Montag, 4. April 2016

Romano Guardini zur Lage des Glaubens

Am Sonntag waren wir in der Messe, bei einem begnadeten Prediger, der dazu neigt, alle und jeden zu desillusionieren, die ihm folgen können.
Heute hatte er es mit dem Evangelium vom Tage, das vom ungläubigen Thomas und erklärte dazu, recht lapidar, dass diese Texte sich mit der Frage, "warum glaubt ein Mensch?" beschäftigten.
Dann hat er gesagt, dass diese Fragen in der frühen Kirche ganz wichtig waren, aber dann, bis zu unserer Zeit keinen interessierten, weil man einfach in der umgebenden, christlichen Kultur, eher begründen musste, warum man nicht glaubte!
Das deckt sich auch mit dem, was noch Chesterton in seinem Büchlein "Ketzer" beschreibt.
Die alten Ketzer das waren die, die stolz darauf waren, als einzige richtig zu glauben, modern ist, das Christen, die von sich annehmen, richtig zu glauben, stolz darauf sind, ketzerisches von sich zu geben. Mittlerweile ist die Sache weiter erodiert, der Glaubende steht in der Kritik, der Nichtglaubende hat die Deutungshoheit.
Man kann das beklagen, bejammern, oder sozusagen, kirchlicherseits versuchen, auf den Zug aufspringen, wie es in dem Wort vom "anonymen Christen" getan wird,
Es ändert nichts.
Im Grunde ist das alles nicht weiter überraschend, wie gesagt Chesterton wurde nicht müde, die Anfänge mit spitzer Feder zu analysieren, und auch Romano Guardini schrieb, gerade in "das Ende der Neuzeit" über das Thema.




Dort finden sich,  alles Gerede über  Neuaufbrüche und Neuevangelisierung und alles wird schöner, größer, toller und besser, auch und gerade in Kirche, in den Bereich der Illusion und des Verkehrten,verbannende Sätze.
Man pflegt ja heutzutage von  Jesus als dem  coolen homie, zu denken, der ja so Klasse ist, dass er endlich eingesehen hat, wie cool wir sind und wie viel er von uns lernen kann, weswegen er ab sofort nicht mehr will, dass der Mensch sich an das hält, was ER offenbart hat, sondern sich ab jetzt ganz danach richten wird, was der Mensch will...
Nebenbei denke ich oft, in dunklen Stunden, dass genau das geschehen ist, dass Gott sich zurückgezogen hat, uns das Feld überlassen hat, und machen lässt, was wir gut finden, aber jedem Frommen Entsetzen einflößen müsste,  weil es bedeutet, in der Sprache des AT; dass Gott sein Angesicht von uns gewendet hat. Und das ist was ganz Schlimmes.
Der Trost des Glaubens besteht gerade darin, dass GOTT dass nie und nimmer tun wird, auch und wenn er allen Grunde dazu hätte!

Guardini beschreibt in dem Büchlein unsere Zeit, das ist genial! Er setzt die alte Kultur in scharfem Gegensatz zur Technik

Dieser Umformung von Leistungsvorgang und Leistungsergebnis entspricht eine solche des leistenden Menschen selbst. Es verschwindet, was die ganze voraufgehende Kultur trägt, das Handwerkliche. Im Maße sich die Maschine entwickelt, hört die unmittelbare Werkleistung, worin Auge, Hand, Zweckwille, Materialgefühl, Phantasie und Gestaltungskraft zusammengehen, auf. Produktionsprozeß und Produktionsergebnis werden den unmittelbaren seelisch-körperlichen Kräften und Maßstäben entzogen. Sie werden durch wissenschaftliche Erkenntnis und zweckgemäße Konstruktion begründet und vom mechanischen Prozeß geleistet.
Dadurch wird - unter bestimmten Rücksichten - der Mensch selbst dürftiger. Er verliert den Reichtum des persönlichen Schaffens; statt dessen stellt er sich darauf ein, Apparate zu erfinden, zu gebrauchen und zu bedienen. ....................... Je weiter diese sich vervollkommnet, desto mehr verschwindet die Möglichkeit des individuellen Schaffens; damit verschwindet aber auch jenes Menschliche, das aktiv, mit Leib und Geist, im Hand-Werk lebt, und es entsteht der »Arbeiter«, der die Maschine bedient. Beim Gebrauchenden verschwindet jene persönliche Bezogenheit, die nur zum Handgeschaffenen möglich ist, und es entsteht der moderne Konsument, welchem durch Serienproduktion, Reklame und Verkaufstechnik die Geschmacksmöglichkeiten vorgeschrieben werden. So sehr, daß er Wertungen und Ansprüche, denen nur echte Handarbeit genügen kann, als sinnlos oder als ästhetizistisch empfindet 

dennoch, oder gerade deshalb sieht Guardini nicht den Untergang von allem , also dass es nicht funktioniert, mit der modernen Welt, weil sie nicht "passt" sondern auch die Möglichkeiten, die uns wohl noch ganz unklar sind


... Auf der anderen Seite wächst die in Wissenschaft und Technik sich entfaltende Leistung immer mehr; die Linien eines Gesamtwerkes ungeheurer Art deuten sich an, und damit die Verwirklichung entsprechender, bisher gebundener Möglichkeiten im Menschen selbst.

