Montag, 14. März 2016

Der Pfarrer ist weg: Zorneding und die Heuchler

Der BR brachte gestern ein bisserl Licht ins Dunkel.



Obwohl ich zugegebenermaßen auch nach dem Lesen von gefühlten 500 Artikeln immer noch nicht weiß, warum ausgerechnet das Thema Zorneding so aufgebauscht wurde.

Aber das ist im Prinzip auch schon wieder egal ... denn der Pfarrer hat die Gemeinde verlassen und wird nicht wieder zurückkommen. Das Erzbistum hat sich dementsprechend geäußert.

Heute nun schreibt die Süddeutsche, dass sich Kardinal Marx um den Fall gar nicht gekümmert habe - und zeigt dem Kardinal den erhobenen Zeigefinger, weil er sich ja so stark um die Weltkirche und seine anderen Aufgaben bemüht, und deshalb keine Zeit mehr für seine Aufgaben vor Ort hat.

Da könnte aber noch ein anderer Grund dazu kommen:

Ich denke mal so zwei Jahre zurück und wenn ich die Geschehnisse von dort mit einbeziehe, wundert es mich nicht:

2014 fand - unter größtem medialen Getöse besonders in Deutschland - der erste Teil der Familiensynode statt. Bei dieser Synode gab es ein paar Kardinäle, die sich furchtbar wichtig fühlten, und zu diesen wichtigen gehörten die beiden deutschen Kardinäle Marx und Kasper. In Rom waren sie ständig umringt von Journalisten und plauderten in jedes Mikro oder Handy, das ihnen entgegengehalten wollte. Bis der Kurienkardinal aus dem Schwäbischen einmal das falsche Handy erwischte... wir hatten die Geschichte mehrfach auf unserem Blog. U.a. fielen die Sätze "Africans? Nobody listens to them"  bzw. "They should not tell us too much what we have to do".
Die Art und Weise, wie der Kardinal K über die Afrikaner herfiel (weil ihm der "Einspruch" von Kardinal Napier nicht gefiel) wurde weltweit nicht nur als Rassismus tituliert, sondern auch mit dem Satz "am Deutschen Wesen ..." begleitet.
Nur die deutschen Medien, die blieben stumm. Denn der Kardinal stand ja auf der "richtigen" Seite, während der "fundamentalistische" Afrikaner die Lehre der Kirche vertrat. Da hörte man weder was von Rassismus, noch von Beleidigung der Afrikaner ......


Ein Jahr später machten die Deutschen Bischöfe ihren Ad Limina-Besuch in Rom. Auch hier verlief nicht alles nach Plan. Der Papst gab ihnen eine "Rede" mit, die sich jeder einzelne hinter den Spiegel stecken konnte. Es gab fast keine Reaktion darauf von Seiten der DBK,
bis auf einen Kommentar von Björn Odendahl, der dann bei katholisch.de ordentlich vom Leder zog. U.a. schrieb er  "So wie in Afrika. Natürlich wächst die Kirche dort. Sie wächst, weil die Menschen sozial abgehängt sind und oft nichts anderes haben als ihren Glauben. Sie wächst, weil der Bildungsstand durchschnittlich auf einem niedrigeren Niveau ist und die Menschen einfache Antworten auf schwierige (Glaubens)fragen akzeptieren."

Reaktion der deutschen Medien: Null! Aufregung wg. Rassismus oder ähnlichem? Nö. Die Kritik kam wohl auch diesmal wieder von der richtigen Seite.....

Und in Zorneding war es wohl nicht anders. Deshalb hat man im Ordinariat wohl auch die Angriffe auf den Priester nicht so ernst genommen. Zum Jahresende schien es so, als sei wieder Ruhe eingekehrt und dass sich der Pfarrer und die CSU-Politiker ausgesprochen und entschuldigt hätten. 

Dem war wohl nicht so, denn der Pfarrer wurde mit Mord bedroht und verkündete vor einer Woche, dass er die Gemeinde verlassen werde.

Da schlug die Stunde der Grünen und anhängender Gruppen. 
Und plötzlich wollten die "Zornedinger" ihren Pfarrer zurück. 3000 kamen zu einer Demo mit anschließender Lichterkette,  vorne dran die bayerische Grünenchefin, die kürzlich in einem Interview verkündet hatte, dass sie seit 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten sei, weil ihr die Frauenpolitik dort nicht gefällt. Zudem ist sie eine bekannte Abtreibungsbefürworterin. Auch der für Zorneding zuständige SPD-Abgeordnete setzte sich dort laut für die Rückkehr des Pfarrers ein. Die verschiedenen "Bunten Bündnisse" durften naürlich auch nicht fehlen. Sie alle wollten ein Zeichen setzen und waren ganz fest der Meinung, dass der Pfarrer sich über dieses Zeichen sicher sehr freut.
Ich denke eher, der Pfarrer - er ist ja als glaubenstreuer Mann bekannt - hätte sich mehr darüber gefreut, wenn die Lichterketten- und Demogesellschaft jeden Sonntag die heilige Messe besucht hätte oder wenn die Organisatoren der Veranstaltung eine 24-Stunden Anbetung in der Kirche initiiert hätten. Aber man muss mal die Website der Gemeinde besuchen, dann weiß man, dass die Mitglieder gar nicht auf so eine Idee kommen konnten.

Es war sicher nicht so schön für den Pfarrer, erst von der einen Seite beschimpft zu werden, um dann von der anderen Seite instrumentalisiert zu werden. 
Den Mediensturm, der daraus entstand (sogar das "Neue Deutschland" hat berichtet), wird er hoffentlich gelassen ertragen haben. Und wir beten für ihn, dass er sich in den nächsten Wochen etwas von dem Trubel erholen kann. 

Der Münchner Kardinal hat am Samstag in Passau einige kluge Sätze gesagt und die aufgekommene Hysterie etwas heruntergefahren. Kann man hier  im Merkur  nachlesen. 

Am Sonntag feierte der Generalvikar der Erzdiözese München die Sonntagsmesse in Zorneding. Die Fakten dazu kann man bei den Münchner Kirchennachrichten nachlesen.

Interessant ist, wer bei der Messe anwesend war: "Gekommen waren die regelmäßigen Gottesdienstbesucher sowie mehrere Vertreter der Presse."

oder "Vor Beginn des nicht außergewöhnlich stark besuchten Gottesdienstes war auch Unmut über anwesende Pressevertreter und Fotografen laut geworden." 

Und dass die Zornedinger mit ihrem Unmut recht hatten, konnte man dann auch gestern abend schon in der Süddeutschen lesen.
Daraus lässt sich die Motivation besonders der SZ gut erkennen: Hauptsache gegen die Kirche und gegen die CSU.

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