Mittwoch, 19. November 2014

Tagebuch: Der 19. November 1980

war ebenfalls ein Buß- und Bettag und genau so grau, kalt und regnerisch wie heute.
Ich kann mich noch gut erinnern. Damals war der Buß- und Bettag in ganz Deutschland ein Feiertag, nur in Bayern nicht.
Wir mussten also ins Büro, während unsere Firmenzentrale außerhalb Bayerns Feiertag hatte.
Deshalb hatten wir auch viel Zeit, an diesem besonderen 19. November an einem ganz besonderen Ereignis teilzunehmen:

Bild: Screenshot aus der Münchner Stadtchronik via
Muenchener Stadtportal
Auf der anderen Straßenseite wurde ein Großereignis gefeiert - Johannes Paul II besuchte erstmals Deutschland und an diesem Buß- und Bettag feierte er eine heilige Messe auf der Theresienwiese. Mehr als 500.000 Menschen machten sich auf den Weg. Und es war massig voll fast überall in der Innenstadt.

Unser Mädelsteam (alle Protestanten), hatte natürlich gar keine richtige Ahnung, was da so gefeiert wurde. Wir wussten alle nichts über "katholisch". Zwar war der Kardinal Ratzinger eine echte Respektsperson in München, man kannte ihn also - auch wenn man von der Kirche sonst nichts wusste. Trotzdem war es ein Großereignis, von dem niemand unberührt blieb, und Johannes Paul II war ja eine echte Sensation. Zum Glück hatten wir einen Fernseher im Büro stehen (der BR übertrug live) und so konnten wir uns das, was auf der anderen Straßenseite passierte, gemütlich ins "Wohnzimmer" holen. Ausgestattet mit Gebäck, Kaffee und Sekt versprach es ein netter Nachmittag zu werden.

Und - nach nunmehr 34 Jahren ist mir immer noch alles in Erinnerung, sowohl unser gemütliches Beisammensein als auch das, was sich damals auf der Theresienwiese abspielte.
Hier gibt es ein schönes Bildarchiv von der Messe: klicken - von der Ankunft in München: klicken und der Begegnung mit Künstlern: klicken
Schön zu sehen, wie relaxt es damals zuging. Johannes Paul II und Kardinal Ratzinger kamen mit dem Zug (!!! - kein Medienhype darüber!!!) in München an. Es gab keine Absperrungen, keine Polizeikontrollen (ich konnte problemlos mit dem Auto ins Büro fahren, obwohl Tausende unterwegs waren), jeder der wollte, kam auf's Messegelände (ohne Eintrittskarte)... aber das war auch alles vor dem Attentat.

Nach der Messe wollte Johannes Paul II zur Jugend sprechen. Dazu waren einige junge Menschen eingeladen, die direkt Fragen an Johannes Paul II stellen konnten. Die Vorsitzende des BDKJ nutzte dann auch die Gelegenheit, mit dem Papst "über Sex" zu sprechen. Die Reaktion von Johannes Paul II war einfach großartig: Er schaute die Dame an, ließ sie reden - und sagte nix. Keine Antwort, kein Blick. Offensichtlich hat er zum Herrn gerufen, "lass es bald vorbei sein". Der neben ihm stehende Kardinal Ratzinger schien zu einer Eissäule erstarrt und schaute peinlich berührt geradeheraus.
Und wir am Bildschirm guckten uns an und fragten uns: "Spinnt die?" ... Und das obwohl wir als Evangelische ja sowieso alle Freiheiten ... und mit unserer Kirche auch nix mehr am Hut hatten.

Natürlich hatte die Dame ihre berühmten "15 Minuten" und war Thema in allen deutschen Medien.
Hier gibt's noch einen Zeit-Artikel und hier einen neueren SZ-Artikel, und die Tagesschau in einer Zusammenfassung der Reise, die das Thema ansprechen. Wir sehen also, die "üblichen Verdächtigen" waren auch vor 34 Jahren schon mit ihren "üblichen Themen" unterwegs und wurden von den "üblichen Medien" entsprechend begleitet. Nachdem wir aber heute immer noch über die gleichen Themen diskutieren, lernen wir, welche Fortschritte in den letzten 34 Jahren gemacht wurden. Die Lehre der Kirche ist unantastbar und das ist wohl das wichtigste, was wir aus diesem kurzen Ausflug in die Geschichte lernen können. Darauf lässt sich aufbauen.

Eine Zusammenstellung aller Ansprachen zu diesem Papstbesuch, gibt es hier im Archiv der DBK.














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