spannend finde ich, dass er diese virtuelle Welt, in der wir leben und dieses seltsame Sache , dass wir alle zwar eigentlich ganz normale Menschen mit eher begrenztem Erleben sind, von wegen morgens aufstehen, dann arbeiten gehen, bisschen Haushalt, bisschen shoppen und dann sitzen wir im Wohnzimmer und gucken  Fernsehen oder hören Musik und da hören und sehen wir von großen Gefühlen, schrecklichen Dramen, großer Liebe, wildem Hass, schwierigsten Gewissenskonflikten und tun so, als ginge und das was an, oder als könnte wir da in der Tat mitreden!
Guardini schreibt das so:

ja die Folgen gehen noch weiter. Die dem vollen Durchbruch der Technik vorausgehende Kultur war dadurch charakterisiert, daß der Mensch das, was er theoretisch erkannte und handwerklich vollbrachte, auch persönlich erleben konnte. Erkenntnis- und Wirkfeld auf der einen, Erlebnisfeld auf der anderen Seite deckten sich in einem die Gesamthaltung bestimmenden Maße. Daraus kam die eigentümliche Harmonie, das »Organische«, das die vortechnische Kultur für unser Gefühl charakterisiert. Nun überschreitet die Möglichkeit des Erkennens und Wirkens immer mehr die des Erlebens. Es entsteht eine nicht mehr unmittelbar zu durchfühlende Denk-, Werk- und Handlungswelt, und der Mensch gewöhnt sich daran, sie für objektiv in sich selbst laufend zu halten.
Guardini fragt sich dann, ob unter den sich abzeichnenden Bedingung der Mensch denn überhaupt noch Mensch sein kann.

Auf jeden Fall und deshalb habe ich ja das Büchlein mal wieder in die Hand genommen, sieht Guardini in der Zeit, die kommt, wenig Raum für den Gauben so wie wir ihn gewöhnt sind,
Weil so sagt er, das Christentum schon die Antike und das Mittelalter geprägt, durchprägt hat und durch  der Überwindung, der alten Formen des Produzierens und Leben, durch die moderne  Technik der Glaube  sozusagen mit erledigt wird. Oder den gleichen Stellenwert hat, wie ein Kutsche, macht sich gut, ist mal nett im Urlaub, Kutschfahrt um den See, auch nett bei einer Hochzeit, im Museum, aber wirklich brauchen, tut man die nicht!

Es kommt also dahin, dass wie schon gesagt, alles was wir gewohnt, sind, was unseren Glauben festigt, wegbricht

Man hat dem Christentum oft vorgeworfen, in ihm berge sich der Mensch vor der Ausgesetztheit der modernen Situation. 

sagt Guardini, das sei so super verkehrt nicht, wenn auch verkürzt, aber das wird man der Kirche immer weniger vorwerfen können, weil es, immer weniger funktionieren wird,
Was das Dogma angeht, so ist Guardini zwar der Ansicht, es läge im Wesen des Dogmas, dass es die Zeiten überdauert, aber verstehen würde man es halt immer weniger, was wir durchaus bestätigen können,
aber so schreibt er weiter:

 So wird der Glaube fähig, in der Gefahr zu bestehen. Im Verhältnis zu Gott wird das Element des Gehorsams stark hervortreten. Reiner Gehorsam, wissend, daß es um jenes Letzte geht, das nur durch ihn verwirklicht werden kann. ..................
Und ein nur hier mögliches Vertrauen. Nicht auf eine allgemeine Vernunftordnung, oder auf ein optimistisches Prinzip des Wohlmeinens, sondern auf Gott, der wirklich und wirkend ist; nein, mehr, der am Werk ist und handelt. ................Es ist seltsam, welche Ahnung heiliger Möglichkeit mitten im Anwachsen des Welt-Zwanges aufsteigt!


so bin ich wieder bei meinem, oft zitierte,n Satz  gelandet, der da lautet

Wenn wir die eschatologischen Texte der Heiligen Schrift richtig verstehen, werden Vertrauen und Tapferkeit überhaupt den Charakter der Endzeit bilden. Was umgebende christliche Kultur und bestätigende Tradition heißt, wird an Kraft verlieren. Das wird zu jener Gefahr des Ärgernisses gehören, von welcher gesagt ist, daß ihr, »wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten erliegen würden« (Mt 24,24). 

dennoch ist das alles, so schlimm es von Standpunkt des Glaubens, und so toll es vom Standpunkt des Nichtglaubens auch ist, nicht so dramatisch, weil es einfach, und wieder in die Unmittelbarkeit der Glaubensentscheidung führt.
Mich nerven zwar diese Urchristenromantiker, weil ich selber nicht zum Martyrium fähig wäre, und das auch nicht gerade für erstrebenswert halte, aber irgendwie scheint es darauf hin zu laufen, vielleicht nicht auf die blutige Verfolgung, sondern auf das gar nicht mehr Wahrnehmen des Glaubens, und des Glaubenden.

Guardini sagt das so:
Die Einsamkeit im Glauben wird furchtbar sein. Die Liebe wird aus der allgemeinen Welthaltung verschwinden (Mt 24,12). Sie wird nicht mehr verstanden noch gekonnt sein. Um so kostbarer wird sie werden, wenn sie vom Einsamen zum Einsamen geht; Tapferkeit des Herzens aus der Unmittelbarkeit zur Liebe Gottes, wie sie in Christus kund geworden ist.

so ist es wohl, "weil du mich gesehen hast, Thomas glaubst du. Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben!" hieß es heute,.
So müssen wir wohl selig werden, indem wir glauben ohne zu sehen und im scheinbaren Niedergang.
Glauben müssen wir!

Ich kann das Büchlein von Guradini nur wärmstens empfehlen selber zu lesen, gibt es aber nur noch antiquarisch hier z.B.

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