worin vollzieht sich das Leben des Geistes? Das haben schon Platon und später, aus der Fülle der Offenbarung heraus, Augustinus klargelegt: in seinem Verhältnis zur Wahrheit, zum Guten und zum Heiligen. Er ist lebendig und gesund durch Erkenntnis, Gerechtigkeit, Liebe und Anbetung; das alles nicht allegorisch, sondern ganz genau gemeint. Was geschieht also, wenn jenes Verhältnis gestört wird? Dann erkrankt der Geist. Nicht schon, wenn er irrt, oder lügt, oder Unrecht tut; es ist schwer, zu sagen, wie oft das geschehen muß, damit jene Erblindung in allem Scharfsinn, jene Verstörung in aller Tüchtigkeit eintreten, durch welche der Geist selbst sich als krank erweist. Ganz gewiß geschieht das aber, sobald die Wahrheit als solche ihre Bedeutung verliert; der Erfolg an die Stelle des Rechten und Guten tritt; das Heilige nicht mehr empfunden, noch auch nur vermißt wird. Was sich da zuträgt, geht nicht mehr die Psychologie, sondern die Geisteslehre an; und was da wirken kann, sind keine therapeutischen Maßnahmen, sondern nur die Sinnesumkehr, die Metanoia ... Was bedeuten aber, unter diesem Gesichtspunkt, die zwölf Jahre in Deutschland, und die nun schon vierunddreißig im Osten? 

Viele tun sich schwer mit Guardinis Sprache, aber die Fragen bleiben.
Sind wir denn  umgekehrt?
Und in Bezug auf diese  IS Barbaren (ist wohl eine Beleidigung für echte Barbaren, aber man braucht halt Begriffe)  muss man sich auch folgendes fragen:
Das sind ja keine irgendwelche bösartigen Außerirdischen, die mit irgendeinem Raumschiff bei uns gelandet sind.
Das sind nicht irgendwelche Underdogs, die man wie in manchem Film, irgendwie via Gehirnintansplantat oder Drogen dazu gebracht hat, zu vergessen, dass sie Menschen sind und umfunktioniert hat zu blinden Killer- und Schreckenverbreitmaschinen

Das sind gebildete Leute, wenigstens teilweise, das sind Ärzte, Ingenieure und Techniker, das sind Leute, die auf westlichen Universitäten ausgebildet wurden, man denke an die Attentäter des 11.9!
Das sind Leute, die aus Holland, aus Deutschland, aus Großbritannien, aus Frankreich kommen und dort das umfassende Bildungsangebot genossen haben.
Das sind bestimmt auch der eine oder andere Looser, und ja das hat es schon früher gegeben, ich erinnere an die Leute vom "bewaffneten Kampf" und an so Gestalten wie Pol Pot und Mao Tsetung, die auch samt und sonders an der Sorbonne studiert haben!
Vielleicht ist es wirklich so, dass unsere christliche  Errungenschaften, die "Errungenschaften der Kultur, die die Neuzeit meint gegenüber dem Mittelalter gesichert zu haben" wie Guardini sich ausdrückt, vielleicht sind die wirklich nur noch dünne Firniss, ein leichter, verblasster Anstrich auf dem maroden Gemäuer, das wir aber in unserem Wahn für solide und fest halten, während Leute denen eben jegliche christliche Sozialisation fehlt, unsere "Werte" so verstehen wie wir es nicht wahr haben wollen.

Ich weiß es nicht, aber was ich weiß: eine Gesellschaft, die die Unverschämtheit besitzt, das Umbringen von Ungeborenen als kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritt zu feiern, die ist krank, todkrank.
Auch hier, ich verstehe schon, dass Kinder eine Last sein können, das Ja zum Kind der Untergang aller Pläne und Träume bedeutet, also ich kapiere schon, warum Abtreibung eine Option ist, aber es ist nichtsdesdotrotz wider jegliche Natur und wider jegliches Recht, dass diesen Namen verdient.

