Sonntag, 25. März 2018

Für wen ist Christus gestorben?

Genau das ist die Frage, deren verkehrte Beantwortung m.E, für eine ganze Reihe von merkwürdigen Entwicklungen innerhalb der Kirche schuld ist.

Vor einiger Zeit hatte ich ein längeres Gespräch mit einem schon sehr alten Theologen, der in seiner aktiven Zeit ein hohes Vieh in einem, als besonders progressiv verschrieenen Bistum, war, und der mir das mit der Kreuzigung so erklärt hat:
"Es war einfach ein Justizirrtum und Gott, der hat das nicht gewollt, nicht gefordert und schon gar nicht vorhergewusst, aber er  hat das benutzt um daraus das Heil zu wirken!" wobei die Betonung auf dem Justizirrtum lag und warum dann ausgerechnet so das Heil und überhaupt wessen Heil, gewirkt wird, das hat er mir nicht erklärt, und ich habe auch nicht weiter gefragt, weil es sich nicht mehr ergab.
Heute im Evangelium wurde das Geschehen noch mal ausführlich vorgelesen, und zum ersten Mal ging mir die Parallelität der beiden Verhöre Christi, vor dem hohen Rat und vor Pilatus auf!



In beiden Fälle sagt Jesus so gut wie nichts, er bestätigt allerdings, sowohl dem Hohenpriester, als auch dem Pilatus, wer er ist und in beiden Fällen ist eigentlich klar, er, Christus, hat zwar einen Anspruch, den Anspruch des Messias, bzw des Königs, aber in beiden Fällen ist klar, er hat nichts angestellt, was justiziabel wäre.
Man sagt ja oft, dass die Hohenpriester auf ihre Art recht gehabt hätten, damit, dass Christi Anspruch eine Blasphemie wäre, wenn, er Christus nicht wirklich Gott wäre, aber auch hier frage ich mich immer wieder, was das soll.
In der Parallelstelle Matthäus 26,63 heißt es, der Hohepriester beschwor Jesus beim lebendigen Gott, dass er sage, wer er sei.
Irgendwie scheint der Hohepriester, schon damals, nicht wirklich an das geglaubt zu haben, was er qua Amt, tun kann, sonst hätte er doch glauben müssen, dass die Antwort, die der zuvor schweigende Jesus sagt, die Wahrheit ist, hat er ihn doch vorher beschworen, also seine ganze Autorität eingesetzt.

Ich finde man ist hier, erklärungstechnisch, in einem Dilemma, wenn der Hohepriester daran glaubt, an das was er tut, dann muss er begriffen haben, wen er da ans Kreuz bringen will.
Die andere Variante ist die, dass der Hohepriester zu der Sorte religiöser Führer gehört, denen die Relischion eh schnurz ist, die sich mehr als Politiker verstehen und naja, auch das ist nicht so selten, wie man meinen sollte.
Aber auch da stellt sich die Frage, wenn er eh nicht glaubt, warum er dann seine ganze religiöse Macht, in der Beschwörung Christi, ausübt und warum ihm der Glaubende Mensch, also Christus so unsympathisch ist.
Nach Leo dem Großen ist es so, dass der Hohepriester sich sozusagen selber seiner hohenpreisterlichen Würde entkleidet, indem er, medienwirksam, würde es heutzutage heißen, seine liturgischen Gewänder ablegt, indem es sie zerreist.
Von daher und das ist interessant und auch hilfreich, gibt es auch schon hier eine Amtsgnade, die wirkt, unabhängig von den Intentionen der Person, die das Amt gerade innehat, aber darum geht es mir gerade nicht.

Das Resultat beider Verhöre, ist auch zunächst das gleiche, die Diener der jeweiligen Machthaber verspotten und schlagen den Christus.
Auch das ist, leider, ein Verfahren, welches  sich über die Jahrtausende zur Sicherung der Macht bewährt hat. Man, wer immer man ist, wirft dem Volk einen gestürzten Großkopferten zum Fraß vor und naja lassen wir das und fassen zusammen, dass bei dem Geschehen der Passion sich keiner, aber auch wirklich keiner, der Beteiligten mit Ruhm bekleckert hat, alle, aber auch alle haben versagt.

So und nun sind wir bei der Frage aus der Überschrift angelangt!
Für wen hat nun Christus das alles erlitten?
Für die, die, obwohl unschuldig, in die Mühlen des jeweiligen Systems geraten sind, so lautet die moderne  Antwort, die einem so leicht von den Lippen geht und wo man sich auch so richtig gut dabei vorkommt, wenn man sie gibt.
Aber auch hier zeigt sich, bei näherem Hingucken das Problem.
Die die Frage solcherart Beantwortenden gehen, für sich selber, davon aus, dass sie selber zu den Guten gehören, also zu den, laut Schrift, absoluten Ausnahmeerscheinungen, derjenigen, die völlig sündelos sind.
Witzigerweise sind das genau die Leute, die mit der ohne den Makel der Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria ganz gewaltige Schwierigkeiten haben, weil, so wird das begründet, es sojemanden ja, laut Schrift, gar nicht geben kann.
Warum man der Muttergottes nun das abspricht, was man sich selber zuspricht, auch ebenfalls ganz ohne Schriftbeweis und ohne Engelsbotschaft, das ist mir echt schleierhaft, aber sei's drum.

