Samstag, 28. März 2015

Auf der Suche nach den Schlangen ...

... vor den Beichtstühlen, bin ich letztens mal wieder in St. Michael gelandet.  Hier feierte der Münchner Kardinal den diözesanen Bußgottesdienst und aus alter Gewohnheit war ich auch diesmal wieder dabei. Früher war das sehr schön und meditativ dort und eine schöne Vorbereitung auf die Osterbeichte. Mit spirituellen Texten, an denen man sich orientieren konnte.

Aussterbende Art: Die Beichtstuhl-
schlange. Seit diesem Jahr auch in
München nicht mehr zu finden. 
Ja, früher, da waren sie tatsächlich noch da, die Schlangen a.d.B. Wer während des Bußgottesdienst beichten wollte, brauchte eine Menge Stehvermögen. Alle Beichstühle waren besetzt und trotzdem kam es vor, dass man eine Stunde Teil der Schlange war. Wer beim Kardinal oder einem der Weihbischöfe beichten wollte, ging das Risiko ein, eine Stunde anzustehen und dann doch nicht mehr dranzukommen ... weil sonst der Gottesdienst Stunden gedauert hätte.
Doch, wie gesagt - so war's früher.

Dieses Jahr musste ich mich erstmal durch die Autoschlangen Richtung Innenstadt schieben und kam dann gerade noch zum Eingangslied in die Kirche. Trotzdem konnte ich sehen, dass an zwei Beichtstühlen die Grüne Lampe leuchtete und die anderen wohl nicht besetzt waren, weil keine Lampe leuchtete. So schmelzen sie dahin, die Schlangen.


Aber ich war ja wegen des meditativen Gottesdienstes gekommen, der von Kardinal Marx eröffnet wurde mit einem kurzen Gedenken und Gebet für die Opfer des Flugzeugunglückes in Südfrankreich und einer Erläuterung, warum wir diesen Bußgottesdienst feiern.
Der Antwortpsalm (Psalm 146) zeigte uns einmal mehr, wie richtig und wichtig es ist, sich an der Wahrheit Gottes zu orientieren. Besonders die Textstelle "Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre" ist ja an Deutlichkeit nicht mehr zu überbieten. Sollte man meinen. Im Evangelium hörten wir dann die Seligpreisungen und ich war gespannt, wie der Kardinal das in seiner Predigt zusammenbringen würde.
Nun, ich denke, so richtig ist ihm das nicht gelungen (auch wenn die Kollegen aus Österreich kräftig jubeln, aber die haben auch nur den Pressetext von der Website abgeschrieben). Er verkündete "Es geht nicht darum, Gebote zu erfüllen, damit wir nicht in die Hölle kommen...". Das konnte ja heiter werden. Wurde es dann auch. Denn wir erfuhren, dass die Seligpreisungen uns doch frei machen (von allen Geboten?). Wir erfuhren auch noch was über die Verwerflichkeit der Korruption (ja mei). Da habe ich mir dann auch überlegt, dass sich in D heute keiner mehr traut, einem Müllmann mal ein Trinkgeld zu geben, weil das ja "Korruption" sei. München ist halt nicht Buenos Aires. Wo lebt er also, der Kardinal? Ich könnte jetzt auf die Idee kommen, zu fragen, was das wohl ist, wenn ein Oberhirte ein dickes Beamtengehalt bekommt und dafür bereit ist, den linken Mainstream als Glaubenswahrheit zu verkaufen, während die himmelschreienden Sünden als "verletzend" dargestellt werden. Aber so fing ich dann an, an Kalbsbraten mit Schwammerlsoße und an einen guten Rotwein zu denken, was mir dann doch eine gewisse Gelassenheit bescherte. Schließlich durfte ich ja letztens von Kardinal Cordes lernen, dass wir erwachsen sind und deshalb selbst denken und eigenverantwortlich handeln sollen.
Also wartete ich mit großer Spannung auf den Bußteil, um doch noch irgendwelcher Schlangen ansichtig zu werden, denn, wer wollte, konnte während des Gottesdienstes beim Kardinal oder den Weihbischöfen zum Beichten gehen .... Aber man konnte sehen, dass die Verkündung der allumfassenden Barmherzigkeit den Beichtvätern diesmal viel Arbeit abgenommen hat. Es genügte, bis drei zählen zu können, denn mehr wollten nicht beim Kardinal beichten (oder gar Wirtshausgespräche mit ihm führen) ... und bei den Weihbischöfen sogar nur zwei. So war nach einer Viertelstunde schon alles vorbei.
Vielleicht ist noch anzumerken, dass früher mehr Weihrauch war und der Chor gesungen hat. Dass der Kardinal einzog mit Mitra und liturgischer Kleidung anstatt in Chorkleidung und Birett. Moderne Zeiten eben, die zur Beichtvorbereitung leider nicht mehr taugen.
Die Schlangen wurden erfolgreich vertrieben .... und das Paradies scheint nahe.



3 Kommentare:

  1. Also, ist der vielbeschworene"Franziskus-Effekt" schon nach relativ kurzer Zeit wieder abgeebbt.

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    1. Nun das ist ja wohl offensichtlich. Man muss ja nur mal während der GA auf den Peterplatz gucken.
      Aber auch bei uns in M hat eine gewaltige Abstimmung mit den Füßen stattgefunden. D. h. die Leute haben einfach die Kirchen gewechselt, und gehen dorthin wo sie die Wiederholung der Sprechblasen aus Rom nicht hören müssen. Habe ich ja auch so gemacht.
      Wirklich auffallend ist aber tatsächlich, dass St. Michael ja eigentlich DIE Münchner Beichtkirche war. Da waren immer Schlangen an den Beichtstühlen, egal, wann man dort hin kam. Es ist dort deutlich weniger geworden.

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  2. Bei uns im Nachbarort ist auch so ein 'barmherziger' Pfarrer, der uns bei der Predit erklärte, dass man sich an die zehn Gebote nur halten sollte, wenn man sich 'gut' dabei fühlt ... Wir haben uns daraufhin bei ihm nicht mehr 'gut' gefühlt, die Kirche fluchtartig verlassen und uns am Sonntagvormittag auf die Suche nach einer anderen Messe gemacht. Ich weiss nicht, ob die Messe eines solchen 'Pfarrers' denn gültig ist, aber es ist auf jeden Fall kontraproduktiv, die Kinder solchen Ideen auszusetzen.

    Anna

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