Und wie gesagt, manchmal und nicht erst seit gestern, denke ich wir exportieren auch das woanders hin, auch und insbesondere, weil wir zwar Schulen und Krankenhäuser, Katastrophenhilfe, Hygiene und Medikamente (alles Dinge, die nicht schlecht sind) im Namen Christi exportieren, aber den Namen Christi daheim lassen und auch zuhausee uns die Bekanntschaft mit IHM eher peinlich ist.

Ja und nun sind wir wieder am Anfang der Gesprächsreflexion angekommen.
Meine Bekannte erzählte, dass ihre Leute, auch, und gerade weil sie betroffen sind, das Geschehen in Irak (und vorher in Syrien) verfolgten. Sie erzählte mir noch ein paar Details, die ich nicht kannte, so z.B dass das mit der Beschneidung von Frauen kein Gerücht sei, die IS verteile dann Ausweise und wer heiraten wolle, der müsse zur IS und diesen Ausweis vorlegen.
Schulen und Universitäten seien zwar  für Frauen komplett geschlossen, aber das was weiter gelehrt würde, sei nicht der Rede wert, weil die IS Studiengänge wie Jura und Geschichte für überflüssig halte und dergleichen mehr.

Auf jeden Fall sei sie von ihren Brüdern gefragt worden "Warum trägst du, nach dem was in Mossul geschehen ist, noch ein Kopftuch? Es gibt keinen Gott."
Ja und das ist die Frage mit der wir uns auch seit 1945 herumschlagen, "Wie kann man nach Auschwitz noch an Gott glauben?"

Ich habe auch keine Antwort, oder wenn ich sie schreibe, kommt es doof rüber, aber es gilt wohl heute das, was immer galt "Ave Cruce, spes unica".

Und so forderte sie mich auf, zu beten, nicht aufzuhören damit und ich denke auch, dass ist das, was wir tun können, sollen und müssen, dazu das, was Guardini anspricht und wovon wir jahrzehntelang nix wissen wollten, nämlich die Umkehr, weil wir in unserem Wahn Antibiotika, Zentralheizung, den Urlaub auf Malle und das neue Auto, in Eintracht mit der "Sicheren" Rente für so wichtig  hielten, dass wir an Gott nur noch dann dachten, wenn es sich nicht vermeiden liess.

2 Kommentare:

  1. Vielen Dank, liebe Esther, für diesen Bericht. Ich treibe mich in letzter Zeit sehr viel auf facebook herum, die Art wie dort gerade auch die Themen Isis und Islam behandelt werden ist oft richtiggehend Hetze und auf jeden Fall macht es Angst. Dies ist das erste Mal daß ich nicht nur von einer solch menschlichen Reaktion wie die der Brüder Deiner Freundin höre sondern auch davon, daß ein Muslim wegen dieses Grauens um das Gebet eines Christen bittet.

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    1. Ja danke, ich muss vielleicht vorrausschicken, dass ich auch so meine Erfahrungen mit Moslems habe und gerade an den Kindern gemerkt habe, wie schwierig das alles ist.
      Um es kurz zu machen ich habe mir in den Jahren des Zusammenlebens mit unseren muslimischen Mitbürgern schon den einen oder anderen massiven Frust geholt.
      Trotzdem gibt es auch das andere.
      Als der 11.9 war, da standen sämtliche umwohnenden Moslems mit irgendwelchen Kleinigkeiten (Gebäck, Schokolade) vor der Tür, von wegen "haben grad gebacken...wollten dir das schenken...." ich hab das damals so verstanden "Denk nicht, das geht gegen dich!".
      Ich habe dann versucht, mit aller Diplomatie und allem Feingefühl, dessen ich fähig bin, was nicht besonders viel ist, zu fragen, um zu verstehen.
      Ich denke einfach der Westen hat vergessen was ein Ungläubiger ist und hat, um ein Wort Kardinal Ratzingers, zu variieren, vergessen,. was für ein Segen und ein Befreiung der christliche Glaube ist.
      Ich muss auch sagen, ich bin neulich ins Gespräch mit orientalischen Christen gekommen und ja ich habe es auch nicht geglaubt, aber die erzählten auch von dem Grauen, der Geschichte des Grauens und dass es wirklich gemäßigte Moslems gäbe, die den Christen sagten "Wenn ihr aufgebt, dann sind auch wir verloren!"

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