Samstag, 21. Februar 2015

das völlig idiotische Klopfen an die Brust der Vorfahren

Also es ist bekanntlich Fastenzeit, das ist, so hieß das früher "eine Zeit der Buße und der Umkehr!".
Also eine Zeit wo man beichten, bereuen und sich bessern soll.

Eine Zeit wo, auf jeden Fall früher, Lieder gesungen wurden wie "O Mensch bewein dein Sünde groß..." und "..ach meine Sünden haben dich geschlagen..." kurz, es darum ging, dass man selber ein Sünder ist, der sich gefälligst bessern soll und das auch kann, weil  Christus auch dann ans Kreuz gegangen wäre, wenn sich sonst hätte keiner retten lassen, außer mir und dir.
Wobei und das ist natürlich total ecclesial incorrect, ohne den Kreuzestod Christi keiner gerettet werden könnte, und alle, ausnahmslos alle in ihren Sünden, die sie alle haben, sterben müssten

Nun sieht man das heutzutage aber weltlich und innerkirchlich (leider) etwas anders.
Die Welt versichert sich beständig gegenseitig und die Kirche macht da auch fleißig mit, dass man selber ja doch ein richtig guter Mensch sei, und sollte jemand echt auf die Idee kommen, dass er sein Leben ändern müsse, ohne dass er 1.drogensüchtig ist,  2.auf der Straße lebt, sowie 3.die Frau verprügelt, 4.die Steuern hinterzieht und als 5. Bischof sich auf seine Gremien verlassen hat und ein diözesanes Zentrum, für teures Geld gebaut hat,  so wird ihm bedeutet dass er wohl einen Anfall von Skrupulosität hat und sowas ja heutzutage eh völlig überholt sei, weil wir sind ja alle kleine Sünderlein, und Christus liebt uns doch alle so wie wir sind, und man muss ja auch noch leben und überhaupt.....

Wobei, wenn man zu den oben genannten Fällen 1 und 2 gehört, völlig klar ist, dafür kann man nix, da ist die böse Gesellschaft, der Pfarrer von früher, die Eltern und die Umstände schuld und der Versuch, da raus zu kommen, das ist zwar der Stoff für zahlreiche Bekehrungsgeschichten, aber das ist evangelikal und damit wollen wir nichts zu tun haben....

Gehört man allerdings zu den Fällen 3, 4 und 5 und zu dem nicht erwähnten Fall, dass man sich als Priester nicht im Griff gehabt hat, dann ist besonders in den Fällen 5 und 6 eh alles hoffnungslos und es bleibt nur der Selbstmord, wenn man die Presseberichte richtig interpretiert.

Wir fassen also zusammen, Sünde die gibt es nicht und so es sie gibt, hat der Sünder eh keine Chance, dass sich einer vor ihn stellt und sagt "Was er vorher war, das interessiert mich nicht. Er ist gerettet, aus seinen Sünden!" also das kann man nun von der Kirche nicht erwarten! (oder so)

Ja was soll denn dann nun die Fastenzeit?


Weil die pure Reduzierung auf Diät, Bikinifigur und Cholesterinspiegel senken ist ein bisschen wenig, und so attraktiv es ist, eine WinWin Situation zu verkünden:  Ich faste und von dem Ersparten spende ich dahin wo sie eh das ganze Jahr fasten müssen, weil sie arm sind, und dann schlemmen wir alle an Ostern...............so sehr ist schon klar, es ist zu wenig.

So macht man halt mit beim üblichen Sport, man sucht nach Sündenböcken, "diejenigen die nach Macht streben,..." diejenigen die meinen, Gewalt sei ein Lösung" und wie die Fürbittworthülsen so alle heißen.

Wobei auch das zu wenig ist und so klopft man sich an die Brust der Vorfahren, und fühlt sich dabei klasse.
So geschehen mittlerweile zahllose Male,  und man fragt sich was das soll.

Ich muss ehrlich sagen, damals als  JPII das gemacht hat, von wegen sich für alle Sünden, die Christen begangen habe, zu entschuldigen, hieß es alle würden aufhorchen, eine neue Ära der Versöhnung würde eintreten und ähnliches mehr.
Nichts davon ist eingetreten, die Dinge werden in jeder passenden und unpassenden Diskussion der Kirche nach wie vor vorgeworfen und niemand nimmt zur Kenntnis, dass es ausgesprochen wurde, und damit auch gut sein müsste, aber das kennen wir ja alles schon, siehe oben.

