Sonntag, 5. Oktober 2014

Fürbitten der besonderen Art, Worthülsen unter die Lupe genommen

Ich finde ja oft und oft, dass der Mehrzahl der so üblichen Fürbitten als Subtext haben:
"Also lieber Gott mir geht es ja gut, und das ist auch gut so, weil ich ja so gut bin, nun gibt es aber Leute, denen es nicht so gut geht, schick denen man wen vorbei, zum Helfen, aber bitte nicht mich, weil ich ja schon dadurch dass ich das jetzt in die Fürbitten nehme, so viel besser geworden bin, dass es fast nicht mehr auszuhalten ist"
Gerade wenn es mir selber grad nicht so gut geht, trifft mich das schon sehr, weil ich dann nämlich stark das Gefühl habe schon einen gebrauchen zu könne, der mir selber hilft, aber gerade durch solche Fürbitten fühle ich mich dann erst recht niedergedrückt, eben wegen der mitschwingenden Arroganz.

Heute aber fand bei den  Fürbitten ein echt dialektischer Sprung statt, man erklärte nämlich dem lieben Gott, dass er einfach unfähig wäre.

Es fing so an:
"Lieber Gott nicht immer haben wir Grund zum Danken, es gibt Menschen denen es an allem fehlt. Für die bitten wir..."
Nicht dass ich ja auch, weil ich nix anders machen kann, zum Beten aufrufe, aber ich  fand das reichlich unverschämt.
Vor allem weil es ja nicht nur um die Flüchtlingen, Menschen in Kriegsgebieten und so weiter ging, sondern auch z.B um die "die, bei uns weniger als das Existenzminimum haben.
Und pikanterweise wurde auch nicht um Hilfe gebetet sondern Gott höchstpersönlich sollte gefälligst selber sich kümmern.

Es fällt mir als Kind meiner Zeit, auch schwer mein Unbehagen an solchen Fürbitten  zu formulieren, einfach weil ich  finde, dass jeder Mensch ein Recht drauf hat, als ein solcher behandelt zu werden und  ja ich davon ausgehe, dass der Mensch gut sein kann und auch im Grunde gut sein will, aber....

Andererseits ist festzustellen, dass diese Erde schon immer und ewig ein Jammertal ist und es gab noch keine Generation die nicht inbrünstig das Salve Regina mit der Strophe "zeige uns nach diesem Elende..."  hat singen können.

Mich nervte an den Fürbitten einfach, dass man davon ausging, dass eine Existenz so wie "wir" sie haben und die Fürbitten fanden in der Kapelle eines sehr  teuren, sehr edlen, privaten Altenwohnstiftes statt, einfach das wäre, was dem Menschen zustünde und dass alles andere eben nicht richtig sei.

Ja, aber sind nicht  manche Erscheinungen der westlichen Zivilisation sehr fragwürdig?
Und steht nicht schon in den 10 Geboten bzw im AT, dass Gewalt, Mord, Totschlag, Hunger, Elend, Diebstahl, Lüge, Vergewaltigungen und Hurerei nicht richtig sind?
Erwächst nicht aus Gier, Zorn, Neid, Hass, Trägheit, Unbeherrschtheit, Geiz und Stolz (das sind übrigens die sogenannten Quellsünden)  alles Elend?
Wenn Gott all die Jahrtausende den Menschen hat in sein Elend rennen lassen, warum soll er plötzlich anfangen den Menschen nicht rennen zu lassen?
Und das in Zeiten wo der Mensch eins nicht will, eine wir auch immer geartete Autorität: 

Genervt an den Fürbitten hat mich, dass man irgendwie davon ausgeht, das der Mensch nicht derjenige welcher ist, der gefälligst zusehen soll, dass er diese Welt ein bisschen anständiger verlässt, als er sie vorgefunden hat, und wenn er das nicht kann, dann wenigstens in dieser krummen Welt so anständig wie möglich, leben soll.
Und wenn er heilig sein will, dann soll ihm der Gehorsam gegenüber Gott wichtiger sein, als alles andere, sondern, dass Gott plötzlich sozusagen einschreiten soll und die Bösen in die Schranken weisen soll, aber bitte nur die anderen Bösen.

Genervt hat mich, dass man sozusagen Gott vorwirft, dass er ausgerechnet da wo wir es gerne hätten, sich als mächtig erweisen soll.
Aber, bei Licht betrachtet nicht bei uns, da wir uns alle, innerkirchlich ja auch, einen Dreck um seine Gebote kümmern, und das wo wir noch nicht mal auf die Idee kommen, die Leute um die wir uns fürbittenmäßig sorgen auch zur Taufe zu führen, was ja schließlich  der Auftrag Jesu ist.

Und besonders pikant fand ich, dass man dem gleichen Gott, demgegenüber man ja so gerne auf der eigenen Autonomie besteht, vor dem der mündige Christ ja eins nicht kann und soll, nämlich knien, dem man ja beständig erklärt,. dass seine Gebote, also im 21. Jahrhundert also nee, also ehrlich, sowas, kann man heutzutage ja nicht mehr ernst nehmen, dass man also dem erklären will, was er zu machen hat.

Es gibt in dem Narnia Film "Prinz Kaspian" sowas wie eine Schlüsselszene, es sieht für die Narnianen alles echt bedrohlich aus. hoffnungslos und aus dieser Situation sagt Peter, glaube ich, ganz genervt "Wo ist denn Aslan, warum hilft er nicht?" und Lucie sagt dann "Vielleicht müssen wir ihm erst mal beweisen, dass wir seiner Hilfe würdig sind"

Seh ich auch so.

Kommentare:

  1. Als die Fürbitten als „Gebet der Gläubigen“ in die neue Messe aufgenommen wurde, war der Grundgedanke dahinter sicher nicht schlecht.
    Was man aber heute oft zu hören bekommt; was nicht selten einer weiteren Predigt mit viel Moralin und erhobenem Zeigefinger gleicht; hat die ganze Sache korrumpiert.

    Ich bin heilfroh, daß ich sowas seit Anfang des Jahres, als ich mich entschloß ausschließlich in die Messe in der a.o. Form zu gehen, nicht mehr hören muß.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Unsere alte Gemeidereferentin, die schon irgendwie den ganzen nachkonziliaren Krempel gut findet, und keinen Zugang zu a.o. Form hat, hat mal gesagt, dass der nachkonziliare Moralismus Klassen schlimmer sei, als der vorkonziliare, nur würde er sich mit anderen Subjekten beschäftigen.

      Löschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.