Man kommt solcherart weiterdenkend zu dem merkwürdigen Paradoxon eines Gottes, der laut ortsüblicher Fürbitten und Predigten, sowie deutender Worte, ein ganz besonderes Herz für die Armen und Leidenden hat, aber anscheinend, obwohl Gott, nicht in der Lage ist, das Leiden und die Armut aus der Welt zu schaffen.
Oder noch pointierter gefragt, wenn der modernistische Pfarrer vor Ort, solcherart zu sehr vom Leder zieht, so frage ich mich dann irgendwann immer, was er für ein seltsames, merkwürdigen widersprüchliches Gottesbild verbrät, weil ich mich dann immer frage, "Ja, wenn das so ist, warum nur hat Gott das alles nicht verhindert?" Erschwerend kommt ja noch hinzu, dass für das ganz konkrete Unglück, ganz konkreter Menschen, meist, wiederrum ganz konkrete andere Menschen verantwortlich gemacht werden. Ja fragt man sich dann schon bass erstaunt, "wenn der liebe Gott nun ein ganz besonderes Herz für die Armen hat, warum um alles in der Welt hat er dann ihre Unterdrücker (um es mal im Jargon vergangener Zeiten zu formulieren) überhaupt auf die Welt kommen lassen, bzw es zugelassen, dass diese  überhaupt an die Schalthebel der Macht gelangen konnten?

Mir ist schon klar, dass über die Frage des Leides ganze Bibliotheken voll geschrieben worden sind, ohne dass eine zufriedenstellende Antwort gefunden worden wäre, aber  mit einem Gott der alle Armen so sehr liebt, dass er selber einer von ihnen geworden ist (was ja so nicht stimmt, aber auch das sprengt den Rahmen) nur um dann doch nix machen zu können, da macht man es sich, meines Erachtens, gar zu einfach und würden die Apologeten eines solchen Gottesbildes wirklich daran glauben, so würden sie wohl anders leben!

Ich denke, wie schon angedeutet, dass die Grundannahme falsch ist, und es in Wahrheit so ist, dass Christus für all die gestorben ist, die ihn an die Geiselsäule und ans Kreuz gebracht haben.
Auch das bedarf einer Erklärung, es waren ja die wenigsten Menschen damals live dabei, aber es waren ja noch weniger damals beim Sündenfall dabei, und dennoch haben in Adam und Eva alle gesündigt und in Christus wurden alle wieder lebendig gemacht.
An manchen Personen aus dem Evangelium von heute sieht man es  ja auch gleich.
Er ist gestorben für den Hauptmann, der ja zu der Kohorte gehört haben muss, die ihren Spott mit Christus getrieben hat,
Er ist gestorben für den Verbrecher, der ihn zunächst verspottet hat, für den Simon von Cyrene der beim Kreuztragen wohl kräftig geflucht haben wird und für alle anderen auch.

Paulus sagt das im Römerbrief so:

6. Denn warum ist Christus, da wir noch schwach waren, zur rechten Zeit für Sünder gestorben?7 [Hebr 9,14, 1Petr 3,18]
7. Denn kaum stirbt jemand für einen Gerechten; für einen Guten mag ja vielleicht jemand es über sich gewinnen, zu sterben.
8. Gott aber erweist seine Liebe zu uns, weil, als wir noch Sünder waren, zur rechten Zeit8
9. Christus für uns gestorben ist. Um wie viel mehr also werden wir, da wir jetzt in seinem Blute gerechtfertigt sind, durch ihn von dem Zorne gerettet werden.
10. Denn9 wenn wir, als wir noch Feinde waren, mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt worden sind, wie viel mehr werden wir als Versöhnte bei seinem Leben gerettet werden.10
11. Nicht allein aber dies,11 sondern wir rühmen uns auch in Gott durch unsern Herrn Jesus Christus, durch welchen wir jetzt die Versöhnung erlangt haben.
12. Deshalb,12 gleichwie durch einen Menschen die Sünde13 in die Welt gekommen ist, und durch die Sünde der Tod,14 und so15 auf alle Menschen der Tod übergegangen ist, weil alle in ihm gesündigt haben.16


Beides, der Sündenfall und die Passion Christi sind sozusagen die Fixpunkte zwischen die die Saite jeden Lebens gespannt ist, jedoch bleibt es jeder Saite überlassen selber zu entscheiden, ob sie klingen will und wer nun behauptet an einem der Fixpunkte keinen Anteil zu haben, der klingt halt nicht.

Mögen wir dermaleinst alle bei den himmlischen Harmonien mitklingen!



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