Sonntag, 6. September 2015

"Man in Black" und das Evangelium von heute

"Aus dem Evangelium nach Markus 7, 31-37
Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.
Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren.
Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;
danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!
Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden.
Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt.
Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, daß die Tauben hören und die Stummen sprechen."


"Ephata"- das war das Wort, das Benedikt XVI am 10. September 2006 auf dem München-Riemer Messegelände zum Schlüsselwort seiner grandiosen Predigt machte. Sie war so gut und so einprägsam, dass sie mir für immer im Gedächtnis bleiben wird. Besonders beeindruckend waren die Worte: 
".... Dann und wann aber sagt ein afrikanischer Bischof zu mir: „Wenn ich in Deutschland soziale Projekte vorlege, finde ich sofort offene Türen. Aber wenn ich mit einem Evangelisierungsprojekt komme, stoße ich eher auf Zurückhaltung.“ Offenbar herrscht da bei manchen die Meinung, die sozialen Projekte müsse man mit höchster Dringlichkeit voranbringen; die Dinge mit Gott oder gar mit dem katholischen Glauben seien doch eher partikulär und nicht so vordringlich. Und doch ist es gerade die Erfahrung dieser Bischöfe, daß die Evangelisierung vorausgehen muß; daß der Gott Jesu Christi bekannt, geglaubt, geliebt werden, die Herzen umkehren muß, damit auch die sozialen Dinge vorangehen; damit Versöhnung werde; damit zum Beispiel Aids wirklich von den tiefen Ursachen her bekämpft und die Kranken mit der nötigen Zuwendung und Liebe gepflegt werden können. Das Soziale und das Evangelium sind einfach nicht zu trennen.... "

Die ganze Predigt gibt es hier auf der Papst-Benedikt-Seite des Vatikan nachzulesen.

Ja, und wie das so ist, hat nicht nur das Evangelium immer wieder einen besonderen Bezug zu manchen Tagen, sondern auch eine so herausragende Predigt:



Gestern also kamen auf dem Münchner Bahnhof wieder viele Tausend Flüchtlinge an, die über Ungarn eingereist waren. Zur Begrüßung hatten sich auch der Münchner Kardinal Marx und der evangelische Bischof Bedford-Strom aufgemacht. Es muss alles unter einer fürchterlichen Eile vonstatten gegangen sein.
Deshalb stellen wir das Suchbild des Tages, das beim Domradio in Köln veröffentlicht wurde oder diesen tweet



einfach mal unter die Tatsache rein, dass der Kardinal sein Palais fluchtartig verlassen musste, um noch rechtzeitig am Bahnhof zu sein. Wir Katholiken wissen, was fehlt. Wenn man den Mann anschaut, der auf dem verlinkten Bild des domradios vor ihm steht, könnte man ja fast glauben, das ist ein Christ ... auf jeden Fall hatte ich diesen Gedanken, als ich das Bild angeschaut habe: Der Typische Auftritt des Großzügigen Deutschen, der mit Geld (der anderen) nur so um sich schmeißt, ohne die Folgen zu bedenken - im Volksmund: "Da markiert einer den dicken Max!" Ich bin besorgt, denn im Beichtspiegel steht: "Habe ich mich bemüht, für den Glauben Zeugnis abzulegen und ihn auch anderen nahezubringen? Oder habe ich mich des Glaubens geschämt? Habe ich den Glauben verleugnet?"

Tja, jetzt weiß ich aber gar nicht, was ich davon halten soll?  Muss man das gar nicht mehr ernst nehmen? Ist das jetzt ein Vorbild für uns alle, unseren Glauben zu verleugnen? Was wollte der Herr Kardinal denn dann auf dem Bahnhof? Ein Bild fürs Fotoalbum als Privatperson? Vorauseilender Gehorsam? Unterwerfung? Was, so denke ich mir, mögen wohl die Christen unter den Flüchtlingen gedacht und empfunden haben, als die auf dem Bahnhof von einem "Oberhirten" in Empfang genommen wurden, der seinen Glauben versteckt? Vielleicht hätten sie sich über einen bischöflichen Segen mehr gefreut, als über eine Flasche Wasser. Wir haben ja die Bilder aus Syrien und dem Irak noch vor uns, wie fest die Christen dort in ihrem Glauben leben. Und, dass sie lieber Haus und Hof und alles zurückließen, sich sogar töten und entführen ließen, als ihren Glauben zu verraten.


und dann steht da ein Kardinal vor ihnen und schüttelt Hände, vielleicht auch die derjenigen, die vorher ihre christlichen Nachbarn verraten haben. Was werden andererseits die muslimischen Flüchtlinge gedacht haben, wer dieser "Man in Black" wohl sei? Was für ein Auftritt!

Gestern abend feierte der Kardinal dann zusammen mit Kardinal Dziwisz, dem Erzbischof von Krakau die "Stay and Pray"-Messe in Heilig Geist. Ich denke, er hat es nicht einmal versucht, einen der am Bahnhof ankommenden Christen zu dieser Feier einzuladen.



Wahrscheinlich hätte auch keiner der übermüdeten Christen einen halbangezogenen Kardinal ernst genommen.
Vielleicht ist das aber auch nur ein Versuch, die Kirche "zu retten". Kardinal Marx hat ja gerade ein Buch darüber geschrieben, und vielleicht steht da ja drin, dass es empfehlenswert ist, sich - entgegen dem Beichtspiegel - möglichst nicht als Christ erkennen zu geben, weil das die Anziehungskraft des Glaubens erhöht? Ich weiß es nicht, denn ich habe das Buch nicht gelesen und meine Motivation, es zu tun, ist inzwischen bei Null angelangt.

Beten wir also für den Münchner Erzbischof, dass er zu seinem Glauben zurückfindet und auch dazu steht.
Ansonsten sollte er doch lieber Politiker werden.

Da werden sicher demnächst ein paar Posten frei.

1 Kommentar:

  1. In der a.o. Form des röm. Ritus wurde heute das Evangelium von der Auferweckung des Jünglings von Nain verkündet.
    Ein aktueller Bezug war in der Predigt auch schnell gefunden. Derzeit passiert so viel in der Welt und vor allem in Europa und direkt vor der Haustür, daß sich bei fast jeder Perikope schnell ein aktueller Bezug finden läßt.

    Ob es für die Homilie hilfreich ist, kann häufig angezweifelt werden.

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