Sonntag, 29. Oktober 2017

Über die Verwechslung von Glaube und Kultur

Ich finde ja schon einige Jahrzehnten, dass genau hier ein großer, fataler Irrtum liegt, in der Verwechslung von Glaube und Kultur.
Nicht dass ich das, was man so gemeinhin unter christlich abendländischer Kultur versteht, absolut unmöglich fände, oder gar das, was in den 2000 Jahren christlicher Kultur an Moral und Sozialverhalten sich als gut herauskristallisiert hat, für ganz, ganz schlecht halten würde, oder so.
Nee das nicht, aber das ist nicht das, worum es primär beim Christentum geht.

Da sind z.B. die Leute entsetzt über irgendwelche Politikentscheidungen, die ihrer Ansicht nach unchristlich sind und ich frage dann immer erstaunt, wie sie denn drauf kämen, dass in einer unchristlichen Gesellschaft christliche Vorstellungen die Leitlinien abgeben würden.

Es ist wie es ist und wenn man ein wenig herumliest, so wird das seit den 20ern des letzen Jahrhunderts thematisiert, der Niedergang des rein sich auf die Kultur und die Moral stützenden Christentums und wenn man es noch genauer will, so  ist das schon im 19 Jahrhundert das Thema bei Kierkegaard, Nietzsche und Novalis.
Es scheint sich nur noch nicht herumgesprochen zu haben, bei denen die in der Kirche was zu sagen haben.



Die Sache ist meines Erachtens ganz einfach: der Glaube an Christus baut notwendigerweise eine bestimmte Kultur. Das tut aber jede Religion und jede Weltanschauung, aber dieses Äußere, das erzeugt nicht das Innere, und das Äußere erstarrt und wird sogar reine tote, Hülle, wenn es nicht Hülle und Schutz für was Lebendiges ist.
Vielleicht ist ein guter Vergleich der mit einer Wohnung, der Bewohner wird die Wohnung prägen, das wird sich auch im Laufe der Zeit ändern, man räumt mal da um, mal dort um. Wenn es einem schlecht geht, so merkt man es der Wohnung an, lange Abwesenheiten ebenfalls usw.
Die Wohnung ist also soszusagen die Kultur, die sich notwendig aus dem was der Bewohner ist, ergibt.
Manchmal in Stresszeiten kann eine gut organisierte Wohnung schon hilfreich sein, aber es ist immer so, dass der Bewohner die Wohnung prägt, selbst im Urlaub im Hotel ist das so. Die eine räumt alles akkurat in den Schrank, die andere öffnet nur den Koffer und wühlt darin herum.
Um was es mir aber geht, obwohl die klassische deutsche Hausfrau das anders sieht, eine Wohnung ist, genauso wie eine Kultur kein Selbstzweck, sondern hat einen Zweck.
Nun  gibt es ja ab und an Wohnungen, die scheinen Selbstzweck zu sei, so sehr Selbstzweck, dass der besuchende Besucher mit seinen Spuren, wie Kuchenkrümel auf dem makellos weißen Tischtuch, der Delle die er ins Sofa setzt,, dem Dreck den er auf dem wunderschönen dunklen Parkett hinterlässt und den Wasserflecken im Waschbecken vom Händewaschen nur stört.
Wer jemals so wo zu Gast war, der geht da sehr ungern wieder hin.
Ich hatte als Kind so eine Tante, die naja sagen wir es kurz, auch ihre Geschichte hatte, aber die führte zu genau diesem Perfektionismus, Ich wurde immer in die Küche auf eine kleine Trittleiter gesetzt mit der Anweisung die Füße auf den Tritt zu stellen und mich auf gar keinen Fall zu bewegen, weil die Tante es nicht leiden könne, wenn da auch nur ein bisschen Unordnung wäre.

Also wenn eine Wohnung zum Museum wird, wo der Bewohner sich nicht mehr drin bewegt, weil er ja was in Unordnung bringen könnte, dann wird es verkehrt,
Es wird auch dann verkehrt, auch das gibt es, wenn man aus merkwürdigen Gründen nichts verändert, oder die Wohnung so vollstellt, dass man sich nicht bewegen kann.
Und eine noch so gut und schön eingerichtete Wohnung bringt einfach keinen Bewohner hervor.

Ich denke es ist klar geworden, um was es geht.
Und genauso ist es mit der christlichen Kultur, sie wächst aus den Christen, sie ist nützlich und gut und passt zu den Christen, dabei ist es wie in einer Wohnung, da gibt es immer was zu putzen, zu verändern, zu verbessern, auch und wenn gerade renoviert wurde.
Aber die reine Kultur erzeugt keine Christen und noch was, ich frage mich, mit King Bear, der mich zu diesem Beitrag angeregt hat, schon:  wie viele vor allem junge Menschen im Laufe der letzten paar Generationen vom Glauben abgefallen sind, weil sie mit dem Eindruck aufwuchsen, Christsein sei gleichbedeutend mit bürgerlicher Wohlanständigkeit, vulgo Spießigkeit. --(Zitat Ende)

Allerdings stimme ich mit ihm auch überein, dass das nur die eine Seite des Problems ist, und daher sei sein Artikel hier ausdrücklich zum Weiterlesen empfohlen.

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