Samstag, 29. November 2014

Für was braucht die Welt Priester???

In Anbetracht der Predigt aus dem Raum der Stille über den Priester, kam mir die aufmüpfige Frage  in den Sinn "Für was braucht die Welt denn eigentlich Priester?".
Die Predigt versucht die Frage zu beantworten, sehr tief und gut, und besser als ich das kann.
Jedoch seien hier die Wege die meine Gedanken nahmen auch einfach mal hingeschrieben:

Die Antwort auf diese Frage lautet katholisch und orthodox "um gerettet zu werden",
Die Antwort auf diese Frage lautet evangelisch und islamisch "gar nicht!"
Die Antwort auf diese Frage lautet heidnisch "um die Götter, die Geister gnädig zu stimmen"
Die Antwort auf diese Frage lauter buddhistisch streng "gar nicht"
und nicht streng "ja um Weihrauchopfer darzubringen,  und stellvertretend zu beten"
und in den Formen wo der Buddhismus schwer heidnisch daher kommt, siehe bei den Heiden.
Wobei es witzigerweise bei den Anthroposophen auch Priester gibt, die sich sogar selber als Sakramentspender verstehen, wobei wenn ich das richtig verstanden habe, die die Notwenigkeit von Priestern wohl so beantworten wie die nicht strengen Buddhisten.

Die Antwort der Welt lautet heutzutage ebenfalls "gar nicht",  nur aus anderen Gründen als das evangelische und islamische  "gar nicht", eher aus Gründen wie das streng buddhistische "gar nicht"; weil es nämlich, nach beiderlei Ansicht, außerhalb des bisschen Lebens nur einfach nichts gibt. Nichts, gar nichts und schon gar keinen Gott mit einem Himmel, oder ein Paradies,  ist der Buddhismus doch so ne Art streng religiöser Atheismus, der das versucht, was der Moderne noch nicht gelungen ist, die Leute zu disziplinieren, und dazu anzuleiten, ihre Triebe in den Griff zu kriegen, während der moderne westliche Atheismus, die Leute versucht dazu anzuleiten, ihre Triebe auszutoben, aber darum geht es grad nicht.




Wir sehen anhand dieser kleinen Liste sehr gut, dass man das mit den Priestern durchaus unterschiedlich sehen kann.
Die Kirche war sich übrigens, selbst in christlicheren Zeiten mit christlichen Königen, die der Ansicht waren, höchstpersönlich von Gott selber in ihr Amt eingesetzt geworden zu sein und die Aufgabe zu haben, für das Gedeihen von Gottes Werk und Wille höchstpersönlich zuständig zu sein, also selbst in diesen Zeiten, war sich die Kirche bewusst, dass zwischen Kirche und Welt ein, im Wortsinn, himmelweiter Unterschied ist.

Heute leben wir in Zeiten, wo gilt "des Menschen Wille ist sein Himmelreich"  und das nicht nur halb ironisch, spöttisch und nachsichtig geseufzt wird, wenn das Kind partout seine Suppe nicht essen will, oder der Teenager unbedingt seine blonden Haare schwarz färben will und dafür kämpft als ginge es um Leben und Tod, nein, dieses des "Menschen Wille ist sein Himmelreich" bestimmt weitgehend die Politik, auch wenn gegen das, was den Menschen so eingeredet wird, was sie wollen sollen, so ein schwer pubertierender Teenager logisch und stringent erscheint.