Man muss diese Dinge in ihrem historischen Kontext sehen und ja, Christen haben schwer gefehlt, was im Grunde völlig klar ist, weil es mit den Fehlern der Glieder der Kirche so ist a)  dass es die gibt und b) auch geben muss, weil sonst Jesus gelogen hätte, als er gesagt hat "Ich bin gekommen, Sünder zu berufen, nicht Gerechte......
Und das begreifen unsere angegrünten und angeröteten Katholiken nicht, dass die Sündhaftigkeit der Kirche, die Gott dennoch nicht verworfen hat, ihre einzige Chance ist, wegen ihrer eigenen Sündhaftigkeit nicht verworfen zu werden.
Erasmus von Rotterdam hat es so ausgedrückt "Ich ertrage die Kirche in der Hoffnung, dass sie besser wird, wie auch sie mich erträgt in der Hoffnung, dass ich besser werde"
Und hier hätten wir das Wort, das als Zauberwoirt allüberall gebraucht wird, das Wort 'ertragen',  auf Latein tolerare, wovon Toleranz kommt.
Wie gesagt das Zauberwort, aber keiner will es tun, das ertragen, weil Toleranz, die gilt nur für die als gut definierten, wenn ich das richtig begreife.

Dazu kommt noch folgendes, JPII wollte mit seiner Vergebungsbitte das Gedächtnis reinigen und hellsichtig machen, für aktuelle kollektive Fehlhaltungen, wenn ich ihn richtig verstanden habe.
Man muss sich bei der Beurteilung von Vergangenem einfach mal klar machen, dass diverse Dinge, die uns das Leben leicht und einfach machen, wie unser Luxus, der sich auch darin manifestiert, dass die meisten von uns in  jeder Fastenzeit echt auf Gesundheit, Diät, und Abspecken anspringen, weil es uns in der Tat saugut geht und selbst einer, der für westliche Standards arm ist, einen Lebensstil hat, wie es früher auch reiche Leute nicht hatten.
Das fängt an mit der frischen Milch im Supermarkt, den Eiern auch im Januar, der frischen Wurst und dem abgepackten Käse, der im Kühlschrank lagert und hört bei der Waschmaschine, (hat mal wer versucht große Wäsche per Hand zu waschen?) nicht auf.

Dazu gehört, (komm mir da ja immer echt blöd vor, weil auch ich ein Kind dieser Welt und Zeit bin) es gibt wenig schlimmeres, als den Mord an den Ungeborenen, weil es kaum ein hilfloseres, schutzbedürftigeres, unschuldigeres Wesen gibt , als ein solches.
Trotzdem leben wir in Zeiten, wo man das absolut nicht so sieht und es in jedem Forum heißt "du kannst doch nicht die Abtreibungstoten gegen andere Tode aufrechnen, weil Abtreibung ist doch was anderes, als .....),
Man sieht das Verbrechen einfach nicht, weil man da partiell blind ist, es teilweise nicht sehen kann, weil... (man diskutiere einfach mal so über das Thema drauf los im Freundeskreis, in der Bahn) die Bösen sind die, die dagegen sind, weil sie nämlich wollen, dass die Frauen sich für 20 Jahre an einen Menschen binden, der einfach so ungeplant und ungefragt in ihr Leben tritt, zumindest am Anfang viel fordert und auch zwischendrin, extrem nervig und anstrengend sein kann....will heißen man nimmt die sekundären Gründe, um etwas zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist. und so, denke ich zumindest, ging es unseren Vorfahren halt auch.
Will hießen, wenn wir (um es pauschal zu formulieren ) bei Gott davon kommen wollen, wegen der Sünden unserer Zeit, dann müssten wir schon viel verzeihen, auch und besonders, bei Sünden die "wir" gar nicht begangen haben, und die uns nichts angehen....

Das andere geht in die Richtung eines Problems. dem nur der begegnet,der sich in frommen Kreisen bewegt, da gibt es immer wieder Leute, die dir was von wegen Stammbaumheilung erzählen.
Das steckt zum einen die einfache Erkenntnis dahinter, dass vieles von dem, mit dem wir geschlagen oder gesegnet sind, von unseren Vorfahren auf uns gekommen ist.
Der Ort, in dem wir aufgewachsen sind, das Land, in dem wir leben, manch einer hat eine bescheidene Kindheit,  ein anderer hatte richtig gute und liebe Eltern und und und
und wenn man sich mal ein bisschen mit der Familiengeschichte befasst, so stellt man fest, ja das geht teilweise Genrationen lang zurück, das Gute oder auch das Problem.
Ist ja sooo originell nun auch wieder nicht, steht doch im Buch Exodus
Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg, lässt aber (den Sünder) nicht ungestraft; er verfolgt die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, an der dritten und vierten Generation.
Nur habe ich mal gelernt, das Wort "er verfolgt" sei nicht die richtige Übersetzung es stünde da "er prüft die Schuld der Väter an den Söhnen..." und das ist es, was man durchaus beobachten kann, dass die nächste Generation auch und gerade dann, wenn sie es bescheuert findet, was die Eltern, Großeltern getan bzw. nicht getan haben, vor die gleiche Versuchung (meist nur in anderem Gewand) gestellt wird, und es meist auch nicht besser hinkriegt, und wie gesagt, was das Klopfen an die Brust der Vorfahren angeht, also Jesus hielt da nichts davon, sagt er doch:
Weh euch! Ihr errichtet Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden.
48Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan haben. Sie haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen Bauten. (Lk, 11; 47, 48)

