Mittwoch, 12. November 2014

Zweckentfremdung von Kirchen.

Also ich muss ehrlich sagen, ich habe schon immer so meine Probleme mit der touristischen Besichtigung von Kirchen.
Früher fand ich es pubertätsbedingt einfach blöd, da rumzutrampeln und mir irgendwelches kluge Zeug über Barock, romanischer Baustil....... Papst XY, Erzbischof XY hat...Altar von XY ....... dort zu sehen das und das, ungewöhnlich, wissend guck.......
Mittlerweile bin ich alt genug, um an solcherlei Details selber Freude zu haben, und finde es allerdings bedauernswert, dass die Beter sich nicht mehr im Dom verhüllen müssen, wie Reinhold Schneider es dichtet, sondern mancherorts aus dem schönen Dom herausexpediert werden und mit irgendwelchen karg und schlecht eingerichteten Sakramentskapellen Vorlieb nehmen müssen, wenn sie beten wollen!
(es gibt auch hier Ausnahmen, die aber eher die Regel bestätigen) .

Es ist natürlich ein Problem, dass so einfach nicht zu lösen ist, und das vielleicht schlimme an dem Problem ist, dass es kaum einer lösen will, weil es den wenigsten noch bewusst ist, dass Kirchen nicht zum rumtrampeln und "Ah und Oh und 16. Jahrhundert .... Grundriss Oktogon......"  laut rumred und überall neugierig guck, da sind, sondern zum Beten!
Wie gesagt, es hat schon oft die Beschäftigung mit der Schönheit zum Glauben geführt, aber wir waren in diesem Sommer z.B im Straßburger Münster, (war allerdings Hochsaison) und ich habe das Straßburger Münster als beeindruckend in Erinnerung, diesmal war es voll mit Horden von Touristen, man kam sich vor wie auf einer Kerwe, ob all der Menschenmassen, und zum Beten kam man nicht, selbst wenn man wollte.

Nun pflegten die kirchenhassenden Revolutionäre vergangener Zeiten die Kirchen dazu zu nutzen, wo selbige sich baulich dazu eignen, als Pferdeställe und Scheunen.

Mittlerweile machen wir das selber, wenn ich das alles so richtig verstehe, was über aufgegebene Kirchen so zu uns dringt.
Wohnhäuser, Bibliotheken, Cafes und Urnenfriedhöfe werden draus gemacht.
Es gefällt mir nicht, aber egal.

Was mir aber doch schwer zu schaffen macht, ist, wenn ich solche Dinge höre, dass man Kirchen zur Verfügung stellt und angeblich, oder auch wirklich Geld für soziale Projekte erwirtschaften will.
Das nervt mich bei der Sixtina und es nervt mich beim Aachener Dom.
Es nervt mich auch, wenn man in der Kirche Theater spielt. 
Warum?




Nun wie ich eingangs erklärte sind Kirchen zum Beten und zum Gottesdienst da.
Gottesdienst war auch das, was die Frau mit dem Nardenöl an Jesus tat.
Der, der wollte, dass man mal das mit dem Gottesdienst nicht so wichtig nimmt, sondern die materielle Komponente des Gottesdienstes (eben das Nardenöl) zu Geld macht, und es den Armen gibt, (weil das ja auch Gottesdienst ist, würde ein moderner Theologe ergänzen) das war Judas Iskarioth und der taugt nun wirklich nur als abschreckendes Beispiel und nicht als jemand dem man nacheifern sollte.


Bei der Sixtinischen Kapelle dürfte es fast egal sein, bei 4-6 Millionen Touristen pro Jahr dürfte da kaum mal drin gebetet werden, von daher dürfte der Porsche Event, wo wenige Leute einem Konzert lauschen durften wohl der Grundintention des ausmalenden Michelangelo näher gekommen sein, als wie wenn man so da drin rumläuft.
Ich habe gehört, wer wirklich die Sixtina genießen, sich inspirieren  lassen will, sich die Kapelle mit geistigem Gewinn anschauen wolle, der müsse zusehen, dass er morgens um 9 als einer der ersten in der Schlange zum Eingang der vatikanischen Museen steht und sich dann sofort zur Sixtina begeben, dann könne man das Unbeschreibliche dieser Kapelle an besten erfahren.

Was ich aber nicht verstehe, ist warum man Stollen im Aachener Dom reifen lassen muss, wie et nunc hier
berichtet.
Ich hätte natürlich noch andere Vorschläge, als Kartoffellager, Zwiebellager, Kornsilo  und für luftgetrocknete Schinken eignen sich Kirchen bestimmt auch sehr gut!

Neulich war ich einkaufen, da verkündete mir die Lautsprecherstimme, dass sie alles was ich spende verdoppeln täten und zeitweise konnte man noch nicht mal ein Schulheft kaufen, ohne irgendwas zu unterstützen oder zu retten, von wegen "für jedes gekaufte Heft, knöpfen wir Ihnen 20 Cent mehr ab und  spenden die nach XY" u.s.w

Von daher wie wäre es? Supermärkte in Kirchen? Missio oder Adveniatspendenbüchse an die Kasse, bisschen Transfair Zeug ins Angebot, bisschen eine Welt Krempel und schon haben wir die spitzen Begründung, warum auch wir den Rubel in der Kirche rollen lassen können, s.o..

Besonders originell ist diese Idee zwar nicht, und wie gesagt auch eher gottlos, verarbeitet Guareschi in "Genosse Don Camillo" die Idee der Sowjets aus Kirchen Getreidespreicher (heute halt Supermärkte) zu machen, (im Film hier ab Minute 1:15:09) und wenn Jesus auch zu Don Camillo sagt, er wäre erfreut, dass jetzt auch die kämen, die vorher nicht gekommen wären, so bleibt doch, dass alle, inklusive Jesus, erst dann zufrieden sind, als der russische Don Camillo sich ein Beispiel am italienischen Don Camillo nimmt und die Kirche wieder ihrem ursprünglichen Verwendungszweck zuführt, wie man hier im Film ab Minute 1:38:56 ganz gut sehen kann.

Und um dem ganzen noch einen draufzusetzen unser aller Herr und Meister wäre mit der Kirche als Lagerhalle  sicherlich nicht einverstanden, lernt man doch in jedem selbst nur halbwegsanständigen Religionsunterricht, dass die Geldwechsler und Händler im Tempel, nicht einfach so Händler waren, sondern das Geld in spezielles Tempelgeld umgetauscht werden musste, und verkauft wurde nicht Wurst und Käse, sondern Opfertiere für das Tempelopfer, das was sie taten, war also notwendig für das Opfer, dass die Israeliten bringen mussten.

Von daher denke ich mal kann man sich auf Jesus Christus nicht berufen, wenn man aus seiner Kirche eine Lagerhalle für irgendwas macht.







1 Kommentar:

  1. Irgendwie erinnert mich das alles an Salz, dass man zertritt, weil es schal geworden ist. Und an den jüdischen Tempel der seid fast 2000 Jahren nicht wieder aufgebaut wird, weil Jesus ihn in drei Tagen aufbaute....? Sei's drum. Kirchenbauten die profanisiert werden, sind meistens Bauten in denen jahrelang Irrlehren verbreitet wurden. Was nützt die beste und zweckmäßigste Architektur, wenn in derselben der Tod des Teufels und der Sozialarbeiter Jesus verkündet wird. Dann wird dieselbe, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Begräbnisstätte. Wie sagt Jesus so treffend: Lasst die Toten ihre Toten begraben.

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