Gut ich denke die Linien sind gezogen,

Allerdings ist das komische an den modernen, innerkatholischen, bischöflichen, deutschen  Ansichten, dass man  irgendwie der Ansicht ist, der Investiturstreit, sei so ausgegangen, dass sie der weltlichen Autorität gegenüber verpflichtet sind. Es ging ja im Inverstiturstreit darum,  ob die, sich selber allerchristlichst verstehende weltliche Autorität, die Bischöfe ernennt und selbige dann der allerchristlichsten Majestät gegenüber gebunden sind, oder eben die geistliche Autorität die Bischöfe in ihr Amt einsetzt.
Betrachtet man das Gehabe der Mehrheit der deutschen Bischöfe, so scheinen die alle in Geschichte geschlafen zu haben, führen sie sich doch so auf, als seien sie der die weltliche Autorität gegenüber gebunden und auch wenn selbst der modernistischste Bischof nicht leugnen kann, dass die Welt sehr weltlich geworden ist, so sind gerade die deutschen Bischöfe der weltliche Autorität gegenüber folgsam, wie es ihre Vorgänger wohl gegenüber den damaligen frömmeren Herrschern nie gewesen sind, was irgendwie paradox ist.
Weil, die Welt hat, vom Standpunkt des Glaubens aus, nichts so nötig wie Priester, aber brauchen tut die Welt, von ihrem Standpunkt aus, selbige nicht, wie man überall zu hören kriegt.

Gertrud von LeFort hat in ihren Hymnen an die Kirche es so ausgedrückt : 
 "alle die dich schmähen, leben nur von dir"

Vom Standpunkt des Lebens aus, des zeitlichen und des ewigen, ist nichts so nötig wie Priester und Mütter und natürlich auch Väter, man redet zwar häufig von den Vätern, die doch auch gefälligst , ach wie cool, Elternzeit nehmen sollen, aber man hält nichst von ihnen, weil man von den Müttern nichts hält  udn von den Priestern auch nichts.
Im Grunde eine komische Sache, weil   der Mensch sich weder im zeitlichen noch im ewigen selbst gebiert und er sowohl was das zeitliche als auch was das ewige Leben angeht, nicht von vorneweg fix und fertig für beides ist, sondern um da richtig heimisch zu werden  gehätschelt, gebobbelt, gefüttert, geführt und getrietzt werden muss, dass er da auch richtig rein wächst.

In der Schrift gibt es die Geschichte  von der Mutter mit den 7 Söhnen, die zu ihren Söhnen  sagt "  Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Leib entstanden seid, noch habe ich euch Atem und Leben geschenkt; auch habe ich keinen von euch aus den Grundstoffen zusammengefügt.
23Nein, der Schöpfer der Welt hat den werdenden Menschen geformt, als er entstand; er kennt die Entstehung aller Dinge. Er gibt euch gnädig Atem und Leben wieder, weil ihr jetzt um seiner Gesetze willen nicht auf euch achtet. (2 Makk 7,22ff)
Diese Stelle ist neuerdings wieder in unser Bewusstsein gekommen, weil die Kathedrale in Mossul genau dieser Frau geweiht war, und wie wir alle wissen, geschieht im Irak an unseren Brüdern und Schwestern grauenhaftes.
Es ist dem Menschen in die Hand gegeben, Leben zu vernichten, das lässt sich nicht leugnen, aber schaffen kann er es nicht, weder zeitliches, noch ewiges.
Man vergisst das gerne, gerade heutzutage, wo die Zerstörung des geistigen Lebens als Erfolg gefeiert wird, und beständig von Überbevölkerung geredet wird, was das zeitliche Leben, irgendwie weniger kostbar macht, so dass man meint es am Anfang und am Ende problemlos beseitigen zu können und damit ein netter Mensch zu sein, Barmherzigkeit lautet ja auch hier das Schlagwort.

Aber all das ist einfach ein Irrtum, und ein Zeichen von Blindheit.
So bleibt uns nur, den HERRN anzuflehen, dass er uns heilen möge, von unserer Blindheit!




Kommentare:

  1. Gibt es nicht von H. U. v. Balthasar (oder war es wer anders?) einen Text zur Frage: „Wie ich mir Priester wünsche“? Den genauen Titel weiß ich leider nicht. Wenn ich mich aber recht erinnere, hat ihn mal irgendwer auf seinem Blog veröffentlicht.

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    1. Nachtrag: Hab's gefunden
      Hans Urs von Balthasar: Der Priester, den ich suche. In: Klarstellungen. 1971.

      Zwei Ausschnitte — 1. HIER und 2. HIER.

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    2. Ach Gott sind das schöne und vor allem wahre Texte! Danke dafür Jürgen!

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