Donnerstag, 20. November 2014

Ein alter Text von Professor Ratzinger darüber was Glauben ist und die aktuelle Lage der Kirche.

Eines der katholischsten Wörter, die es gibt, ist das berühmte "et...et", auf deutsch. "sowohl als auch".
Ich erinnere mich, wie ich mal stundenlang beim Augenarzt saß und dann aus lauter Verzweiflung Spiegel las, wo Augstein himself seine Probleme mit der Kreuzigung Jesu kund und zu wissen tat.
Damals hatte ich mit Glauben nun nicht gerade viel am Hut, aber Augstein himself ritt darauf herum, dass Jesus mal so mal so reden würde, einerseits stolz und sicher  sagen würde "ich habe Macht mein Leben hinzugeben und Macht es wieder zu nehmen" und dann am Kreuz sagen würde "Mein Gott, mein Gott, warum hast du   mich verlassen" deshalb schloss Augstein messerscharf, gab es Jesus nicht und die Schrift ist nur ne Sammlung von widersprüchlichen Texten, wobei es  erst ihn, den Rudolf brauchte, bis das mal einer merkt. .

Ich weiß noch, wie ich dachte "nee Junge, das ist zu billig, du weißt genau, dass bei Katholens et...et gilt, und gerade bei Jesus, dem Christus, er ist Gott und hat gelitten wie der letzte Mensch, das ist das Geheimnis unserer Erlösung und ein Geheimnis von der Sorte, dem man sich nur auf dem Weg des et...et, oder eben des, im Grunde, absurden, nähern kann.
Absurd so verstanden, dass der Schöpfer aller Dinge Kind im Stall wird, und am Kreuz stirbt. "er, durch den alles geworden ist, in dem das Leben, dass das Licht der Menschen ist, war. Der, der  kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf..." wie es zusammengefasst im Prolog des Johannesevangeliums heißt. Absurd, unfassbar, unmöglich.

Ähnlich verhält es sich mit dem Glauben anundfürsich.
Glauben bedeutet " Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht." heißt es üblicherweise.
Jedesmal, wenn ich drüber nachdenke, was Glaube eigentlich sein soll, und wie es mit meinem eigenen bisweilen aussieht, denk ich "O du mein Gott!"
Professor Ratzinger, beschreibt Glaube jedoch in seiner "Einführung in das Christentum" anders.
Ganz am Anfang reflektiert der Professor auf ein Buch, das ich nie gelesen habe, Titel "Der seidene Schuh" von Claudel.
Die Schlüsselstelle ist, wo ein schiffbrüchiger  Missionar, an einen Balken gebunden auf dem Ozean treibt.
Und der zugehörige Schlüsselsatz lautet:
"Ans Kreuz geheftet - das Kreuz aber an nichts geheftet - treibend über dem Abgrund"
Das sei, so Professor Ratzinger, die Situation des Glaubenden.



Er schreibt "Ans Kreuz geheftet,- das Kreuz aber an nichts, treibend, über dem Abgrund. Die Situation des Glaubenden von heute könnte man kaum eindringlicher und genauer beschreiben, als es hier geschildert...nur ein loser Balken knüpft ihn an Gott, aber....dieses Holz [ist] stärker als das nichts, das unter ihm brodelt."

Weiter geht der Professor dann auf das Theaterstück ein, in dem es um 2 Brüder geht, der eine, eben besagter Missionar, der andere ein Welteroberer, der sich für ungläubig hält und dann betrachtet der Professor die Situation des Gläubigen, eben des Missionars, der immer wieder angefochten wird vom Unglauben, aber dass auch der Ungläubige immer wieder angefochten wird vom Glauben, ob es nicht "vielleicht doch wahr ist", wie der Rabbi Berditschewer in Martin Bubers bekannter Erzählung fragt.

Man kann das erste Kapitel des Buches "Einführung in das Christentum" übrigens hier  nachlesen, dort ab der Mitte der Seite 4 geht es um den Claudel.
Und hier kann man das ganze Buch online lesen.

Aber allein das Bild des treibenden, an den Balken gebundenen Missionars beleuchtet das  ganze Drama und die ganze Wahrheit und das berühmte katholische "et..et"  oder auch das Zusammenfallen der Widersprüche, die eben das Wesen des Katholischen  ausmachen.
Man definiert Glauben üblicherweise, ich schrieb es schon,  als "festes Fürwahrhalten dessen was Gott geoffenbart hat".
Das hört sich irgendwie gut und solide und sicher an und nicht nach "an einem Balken gebunden auf den Wellen schwankend".

Manchmal denke ich, ich solle den Claudel schon mal lesen, weil aktuell fühlt man sich fast, als falle das  Schiff Petri, dass wir so stark und fest  und sicher gedacht haben, auseinander, werde versenkt von irgendwem, oder irgendwie einfach auseinanderfallen, wobei keiner irgendwie das so richtig aktiv macht, wie die Piraten in dem Theaterstück, aber auch keiner so richtig was dagegen unternimmt, eher so, als löse sich einfach alles irgendwie in seine Bestandteile auf  und wir alle schwimmen im Wasser.
Aber wenn das, und ich denke damit hat der Professor Ratzinger schon recht, die Situation des Glaubenden ist, dann ist es recht so wie es ist, auch wenn es nicht richtig ist.

Kardinal Ratzinger hat (ich weiß aber nicht mehr genau wo, vermute in Salz der Erde) die Frage gestellt "ob die Kirche sich nicht, ähnlich wie zu Zeiten der franz. Revolution und der Säkularisation unter Napoleon in Deutschland, ihrer Güter entledigen müssen um ihr Gut zu bewahren?"

Auch das geht in diese Richtung, und vielleicht ist das, was wir grad in Rom erlebt haben, auch sorum zu verstehen, dass die Kirche eben um ihre Güter zu bewahren, dabei ist, ihr Gut wegzuwerfen.
Wobei das Gut die Lehre, die Sakramente sind und die Güter eben der Beifall der Welt, aber Kirche ist eben das Stück Holz über den tosenden Wassern, an das wir gebunden sind.
Und was ist ein großes stolzes Schiff im Grunde anderes als ein bisschen Holz, das über den tosenden Abgrund fährt? Von daher ist alles in Ordung, auch wenn nichts in Ordnung ist.

Ich weiß es nicht. Der ganze Post ist mehr aus der Serie "Manches schreibt man, weil man sich durch Pfeifen im Walde Mut machen will!"

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