Also: ja es ist ein Fakt, dass wir uns im Guten wie im Schlechten mit dem rumärgern oder dran erfreuen dürfen, was die Vorfahren getan haben.
Nur was die Schuld angeht, so stirbt jeder nur für seine eigene Schuld (Jer 31,29) und muss jeder nur für seine eigene Schuld vor Gott einstehen, die Schuld oder die Großtat der anderen, Altvorderen, die wird uns nicht angerechnet, deren Wirkungen die haben wir als Gabe oder Aufgabe erhalten.
Also nun gibt es Leute die behaupten, dass die unbereute Schuld der Väter den Nachfolgenden so Ärger machen könnte, dass  die deswegen ihr Leben nicht gebacken kriegen, und wenn nun der Priester einen Zinnober veranstaltet, dann wird die Schuld der Vorfahren faktisch geheilt und alles wird gut.
Auch hier wieder, es stimmt ja schon, dass manches von dem, mit dem man sich herumplagt echt seine Ursache in den Sünden der Vorfahren hat, nur, ob jetzt der fortgelaufene Vater das noch auf dem Sterbebett bereut hat oder nicht, ändert nichts an den Fakten.
Für den fortgelaufenen Vater hängt, was die Ewigkeit angeht,  alles davon ab, ob er bereut hat oder nicht, mein Leben war aber, egal wie oder was eine vaterlose, geplagte.

Das Schlimme an der Stammbaumheilung  ist nun, dass behaupte wird, dass man sozusagen eine eventuelle fehlende Reue des entsprechenden Altvorderen, von dem ich meist ja gar nichts konkretes weiß, sozusagen stellvertretend nachholen könne und dann würde alles gut.
Dagegen haben die franz. Bischöfe eine lehrmäßige Note verfasst die, wer des Französischen mächtig ist, hier nachlesen kann.
Die Quintessenz lautet: ja es gibt Sünde und die wirkt auch über den Tod hinaus, und belastet die Heiligung der Leute, wer will das leugnen, aber die aktuell Lebenden müssen ihr Leben leben und man kann die Verantwortung für das eigene  Leben nicht den Verstorbenen, die einem dazwischen funken, abdrücken.

Ja und das trifft auch auf das mittlerweile auch bischöflich beliebte Schlagen an die Brust der Vorfahren (was nicht die Intention JPII's war) zu.
Natürlich ist die Kirche im Guten wie im Schlechten so geworden, wie sie eben historisch geworden ist, sie ist die makellose Braut und die Kirche der Sünder, ihr Vorbild ist Maria die in zahllosen Liedern als "die Zuflucht der Sünder" angerufen wird, warum nur fällt man dann immer schier in Ohnmacht, wenn das so ist, dass die Sünder dort zu finden sind, wo sie Zuflucht gefunden haben?
Man kann das konstatieren, dass nicht alles Gold ist was glänzt und vieles auch schon früher grottenfalsch lief, und dann muss man damit leben und es besser machen.

Und noch ein drittes, was mich an meisten nervt ist folgendes.
Jeder,wenn er stirbt erscheint vor dem allergerechtesten, allwissenden, allbarmherzigsten Richter, der alles weiß, alles kennt, und aus Liebe zur sündigen Menschheit Mensch geworden ist, von daher kann man sich drauf verlassen, dass Gott den Verstorbenen  so gerichtet hat, wie es richtig ist.
Von daher versteh ich diesen posthumen Klamauk echt nicht.
Gott weiß! Und damit ist gut!
Wir haben uns um uns selber zu kümmern uns in unserer Zeit zu bewähren, und dazu empfiehlt es sich,  auf die zu schauen, die auch nicht alles richtig gemacht haben, aber Menschen der großen Liebe zu Gott und damit zu den Menschen waren, die Heiligen.


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